Hab‘ ich was verpasst?

Von Somalia zurück an meinem Schreibtisch in Oakland. Auf der Reise ans Horn von Afrika habe ich immer wieder Fragen nach Donald Trump beantworten müssen. Das geplante Einreiseverbot in die USA für Menschen mit somalischen Pass war genauso Thema, wie die geplanten Budgetkürzungen für die amerikanischen Entwicklungshilfeprogramme USAID, gerade in einer Zeit mit etlichen Hungerkatastrophen. Amerika unter Donald Trump wirft weite Schatten voraus.

Nun wieder hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und ich frage mich, was ich verpasst habe? Ein paar Bombenangriffe, einen Sprecher des Weißen Hauses, der Konzentrationslager als „Holocaust Centers“ umschreibt, Dutzende von selbstverliebten und realitätsfernen Tweets, ein paar Skandale und Skandälchen….also nichts neues in den USA!

Heute findet in Berkeley (!), der wohl liberalsten und politisch progressivsten Stadt in den USA, eine weitere Pro-Trump Demonstration statt. Die erste vor ein paar Wochen artete aus, es kam zu Schlägereien, Verhaftungen, zahlreichen Verwundeten. Damit das ganze nicht wieder in einer wilden Rauferei endet, hat die Polizei schon mal vorab bekannt gegeben, was man nicht mitbringen sollte: Metal pipes, Baseball or softball bats, Lengths of lumber or wood of any size, Wooden dowels, Poles, Bricks, Rocks, Glass bottles, Pepper spray (OC spray), Mace, Knives or daggers, Shields, Axes, axe handles, or hatchets, Ice picks, Razor blades, Tasers, Eggs, Any other item that can be used as a weapon. Na, das ist eine Liste. Gebracht hat sie allerdings nicht viel, denn zur Stunde kloppen sie sich im „Martin Luther King Jr. Civic Center Park“ in Berkeley.

An der Golden Gate Bridge wird nun nach etlichen Jahren Diskussion und Planung ein Stahlnetz unterhalb der Brücke angebracht. Das 211 Millionen Dollar teure Projekt soll in Zukunft Selbstmörder vom Sprung abhalten oder sie zumindest nach dem Fall retten. Das Netz sei so konzipiert, dass es sich um einen Springenden legt. Ohne Hilfe, so heißt es, kann sich der Selbstmörder nicht befreien. Über die Jahrzehnte sind nahezu 2000 Menschen von der Brücke in den fast sicheren Freitod gesprungen. Notfalltelefone, Seelsorger und Wachpersonal haben kaum zu einer Verringerung der Selbstmorde geführt. Auf Druck von Hinterbliebenen und der wenigen Überlebenden wird nun das Netz unterhalb der Fahrbahn angebracht und damit das Bild der Brücke dauerhaft verändert.

Happy Birthday GGB

New York hat „Lady Liberty“, wir haben unsere Golden Gate Bridge. Beide ragen hoch hinaus, sind von weitem zu sehen und symbolisieren das, für was Amerika mal stand und für was das Land berühmt wurde: Freiheit, Offenheit, den „American Dream“.

An diesem Wochenende wurde die Golden Gate Bridge 79 Jahre alt. Nach etwas über vier Jahren Bauzeit wurde sie am 27. Mai 1937 eröffnet. Kosten 35 Millionen Dollar, damit lag man noch unter dem kalkulierten Budget. Es war die zweite große Brücke, die in San Francisco gebaut wurde. Zuerst wurde die Bay Bridge in Richtung Oakland ein halbes Jahr zuvor, am 12. November 1936 eröffnet.

Die Golden Gate Bridge ist das Wahrzeichen der Stadt, Nordkaliforniens, des Westens der USA. Eine Touristenattraktion, wie kaum ein anderer Ort. Tausende laufen jeden Tag über die Brücke, fahren die steile Straße in die Marin Headlands hinauf, um den perfekten Blick, das perfekte Foto auf das Golden Gate, die Bridge und dahinter San Francisco zu haben. Und immer wieder hört man die Worte: „Die ist ja gar nicht gold“. Beeindruckend ist es, wenn man mit einem Schiff auf das Golden Gate zufährt und dann schon von weitem die gewaltigen Türme sehen kann. Ich hatte einmal die Möglichkeit eine Stunde oben auf dem Südtower zu sein. Das war eine der faszinierendsten Stunden meines Lebens. Der Ausblick, die Ruhe da oben, ich erinnere mich, wie überrascht ich war, nichts vom Verkehr unter mir zu hören. Der Wind trägt den Lärm in die Bay. Mit einem kleinen, engen Aufzug ging es ganz nach oben, von dort über eine Stiege auf das Dach der Brücke, wo die gewaltigen Nebelhörner angebracht sind. Und da stand ich dann, ließ es einfach nur wirken.

