Ein historischer Blick auf die Schweiz Afrikas

„Unvorbereitet, naiv und lebensfreudig hatte ich mich in mein Aufgabengebiet an der erst kurz zuvor eröffneten deutschen Botschaft in Kigali gestürzt und in dieser Zeit das Land als ein aufregendes und unterhaltsames Berufsabenteuer betrachtet„, schreibt Hans-Ulrich Duwendag in seinen Schlussgedanken im jüngst erschienenen Buch „Tarzan, ein Missionar und zwölf Askaris“. Duwendag war von 1966 bis 1972 für das Auswärtige Amt in Ruanda eingesetzt. Vor einigen Jahren hatte ich schon einmal über ihn in der Nürnberger Zeitung berichtet, denn der heute 73jährige war in Ruand auch für die Auszahlungen des sogenannten „Ehrensolds“ an die letzten lebenden Askaris, die einstigen ruandischen Soldaten im kaiserlichen Heer, verantwortlich. Hans-Ulrich Duwendag machte damals seltene Fotos und Filmaufnahmen von seinen Treffen, die heute durchauss als historische Dokumente betrachtet werden können.

Nun hat er im agenda Verlag seine Erinnerungen an diese Jahre vorgelegt. Persönlich gehalten und doch äußerst wertvoll. Denn hier beschreibt ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, der nicht in der ersten diplomatischen Reihe stand, das Leben in einem unbekannten Land. Alle drei bis vier Jahre werden die entsandten AA-Mitarbeiter um die Welt geschicht. Es ist eine Bereicherung und eine Last zu gleich, wie das in den Erinnerungen Duwendags auch deutlich wird. Hier hat er seine Liebe zu Afrika entdeckt und doch sind da auch die Entbehrungen, die Schwierigkeiten, die Unanehmlichkeiten in einem Entwicklungsland, gerade in 1960er Jahren.

Hans-Ulrich Duwendags Buch ist jedoch mehr als ein persönlicher Erinnerungsband. In „Tarzan, ein Missionar und zwölf Askaris“ veröffentlicht er auch die Erinnerungen von Bruder Privatus von den Weißen Vätern, aufgezeichnet in einem Tonbandgespräch eines Mitbruders in den 1960er Jahren. Ein deutscher Missionar, der Ruanda in jahrezehntelanger Arbeit mitaufgebaut hat. Viele der Kirchen, Krankenhäuser, Schulen und Gesundheitsstationen im heutigen Ruanda wurden von den Weißen Vätern und Bruder Privatus errichtet. Angereichert sind die Erzählungen und Erinnerungen von Duwendag und dem Missonar durch viele Bilder aus dem privaten Archiv des Autoren und dem Archiv der Missionare. Fast alle davon wurden hier zum ersten Mal überhaupt veröffentlicht. Allein durch die vielen Fotos erhält dieses Werk einen besonderen Wert.

Nürnberg hat eine direkte und besondere Verbindung zu Ruanda und der kurzen Kolonialgeschichte des deutschen Reiches auf dem afrikanischen Kontinent. Auf dem Johannisfriedhof, unweit des Grabes von Nürnbergs bekanntestem Sohn Albrecht Dürer entfernt, findet man die letzte Ruhestätte von Richard Kandt, dem ersten kaiserlichen Residenten in Ruanda und dem Begründer der Hauptstadt Kigali. Bruder Privatus lernte Kandt nicht mehr persönlich kennen, denn bei seiner Ankunft 1914 war der kaiserliche Resident gerade auf Heimaturlaub. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges überraschte Kandt und verhinderte eine Rückkehr nach Ruanda.

Wer Interesse an Ruanda, an Afrika, an Geschichte, an Reisen und Leben vor dem Internetzeitalter hat, dem sei dieses Buch mit in den Lesesessel gegeben. „Tarzan, ein Missionar und zwölf Askaris“ ist im agenda Verlag für 17,90 Euro erschienen.

