Der Blick zurück nach vorne

George Zimmerman ist ein freier Mann. Eine Jury in Florida kam zu dem Urteil, dass er den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin nicht ermordet hatte. Doch dieses Urteil löste erneut in den USA eine breite Diskussion über Bürgerrechte und Benachteiligung von Afro-Amerikanern, über Diskriminierung und Rassismus, über ein ungerechte Justiz und eine gespaltene Gesellschaft aus. Und das 50 Jahre nach dem Marsch auf Washington.

Am 28. August jährt sich der Tag, an dem 1963 Martin Luther King seine berühmte Rede vor dem Lincoln Memorial in Washington hielt:

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Rund 300.000 Menschen kamen damals nach Washington. 80 % davon, so schätzte man, waren Afro-Amerikaner, die ihre Rechte einforderten. Mahalia Jackson, Bob Dylan, Joan Baez umrahmten musikalisch dieses Ereignis. Der Marsch auf Washington wurde zum historischen Datum in der amerikanischen Geschichte, es war der Beginn einer Gewissheit für die Afro-Amerikaner, dass Veränderungen möglich waren, dass man gemeinsam den gesellschaftlichen Wandel schaffen kann.

In diesen Tagen wird zurück geblickt. Man erinnert sich, fragt, was ist seitdem geschehen? Der 28. August 1963 ist ein bedeutender Tag in der Geschichte der USA. Gerade auch, weil die derzeitige Debatte aufzeigt, dass die amerikanische Gesellschaft noch immer in Bewegung, noch lange nicht am Ziel angekommen ist. Die Bürgerrechtsbewegung ist nicht einfach etwas aus den 60er Jahren, sie ist ein lebendiger Part der USA.

Smithsonian Folkways hat eine interessante Sammlung an Originaltönen und Liedern aus der Zeit online gestellt, die man hier finden kann.

Another bloody murder…#54

Alaysha Carradine ist bereits das 54. Mordopfer in Oakland in diesem Jahr. Sie war gerade mal 8 Jahre alt. Es sind Schulferien und Alaysha wollte die Nacht bei ihrer 7jährigen Freundin verbringen, als um 23:18 Uhr jemand durch die Wohnungstür schoß. Alaysha starb an ihren Verletzungen. Die Freundin, deren 4jähriger Bruder und die 64jährige Großmutter wurden angeschossen und ins Krankenhaus gebracht. Eine weitere Person in der Wohnung blieb unverletzt.

Das ganze ereignete sich in einem Stadtteil von Oakland, der bislang von der blutigen Gewalt verschont blieb. Die Polizei hat nun die Bevölkerung aufgerufen, an der Aufklärung dieses Mordes zu helfen. Eine Belohnung von 25.000 Dollar wurde ausgeschrieben.

In ersten Reaktionen auf diese Meldung fragten viele Leser online, ob die „Community“ von Oakland nun auch auf die Straße gehen und für ein Ende der Gewalt protestieren wird. Seit dem Urteilsspruch gegen George Zimmerman am Samstagabend im Trayvon Martin Prozess kommt es in Oakland immer wieder zu Demonstrationen.

„I just called to say…I’m not coming anymore“

Stevie Wonder kommt nicht mehr nach Florida. Das hat der Musiker bei einem Konzert im kanadischen Quebec erklärt. Grund dafür ist das Gesetz „Stand your ground“, das besagt, wenn man angegriffen wird, darf man sich verteidigen, auch mit einer Waffe, auch mit tödlichen Schüssen. Aufgrund dieses Gesetzes wurde am Samstag George Zimmerman freigesprochen, der im vergangenen Jahr den 17jährigen Afro-Amerikaner Trayvon Martin während einer Auseinandersetzung erschoss. Die Staatsanwaltschaft konnte nicht klar belegen, wer der Aggressor war, Zweifel bestanden, die Jury wollte Zimmerman nicht verurteilen, der erklärte, er habe sich nur verteidigt.