Im kommenden Jahr wird die Golden Gate Bridge 80 Jahre alt, ein Grund zum Feiern. Das Bauwerk an sich ist eine Party wert, doch man sollte sich auch an das erinnern, für was diese Brücke steht. Das wird leider in diesem Land und gerade in diesen Zeiten zu sehr vergessen.

YouTube Preview Image

Der Fahrschein ins Leben

Von Oakland nach San Francisco Downtown und zurück nimmt man am besten öffentliche Verkehrsmittel. Kein Stau, keine Parkplatzsorgen und es ist billiger als die Spritkosten, Brücken- und Parkgebühren. Heute mußte ich rüber, direkt auf die Powell Street, um dort ein Interview mit einer Organisation zum Thema „Waffen in den USA“ zu führen. Also, nahm ich die Bart, die U-Bahn in der Region. Dutzende Touristen standen an der Cable Car an und schauten zu, wie eine ankommende Bahn gedreht wurde. Ein paar Obdachlose saßen auf dem Boden, vor einem Hotel gab es eine Protestaktion einer Gewerkschaft. Ein Morgen wie jeder andere in San Francisco.

Erst auf dem Rückweg, als ich mein Ticket wieder aus der Jacke zog, sah ich die Rückseite der Fahrkarte. Darauf die eindeutige Botschaft. Wenn man emotionale Probleme hat oder über Selbstmord nachdenkt, dann soll man die angegebene und kostenfreie Telefonnummer anrufen.

Die Rückseite des Bart-Tickets.

Die Rückseite des Bart-Tickets.

Hinter dieser sehr direkten, doch ganz und gar nicht „schreienden“ Aktion stecken gleich mehrere Gruppen in den verschiedenen Counties, die von Bart angefahren werden. Ein Projekt, das durchaus Sinn macht, denn oftmals kann man in der Bahn mitreisende beobachten, die ihren Gedanken nachhängen. Vielleicht sieht der eine oder die andere diese Nummer und wählt sie in einem stillen Moment.

Selbstmord ist in San Francisco ein durchaus stets aktuelles Thema. Die Golden Gate Bridge ist und bleibt ein Anziehungspunkt für suizidgefährdete Menschen. Ein letzter Blick auf die Stadt, dann der Sprung, der fast immer den sicheren Tod bringt. Krisentelefone wurden zwar auf der Brücke angebracht, ein Suizidnetz soll nun nach einer längeren Debatte unterhalb der Bridge befestigt werden. Doch die Brücke bleibt ein Magnet für Lebensmüde. Vor diesem Hintergrund wirkt die Fahrkartenaktion der Beratungsgruppen in der San Francisco Bay Area als ein wichtiges Signal für Menschen in Not.

Ruhe am Golden Gate

Na ja, so ruhig ist es dann nun doch nicht auf der Golden Gate Bridge. Bautrupps hämmern und biepen mit ihren Fahrzeugen durch die Gegend. Doch zum ersten Mal in der langen Geschichte, ist die Brücke ein ganzes Wochenende lang für den Verkehr gesperrt. Der Grund ist eine mobile Fahrspurtrennung, die neu eingerichtet werden muß. Bislang veränderten Arbeiter der Brücke täglich zweimal die Spurenführung. Im morgendlichen Berufsverkehr wurden vier Spuren in Richtung San Francisco freigegeben, im Abendverkehr vier Spuren in Richtung Marin County.

Per Hand wurden gelbe Plastikröhren in vorgebohrte Löcher im Asphalt gesteckt. Die verhinderten natürlich keine Frontalzusammenstöße, von denen es seit 1970 128 gab. Dabei starben 16 Menschen. Die Stimmen wurden lauter, eine sichere Fahrspurentrennung einzurichten. Das Problem war lange Zeit, dass es nur feste Trennungskörper in einer Breite von fast 50 cm gab. Die Golden Gate Bridge kann aber nur Barrieren in einer Breite von maximal 30 cm verkraften. Schon jetzt sind die Spuren äußerst schmal bemessen, das wird auch so bleiben, die Brücke läßt sich ja nicht einfach erweitern. Doch das 30 Millionen Dollar teure Projekt soll einen sichereren Verkehrsfluß und eine täglich einfache zweimal veränderbare Spurenführung garantieren.

