Verteidigungsstrategie: UFO

Das muss ich mir merken. Der 41jährige Santino Aviles hatte die perfekte Entschuldigung parat, als er für einen Einbruch vor Gericht in San Francisco landete. Er war nur in der fremden Wohnung, weil er vom Dach des Gebäudes aus in ein Raumschiff steigen wollte, das ihn vor der Zerstörung der Welt retten sollte.

Vom Dach eines Hauses in San Francisco wollte Santino Aviles von einem UFO abgeholt werden.

Vom Dach eines Hauses in San Francisco wollte Santino Aviles von einem Raumschiff abgeholt werden.

Ja, Aviles stand unter Drogen, als ihn die Polizei schließlich verhaftete. Auch die Beamten gaben vor Gericht an, dass er verwirrt war und nur vor sich hin stammelte, er müsse unbedingt aufs Dach.

Santino Aviles hatte Methamphetamine genommen, die eine Psychose, Verfolgungswahn und Halluzinationen hervorriefen. Ein Bewohner des Hauses hatte ihn zuvor in den Flur gelassen, danach stieg er über eine Feuerleiter in eines der Apartments ein, um vor vermeintlichen Verfolgern zu flüchten. Einen aufblasbaren Trainingsball warf er durchs Fenster in der Hoffnung, damit durch die Galaxie zu fliegen. Danach wollte er aufs Dach, um sich mit einem Raumschiff in Sicherheit zu bringen. Doch die Mieter, die ihn schließlich in ihrer Wohnung fanden, riefen die Polizei. Aviles wurde verhaftet und stand nun vor dem Richter. Der akzeptierte die UFO-Verteidigung des Pflichtverteidigers, der argumentierte, der Einbruch war keine Straftat eines Kriminellen, sondern die Tat eines Menschen in einer mentalen Notsituation.

Amis und ihre Klagen

RichterhammerIn den USA lernt man eines sehr schnell. Hier kann man jeden und alles ver- und einklagen. Der gesunde Menschenverstand zählt da nicht, immer ist irgendein anderer für etwas schuldig.

Ein paar ausgewählte Klagen der besonderen Art hier im Audiobeitrag:

Klagen in den USA     

Die verrückten Amerikaner

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, es waren interessante, spannende und nie langweilige 12 Monate. Amerika ist voller Geschichten. Von der politischen Zentrale in Washington DC bis zur „left coast“, der von vielen Republikanern abfällig genannten und eher politisch links tendierenden Pazifikküste. In Amerika gehen einem Journalisten nie die Geschichten aus, das steht fest. Alleine der Blick in die heutige Zeitung zeigt, was sich so alles tut fernab der Tagesthemen Stories.

Da ist der Mann in Warren, Michigan, der überfallen und mit einem Messer verwundet wird. Er ruft mit seinem Handy die Polizei an und erklärt, er werde im nahegelegenen Diner auf die Beamten warten, denn „es ist zu kalt hier draussen“. Der 52jährige geht also ins Cafe, bestellt in aller Ruhe einen Kaffee und setzt sich hin. Die Bedienung will erst ihren Augen nicht trauen, doch in der Brust des Mannes steckt noch die Klinge des Messers mit dem er angegriffen wurde. „Ist kalt heute“, meint er nur.

Oder da ist der 37jährige aus Oldsmar in Florida. Er rief den Notruf 911 an und erklärte er sei überfallen und zusammen geschlagen worden. Als die Polizisten kamen stellte sich raus, dass die Geschichte vollends erfunden war, der Mann hoffte lediglich mit dem Streifenwagen in eine andere Bar gefahren zu werden. Doch die Polizisten verstanden keinen Spass. Nun hat er eine Anzeige wegen Missbrauchs des Notrufs am Hals.

Auch schön ist die Nachricht aus Lancaster, Pennsylvania, wo ein Sheriff einen 22jährigen Amish Mann verhaftete. Der steuerte betrunken seine Kutsche. Fragt sich nur, ob ihm nun der Führerschein abgenommen wird. Aber richtig Ärger wird er wohl mit den Älteren seiner Gemeinschaft bekommen, denn Alkoholkonsum ist bei den Amish verpönt.

San FranciscoIst es ein Zeichen Gottes? In Sterling, Connecticut, wurde ein Kalb mit einem weissen kreuzförmigen Mal auf der Stirn geboren. Der Farmer schrie sofort „Holy Cow“. Nicht ganz so heilig geht es derzeit in Nevada zu, wo die Bundesregierung damit begonnen hat, Wildpferde einzufangen und sie zu zum Teil zu zähmen oder in den Mittleren Westen zu schaffen. Die Wildpferde, so die Begründung, würden zu viel Gras fressen und kaum was für die Kühe übrig lassen, die auf dem staatlichen Weideland zugelassen sind. Da sehen wohl ein paar Bürokraten zuviel Money, Money, Money, denn Farmer müssen dafür zahlen, dass ihr Vieh auf öffentlichen Flächen grasen darf. Die Wildpferde hingegen breiten sich kostenlos aus, und das in rasantem Tempo. Ach ja, da ist dann noch die Story von Jesus Christus, DIE als Geschworene in einem Prozess in Birmingham, Alabama, entlassen wurde. Ja, Sie lesen richtig….Dorothy Lola Killingworth hatte vor einiger Zeit ganz legal ihren Namen auf „Jesus Christus“ ändern lassen. Doch im Gerichtssaal war sie alles andere als die Ruhe selbst. Sie fiel durch Störmanöver auf und wurde schliesslich aus dem Geschworenenpool entlassen. Auch mal eine Nachricht.

Sie sehen, Amerika ist voller „Stories“. Langweilig wird es hier nie. Aber eigentlich gibt es solche und viele andere Geschichten überall, man muss nur hinhören und hinsehen. Auf ein schönes, ereignisreiches und interessantes 2010. Prost Neujahr!