„If you’re going to San Francisco…“

Sibley Volcanic Regional Park.

„…don’t get stuck there.“ Wirklich, ich kann es nur jedem empfehlen, der die nordkalifornische Metropole besucht. Bleibt nicht nur in San Francisco, erkundet die East Bay. Oakland hat so viel zu bieten, eine Stadt, die man entdecken sollte. Und dann sind da so wunderbare Wanderwege in den East Bay Hills, die mich und meine Käthe jeden Tag locken. Mal tief runter zu den Redwoods, über verschlungene Wege alleine durch einen Mischwald oder wie heute zum Sibley Volcanic Regional Park, nur ein paar Minuten von meiner Haustür entfernt. Heute war die Sicht so klar, dass man westwärts die Farallon Islands, immerhin 30 Meilen vor dem Golden Gate gelegen, sehen konnte. Und der Blick Richtung Osten ließ so gar nicht vermuten, dass man hier in einem Ballungsraum mit sechs Millionen Menschen lebt. Ich setzte mich auf eine Bank und genoss diesen wunderbaren Herbst-Augenblick, während Käthe auf Hasen- und Mäusejagd in den Büschen ging….und nein, sie fing nichts!

Wohnraum wird unbezahlbar

Der Traum vom Leben in Kalifornien, am Pazifik, am Golden Gate rückt für viele in weite Ferne. Wer in die San Francisco Bay Area ziehen möchte, sollte einen gutbezahlten Job haben. Denn ohne viel Moos, ist hier nichts los. Der „Zumper National Rent Report“ für August ist nun veröffentlicht worden, darin die harten und trockenen Zahlen des Mietspiegels für die USA. San Francisco hat mittlerweile Manhattan hinter sich gelassen, in der „City by the Bay“ braucht man viel Geld für die monatliche Miete in der Tasche, wenn man denn überhaupt ein Apartment findet.

Und auch auf der anderen Seite der Bay, in Oakland, steigen die Preise immer weiter. Oakland liegt mittlerweile im Vergleich zu allen anderen Großstädten in den USA an führender Position, wenn es um den prozentualen Preisanstieg für Mietwohnungen geht. 20 Prozent muß man hier mehr zahlen, als noch vor einem Jahr. Der Durchschnittspreis für ein Einzimmerapartment in Oakland liegt derzeit bei 1980 Dollar. Und das ist noch billig, wenn man auf die andere Seite der Bay nach San Francisco blickt. Dort zahlt man etwa 3600 Dollar für ein „One bedroom“ Apartment. Oakland ist noch mit am „günstigsten“ in der Bay Area. Auch in San Jose sind die Preise höher, ganz zu schweigen von der Peninsula zwischen SF und SJ, dort wo das Silicon Valley zu finden ist. Die google Welt zieht ihre Kreise.

Teures Pflaster San Francisco

      San Francisco Tourismus

New York City, Las Vegas, Orlando, Honolulu und San Francisco. Das sind die Top Touristenziele in den USA. San Francisco ist in diesem Kreis die kleinste Stadt. Doch eine Meldung von Bloomberg News ließ kürzlich die Reiseveranstalter aufhorchen. San Francisco habe die teuersten Hotelzimmer überhaupt, hieß es. Dazu ein aktueller Audiobericht.

Unbekannte Ausblicke

313,700 Reisende mit einem deutschen Pass kamen im vergangenen Jahr nach San Francisco. Das sind die offiziellen Zahlen des San Francisco Touristenbüros. Die Besucher zog es in Scharen zur Golden Gate Bridge und nach Fisherman’s Wharf, zur Cable Car und nach China Town, dann noch in den Golden Gate Park und nach Haight Ashbury, in die Castro Street und den Mission Distrikt. San Francisco hat durchaus die schönen, doch bekannten und leider auch überlaufenen, Ecken.

Ganz anders die East-Bay und besondes hier in Oakland. Heute war ich mal wieder mit meinem Hund im Sibley Park unterwegs, er ist Teil des „East Bay Regional Park Districts“. Sonntagnachmittag und ich war fast alleine in den Hügeln. Die Sonne schien, der Wind blies kräftig. Hinter mir Mount Diablo bei Walnut Creek, vor mir die San Francisco Bay mit Alcatraz, dem Golden Gate und ganz weit draußen sogar die Farallon Islands zu erkennen. Der Blick war klar heute. Von hier oben kann man weit, sehr weit sehen.