Mit der neuen Barriere wird es eng auf der Golden Gate Bridge.

Mit der neuen Barriere wird es eng auf der Golden Gate Bridge.

Nun allerdings hat man mit einer Firma einen „road zipper“, eine Art Reißverschluß entwickelt, der für die Golden Gate Bridge paßt. Um alles genau zu bemessen und die neue Technik im Einsatz vor Ort testen zu können, mußte die Brücke geschlossen werden. Für insgesamt 52 Stunden, so lange wie noch nie zuvor. Nur Fußgänger, Fahrradfahrer und öffentliche Busse dürfen an diesem Wochenende die Golden Gate Bridge überqueren.

Dies ist nicht die einzige bauliche Maßnahme, die ansteht. Schon bald soll unterhalb der Brücke ein Sicherheitsnetz installiert werden, das Selbstmörder vor dem Sprung in den fast sicheren Tod bewahrt. Seit der Eröffnung der Golden Gate Bridge 1937 haben sich mehr als 1500 Menschen von dort hinabgestürzt.

Nichts geht mehr auf der Golden Gate Bridge

Zwei Rehe überquerten am Freitag die Golden Gate Bridge. Foto Rydalia via Twitter.

Zwei Rehe überquerten am Freitag die Golden Gate Bridge. Twitter Nutzer Rydalia machte dieses Foto, als auch der Verkehr Richtung San Francisco zu einem Stopp kam.

Freitagabend Feierabendverkehr. Die Golden Gate Bridge ist eines der Nadelöhre in der San Francisco Bay Area. Langsam schiebt sich der Verkehr Richtung Norden aus der Stadt hinaus. Doch um kurz vor halb sechs kommt alles zum Stillstand. Zwei Rehe rennen auf die Fahrbahn und laufen von San Francisco aus kommend Richtung Marin Headlands. Die Autofahrer hinter ihnen reagieren sofort, bremsen ab, verlangsamen den Verkehr, blockieren die Fahrspuren. Auf der Gegenfahrbahn kommt auch alles zum Erliegen. Die Handys werden gezückt, um Bilder und Videos von diesen ungewöhnlichen Brückengängern zu machen. Im guten Galopp rennen die beiden Rehe Richtung Norden. Passanten wählen die Notrufnummer 911, die Highway Patrol ist alarmiert, doch bevor die Beamten zur Brücke durchkommen, ist die Fahrbahn schon wieder frei. Die beiden Rehe haben ungehindert und unverletzt das Golden Gate überquert, den 101 Freeway verlassen und sich auf der Marin Headlands Seite in die Büsche geschlagen.

YouTube Preview Image

Es gibt schon Bekloppte!

Erst gestern bin ich wieder über die Golden Gate Bridge gefahren. Noch immer ist es faszinierend und beeindruckend über dieses monumentale Bauwerk zu fahren. 1987 bin ich das erste mal über die Brücke gelaufen, von 1996 bis 1999 regelmäßig über die „Bridge“ gejoggt und mit dem Fahrrad geheizt. Mitte der 90er Jahre war ich sogar für einen Artikel ganz oben auf dem Südtower und blickte runter auf dieses amerikanische Symbol aus Stahl. Doch auch nach all den Jahren hat sich nichts geändert. Noch immer denke ich mir jedesmal, wenn ich über die Golden Gate Bridge fahre: WOW!

Dass nicht mehr Unfälle auf der Brücke passieren verwundert, denn die Fahrspuren in beide Richtungen sind nur durch Plastikpömpel getrennt, die je nach Verkehrsaufkommen umgesetzt werden. Nun haben Vollpfosten auf vier Rädern eine sogenannte „Side Show“ vollführt. Das heißt, ein paar Fahrer halten mit ihren Wagen den Verkehr auf, während ein anderer vor ihnen „Doughnuts“ macht. Mit Vollgas und rauchenden Bremsen im Kreis drehend. Und sowas auf der Golden Gate Bridge, Zentimeter vom Gegenverkehr und der Randbegrenzung entfernt. Neben Touristen, Pendlern und nichts ahnenden Passanten. Alles wird von den blockierenden Fahrern auf Video aufgenommen und dann ins Internet gestellt. Highway Patrol und die Verantwortlichen der Brücke sind „not amused“. Sie haben schon viel erlebt, Umdrehmanöver und anhaltende Autos für die beste Fotogelegenheit, aber „Doughnuts“ noch nie. Nun versucht man herauszufinden, wer dahinter steckt.