 

Happy Birthday GGB

New York hat „Lady Liberty“, wir haben unsere Golden Gate Bridge. Beide ragen hoch hinaus, sind von weitem zu sehen und symbolisieren das, für was Amerika mal stand und für was das Land berühmt wurde: Freiheit, Offenheit, den „American Dream“.

An diesem Wochenende wurde die Golden Gate Bridge 79 Jahre alt. Nach etwas über vier Jahren Bauzeit wurde sie am 27. Mai 1937 eröffnet. Kosten 35 Millionen Dollar, damit lag man noch unter dem kalkulierten Budget. Es war die zweite große Brücke, die in San Francisco gebaut wurde. Zuerst wurde die Bay Bridge in Richtung Oakland ein halbes Jahr zuvor, am 12. November 1936 eröffnet.

Die Golden Gate Bridge ist das Wahrzeichen der Stadt, Nordkaliforniens, des Westens der USA. Eine Touristenattraktion, wie kaum ein anderer Ort. Tausende laufen jeden Tag über die Brücke, fahren die steile Straße in die Marin Headlands hinauf, um den perfekten Blick, das perfekte Foto auf das Golden Gate, die Bridge und dahinter San Francisco zu haben. Und immer wieder hört man die Worte: „Die ist ja gar nicht gold“. Beeindruckend ist es, wenn man mit einem Schiff auf das Golden Gate zufährt und dann schon von weitem die gewaltigen Türme sehen kann. Ich hatte einmal die Möglichkeit eine Stunde oben auf dem Südtower zu sein. Das war eine der faszinierendsten Stunden meines Lebens. Der Ausblick, die Ruhe da oben, ich erinnere mich, wie überrascht ich war, nichts vom Verkehr unter mir zu hören. Der Wind trägt den Lärm in die Bay. Mit einem kleinen, engen Aufzug ging es ganz nach oben, von dort über eine Stiege auf das Dach der Brücke, wo die gewaltigen Nebelhörner angebracht sind. Und da stand ich dann, ließ es einfach nur wirken.

Im kommenden Jahr wird die Golden Gate Bridge 80 Jahre alt, ein Grund zum Feiern. Das Bauwerk an sich ist eine Party wert, doch man sollte sich auch an das erinnern, für was diese Brücke steht. Das wird leider in diesem Land und gerade in diesen Zeiten zu sehr vergessen.

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Der Wert des geschriebenen Wortes

Als jemand, der in den Medien arbeitet, bekomme ich hautnah die Veränderungen mit. Und nein, das soll jetzt hier kein neues Wehklagen über das böse Internet werden. Die Dinge haben sich geändert, das wissen wir alle. Mit dem Eintritt ins Online-Zeitalter hat sich vieles verschoben. Nicht nur für meinen Beruf. Zeitungen verschwinden, werden nur noch in gekürzter Form gedruckt. Radio- und Fernsehsender berichten über wichtige Ereignisse in leicht verständlichen Häppchen, damit die junge Chat-Generation es auch versteht. Heute werden Schlagzeilen online gelesen, dann ist man informiert. Mehr braucht es nicht mehr. Alles klar!

Amazon bestimmt was gelesen wird.

Amazon bestimmt was gelesen wird.

Natürlich übertreibe ich ein wenig. Und doch, ich hatte und habe immer wieder Diskussionen über Journalismus und all das, was ich mache. Mir wurde schon gesagt, dass meine Radiofeatures nur im „Minderheitenradio“ ausgestrahlt werden, auch wenn es sich dabei um deutschlandweite Programme handelte. Oder ich wurde gefragt, warum ich nicht für die BILD schreibe, damit würde ich wenigstens Leute erreichen. Auch schön sind die Ratschläge für meine Radio Goethe Sendung, ich sollte mich mehr an den Charts orientieren, dann würde mich auch jemand hören. Wenn ich all das ernst nehmen würde, dann könnte ich gleich einpacken und umschulen. Wer hat einen Job für mich?!