Die East Bay Hills mit ihrem fast unbekannten Parksystem sind ein Geheimtipp für San Francisco und Nordkalifornien Reisende. Hier findet man eine wunderbare Naturlandschaft mit Redwoods, Bächen, Vulkangestein und immer wieder beeindruckenden Ausblicken. Und jedesmal denke ich mir, es ist schon ein wunderbares Fleckchen Erde, an das es mich hier verschlagen hat

Nebel des Grauens

Diese Geschichte klingt wie ein Kapitel aus dem Buch der großen Verschwörungstheorien. Sie hätte einen guten Platz neben den versteckten Außerirdischen in der Area 51 in Nevada, der Mondlandung, die es nie gab, den wahren Hintermännern des Attentats auf John F. Kennedy, dem Abtauchen und Weiterleben von Elvis Presley, der Zerstörung des World Trade Centers durch die US Regierung oder eines internationalen jüdischen Geheimbundes.

Foto: AFP

Foto: AFP

Doch diese Geschichte hat sich wirklich so ereignet. Im September 1950 ankerte ein Minensuchboot der US Navy rund dreieinhalb Kilometer vor der Küste San Franciscos. Tagtäglich wartete man auf die Nebelbank, die am frühen Nachmittag vom offenen Meer her kommend auf das Golden Gate zog. Sechs Tage lang versprühten dann Angehörige des amerikanischen Militärs die als harmlos geltenden Bakterien Serratia und den Bazillus Globigii aus riesigen Löschrohren in den dichten Nebel. Getestet werden sollte, ob der Nebel für einen biologischen Angriff genutzt werden könnte. Die Bakterien breiteten sich mit dem San Francisco Fog über die gesamte Bay Area aus.

Die Navy hatte zuvor 43 Messstellen in Albany, Berkeley, Daly City, Colma, Oakland, San Leandro, San Francisco und Sausalito eingerichtet und war vom Erfolg begeistert. Das Ergebnis, die Bakterien breiteten sich problemlos im nassen Dunst aus. Der Septembernebel trug die Bakterien mit sich, die nichtsahnenden Bewohner der Gegend atmeten diesen, angeblich harmlosen, Zusatz ein. Es war der erste, doch nicht der letzte Test dieser Art. Weitere Sprühaktionen wurden in der New Yorker U-Bahn, dem Pennsylvania Turnpike und im National Airport von Washington durchgeführt.

Doch die amerikanische Regierung verstieß mit diesen Tests gegen die Richtlinien des Nürnberger Kodex , die 1947 nach den Ärzteverfahren im Nürnberger Prozess mit Zustimmung und Unterschrift der Amerikaner beschlossen wurden. Dort heißt es: „Die freiwillige Zustimmung der Versuchsperson ist unbedingt erforderlich. Das heißt, dass die betreffende Person im juristischen Sinne fähig sein muss, ihre Einwilligung zu geben; dass sie in der Lage sein muss, unbeeinflusst durch Gewalt, Betrug, List, Druck, Vortäuschung oder irgendeine andere Form der Überredung oder des Zwanges, von ihrem Urteilsvermögen Gebrauch zu machen; dass sie das betreffende Gebiet in seinen Einzelheiten hinreichend kennen und verstehen muss, um eine verständige und informierte Entscheidung treffen zu können. Diese letzte Bedingung macht es notwendig, dass der Versuchsperson vor der Einholung ihrer Zustimmung das Wesen, die Länge und der Zweck des Versuches klargemacht werden; sowie die Methode und die Mittel, welche angewendet werden sollen, alle Unannehmlichkeiten und Gefahren, welche mit Fug zu erwarten sind, und die Folgen für ihre Gesundheit oder ihre Person, welche sich aus der Teilnahme ergeben mögen. Die Pflicht und Verantwortlichkeit, den Wert der Zustimmung festzustellen, obliegt jedem, der den Versuch anordnet, leitet oder ihn durchführt.“

Lange Zeit blieben diese Feldtests als Teil der biologischen Kriegsführung im Kalten Krieg unter Verschluß. Erst Mitte der 70er Jahre wurde bekannt, was die US Navy da 25 Jahre Jahre zuvor getrieben hatte. Aufgrund eines Artikels in einer Tageszeitung wandte sich Edward Nevin III an die Behörden und wollte mehr erfahren, denn sein Großvater war 1950 in San Francisco nach einer Prostataoperation an einer unerklärlichen Serratia Infektion gestorben. Zehn weitere Personen wurden damals mit Serratia Infektionen im Krankenhaus behandelt. Nevin III klagte gegen die Regierung, doch die Richter wiesen die Klage ab mit der Begründung, die Regierung hätte Immunität und das Recht gehabt, diese Geheimtests ohne die Zustimmung der Bevölkerung durchzuführen.

