Der Endloswahlkampf

Wurde da eigentlich letzten November gewählt? Wenn man sich die Forderungen der Republikaner ansieht, die sie derzeit auf Präsident Obamas Tisch knallen, dann ist die Antwort klar nein. Die GOP fordert eine Verschiebung von „Obamacare“, eine Überarbeitung des Steuersystems, dazu noch einige umstrittene Öl- und Gasprojekte, die Obama strikt ablehnt. Und das alles, damit der Betrieb in Washington weiterlaufen kann. Irgendwie scheint das Ergebnis der Wahl bei den Republikanern nicht angekommen zu sein. Oder man denkt sich, der Präsident ist eh derzeit angeschlagen, da treten wir gleich noch nach, denn wehren kann er sich sowieso nicht mehr.

Barack Obama ist ein Präsident auf Abruf. Bis 2016 hat er sowieso nicht mehr Zeit, im kommenden Jahr wird der US Kongress neu gewählt, danach ist Schluß mit lustig, danach sitzt er seine Zeit nur noch ab. Schon jetzt hat das Geschiebe auf beiden Seiten begonnen, wer das Erbe von Obama antreten wird. Die Republikaner positionieren sich und vertreten eine harte Linie. Die Gesundheitsreform muß weg, Steuern gesenkt, soziale Ausgaben reduziert und Umweltschutzmaßnahmen gestrichen werden. Der Wahlkampf für 2014 und 2016 ist eröffnet.

Obama sagt nein, will nicht einknicken, hofft auf ein Einlenken der republikanischen Führung und droht damit, dass die US Regierung eben in der kommenden Woche die Rolläden runter läßt. Der Präsident hofft auf die breite Unterstützung und den Protest aus der Bevölkerung. Doch danach sieht es nicht aus. Obama liegt in den Umfragen so niedrig wie noch nie, er wirkt angeschlagen, geschwächt, selbst in der eigenen Partei traut man ihm keinen harten Faustkampf zu. Doch der wird kommen, garantiert und schmerzhaft für Amerika. Für die Bürger, die Wirtschaft, doch vor allem für die amerikanische Demokratie, denn klar ist, Wahlen haben hier schon lange nichts mehr entschieden.

 

Amerika steht Kopf

„Wir sind erst einmal Amerikaner, bevor wir Republikaner oder Demokraten sind“, das sagte Präsident Barack Obama unmittelbar nach dem gestrigen Anschlag in Boston. Damit wollte er deutlich machen, dass Amerika geeint ist, dass man an die Opfer und deren Familien denkt, dass nun gemeinsam alles getan werden wird, um die Täter zu fassen. Tja, die Einheitsfront „Made in USA“ dauerte noch nicht mal einen Tag. Schon ging es los mit den Anfeindungen.

Demokraten beschuldigten Republikaner, aufgrund deren Blockadehaltung im Haushaltsstreit, seien wichtige Gelder für die Polizei und Ermittlungsbehörden gekappt worden. Natürlich habe das nicht direkt zum Terrorakt geführt, aber es hätte im Vorfeld des Marathons durchaus Einsparmaßnahmen gegegeben. Die Republikaner hingegegen sehen den schwarzen Peter eher in der Hand von Obama, der mit seinem Starrsinn die nationale Sicherheit Amerikas gefährde.

Und die konservativen Talk-Sendungen hatten ein volles Programm am heutigen Tag danach. Talk Show König Rush Limbaugh zeigte sogar Verständnis für den Fall, wenn der Täter wirklich Amerikaner gewesen sei. Wörtlich sagte er: „Ich glaube man sollte nicht verwerfen, dass wir in diesem Land in einem wirtschaftlichen Desaster sind. Es gibt Leute, die einfach nicht mehr weiter wissen. Sie finden keine Arbeit, keinen Job, keinerlei Hoffnung. Das führt zu allerlei Ärger und Chaos.“ Also, nach der Logik von Rush Limbaugh ist es also nur eine Frage der Zeit, bis ein Teil der Amerikaner los schlägt. Bewaffnet sind sie ja, dafür palavert Limbaugh ja schon lange genug.

