Modern Talking im Kongo

Ja, muß das denn wirklich auch noch sein? Modern Talking plärrte auf der nächtlichen Taxifahrt durch Goma aus dem Radio. Von einem Ende der Stadt ans andere. Die Millionenstadt war wie ausgestorben, kaum eine Menschenseele auf den Straßen. Überall war es dunkel. Der Taxifahrer hielt an einer Ecke. Kein Sprit mehr, meinte er, doch hier war keine Tankstelle. Er stieg aus, lief zu einem jungen Kongolesen hinüber. Der schüttete erstmal aus einem gelben Kanister Benzin in zwei Plastikwasserflaschen und leerte diese anschließend in den Tank. Weiter ging die nächtliche Fahrt über das holprige Lavagestein, hier auch Straße genannt. Und dazu „Cherie, Cherie Lady“….und danach „You’re my heart, you’re my soul“. Modern Talking im Doppelpack geht gar nicht, erst recht nicht in einem nächtlichen Goma, das für jeden Horrorstreifen als Kulisse herhalten könnte. Mir gruselte es!

Zwei Ecken weiter zieht ein Bewaffneter eine Holzlatte mit Nägeln über die Fahrbahn. Straßenkontrolle. Aussteigen, Rucksack öffnen. Das Auto wird durchsucht. Nichts zu finden. Ein weiterer Soldat kommt von hinten und meint „Muzungu, give me money“. Ich bin schon eingestiegen, weiter geht die Fahrt zum Gästehaus der Caritas, direkt am Lake Kivu.

Der Tag hatte schon früh begonnen. Die Nacht in Gisenyi auf ruandischer Seite verbracht, dann morgens zu Fuß über die Grenze, kurz einchecken im Hotel und weiter zu CARE International. Die Hilfsorganisation hatte angeboten mich in einige Flüchtlingslager mitzunehmen, mir ihre Projekte zu zeigen. Quer durch die Stadt ging es, eine einzige Holperpiste aus Lavagestein und tiefen Schlaglöchern. Links und rechts Barracken, Wohnhütten, kleine Geschäfte und überall Kleinkinder. Im ersten Lager sassen wir mehrere Stunden in einem Bretterschuppen, der das Büro des Lagerpräsidenten war. In der Nebenhütte surrte eine Nähmaschine, immer mal wieder wehte der Geruch der nahen Behelfstoiletten herüber. Der Präsident berichtete von den täglichen Schwierigkeiten, den Übergriffen, dem Versagen der kongolesischen Regierung. Danach saßen an dem kleinen Tisch zwei junge Frauen, die von sexueller Gewalt sprachen. Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe gehören zum Alltag der Frauen im Kongo.

Auf dem Weg zum Auto begleiteten uns Dutzende von Kindern. Einige waren mutig und kamen ganz nahe, um dem Muzungu über die Haare an den Armen zu streichen. Sie lachten dabei. In dem Moment konnte man sogar das ganze Elend um einen herum vergessen.

Eine Frage des Rechts?

In Stuttgart stehen zwei Männer vor Gericht, Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni. Der erste ist Präsident der „Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas“ (FDLR), der zweite sein Stellvertreter. Ihnen wird vorgeworfen, von Deutschland aus den bewaffneten Widerstand im Ost-Kongo geleitet und dabei Morde, Massenvergewaltigungen, Überfälle, Brandstiftung und Folter angeordnet zu haben. Das alles per Telefon, Email  und SMS.

Ignace Murwanashyaka lebt seit 22 Jahren in Deutschland, er hat hier studiert, seinen Doktor gemacht, ist aktiv und beliebt in seiner Kirchengemeinde. Für viele seiner Nachbarn und Freunde ist es kaum vorstellbar, dass dieser Mann den brutalen Milizenkampf im östlichen Kongo anführte. Auch sein Vize wirkt harmlos. Straton Musoni ist verheiratet mit einer Deutschen, zwei Kinder, arbeitet für ein Computerunternehmen. Nun also stehen beide in Deutschland vor Gericht, doch warum? Warum gerade hier und nicht in Den Haag vor dem Internationalen Gerichtshof? Beide lebten in Deutschland und es dauerte Jahre bis sie schließlich verhaftet wurden, doch das allein ist kein Grund, warum er nicht zum ICC abgeschoben wurde.