Seitdem diskutiert Amerika über eine rassistische Justiz, über Diskriminierungen von Schwarzen, über „Racial Profiling“, die gezielte polizeiliche Kontrolle aufgrund von rassischen Gründen. In Online-Foren, in Diskussionssendungen, auf der Straße beklagen sich junge Schwarze, dass sie von vornherein von der Polizei als Kriminelle gesehen werden. Sie würden öfters und stärker kontrolliert werden. Amerikas Polizeibehörden und Justizia sei auf einem Auge blind.

Nun bekommt die Debatte durch die Ankündigung von Stevie Wonder nochmal einen neuen Dreh. Er wolle in keinem Bundesstaat mehr auftreten, in dem so eine Gesetzgebung existiere. Ein junger Afro-Amerikaner sei Opfer genau dieser „Stand your ground“ Regel geworden. Stevie Wonder wird seinen Tourplan nun deutlich einschränken müssen, denn in mehr als der Hälfte der US Bundesstaaten sind solche Gesetze verankert. Doch Wonders Entscheidung stößt auf großes Interesse, abzuwarten ist nun, ob andere Musiker und Bands seinem Beispiel folgen werden. Diese „musikalische“ Abstimmung könnte schließlich Erfolg haben, dass ein fatales Gesetz wie „Stand your ground“ überarbeitet wird.

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Nazi-Aufmarsch in Florida

Ihre Webseite heisst www.nsm88.org. Und das steht ganz einfach und unverhohlen für „National Socialist Movement Heil Hitler“. Alles klar? Alles klar. Die Gruppe um den Kommandeur Jeff Schoep sieht sich selbst als „weiße Bürgerrechtsorganisation“. Der Hauptsitz ist in Detroit, doch die Freizeitnazis machen derzeit mehr durch Patrouillen in anderen Teilen der USA auf sich aufmerksam. An der US-mexikanischen Grenze in Arizona marschiert die NSM, um den illegalen Grenzübertritt von Mexikanern zu verhindern. Natürlich ist man als braune Militia im Kampf fürs Vaterland gut gerüstet mit Pistolen, Maschingewehren und allem, was der amerikanische Arier im Dienst des österreichischen Seitenscheitelträgers so braucht.

Nun kam die Gruppe wieder in die Schlagzeilen. Die NSM patrouilliert in den Straßen von Sanford in Florida, in jener Stadt, wo Ende Februar der junge Schwarze Trayvon Martin vom Blockwart George Zimmerman erschossen wurde. Seitdem die tödlichen Schüsse fielen, ist nichts mehr, wie es war in Sanford. Die afro-amerikanischen Bürgerrechtler Jesse Jackson und Al Sharpton führen eine nach der anderen Demo an. Die New Black Panther Party hat ein Kopfgeld von 10.000 Dollar für die Ergreifung Zimmermans ausgesetzt.

Und nun marschieren auch noch die schwer bewaffneten Sturmtruppen durch Sanford. Commander Schoep erklärt, dass sei nur zum Schutz der weißen Anwohner, denn die hätten Angst davor, dass ein Rassenkrieg auf ihren Straßen ausbrechen könnte und verweist auf vergangene Konflikte in Detroit und Los Angeles. Klar, rassistische Neo-Nazi Kampfgruppen mit dem Finger am Abzug werden sicherlich die Situation und die Gegend beruhigen. Ist klar, was anderes kann man sich auch gar nicht vorstellen. Interessant ist dabei, dass so ein Aufmarsch mit Schußwaffen in Florida ganz legal ist. Man kann also fast darauf warten, dass es zu einer weiteren Auseinandersetzung, wie auf dem NSM Video kommen wird. Auch das ist Amerika, ganz legal, toleriert und fast überall anzutreffen.

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Ist Amerika rassistisch?

Seit ein paar Wochen schon ist der Name Treyvon Martin in den Schlagzeilen. Der 17jährige wurde in Sanford, Florida, von einem ehrenamtlichen Nachbarschaftssheriff erschossen. Der Tathergang ist unklar. Der Todesschütze George Zimmerman beruft sich auf Notwehr, er sei angegriffen worden. Die Familie des Jungen und auch einige Beweise besagen was anderes.

Amerika steckt im Wahljahr 2012 tief in einer Diskussion über Rassismus, Gleichberechtigung und Bürgerrechte. Dazu ein aktueller Audiobericht:

Treyvon Martin