Andere konservative Moderatoren, wie Bill O’Reilly oder Sean Hannity, machten „nur“ die „liberalen“ Medien dafür verantwortlich, dass nun eine politische Diskussion losgetreten wurde. Die „Libs“ wollten einfach einen Nutzen aus dem Attentat ziehen.

Der Anschlag in Boston hätte für Barack Obama zu keinem schlimmeren Zeitpunkt kommen können. Das fünfte Jahr der Präsidentschaft, das erste Jahr nach der Wiederwahl, sind die 12 Monate, in denen der Präsident wirklich was entscheiden kann. Quasi sich in die Annalen der Geschichte einschreiben. Obama hatte viel vor. Die Waffengesetze verschärfen, eine Reform des Einwanderungsgesetzes durchpauken, die gleichgeschlechtlichen Ehen im Bundesgesetz zu verankern. Daneben noch den Haushalt in ein günstiges Fahrwasser bringen und den Krieg in Afghanistan auslaufen lassen. Damit hätte Obama viel erreicht. Doch nur einen Tag nach dem Attentat ist klar, es wird schwer, verdammt schwer für all diese Ziele. Nun konzentriert sich alles wieder auf die nationale Sicherheit, auf den Terrorismus, auf die Frage, wer patriotischer als sein Nachbar ist.

Teile der GOP haben bereits erklärt, erst einmal die „Immigration Reform“ neu überdenken zu müssen. Denn falls es zutreffe, dass ein ausländischer, sprich saudiarabischer Student für den Anschlag verantwortlich zu machen sei, müßte alles neu formuliert werden. An Waffengesetze und an Schwulenehe ist zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht zu denken. Obama läuft die Zeit davon, denn 2014 wird er nur noch ein Präsident auf Abruf sein. Die Kongresswahlen stehen dann im November an und die ersten Kandidaten auf beiden Seiten werden sich ins Rampenlicht rücken. Da ist kein Platz mehr für die politischen Ideen eines Barack Obama.

Romney soll kandidieren

Nein, nicht Mitt, sondern seine Frau Ann ist die Wunschkandidatin der Republikaner in Massachusetts. Der frühere und bekannte GOP Senator Scott Brown erklärte, er werde nicht für die Vorwahlen am 30. April und somit auch nicht für die Sonderwahl am 25. Juni zur Verfügung stehen, um den Sitz von nun Außenminister John Kerry zu füllen. Brown erklärte in einer Stellungnahme, er sei müde von all den parteipolitischen Kämpfen und werde nicht kandidieren. Erst 2010 war er in einer Sonderwahl nach dem Tod von Ted Kennedy in den US Senat gewählt worden, verlor allerdings bei regulären Wahl im November gegen die Demokratin Elizabeth Warren.

Die GOP Führung in Massachusetts mußte nun auch eingestehen, dass man über diese Entscheidung mehr als überrascht sei und nun schnellstmöglich einen geeigneten Kandidaten suche. „Unsere Reihen sind nicht so gefüllt“, meinte ein Offizieller und erklärte, er habe schon mehrere Anrufe erhalten, in denen er aufgefordert wurde Ann Romney für eine Kandidatur zu gewinnen.

Ann Romney, die Frau des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, hatte viele in der Partei durch ihre angenehme Art, ihren persönlichen Kampf gegen Multiple Sklerosis und ihren Einsatz für ihre Familie überzeugt. Nur wenige Monate nach der verlorenen Präsidentschaftswahl könnte die GOP damit mit einem frischen und allseits bekannten Gesicht in die wichtige Senatswahl gehen. Offen ist noch, wie sich Ann Romney zu diesem Vorschlag verhalten wird.

Der Kandidat ohne Wähler

Mitt Romney hatte sich mit seinen jüngsten außenpolitischen Äusserungen schon quasi die Chancen auf eine erfolgreiche Kandidatur genommen. Selbst in der eigenen Partei stöhnte man auf, über die Kurzsichtigkeit und die naive Interpretation der gewaltsamen Übergriffe auf amerikanische Botschaftseinrichtungen. Irgendwie hoffte man auf ein gelungenes Comeback, auf einen geplanten Rückschlag gegen Team Obama.