Aber es stimmt, es wurmt mich, wie heute mit Medien- und Kunstschaffenden umgegangen wird. Da passt die Nachricht gut rein, dass der Onlinegigant amazon Autoren immer weiter unter Druck setzt und Bücher nur noch verramscht. Im Kindle Angebot gibt es ein Monatsabo für $ 9.99, das einem den Zugang zu einer virtuellen Bibliothek aus Hunderttausenden von Büchern beschert. Für die Schriftsteller bleibt da am Ende nicht viel übrig. Wer im größten Handelshaus der Welt dabei sein will, muß sich diesem Preisdiktat unterwerfen. Der Kunde, Käufer, Leser verlangt es so, wird einem immer wieder weisgemacht. Die Arbeit eines Autoren wird damit nicht mehr geschätzt. Es ist nur noch Massenware, die beim Discounter an der Ecke mal so nebenbei mitgenommen wird. Ein Buch hat anscheinend den Wert verloren, den es als Kulturgut inne hatte. Kleinere Verlage geraten unter Druck, Autoren müssen beim Schreiben an Verkaufszahlen denken. Wo führt das hin?

Ich weiß nicht genau, warum mich solche Nachrichten stören. Ich kann es ja eh nicht ändern. Na ja, es liegt wohl daran, dass das Schreiben mein Beruf ist und ich Bücher in gedruckter Form und Musik zum Anfassen auf LP und CD liebe. Und ich frage mich öfters, wohin der Weg noch geht, wenn man all das so sehr verramscht, dass am Ende nur noch ein oller Einheitsbrei übrig bleibt.

In Dallas 1 p.m.

      50. Jahrestag der Ermordung John F. Kennedys

Saxon, Extrabreit, Spliff, Stendal Blast, Billy Joel und viele, viele andere Musiker und Bands sangen über diesen 22. November 1963. Ein Tag, der Amerika veränderte. Ein junger Präsident wird ermordet und die Welt trauert.

Viel ist im Laufe der Jahre über John F. Kennedy und seine Präsidentschaft geschrieben worden. Zum 50. Jahrestag des Attentats auf den 35. Präsidenten erscheinen noch einmal Hunderte von Büchern, wissenschaftliche Betrachtungen, historische Sachbücher, Bildbände, neue Verschwörungstheorien. Im Radio und im Fernsehen laufen Beiträge und Dokumentationen, in Diskussionsrunden wird an JFK und sein Vermächtnis erinnert.

Zum 50. Jahrestag der Emordung John F. Kennedys ein Audiobeitrag.

Erinnerung an das Unvorstellbare

      Radio Goethe Magazine - Kristallnacht

Heute bekam ich eine Mail von „Public Radio Exchange“ (PRX), dass eine Radiostation in Iowa eine ältere „Radio Goethe Magazine“ lizensiert hat. Es war die Sendung, die ich vor ein paar Jahren zum 70. Jahrestag der Kristallnacht produziert hatte. Ein klangreicher Versuch, Stimmen von damals hörbar zu machen. Die der Täter und die der Opfer.

In der sogenannten Kristallnacht sollte wohl endgültig jedem Deutschen klar geworden sein, dass das Nazi-Regime auf Hass, Mord, Verunglimpfung und Verfolgung aufbaute. Nichts blieb nach dieser Nacht wie es war. Die brennenden Synagogen, die zerschmetterten Ladenfronten jüdischer Händler, die Ausmerzung alles Jüdischen deutete am 9. November 1938 auf die „Endlösung“ hin.

Hier diese Sendung mit Originaltönen von damals.

The music of Haiti

Haiti BoxIch bin gerade von meinem Trip nach Juarez, Mexiko, zurück gekommen. Zuhause lag ein Paket von amazon, darin die bestellte CD Box „Haiti – Recordings for the Library of Congress“. Der Ethnologe und Folklorist Alan Lomax reiste 1936/1937 nach Haiti, um dort die einheimische Musik aufzuzeichnen und für nachfolgende Generationen zu archivieren. Nun ist diese umfangreiche CD Box erschienen. Komischer Zeitpunkt. Man hört in diesen Tagen ganz anders in.