Der San Francisco Chronicle schrieb nach Bekanntwerden des Ausmaßes der Geheimaktion in einem Artikel, dass das Serratia Bakterium seit 1950 mehrmals in der Bay Area nachgewiesen werden konnte, was darauf hindeuten könnte, dass die ursprünglichen Tests langwierige Folgen gehabt haben.

Kein so schlechter Ort zum Leben

San Francisco Bay Area von oben in all ihrer Pracht.

San Francisco Bay Area von oben in all ihrer Pracht.

Wir haben Erdbeben und viel Nebel, teure Mieten und schrecklichen Straßenverkehr.  Und dennoch, die San Francisco Bay Area ist eine unvergleichlich schöne Gegend. Das kann man sich nun auch von oben ansehen. Der Esa-Erdbeobachtungssatellit „Landsat 8“ hat dieses Bild Anfang März geschossen und es zeigt die ganze Einmaligkeit dieser Region. Wasser und viel Grün. Es ist schon eine besondere Gegend, in der ich meine zweite Heimat gefunden habe.

Da rechts, wo Oakland ins Grüne übergeht wohne ich. Und arbeite ich, denn als freier Korrespondent habe ich mein Büro daheim. Das hat hier einen Riesenvorteil, ich muß nicht täglich durch den Wahnsinnsberufsverkehr einmal hin und einmal zurück. Ich kann sogar sagen, ich laufe ins Büro…na ja, ein paar Treppen runter, Kaffee machen, Treppe hoch und der Tag kann beginnen. Und jeder Tag bietet was neues. Politische Themen, Kultur, viel Musik. Die Berichterstattung über Amerika, dazu noch meine Reisen und mein Interesse an verschiedenen anderen Regionen und meine Radiosendung zur Musik aus deutschsprachigen Landen, lassen es nicht langweilig und eintönig werden.

Doch zurück zu diesem besonderen Bild von oben. Hier kann man gut sehen, warum so viele in dieser Region leben wollen. Es ist einfach eine besondere Gegend. Das Meer, die Bay, die vielen offenen und geschützten Naturflächen, wie die Marin Headlands, nördlich der Golden Gate Bridge, der East Bay Regional Park, gleich da, wo ich wohne östlich von Downtown Oakland und dann findet man südlich von San Francisco weite offene Flächen zwischen Pazifik und Bay, die zum Golden Gate National Park Service gehören. Und das ist alles direkt vor der Tür.

Was das beeindruckende ist, man hat es hier geschafft, in einem Ballungsraum mit Millionen von Menschen offenen Platz zu schützen. Gerade das macht die Bay Area neben all ihren wirtschaftlichen, kulturellen und innovativen Reizen auch aus. Von meinem Haus gehe ich nur ein paar Minuten und stehe allein unter gewaltigen Redwoods, eine natürliche Kathedrale, ohne auch nur eine Menschenseele um mich herum. Kein Lärm, kein Geschrei, kein Laubgeblase. Nur Ruhe. Auch das ist Oakland.

Obdachlos in San Francisco

San Francisco ist eine „world class tourist destination“. Hierher kamen schon immer Leute aus aller Herren Länder. Viele Besucher, viele, die dann länger blieben oder ganz hierher kamen. San Francisco ist eine Stadt voller Kreativität, voller Lebenskünstler, voller Ideen. Das hat sich immer wieder ausgezahlt. Die „City by the Bay“ ist das Tor zum Silicon Valley, hier wohnen viele, die bei den High Tech Schmieden im Süden arbeiten.

Obdachlos in San Francisco.

Obdachlosigkeit gehört in San Francisco zum Stadtbild.