Schon im letzten Jahr drehte eine Gruppe dieser Autochaoten „Doughnuts“ auf dem vielbefahrenen 880er direkt vor dem Oakland Coliseum, in dem die „Warriors“, die „A’s“ und die „Raiders“ spielen. Natürlich wurde auch dieses Video ein Hit online:

YouTube Preview Image

Poltergeist in Larkspur

Larkspur ist eine Kleinstadt im superreichen Marin County, nördlich der Golden Gate Bridge. Direkt an der San Francisco Bay gelegen kann man sich hier als Grundstücksspekulant eine goldene Nase verdienen. 2010 erwarb eine Firma ein größeres Grundstück und wollte darauf Häuser bauen, die zwischen 1,2 und 2,5 Millionen Dollar verkauft werden sollten. Insgesamt handelt es sich um 55 Millionen Dollar Großprojekt. Doch dann stellte man fest, dass genau an dieser Stelle ein indianischer Friedhof der Miwok war. Per Gesetz mußten Archäologen eingeschaltet werden, die beim Graben einen wahren Schatz entdeckten. Sie schätzten, dass der Fund auf eine Ansiedlung rund 4500 Jahre zurück reicht, noch bevor in Ägypten die großen Pyramiden gebaut wurden. Man fand Knochen, Werkzeuge, Gegenstände, Belege für Tierzucht. Ein Archäologe, der seit 40 Jahren tätig ist, meinte, so einen Fund habe es in Kalifornien seit 100 Jahren nicht mehr gegeben.

Doch nichts ist von dem historischen Schatz geblieben. Das Gesetz sieht auch vor, dass die Nachfahren des Stammes schlußendlich entscheiden können und dürfen, was mit allem geschehen soll. In einer Eilaktion, ohne DNA Analyse, wurde ein nordkalifornischer Stamm als Nachfahren bestimmt. Die Indianer des Graton Rancheria Stammes durften entscheiden, obwohl gar nicht klar war und ist, ob sie überhaupt zuständig sind. Allein ihre örtliche Nähe zum Fundplatz prädestinierte sie. Archäologen witterten deshalb auch ein abgekartetes Spiel zwischen der Gemeinde Larkspur, die durch den Bau der Häuser eine  immense Ausgleichszahlung erhält, der Baufirma, die mit der Erschließung des Landes ein Vermögen verdienen wird und den indianischen Nachfahren, die einfach entschieden, die Gebeine müßten umgebettet werden, dann dürfe der Ort zubetoniert werden. Auch wurde alles unter dem Mantel des Stillschweigens erledigt, eine Vertragsklausel verbot die Öffentlichkeit zu informieren. Der Chef des Stammes wollte das ganze Tohuvabohu nicht verstehen und erklärte etwas entnervt: „Unsere Sichtweise ist, dass die Dinge uns gehören, Punkt. Lassen Sie uns frei entscheiden, was wir damit machen. Wenn wir zu dem Schluß kommen, dass es sich um heilige Objekte handelt, dann werden wir sie umbetten, denn in unserer Tradition sind Gegenstände, wie Perlen, Glückssteine oder was auch immer, Teil der Person, die gestorben ist. Wie würden Juden oder Christen reagieren, wenn wir ihre Überreste auf einem Friedhof ausgraben würden, um sie zu untersuchen. Niemand hat das Recht dazu“.

Die Archäologen sind entsetzt, die Indianer genervt, der Bauherr zufrieden, die Gemeinde erfreut, im Angesicht der neuen Steuereinnahmen. Ende der Geschichte. Es sei denn, die Geister, die man rief, sind mit der Entscheidung dann doch nicht so zufrieden. Einige gehässige Beobachter dieses Dramas hoffen nun, dass der 1982er Spielfilm „Poltergeist“ hier eine Fortsetzung im richtigen Leben finden wird.

Kormorane wollen nicht umziehen

Die neue Bay Bridge zwischen Oakland und San Francisco war nicht gerade billig. 6, 4 Milliarden Dollar kostete der Neubau auf der Ostseite. Damit lag man rund fünf Milliarden Dollar über dem angepeilten Preisschild. Doch schön sieht sie aus. Ganz weiß, nachts beleuchtet, nett anzusehen. In einer weiter nach rechts reichenden Biegung sieht man sogar hinter Treasure Island die Golden Gate Brücke vor sich. Beeindruckend.

