Musik, die verbindet

Das Auswärtige Amt hat dafür ein Deutschlandjahr in den Vereinigten Staaten ausgerufen. Überall im Land wird daran erinnert, was uns verbindet. Die Projekte reichen von gemeinsamen Festen über Ausstellungen, Konzerte, Konferenzen bis hin zu Radiosendungen mit Musikthemen, wie ich sie hier präsentiere. Neben AFN, Rammstein, Bear Family Records, den Einstürzenden Neubauten, den zeitlosen Liedern über die Moorsoldaten und Lili Marleen ist nun das wohl wichtigste Thema in dieser Sendereihe dran: die Musik der deutschen Einwanderer.

Von Huttwil in der Schweiz nach Wisconsin, von Trossingen in Schwaben nach Michigan, von St. Pölten in Niederösterreich nach Illinois: Mit den deutschsprachigen Einwanderern kam Anfang des 20. Jahrhunderts auch ihre Musik und ihre zünftige Art zu feiern in die USA. Spuren dieser Musik sind bis heute in der US-Volksmusik zu finden. Schweizer, Deutsche und Österreicher zog es in den Mittleren Westen, vor allem nach Wisconsin – «Swissconsin» wie der «deutscheste» aller Bundesstaaten auch gerne genannt wurde. Österreicher liessen sich in Chicago nieder und bildeten dort die grösste österreichische Gruppe im Ausland.

All die Einwanderer aus den deutschsprachigen Ländern wurden kurz „Germans“ genannt. Sie kamen nicht nur zum Arbeiten, sie wollten sich in der Neuen Welt eine neue Heimat aufbauen und brachten ihre Kultur, ihre Lebensweise, ihre Eigenarten mit. Und feiern das konnten sie. Die Feste der „Deutschen“ waren beliebt und sind es bis heute noch. Mit Bier, Tanz und vor allem der zünftigen Musik wurde ausgelassen gefeiert.

Mit dem Beginn der Plattenindustrie in den USA, wurden auch mehr und mehr „ethnic“ Schallplatten veröffentlicht, darunter viele mit Jodlern, Blaskapellen, Chören. Die großen deutschsprachigen Gemeinden brachten sich nicht nur ein in den „Melting Pot“ USA, sondern sie beeinflussten auch auf ihre Weise die amerikanische Musik. Man denke an den Country, den Blues, Hillbilly und Cajun. Und genau diesen Spuren geht diese Radio Goethe „Wunderbar Together“ nach. Und wohl keine andere Episode in dieser Sendereihe zeigt besser auf, wie sehr Deutschland mit den USA verbunden ist.

 

Der wahre Heino lebt in LA

Der wahre Heino unterhält die Amerikaner am Pazifik.

Der wahre Heino unterhält die Amerikaner am Pazifik.

Heino ist ein Phänomen. Lange Jahre war er ja nur so eine Omageschichte. Hörte oder las ich was von Heino, dachte ich an meine Oma, denn der blonde Barde mit der dunklen Brille war der Hit im Altenclub in Dortmund-Mengede. Ja, ja so blau, blau, blau blüht der Enzian…. Was er dann mit dem wahren Heino, Norbert Hähnel, Mitte der 80er Jahre machte, war nicht ok, denn in Deutschland muß doch Platz für mehr Heinos sein. Ein Gericht verurteilte Hähnel zu einer Geldstrafe, die der jedoch nicht abzahlte, sondern lieber im Gefängnis absaß.

Heino, der ewige Entertainer, erlebt derzeit einen neuen Frühling. Seine Stammfangemeinde dünnt sich ganz natürlich etwas aus, da erweitert er die Grenzen des Möglichen und Zumutbaren. Heino auf Wacken mit Rammstein. Heino singt Die Ärzte. Heino in Lederkutte. Heino auf großer Clubtour mit harten Gitarrenriffs. Ja, was ist denn jetzt los.