Kein Wunder also, dass San Francisco voller Millionäre ist, die ihr Geld, die sehr viel Geld in der New Economy Kaliforniens gemacht haben. In der viertgrößten Stadt des Bundesstaates leben weit über 100.000 Millionäre. Geld gibt es hier genug, Geld wird mit vollen Händen ausgegeben. Wohnraum und Grundstücke sind teuer, das Leben wird immer unerschwinglicher. Vor diesem Hintergrund ist es ein Skandal, was nun in einem Artikel des San Francisco Chronicles zu lesen ist. Jedes 25. Schulkind in der Stadt ist obdachlos. Das heißt, rund 2100 Kinder haben kein festes Zuhause. Das sind zwischen 70 und 80 volle Schulklassen mit Kindern und Jugendlichen, die nach dem Schlußgong in Obdachlosenunterkünften, angemieteten Hotelzimmern, bei Verwandten und Freunden, und ja, auch auf der Straße leben.

Die Zahl ist zwar zum Vorjahr leicht gefallen, doch noch deutlich höher als 2005, als 844 obdachlose, schulpflichtige Kinder gezählt wurden. In dieser teuren Stadt kann der Verlust des Jobs, Gewalt in der Familie oder eine gestiegene Miete die Obdachlosigkeit bedeuten. Nur wenige Familien haben ein finanzielles Polster. Experten erklären, dass geringe Beträge zum Verlust der eigenen vier Wände führen können. Vermieter wollen langjährige Mieter loswerden, denn danach können sie dieselbe Wohnung für das doppelte und dreifache neu vermieten. Wer hier seit längerem lebt und seine Wohnung verliert, hat kaum noch eine Chance ein Apartment mit vergleichbarer Miete zu finden. Der Mietpreisspiegel ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen, allein im vergangenen Jahr um 9,4 %. Der Durchschnittsmietpreis liegt nun bei 3229 Dollar. Wie das eine normale Familie mit zwei, drei Kindern schafft, ist mir schleierhaft.

Ein Ende dieser dramatischen Entwicklung ist nicht in Sicht. San Francisco wird eine Stadt der Reichen, wer hier leben will, muß tief in die Tasche greifen. Arbeiter- und Mittelstandsfamilien werden immer mehr rausgedrängt. Die Zahl der 2100 obdachlosen Schulkinder, ist da nur eine der vielen traurigen Statistiken in der nordkalifornischen Metropole.

Denk ich an Oakland in der Nacht…

„(04-22) 07:53 PDT OAKLAND — A man was shot and killed in East Oakland, police said Tuesday. The victim, whose name wasn’t immediately released, was found dead in a car on the 1400 block of 104th Avenue near the San Leandro border about 5:20 p.m. Monday. No arrest has been made.“

Eine kleine Nachricht, die man am Morgen beim Kaffeetrinken liest. Alltag in Oakland. Der 28. Mord in diesem Jahr. Die Kommentare in Online Foren der beiden Tageszeitungen sind zynisch. Einige schlagen schon vor, dass San Leandro im Süden und Berkeley im Norden fünf Meter hohe Mauern an ihren Stadtgrenzen errichten sollten, damit die Gewalt nicht überschwappt. Doch der Mord war nicht der einzige „Zwischenfall“ am Montagabend.

„The other shooting happened about 11:21 p.m. in the 2600 block of International Boulevard, a few blocks from the Fruitvale district. A 24-year-old man, whose name was not released, said he was walking when he was suddenly hit by a gunshot to his leg.“

Schüsse fallen immer wieder in der Stadt, gerade in East- und West-Oakland. Jahr für Jahr zählt man rund 600 Schießereien im Stadtgebiet. Vor ein paar Wochen bin ich zu einer Diskussionsveranstaltung  der Bürgermeisterkandidaten und -kandidatinnen gegangen. Im November wird hier gewählt. Die Amtsinhaberin wollte keine Fehler eingestehen, alles laufe nach Plan. Man versuche ja die Gewalt unter Kontrolle zu bekommen, habe auch schon gute Fortschritte gemacht. Sie verwies auf eine gefallene Mordrate 2013. Die 100er Grenze wurde nicht überschritten, also ein Erfolg ihrer Politik. Tatsache ist jedoch, dass die bewaffneten Überfälle zugenommen haben. Die Polizei warnt mittlerweile davor, dass man in Downtown Oakland nicht unbekümmert mit seinem Smart Phone durch die Gegend laufen sollte. Das sei nur eine Einladung (!) für Kriminelle.