Deutschland hat sich mit diesem Verfahren ein riesiges Problem aufgeladen, das noch weitreichende außenpolitische Konsequenzen haben kann (und wird). In Ruanda wird das Verfahren in Stuttgart genauestens beobachtet. Als Osama bin Laden von einer amerikanischen Spezialeinheit aufgespürt und getötet wurde, nahm man das in Ruanda zum Anlaß darauf hinzuweisen, dass viele Terroristen und Genozid Verantwortliche nach wie vor unbehelligt in Europa leben. Mit Wohlwollen hat man auf den Prozeß in Deutschland verwiesen. Doch das schafft auch Druck, was, wenn die beiden Angeklagten nicht verurteilt werden oder nur mit einer geringen Freiheitsstrafe davon kommen?

Ein Freispruch ist durchaus denkbar, denn die Staatsanwaltschaft hat sich bei diesem Verfahren weit aus dem Fenster gelehnt. Die Ermittlungen beruhen auf abgehörten Telefonaten, die jedoch eher kryptisch zu lesen sind. Gefundene Satellitentelefone in der Wohnung der Angeklagten wurden nicht abgehört. Zeugen wurden von angereisten BKA Ermittlern in zahlreichen Reisen in Ruanda und auch im Ost-Kongo gefunden, doch die Frage ist, ob diese Zeugen auch vor Gericht aussagen werden. Per Videoschaltung (dafür wurden extra die technischen Möglichkeiten nach Ruanda gebracht) werden zum Teil die Opfer vom Richter befragt. Dafür müssen sie aus der Nord-Kivu Region des Kongos in die ruandische Grenzstadt Gisenyi reisen, um dort hinter verschlossener Tür und unter strengster Geheimhaltung aussagen zu können. Auf der anderen Seite, in Goma, waren diese Videoschaltungen nicht möglich. Die Geheimhaltung und die Sicherheit der Zeugen konnte nicht gewährleistet werden. Die FDLR ist dort überall vernetzt und selbst die UN Einheiten vor Ort bieten keinen großen Schutz oder Stillschweigen. Auch tauchten die Namen von BKA Beamten auf „Hit Listen“ auf, auf Listen von unliebsamen Personen der FDLR. Seitdem dürfen die deutschen Ermittler nicht mehr in den Kongo reisen.

Die Situation ist schwierig. Der Prozeß in Deutschland verschlingt Unsummen an Steuergeldern, dazu kommen die aufwendigen Ermittlungen in Ruanda und im Ost-Kongo. In Ruanda unterstützen die Behörden die Nachforschungen der Deutschen, allerdings präsentieren sie „Zeugen“, deren Identität nicht hundertprozentig gewährleistet und nachgewiesen werden kann. Ruanda ist nicht gerade als souveräner Rechtsstaat bekannt, das Interesse der Kagame-Regierung an einer Verurteilung der beiden Angeklagten ist groß. Im Kongo (DRC) dagegen können die deutschen Staatsanwälte und Ermittlungsbeamten auf keinerlei Unterstützung bauen, weder von den Kongolesen selbst, noch von den UN Einheiten, denen immer wieder vorgeworfen wird, dass sie tatenlos den Massakern zugesehen haben.

Der Ausgang des Verfahrens ist ungewiss und könnte womöglich fatal für Deutschland und die deutsche Außenpolitik werden. Denn wenn es aus Mangel an Beweisen nicht zu einer Verurteilung kommen sollte, dann wird es erneut Proteste vor der deutschen Botschaft in Kigali geben. Darüberhinaus stände Deutschland in Verruf, Terroristen und Genozid Verantwortliche zu schützen oder nicht zu bestrafen. Deutschland wäre besser beraten gewesen, die beiden Verdächtigen an den internationalen Gerichtshof zu überführen. Doch solch ein aufwendiger und auch vielbeachteter Prozeß kann einen Karrieresprung für alle beteiligten Juristen bedeuten…im Falle eines Freispruchs allerdings auch Überstunden und Kopfschmerzen für die deutschen Diplomaten.