Das alles betrachte ich seit einiger Zeit etwas perplex aus der Ferne. Und nun das, es gibt in Nordamerika einen zweiten Heino. Der Kanadier Marc Hickox tritt schon seit Jahren als singender Doppelgänger auf, meist in deutschen Restaurants zwischen Toronto, San Francisco und Los Angeles, wo Heino ein Begriff ist. Das ganze ist eine Art Persiflage auf Deutschland und die Deutschen, wie Hickox meint, denn „gibt es ein anderes Land auf der Welt, wo David Hasselhoff wie ein Gott verehrt wird?“

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Kraftwerk in Oakland

„Where did you get that Radio Goethe jacket?“, fragte mich einer im Fox Theater in Oakland. „I am Radio Goethe“, meinte ich darauf. Klar, an so einem Abend muß ich doch meine von Atze Bauer bedruckte Radio Goethe Jacke tragen. Kraftwerk spielten zum ersten mal in meiner Wahlheimat Oakland. Erst wurde ein Konzert angekündigt, nun sind sie an drei Abenden in der Stadt. Ausverkauft.

Mein erstes 3D Konzert und es war der Wahnsinn. Am Eingang erhielt jeder Besucher eine 3D Brille ausgehändigt. Auch wenn mit Ralf Hütter nur noch ein Gründungsmitglied mit dabei ist, das macht rein gar nichts aus, denn die Kraftwerker bewegen sich eh nicht viel auf der Bühne. Vier Pulte, dahinter stehen sie in seltsam gestreiften Anzügen und dahinter eine riesige Leinwand, auf der Symbole herumfliegen und Filmchen gezeigt werden. Dreidimensional wohlgemerkt, der eine oder andere im Publikum, etwas berauscht vom nordkalifornischen Gras und den elektronischen Klangteppichen der Düsseldorfer, duckte sich immer mal wieder vorsichtshalber weg. Yeah!

Rund 140 Minuten lange beschallten Kraftwerk ihr begeistertes Publikum, der Altersdurchschnitt lag bei etwa 50. Ich war also weitaus nicht der Älteste, eher so im unteren Durchschnitt. Alle Platten der Elektro-Pioniere wurden abgearbeitet. Es klang frisch und doch, hier wurde das Fundament der modernen Musikwelt präsentiert. Kraftwerk leben von ihrem Namen, von ihrer Grundlagenarbeit in den 70er Jahren. Und doch ist das anders, als wenn hier Uriah Heep auf der Bühne stehen würde. Es ist nicht einfach ein Abspielen alter Songs, quasi „Easy Livin'“. Kraftwerk arbeiten vielmehr mit den technischen Möglichkeiten von heute, um ihren „alten“ Sound ganz neu zu präsentieren. Es ist ein Wohlfühl-Klangbad, in dem man sich akustisch und visuell aalt. Ein Hörgenuss für alte Fans und junge Neugierige, die von diesen „Germans“ schon viel gehört, aber sie noch nie so nah erlebt haben.

The Germans are coming

Vom 16. – 20. März findet in Austin, Texas, wieder das wohl größte Independent Musik Festival der USA statt. Die SXSW (South By Southwest) zieht Musiker, Bands, Plattenlabels, Promoter, Verlage und jede Menge Musikbegeisterte an. Schon immer waren deutsche Bands präsent, meistens finanzierten sie alles einfach selber, dabei sein ist alles, hieß das Motto. Die SXSW ist ein wichtiger Treffpunkt für alle die Rang und Namen im Musikbusiness haben…oder mal haben wollen.

Zum zweiten mal ist nun auch eine offizielle Reisegruppe aus Deutschland dabei. Organisiert wird das ganze von der „Initiative Musik“, die aus Bundesmitteln, von der Plattenindustrie und anderen Unterstützern gefördert wird. Unter dem Motto „Wunderbar“ werden in diesem Jahr 13 Gruppen und Musiker nach Texas geflogen….halt, nur 12, denn Daniel Benjamin erhielt für die USA kein Einreisevisum… Geboten wird alles, von Elektro bis Jazz.

Initiative Musik lädt in Austin auch zum „Finest Lunch with the Germans“ ein, eine geschlossene Veranstaltung, auf die man nur als geladener Gast kommt. Das läßt man sich auch was kosten. Doch die Musikpromotion in Übersee und die eigentliche Arbeit des Berliner Musikbüros wird nicht als kulturelle Arbeit verstanden, vielmehr möchte man mit den Bands im Ausland den heimischen Plattenmarkt fördern. Plattenindustrie, klar da hängt das Bundeswirtschaftsministerium mit drin.