Doch dann kam auch noch die Veröffentlichung des Videos von einer Wahlkampfveranstaltung im Mai, auf der Romney erklärte 47 Prozent der Wähler seien ihm sowieso egal. Eine klare Ansage und ein deutliches Signal an alle Wähler, dass Mitt Romney gar nicht Präsident aller Amerikaner werden möchte. Vielmehr sieht er sich als ein Vertreter von ein paar wenigen, jenen mit direkten finanziellen Interessen im Weißen Haus. Romney scheint der Kandidat zu sein, der die Arm-Reich Schere im Land noch weiter auseinanderreißen will und wird. Der Republikaner, und das ist in diesen Tagen klar geworden, ist noch nicht in der heißen Phase des Wahlkampfes angekommen. Am 3. Oktober steht die erste Fernsehdebatte zwischen Amtsinhaber Obama und dem republikanischen Herausforderer Romney zur besten Sendezeit an. Ohne Teleprompter, ohne die Zusprache von Beratern muß sich Romney einem Präsidenten stellen, der solche Duelle lebt und liebt. Mitt Romney muss in den kommenden Wochen alles daran setzen, um irgendwie noch Punkte, gerade mit den Wählerschichten zu sammeln, die er in jüngster Zeit so hammerhart vor den Kopf gestoßen hat. Latinos, Afro-Amerikaner, Arbeiter, Mittelschichtsangehörige, Frauen und Mütter, Erstwähler, Homosexuelle….und das sind nur ein paar Beispiele von Wählergruppen, die in diesem Jahr massiv im Wahlkampf auftreten. Mitt Romney hat ein Problem, er läuft einem Zug hinterher, der schon ohne ihn den Bahnsteig Richtung Weißes Haus verlassen hat.

Love Parade in Florida

Man, man, man….das ist schon ein Lovefest in Tampa, Florida. Alle lieben Mitt, der Retter der Nation. Nur komisch, anscheinend kann sich niemand mehr an den Vorwahlkampf der Republikaner erinnern? Da war Mitt Romney ein Paria. Der Superreiche, der keinen Bezug zum amerikanischen Mittelstand, keine Ahnung von den Alltagsproblemen des Normalsterblichen US Bürgers hat. Er fühle sich verbunden zu den Autobauern in Detroit, so Romney bei einem Besuch bei General Motors, denn seine „Frau fahre auch zwei Cadillac“. Solche Sprüche zeigten nur zu deutlich, in welcher Welt Mitt Romney lebt.

Alles vorbei, alles vergessen. Selbst die christlich-fundamentalistische Basis beißt sich auf die Lippen. Ein „Sekten“ Mormone im Weißen Haus ist noch immer besser als der Sozialist Obama. So ungefähr läßt sich deren Einknicken in Sachen Romney erklären, denn im gesamten Vorwahlkampf setzten sie auf die falschen Kandidaten. Und dann war Schluß mit Wählen, Mitt durch und sie standen da, rieben sich die Augen und wunderten sich, wie es nun dazu kommen konnte.

Nun also beginnt die Liebeskampagne mit der Partei, die nicht so richtig will. Ehefrau Ann Romney erzählt auf dem Parteitag aus dem Familienleben. Die Romneys hätten ja auch harte Zeiten durchgemacht, von daher….Klar, ein Romney wie du und ich. Und dann Chris Christie, Gouverneur von New Jersey. Er gibt den Einheizer „stand up with me“, aber auch er vermeidet die direkten Angriffe auf Präsident Obama. Vielmehr wirbt er um die Unterstützung der Basis für den Kandidaten Mitt Romney. Man wird das Gefühl nicht los, dass in der GOP nur die wenigsten so richtig zufrieden mit ihrem Mann im Rennen ums Weiße Haus sind. Halten wir es daher mit dem Motto der Love Parade „Friede, Freude, Eierkuchen“….sorry, Pancakes!