Der Club ist überall

Im Nordwesten von Ruanda. Die Vulkane im Dreiländereck Ruanda/Uganda/DRC. Dort findet man auch die Gorillas, zu denen man in geführten Gruppen marschieren kann. Als Tourist zahlt man schlappe 500 Dollar. Eine wunderschöne Landschaft, viel Grün, aber eben auch rauh aufgrund der noch aktiven Vulkane. Und hier oben sehe ich einen Ruander, der mit einem Trikot des 1.FCN rumläuft. Klar will ich ein Bild machen, doch der will nicht. Ziert und zickt da rum, als wollte ich es ihm vom Leib reißen. Auch das Argument, ich komme immerhin aus der Stadt und wolle nur ein Photo machen, nutzt nichts. Er macht auf blöd. Und einfach so mal schnell knipsen geht auch nicht, zu viele stehen schon um den jungen Mann herum und diskutieren und Knips und weg könnte Probleme mit sich bringen. Die Ruander lassen sich nicht gerne photographieren. Keine Ahnung warum, aber es ist schade, denn man sieht hier so viel wunderschöne AugenBlicke, z.B. was hier alles auf dem Kopf getragen wird. Alleine mit so einer Bildserie könnte man ganze Bücher füllen.

Na gut, soll nicht sein, steht dem Ruander eh nicht, das FCN Trikot…der Heini!!!

Über eine Huppelpiste geht es von Gisenyi, direkt an der Grenze zum Kongo, runter nach Kibuye. Fast parallel entlang des Lake Kivu Ufers, hinauf in die Bergkette. Ein wunderschöner Blick fast hinter jeder Kurve. Mal die gewaltigen Vulkane, mal ein Blick auf Goma hinter der Grenze, mal auf den wunderschönen See, da kann der Bodensee dagegen auslaufen. Die Fahrt geht vorbei an riesigen Teefeldern und anderen Anbauprodukten. Und auch einige Kühe weiden hier oben, erinnert sehr an dieses Plattencover von Pink Floyd’s “Atom Heart Mother”.

Für 75 Kilometer benötigt man fast dreieinhalb Stunden. Erster, manchmal zweiter und so gut wie nie dritter Gang. Kurvenreich und steinig ist die Straße. Doch Ruanda ist ein Land auf dem Vormarsch, auch hier in der Pampa merkt man das. Es ist organisiert und kontrolliert, auch wenn auf dem Land die Armut sichtbarer ist, die Infrastruktur weitgehend fehlt. Aber auch hier wurden schon Fiberglaskabel verlegt, Ruanda ist startbereit für die Zukunft, oder zumindest will man das sein. Aber hier oben im Nordwesten des Landes wird auch deutlich, dass all die Bemühungen der Regierung in Kigali an Entwicklungen in der Region geknöpft sind. Hier findet man noch Flüchtlingslager der UN, Wiedereingliederungslager für ehemalige Milizenkämpfer, die zum Teil mit deutschen Geldern finanziert werden. Und der Blick über die Grenze macht klar, wie nah die Gefahr lauert. Selbst Kongolesen, die man in Gisenyi trifft, erklären einem, Goma als solches sei sicher, doch man könne das Stadtgebiet nicht verlassen. Sicher sei nur die Reise über die Grenze ins benachbarte Gisenyi. Und tatsächlich trifft man am Seeufer in Gisenyi viele junge und wohlhabende Kongolesen, die Party machen. Unterdessen geht der Krieg der Milizen unvermindert weiter in Nord- und Süd Kivu. Die Gefahr wächst, dass die Gewalt auch wieder über die Grenze nach Ruanda schwappen könnte oder dass die Kagame Regierung in Kigali entscheidet, die Situation jenseits der Grenze sei eine Gefahr für die innere Sicherheit. Die ruandische Armee ist eine der bestausgebildetsten in Afrika und marschbereit in Richtung Kongo.

Und hier am Lake Kivu sitzt man, blickt auf diese traumhaft schöne Landschaft. Vögel zwitschern und krächzen, singen und feiern Vogelhochzeit. Ein paar Fischer in ihren langen Einbäumen paddeln singend vorbei. Das Grün ist vielschichtig und für mich als Grünschwächelnder gar nicht so richtig zu erkunden. Der Nachthimmel ein einziges klares Sternenglitzern. Hier im Herzen von Afrika scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Kein Flugzeug am Himmel, kaum Autos unterwegs, alles wirkt friedlich. Es ist gar nicht so leicht, einfach mal eins, zwei, drei, vier, fünf und sechs gerade sein zu lassen. Hier steht die Zeit….die Frage ist, für wie lange noch.