Neben dem Neubau steht noch die alte Stahlkonstruktion aus den frühen 30er Jahren. Rostig und schon teilweise abgetragen. Doch man ist schon jetzt – mal wieder – hinter dem Zeitplan und es wird noch schlimmer, denn die alte Bay Bridge hat Untermieter, die nicht gestört werden dürfen. Seit 1984 nisten Kormorane im Unterbau der Stahlbrücke. Damals kamen sie aus Alaska, Mexiko und Nova Scotia. Warum ist nicht so klar, aber so geht es vielen hier, die in der Bay Area hängen bleiben. Irgendwie fanden sie die Stahlträger mit Aussicht auf den Oakland Hafen klasse und blieben. Das Problem ist nun, die Vögel sind unter kalifornischem und US Gesetz geschützt und dürfen während der Brutzeit nicht gestört werden.

700.000 Dollar hat Caltrans bereits für eine Umziehaktion ausgegeben. Unter dem neuen Brückenteil wurden extra Träger eingezogen, schöne, frische Nistplätze, doch die Vögel wollen nicht so, wie sich das die Ingenieure gedacht haben. Sie bleiben lieber da, wo sie sind und verzögern damit den Brückenabriss. Nun hat Caltrans weitere 12,9 Millionen Dollar eingeplant, diesmal allerdings für zusätzliche Bauarbeiter, die die verlorene Zeit wieder reinholen sollen. Noch ist unklar, wann die Arbeiten weitergehen können, denn noch lachen sich die Kormorane einen.

Tod einer Schülerin

Am 29. August fuhr die 17jährige Gabri Aparicio zur Golden Gate Bridge, parkte ihren Wagen, spazierte auf die Brücke und sprang in den Tod. 46 Menschen brachten sich so im vergangenen Jahr um, so viele wie noch nie zuvor seit der Eröffnung der weltbekannten Brücke 1937.

Eine halbe Stunde vor ihrem Freitod schickte die Schülerin noch einen Fragenkatalog per Email ab, für einen Artikel an dem sie für ihre Schulzeitung arbeitete. Das sei ein Zeichen dafür, dass es eine Kurzschlusshandlung gewesen sei, so die Eltern der 17jährigen. Ihr Leben hätte gerettet werden können. Die Geschichte der jungen Frau und die vieler anderer Selbstmörder wurden am Montag vor dem Rathaus in San Francisco erzählt. Angehörige und verschiedenste Organisationen fordern schon seit langem ein Netz unter der Brücke anzubringen, um Todesspringer retten zu können. Beschlossen wurde so ein Schutz im Jahr 2008, doch fehlt dem Brückenbetreiber, Golden Gate Bridge Highway and Transportation District. die dafür notwendigen 45 Millionen Dollar.

Die Angehörigen von Selbstmördern wollen sich damit nicht zufrieden geben und verlangen endlich die Umsetzung des Plans. Kritiker eines Sprungnetzes unterhalb der Golden Gate Bridge führen immer wieder an, dass durch diese Baumaßnahme das Bild der Brücke zerstört werden würde und, dass man damit einem zum Selbstmord entschlossenen Menschen langfristig nicht von seiner Tag abhalten kann.

„The Bridge“ ist eine beeindruckende Dokumentation über Menschen, die den Freitod an der Golden Gate Bridge wählen.

YouTube Preview Image

Erinnern nicht vergessen

Heute ist Memorial Day in den USA. Die amerikanische Fahne ist fast überall zu sehen. Nachbarn lassen sie im Wind wehen, Autoverkäufer bieten mit den „Stars and Stripes“ besondere „Deals“ an, Supermärkte verkaufen die Hot Dogs mit einem „Flag Sticker“.

Und dann sind da noch die Gedenkveranstaltungen im ganzen Land. Präsident Obama war am Morgen für eine zentrale Veranstaltung auf dem Arlington National Cemetery. Auch hier in der Bay Area kamen viele Offizielle, Familienangehörige und Freunde von gefallenen Soldaten zusammen. Auf dem Friedhof im Presidio, gleich bei der Golden Gate Bridge, oder in Colma auf dem riesigen Soldatenfriedhof südlich von San Francisco.

Man gedenkt heute der gefallenen Soldaten. Vor allem der mehr als 6700 Männer und Frauen, die seit Ende 2001 auf den jüngsten Kriegsschauplätzen im Irak und in Afghanistan starben. Im Fernsehen, im Internet und in den Zeitungen sieht man Photos von zumeist jungen Militärangehörigen, die für ihr Land gefallen sind. Eine hohen Preis für ihren Einsatz zahlen mußten. Man liest die trauernden Zeilen von Familienmitgliedern und Freunden, die sich erinnern. Und vielleicht denkt auch der eine oder andere in den USA an all das Leid, an das Elend, an die Not, die diese beiden Kriege im Irak und in Afghanistan verursacht haben.