Sweet Home, Mister Romney

Ich mochte sie noch nie. Das kann ich ja nun mal ganz offen und ehrlich sagen. Lynyrd Skynyrd mit ihrem dämlichen Song „Sweet Home Alabama“….(was bitte schön ist am Südstaat Alabama süß?). Das Lied ging mir schon immer wohin… und nun ist klar, das wird sich auch nicht mehr ändern. Lynyrd Skynyrd spielen auf dem am Dienstag beginnenden Wahlparteitag der Republikaner in Tampa, Florida, ihrem Heimatstaat (!) auf. Und nicht, weil sie so dolle und fett bezahlt werden. Nein, Lynyrd Skynyrd sind voll von der Message des GOP Kandidaten Mitt Romney überzeugt.

Neben all den Reden und Lobhudeleien auf das Kandidatengespann Romney/Ryan treten dann auch noch Kid Rock (mochte ich auch noch nie), Trace Adkins (poppiger Countrykram), Lee Greenwood (Country Musiker Marke Flaggenjacke – Bild), The Oak Ridge Boys (Country/Gospel) und John Anderson („Na ja-Country).

Musikalisch ist das ja eher ein drittklassiges Feld, was da auf dem Republikaner Wahlkongress aufspielt… die ollen Klassikrock One-Hit-Wonders von Lynyrd Skynyrd mit einbezogen (Ja, ich weiss, sie hatten noch diesen zweiten ach-so-schönen-und-für-die-Tonne-produzierten Song „Free Bird“).

Also, ich freue mich nun doch mehr auf die Reden der vielen A und B und C Politiker der republikanischen Partei, die sind zumindest unterhaltsamer, als zum 1213mal „Sweet Home Alabama“ zu hören.

Jetzt geht’s los!

Ok, der amerikanische Wahlkampf läuft schon seit rund eineinhalb Jahren, aber mit der Wahl des Vize wird nun endlich die entscheidende Etappe eingeläutet. Jetzt geht es auf die Zielgerade. Mitt Romney hat mit seiner Entscheidung für Paul Ryan klar gemacht, wohin er das Land politisch führen will. Mit Präsident Romney im Weißen Haus wird Amerika einen massiven Sozialabbau erleben, eine Umgestaltung der gesamten Gesellschaft erleben. Der Staat wird sich mehr und mehr aus seiner gesellschaftlichen Verantwortung zurückziehen. Dafür steht Paul Ryan und diese Zielrichtung seines Wahlkampfes hat Romney nun betoniert.

Amerika steht vor einer entscheidenden Wahl. Es geht um eine grundlegende Neuorientierung. Romney und Ryan zitieren immer wieder Ronald Reagan, der in den 80er Jahren eine konservative Revolution im Land vom Zaun brach. Die Folgen sind noch heute zu spüren. Dass etwas geschehen muß, ist klar. Doch um das wie streiten sich die Gemüter. Obama oder Romney, eine grundverschiedene Auffassung von Staaat, Verantwortung, Gesellschaft prallen hier aufeinander.

Paul Ryan ist die neue Hoffnung der Grand Old Party. Jung, dynamisch, charismatisch, ein kluger Kopf, der mit gerade 42 Jahren maßgeblich an der Neuausrichtung der republikanischen Partei beteiligt ist. Ryan wird dem Rommney Wahlkampf seinen Stempel aufdrücken. Der Kongressabgeordnete aus Wisconsin ist beliebt in Tea Party Kreisen. Mitt Romney hat mit seiner Entscheidung den Schulterschluß mit den radikalen Kräften innerhalb der Partei geschlossen. Die Frage ist nun, ob er sich damit einen Gefallen getan hat oder sich vorzeitig in eine Ecke hat drängen lassen. Denn Team Obama wird die Wahl Ryans als ein Zeichen für die Einflußnahme der Extremen auf die GOP ausschlachten. Der dreckige Wahlkampf geht nun erst richtig los.

Romney im Aufwind?