Gefangen im Jetzt

Ruanda ist ein faszinierendes Land, aber begreifen tut man hier nichts. Zumindest geht es mir so. Die Bundesrepublik hat vor wenigen Tagen einen ziemlich grossen Scheck an die ruandische Regierung übergeben, was mit dem Geld geschieht, das entscheiden die Ruander selbst. Da will man sich nicht reinreden lassen. Deutschland tritt „beratend“ auf. Und dann hört man, dass derzeit im Zentralkrankenhaus in Kigali, dem größten des Landes, keine Operationen durchgeführt werden können. Der Grund, das Gerät zur Aufbereitung des Sterilgutes ist defekt. Also geht gar nichts mehr und Gelder zur Reparatur oder zur Neuanschaffung liegen nicht vor.

Ruanda sieht sich auf dem Weg in die Zukunft. „2020“ heisst das Losungswort, dann soll die neue Zeitrechnung im Herzen Afrikas beginnen. Downtown Kigali gleicht auf den futuristischen Plänen einem Metropolis mit einer Skyline amerikanischer Bauart und sogar eine Schwebebahn ist eingeplant. Ein irres Bild, wenn man sich heute die Innenstadt ansieht. Man redet hier vom Technologiezentrum, vom Singapur Afrikas. Doch die Kinder in der Schule lernen noch nicht mal am Computer, lediglich den Lehrern stehen die wenigen Rechner zur Verfügung. Man übt an Pappmodellen, macht Computerkurse, doch nach der Abschlussprüfung kennen die Schüler noch nicht einmal den Unterschied zwischen Hardware und Software. Soviel zu „2020“.

gisenyiRuanda steht vor riesigen Problemen. Vor ein paar Tagen stand in der „New Times“, der führenden Tageszeitung des Landes, ein Artikel über ein Treffen von Präsident Paul Kagame mit lokalen Bürgermeistern und Politikern. Er kritisierte, dass nach den letzten Treffen nichts von dem umgesetzt wurde, was besprochen und verabschiedet wurde. Zwischen den Zeilen konnte man lesen, dass die Korruption und die Vetternwirtschaft noch immer ein riesiges Problem für Ruanda sind. Ideen und Pläne existieren für die Zukunft, aber man ist Welten von der Umsetzung entfernt. Und kritisch und öffentlich wird darüber nicht gesprochen. Es gibt in Ruanda keine Pressefreiheit, Demonstrationen und Proteste sind nicht erlaubt, und wenn sie stattfinden, dann sind sie staatlich organisiert. Die Polizei, Militär und Geheimpolizei sind omnipräsent. Jeder Häuserblock hat seinen Blockwart. Von einer funktionierenden Demokratie ist man noch weit entfernt, aber Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel hat den Ruandern beim Besuch vor wenigen Wochen wohlwollend auf die Schultern geklopft: „Weiter so“.

Ruanda ist ein Land im Umbruch. Vor dem Hintergrund einer furchtbaren Geschichte erwächst das hehre Ziel einer führenden Nation, die ganz Afrika mitreissen will. Die Menschen sind fast 16 Jahre nach dem Genozid und zehn Jahre vor dem ausgerufenen Zeitmarker in der Realität gefangen. Wohin der Weg wirklich gehen wird….das vermag hier wohl keiner so genau zu sagen.

„In Za, in Zaire“

„Goma ist ein Dreckloch“, meinte einer zu mir. Am Ende der Promenade von Ginsenyi liegt ein Grenzübergang. Villa neben Villa und dann der Grenzposten. Formular ausfüllen auf ruandischer Seite, Pass zeigen, dann rüber laufen. DRC Grenzposten, 30 Dollar zahlen, ein paar dämliche Fragen beantworten und man bekommt ein Din A 4 Visum ausgestellt. Ganz toll! Darf man das nun falten? Egal, muss in die Tasche rein.goma2

Ein Fahrer von UNHCR, dem Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, holt mich ab. Mit dem Jeep geht es durch die Stadt. Nur wenige Minuten später ein kleiner Zwischenfall an einer Strassenecke, ein aufgebrachter Pulk von Menschen, Sicherheitsleute dazwischen. Der UN Fahrer haut die Linkskurve rein, fährt auf der anderen Strassenseite schnell vorbei. Warum, wieso, weshalb…kein Kommentar. Hundert Meter weiter meint er, dass hier 2002 der Lavastrom entlang floss, als der Vulkan Nyiragongo ausbrach. Die frühere Strasse liegt zwei Meter unter der jetzigen Asphaltdecke, der einzigen geteerten Strasse in Goma.