Stepping into the Twilight Zone

Eine der erfolgreichsten Fernsehsendungen, und wohl auch eine der einflussreichsten überhaupt wird 50. „Twilight Zone“ war eine Mischung aus Science-Fiction, Horror, Fantasy und Mystery. Alle Shows endeten fast immer in einem unvorhersehbaren Schluss.

Rod Serling war der Begründer dieser bahnbrechenden Sendung. Rund Zweidrittel der 156 Folgen schrieb er selbst. Serling versuchte sich vor dem Sendestart 1959 an anderen Fernsehformaten, doch merkte schnell, dass die Zensur im Amerika der 50er Jahre ihm eine offene Kritik und einen offenen Umgang mit strittigen Themen nicht erlaubte. Also verlegte er viele seiner inhaltlichen, gesellschaftlichen Kommentare in die Twilight Zone Folgen. Und das mit Erfolg.

Anfangs hatte Rod Serling Schwierigkeiten die Show überhaupt an den Mann zu bringen. Einige Sender und Kritiker waren von dem Konzept einer TV-Sendung über Science-Fiction und Schauriges nicht gerade beeindruckt. Doch Serling setzte sich durch und machte mit Twilight Zone Fernsehgeschichte. Die Originalfolgen liefen von 1959 bis 1964.

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Von Nixon und alten Tönen

Am Wochenende war ich mal wieder in Plattenläden unterwegs, und hier gibt es noch die richtig guten Sammlerläden, in denen man das findet, nach was man sucht. „Amoeba Records“ zum Beispiel hat gleich zwei Läden in der Bay Area. Einer in Berkeley und der andere in einer einstigen Bowling Bahn auf der Haight Street in San Francisco. Und nicht weit davon entfernt ist „Recycled Records“, kleiner, aber durchaus einen Besuch wert.

Dort war ich am Wochenende und habe Regale nach historischen Aufnahmen durchsucht. Ich sammele ja alte Reden, Interviews, geschichtliche Töne. In den USA wurden solche Sachen schon früh auf Vinyl gepresst, von daher findet man immer wieder ein paar gute Platten, die in einem Top Zustand sind. Zum Teil wurden ganze Radiosendungen auf Vinyl gepresst und dann an verschiedene Sender verschickt, die diese Platten so sendeten. Alle grossen Networks, aber auch CBC oder die BBC  verschickten zum Teil so ihre Programme.

Diesmal nahm ich „The Voices of the 20th Century – narrated by Henry Fonda“, „Perspective 78 – a aural review of the year 1978“ und „The Nixon Interviews with David Frost“ mit nach Hause.

Ich liebe „Oral History“, Stimmen, die man aus dem Geschichtsunterricht kennt, mal wirklich zu hören. Oder Aufnahmen von Reportern, die Zeuge historischer Ereignisse wurden. Von solchen alten Aufnahmen war ich schon immer fasziniert. So richtig mit dem Sammeln angefangen habe ich vor etlichen Jahren, als ich in Los Angeles Gordon Skene kennenlernte. Ihn interviewte ich für einen Beitrag über ein CD-Projekt. Skene ist ein Sammler von historischen Aufnahmen, der seit über 45 Jahren Bänder, Platten, Glasplatten und sonstige Tonträger sammelt, auf denen geschichtliche Töne zu finden sind.

Für den BR hatte ich dann sogar ein fast einstündiges Feature über ihn produziert, das einen Eindruck seiner „Collection“ gibt. Wenn Sie interessiert sind und viele historische Aufnahmen hören möchten, dann lehnen Sie sich zurück und klicken hier:

      Gordon Skene

Für Interessierte an historischen Audio-Aufnahmen aus Deutschland noch ein Tipp. Das Deutsche Rundfunkarchiv hat wunderbare CDs herausgegeben, die man direkt bei dra bestellen kann.