Die Woche Obamas

Das Weiße Haus erleuchtete in den Regenbogenfarben der Gay-Community.

Das Weiße Haus erleuchtete in den Regenbogenfarben der Gay-Community.

Es war die Woche von Barack Obama. Höhen und Tiefen, Emotionen, Tränen, Lachen, Freude und Erleichterung. Der oberste Gerichtshof in den USA hatte zwei wichtige Urteile gefällt. Die Gesundheitsreform wurde in ihrer Form von einer deutlichen Mehrheit der Richter bestätigt und dann kam auch noch jenes Urteil, dass die Gleichstellung von homosexuellen Ehen vor dem Gesetz garantiert. Amerika hat damit eine radikale Wende vollzogen. Noch 2004 wurde George W. Bush aufgrund eines Wahlkampfes gegen die Homoehe wiedergewählt. In gerade mal einem Jahrzehnt haben die USA damit eine kulturelle Revolution erlebt, die weithin nachhallen wird. Barack Obama und seine Demokraten feierten beide Entscheidungen. Damit sind zwei ganz wichtige politische Ziele erreicht worden, eine allgemeine Krankenversicherung für jeden Amerikaner und eine Gleichstellung vor dem Gesetz schwuler und lesbischer Lebenspartner.

Nur wenige Stunden später stand der Präsident in Charleston und sprach zu den Trauernden, die zur Gedenkveranstaltung für die Ermordeten der „Emanuel African Methodist Episcopal Church “ gekommen waren. Und dann setzte er zu „Amazing Grace“ an, ein bewegender und ergreifender Moment, der viel mehr ausdrückte, als alle Worte seit dem Attentat. Barack Obama, der in der jüngsten Zeit sehr oft von der Afro-Amerikanischen Gemeinde kritisiert wurde, weil er eben nicht die grossen Verbesserungen brachte, mit denen er noch 2008 Wahlkampf gemacht hatte, hat hier in Charleston und an diesem Freitag etwas geschafft, was so lange fehlte. Das da sein, die Anteilnahme, das Mittendrin. Verständnis, Zugehörikeit, tiefe Anteilnahme. Doch vor allem eine sehr große Geste, die in die Geschichte Amerikas eingehen wird. Ein Präsident, der anfängt zu singen, ein Lied, das eine große Bedeutung hat. Einfach so, sicherlich geplant, doch nicht erwartet. Und 6000 Trauernde stimmten mit ein. Es war wieder solch ein Gänsehautmoment, auf den Amerika, doch vor allem die Afro-Amerikaner im Land so lange warten mussten. Hier präsentierte sich ein Präsident, ihr Präsident, der genau den richtigen Ton fand. Keine schwulstigen Worte, sondern tiefe Emotion. Im Leid der Nation ließ sich erneut die Stärke Amerikas erkennen.

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Also reden kann er!

Das muß man ihm lassen, Barack Obama kann gut reden. Wie er da nach seinem Amtseid für gleiche Rechte für Schwule und Lesben eingetreten ist, wie er vor dem Klimawandel gewarnt hat, wie er nach mehr Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ausrief. „We the people…“, ob das wirklich das Land an diesem kalten Nachmittag in Washington DC vereinte?

Nein. Denn schon am Montagabend und erst recht am Dienstag wetzten Republikaner und konservative Radio- und Fernsehleute offen die Messer. Auf Barack Obama warten keine rosigen Zeiten im Weißen Haus, auch wenn er noch auf der Welle seiner Wiederwahl durch die Gegend surft. Damit ist nun Schluß. Obama hat eine schöne Rede gehalten, Jubel-Trubel-Heiterkeit unter den rund 800.000 Obama Fans, die zu diesem Event kamen und denen endlich wieder ein Präsident erschien, wie sie ihn liebten, wie er ihnen aus dem Herzen sprach.

Doch die Schonzeit ist nun vorbei. Auf Barack Obama warten Probleme, nein, Berge von Problemen. Was er sich gleich mal abschminken kann ist die Hoffnung, dieses Land einen zu können. Das ist schlichtweg unmöglich. Obama wird in den kommenden vier Jahren politisch nach links rutschen. Zumindest mit seinen Ansätzen und politischen Ideen, die da von Homoehe bis strengere Waffengesetze reichen. Ob und was er davon umsetzen kann, wird sich zeigen….vor allem auch, wie sehr seine eigene Partei diesen Weg mitgehen wird. Denn 2014 stehen Kongresswahlen an, danach könnte es richtig haarig für den Präsidenten werden, wenn er bis dahin nichts als schöne Worte geliefert hat. Die Mehrheit im Senat steht auf dem Spiel, das Abgeordnetenhaus könnte dann wieder deutlichst unter die Vorherrschaft der Republikaner fallen. Und was auch nicht vergessen werden darf im Land der endlosen Wahlkämpfe, schon in diesem Jahr werden sich in beiden Lagern die ersten Kandidaten nach vorne schieben und jedes Wort und jede Tat des Präsidenten Obama bewerten.

Barack Obama hat zwar nun die Freiheit ohne Wiederwahl im Blickwinkel regieren zu können, doch er ist nun, einen Tag nach dem Amtseid, auch ein Präsident auf Abruf….so bekloppt ist das amerikanische Wahlsystem.