Downtown Oakland wurde in den letzten Jahren durchaus aufgewertet, heißt, Restaurants und Kneipen, Cafes und kleine Galerien eröffneten. Oakland hat viel zu bieten, ist eine Stadt voller Künstler und kreativer Menschen. Für San Francisco Besucher würde sich der kurze Weg über die Bay durchaus lohnen, um hier ins aktive Nacht- und Kulturleben einzutauchen. Doch leider ist es auch eine Tatsache, dass Kleinkriminelle hier Narrenfreiheit haben. Nach dem Kraftwerk Konzert vor ein paar Wochen im altehrwürdigen Fox Theatre mußte ich feststellen, dass meine Autoscheibe eingeschlagen war. Und nicht nur bei mir, von drei weiteren Konzertbesuchern erfuhr ich das gleiche. Seit 1999 lebe ich in dieser Stadt, seitdem ich hier bin, wird über die hohe Kriminalitätsrate diskutiert. Ein Programm folgt dem anderen. Bislang jedoch ohne messbare Erfolge. Mord, Schießereien, Überfälle, Einbrüche, damit wird diese Stadt immer mehr in Verbindung gebracht. Als hier lebender Deutscher kann man einfach nicht verstehen, warum da nicht endlich etwas getan wird, warum man Besucher immer noch davor warnen muß, nicht in bestimmte Stadtteile zu gehen, warum man als Bürger dieser Stadt auf manchen Straßen besonders aufpassen muß und sein Umfeld genauestens im Auge behalten sollte. Das ist Alltag in Oakland, der Stadt gleich hinter dem Golden Gate.

Nürnberg IST mehr wert

Das stimmt. Nürnberg ist mehr wert, als ein Wahlspruch, der für die CSU eine „Katastrophe“ (Sebastian Brehm) brachte. Nürnberg ist eine sehr schöne, lebens- und besuchswerte Stadt. Ich bin dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe dort studiert, Volontariat gemacht, viel über die Geschichte, die Menschen, das Leben dort gelernt. Und auch, wenn ich seit 1996 in Kalifornien wohne und arbeite, bin ich noch immer sehr mit Nürnberg verbunden. Familie, Freunde, tiefe Wurzeln. Dieses komische Wort „Heimat“ habe ich erst im Ausland so richtig verstanden.

Nun geht es zurück in meine zweite „Heimat“, Kalifornien. Nach Oakland, eine Stadt, in der ich bis heute nie richtig angekommen bin. Es ist eine schöne Stadt, eine einzigartige Region, doch nichts wiegt das auf, was Nürnberg zu bieten hat. Das Golden Gate ist nichts im Vergleich zum Königstor. Das ist kein platter Vergleich, zumindest nicht für mich. Das Golden Gate ist wunderschön, die Brücke ein Jahrhundertwerk. Und doch, am Königstor liegen Erinnerungen, die einem ein Leben lang bleiben.

Und nein, ich werde hier nicht melancholisch. Ganz im Gegenteil. Als jemand, der Nürnberg kennt und nun als Besucher immer wieder und immer wieder gerne zurück kommt, verstehe ich nicht, warum die Nürnberger Nürnberg schlecht reden. Alles ist irgendwie ein Prolbem. Von den Fahrradwegen bis zur VAG, vom Müll auf der Straße bis zur Sicherheit, von den Nachbarschaften bis zum Verkehr. All das erlebe ich auch als Besucher und ich frage mich jedesmal, wo ist das Problem. Nürnberg ist eine sichere Großstadt. Das belegen nicht nur die Statistiken, das empfinde ich auch. In keiner anderen Stadt fühle ich mich sicherer. Es gibt keinen Stadtteil, um den ich einen großen Bogen machen würde und ich gehe gerne nachts spazieren. In Oakland gibt es gleich mehrere, die ich meide und in denen ich zu bestimmten Tageszeiten sicherlich nicht zu Fuß unterwegs sein möchte. Wenn ich in der Vergangenheit als Journalist unterwegs war, in Los Angeles, in Ciudad Juarez oder in Goma, dann fragte ich immer zuerst dort Wohnende, was ich machen kann, was ich nicht machen sollte. Daran halte ich mich, das ist meine Faustregel auf allen Reisen. Sicherlich, das sind drei extreme Städte, doch es sind Städte, in denen Menschen leben und überleben. In Nürnberg brauche ich das nicht. Nürnberg ist sicher.