Die UN ist seit den 60er Jahren in Goma präsent, versucht hier unmögliches zu leisten. Ein Ende ist nicht in Sicht. Flüchtlingsströme haben sich verschoben. Nach dem Genozid in Ruanda begannen die kriegerischen Auseinandersetzungen, die noch immer in Teilen von Nord-Kivu anhalten. Erst der erste Kongo Krieg, dann der zweite. Hutu Milizen versuchen sich erneut zu formen, ihr Ziel ist die gewaltsame Rückkehr nach Ruanda. goma3Der Osten des Kongos gleicht in weiten Teilen einem Chaos. Die Hauptstadt Kinshasa im Westen ist weit weg, und was dort beschlossen wird, kommt nicht unbedingt in dieser Region im Osten an.

Rund 40 Hilfsorganisationen sind vor Ort, darunter auch die GTZ, die deutsche „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“. Wenn man durch die Strassen von Goma läuft fragt man sich ernsthaft, wie man hier technisch zusammen arbeiten kann. Alles scheint ein reiner Moloch zu sein. Es ist dreckig, Abfall überall. Gebäude, Strassen in einem desaströsen Zustand. Doch die Leiterin des UNHCR Büros in Goma zeigt sich optimistisch. Sie meint, es sei nicht einfach, aber man müsse mit den Gegebenheiten hier arbeiten. Was sie damit sagen will ist klar. Es gibt in Goma und der Nord-Kivu Region verschiedene Machtzentren, die teils gegeneinander arbeiten, verschiedene Interessen haben und nicht leicht zu durchschauen sind. Aber man mache Fortschritte, meint sie. Die Flüchtlingslager seien fast vollständig aufgelöst worden, nun versuche man mehr mit lokalen Führungen am Wiederaufbau zu arbeiten. In Goma braucht man Optimismus, ansonsten versinkt man in Hoffnungslosigkeit.

Ruandas Norden

ruhengeriVon Kigali ging es nördlich nach Ruhengeri, die Stadt am Fusse der Vulkane. Dort sind auch die Gorillas zu finden. Schlappe 500 Dollar kostet die Besuchsgenehmigung für Touristen. Im Lande lebende Ausländer zahlen „nur“ 250 Dollar. Nicht gerade ein billiger Spass, aber eine wunderschöne Gegend.

Von dort geht die Fahrt weiter nach Gisenyi, die Stadt in der nordöstlichen Ecke von Ruanda, direkt an der Grenze zu Goma, Demokratische Republik Kongo. Traumhaft gelegen am Lake Kivu, ein gewaltiger See, der Ruanda vom Kongo trennt. gisenyi1Dies ist der einzige See in dem man baden kann. In anderen Binnengewässern ist so einiges am Kreuchen und Fleuchen, was man lieber nicht zu nah an die Haut kommen lassen will. Gisenyi war früher ein Erholungsort für Leute aus dem Kongo und aus Kigali. Und heute versucht man wieder an diese alten Zeiten anzuknüpfen. Neue Hotels, schöner Strand, eine Promenade wird hergerichtet….nur man darf nicht in die Seitenstrassen schauen. gisenyi2Arme Verhältnisse, ungeteerte Strassen, Häuser ohne Wasser, Strom, Kanalisation. Welten trennen die Wohngegenden der „normalen“ Leute vom wenige hundert Meter entfernten Seeufer. In manchen Strassen trennt gerade mal ein Draht die zwei Länder, die sich noch bis vor kurzem bekämpft haben. Goma liegt gleich neben Gisenyi, so wie Nürnberg neben Fürth liegt.

Zurück am Strand, direkt vor dem Serena Hotel erinnert heute nichts an die Tage und Wochen, als Zehntausende von Flüchtlingen zwischen Ruanda und dem Kongo hin und her zogen. Man liegt dort, trinkt ein kühles „Mützig“ Bier, blickt auf den See, geht Schwimmen, lässt sich die Sonne auf den Buckel scheinen. Es ist ein traumhafter Ort…welche Träume man hier hat, liegt ganz an einem selbst. Es hängt alles davon ab, wie sehr man sich für die Geschichte dieses Landstriches interessiert und wie weit der Blick rechts rüber Richtung Norden geht. Denn unweit des Serena Hotels liegt die Grenze zu Goma.