Deshalb ist es wahrscheinlich auch so, dass die extra für die SXSW produzierte Compilation, auf der alle anreisenden Bands vertreten sind, keinen, aber auch wirklich keinen deutschsprachigen Titel enthält. Stimmt nicht ganz, das Frederik Köster Quartett ist mit „2. Juni“ dabei, allerdings ist das ein Instrumentalstück.

Nun kann man mir gerne Deutschtümelei vorwerfen. Kein Problem. Doch man sollte beachten, dass die Bundesregierung an anderer Front und unter grossem Einsatz der hiesigen Konsulate und Goethe-Institute für den Erhalt der Deutschprogramme an High Schools und Universitäten kämpft. Irgendwie, finde ich zumindest, kommt das nicht so gut, wenn man sich in Austin als „Germans“ präsentiert und noch nicht mal einen deutschsprachigen Song auf der kostenlos verteilten CD vorzuweisen hat. Nicht gerade die beste Werbung fürs Deutschlernen! Interessant auch, der „Hauptfördergeber ist der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien“, so die Webseite von Initiative Musik. Und in dessen Arbeitsbereich fällt ja nun auch wieder die Förderung der deutschen Sprache im Ausland…..ich bin verwirrt!

 

Germans in Kigali

ruanda4Die deutsche Gemeinde in Kigali ist nicht gerade gross, doch immer wieder hört man vertraute Klänge. Die Botschaft, ein Aussenbüro des Goethe-Instituts, das Rheinland-Pfalz Büro (dazu später mehr), die Welthungerhilfe und viele christliche Organisationen und andere Hilfsprojekte sind vor Ort. Und natürlich gibt es auch einen deutschen Laden, in dem Kuchen, Brot, Brötchen, Wurst und allerlei deutsche Produkte, von Haribo bis Dr. Oetker Puddingpulver, gekauft werden können. Betrieben wird der Laden von Mike, der schon seit Ewigkeiten in Kigali lebt. La Galette ist auch noch Restaurant und Kneipe, von Currywurst bis „Strammer Max“ wird alles geboten. Ein Besuch lohnt sich also auf alle Fälle.

San Francisco in schwarz, rot, gold

Die letzten paar Tage waren schwarz, rot, gold in der nordkalifornischen Metropole. Bereits am Donnerstag dem 2. Oktober wurde die deutsche Fahne am Rathaus gehisst. Am Donnerstag? Ja, denn die Koreaner haben auch am 3.10. ihren Nationalfeiertag und diesmal waren sie am 3. mit der offiziellen Flaggenzeremonie dran.

homepgGermans_framed2.gifDoch am Donnerstag begann in San Francisco auch das diesjährige Oktoberfest. Vier Tage lang waren alle in der Stadt bayerisch. Männer in Lederhosen, Frauen in knappen Dirndl aus dem Halloween Shop und die „world famous“ (Eigenwerbung) Chico Bavarian Band spielte auf. Natürlich durfte da auch kein „Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit…“ fehlen. Die Bude war rappelvoll, und dass, obwohl jeder 25 Dollar Eintritt zahlen musste. Das ganze fand in Fort Mason statt, direkt gegenüber von Alcatraz in alten Lagerhallen der Navy, die hier einst stationiert war. IMG_0142.jpgAn der Decke hingen die Fahnen der Bundesländer, die deutsche, amerikanische und kalifornische Flagge und es wirkte alles ein bisschen so, wie auf dem Münchner Oktoberfest (wenn ich mich noch recht daran erinnere, denn das letzte mal war ich 16 und mit meiner Realschulabschlussklasse 10g dort). Der Abschluss des diesjähigen „Oktoberfest by the Bay“ war der deutsche Tag am Sonntag, zu dem die deutschen Vereine einluden. Mit Fahneneinmarsch und Folklore wurde den Amerikanern ein bisschen Heimatliebe in der Fremde vermittelt.

Aber damit noch nicht genug. Am Samstag fand auch das LoveFest in San Francisco statt. 2004 wurde es als Ableger der Love Parade gegründet, steht mittlerweite auf eigenen Beinen und ist zur grössten Dance Party Nordamerikas gewachsen. Alles ein bisschen harmloser als in Berlin und jetzt im Ruhrgebiet, aber auch hier tanzten Zehntausende zu harten Techno Klängen auf den Strassen und am Civic Centre vor dem Rathaus.

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