Die U-Bahn fährt pünktlich. Nürnberg ist ein Paradies für Fahrradfahrer. Nürnberg hat ein wunderschönes Umland, das einfach und direkt zu erreichen ist. Nürnberg pflegt sein Bratwurst- und Lebkuchenimage, und doch ist es eine Kulturstadt mit zahllosen Angeboten, Museen, Theatern, Konzerten, Ausstellungen, Filmfestivals. Man muß nur hinschauen. Und ja, Deppen gibt es überall, die ihren Müll auf die Strße schmeißen. Das hat nichts mit SÖR zu tun, sondern mit einer Einstellung zum öffentlichen Raum.

Vor ein paar Tagen war ich mit einer alten Bekannten aus Funkhauszeiten einen Kaffee trinken, sie arbeitet bei der Stadt Nürnberg und erzählte mir eine so typische Anekdote für Nürnberg. Täglich kommen Nürnbergerinnen und Nürnberger zu ihr ins Büro und fragen nach Programmen. Doch sie fragen nicht; „Könnte ich ein Programm bekommen?“. Nein, sie fragen; „Sie  haben sicherlich kein Programm mehr?“. In Nürnberg sieht man die Dinge in einer Schieflage. Alles ist schlimm, und wenn nicht, wird es schlimm geredet. Die Münchner kriegen eh mehr und haben es viel besser. Die haben Bayern München und feiern einen Sieg und einen Titel nach dem anderen, wir haben den 1. FC Nürnberg und erklärtes Saisonziel ist immer der Nichtabstieg. Aber mal ehrlich, will jemand Bayern München Fan sein?

Nürnberg war, ist und bleibt eine schöne Stadt und sicherlich gibt es Probleme. Keine Frage, die gibt es überall. Aber man sollte wirklich mal einen Blick von außen auf die Frankenmetropole werfen. Das lohnt sich. Ich weiß, wovon ich spreche.

Die Kunst als Opfer

Es ist mal wieder soweit. San Francisco, die Stadt am Golden Gate wird vergoldet. Ende der 90er Jahre erlebten wir hier schon einmal das Ausbluten der Kunst- und Kulturszene. Der High Tech Boom brachte viel Geld, neue Jobs und vor allem astronomische Mieten mit sich. Künstler, Musiker und Kulturschaffende aller Art wurden immer mehr verdrängt. Erst in die Stadtteile am Rande der Metropole, dann über die Bay nach Oakland. Etliche von ihnen zogen sogar ganz weg aus der Region. Viele tauchten wieder in Berlin auf.

Und nun wiederholt sich das ganze. In Downtown San Francisco erlebt man derzeit ein Galeriesterben. Eine nach der anderen Galerie macht dicht. Das liegt nicht am mangelnden Interesse an Kunst. Ganz im Gegenteil, San Francisco ist eine Kunstmetropole. Vielmehr breiten sich die Dot.com Firmen erneut aus, es ist wieder viel Geld im Umlauf, eine neue Blase wird heran gezüchtet. Die Vermieter merken das, denn Büroflächen werden rar in der Stadt. Es ist mittlerweile normal geworden, dass Mieten Jahr für Jahr um bis zu 180 Prozent steigen. Neue Goldgräberzeiten sind angebrochen, da verdienen so einige Hauseigentümer einen erheblichen Rentenzuschlag fürs Nichtstun. Die Internetfirmen können sich die steigenden Mieten leisten, sie vergrößern sich derzeit sogar noch. Für Galerien und Kultureinrichtungen in Downtown ist damit jedoch das Ende angebrochen. Sie können sich solch einen Mietwucher nicht länger leisten und ziehen sich zurück, suchen neue Möglichkeiten, Flächen, Ladenräume.

Doch auch in Stadtteilen, wie dem Mission Distrikt oder Portreo Hill sind die Mieten in der jüngsten Zeit in astronomische Höhen gestiegen. San Francisco verliert erneut im aktuellen Boom ein Stück von dem, was das Leben in dieser beeindruckenden Metropole ausmacht – die kulturelle Vielfalt, ein lebendiges Gemisch aus Hoch- und Subkultur.