Es läuft einfach nicht. Die amerikanische Wirtschaft kommt nicht richtig in Gang. Die Arbeitslosenquote ist wieder leicht gestiegen, von 8,1% im April auf 8,2% im Mai. Gerade mal 69.000 Jobs haben amerikanische Arbeitgeber neu geschaffen, viel zu wenig, um die Jobmaschine USA anzuschmeißen. Und diese Nachricht kommt gar nicht gut für Präsident Barack Obama. Der republikanische Herausforderer Mitt Romney reagierte umgehend und warf dem Amtsinhaber Unfähigkeit vor. „Die Politik des Präsidenten und  seine Handhabung der Wirtschaft sind heute mit einer deutlichen Anklageschrift belegt worden“. Die Republikaner freuen sich über die schwierigen Zeiten Obamas, lassen dabei allerdings außen vor, dass sie ganz gezielt in den letzten Jahren jegliche Wirtschaftsförderung und mittelständische Ankurbelungsprogramme blockiert haben, wenn sie denn aus dem Weißen Haus kamen. So ganz glauben die Amerikaner nicht an die alleinige Schuld des Barack Obama.

Die GOP, allen voran ihr Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, hoffen nun dennoch auf einen dringend notwendigen „Boost“ im Wahlkampf. Obama die Nullnummer, Romney der smarte Wirtschaftsexperte. Und darauf wird nun in den nächsten Monaten herumgeritten. Der Republikaner wird dem Demokraten Unfähigkeit, Blauäugigkeit, Versagen, unamerikanisches Verhalten, Wirtschaftsfeindlichkeit und Sozialismus vorwerfen. Der Demokrat wird den Republikaner dagegen als eiskalten Kapitalisten beschimpfen, der über Leichen geht, nur die Superreichen im Kopf hat und den international operierenden Unternehmen Subventionen und Steuergeschenke in den Rachen schiebt. Angriff und Warnung, Horrorszenario und Alptraumbilder…in den USA wird gewählt.

Der Wahlkampf ist eröffnet, Ausgang nun ungewiss. Klar ist, wenn sich die Stammwählerschaft der Demokraten vom Amtsinhaber abwenden und es zu einer republikanischen Übernahme des Weißen Hauses und des Kongresses plus Senats kommen sollte, wird sich die soziale Schieflage in den USA verschärfen. Das soll nun nicht heißen, dass ein Barack Obama ein Wunderheiler ist und den Garten Eden in „God’s Country“ begrünen wird. Das Problem der amerikanischen Politik liegt schon lange nicht mehr allein darin, wer im Weißen Haus den Platz im Oval Office einnimmt. Es liegt vielmehr an einem gescheiterten Wahlsystem, einem fatalen Patriotismus und einem Demokratieverständnis, das noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist. Amerika braucht die Reform, aber die muß von innen kommen. Doch leider ist davon noch nichts zu sehen und keiner der Kandidaten wird diese Reform ernsthaft in Betracht ziehen.

GOP ohne Mittelweg

Mitt Romney präsentiert seinen Haushaltsplan. Und der ist drastisch. Da können sich einige in den USA auf harte Zeiten einstellen, falls Romney im November gewählt werden sollte. Das gesamte – noch existierende – soziale Netzwerk in Amerika würde unterhöhlt werden. Tiefe Einschnitte in der Gesundheitsversorgung von weniger Verdienenden und Behinderten stehen ganz oben auf Romneys Liste. Daneben hat er den Rotstift bei der Nahrungsmittelkontrolle, der Bildung und der Grenzsicherung angesetzt.

Ganz im Gegensatz zu seiner eigenen Partei verspricht der ehemalige Gouverneur von Massachusetts Haushaltsaufstockungen für das Pentagon. Alle anderen nicht militärischen Bereiche werden zusammen gestrichen, sogar mehr noch, als es verschiedene GOP (Grand Old Party) Pläne im Kongress vorgeben. Insgesamt will er bis 2016 500 Milliarden Dollar einsparen. Ein dicker Batzen, der selbst republikanischen Abgeordneten Kopfzerbrechen bereitet. Romney präsentiert sich als der richtige Mann für den richtigen Job und beruft sich auf seine langjährigen Erfahrungen in der freien Wirtschaft. Und das wird dann patriotisch genannt.

So gar nicht mit dem Kandidaten zufrieden ist der ausgestiegene Präsidentschaftsanwärter Jon Huntsman. Unter Barack Obama Botschafter in Peking galt er in der GOP als der Intellektuelle, der Liberale, der die Partei zur Mitte hin öffnen könnte. Sogar viele Demokraten trauten ihm einiges zu. Doch Huntsman fiel durch, die republikanische Partei ist derzeit fest im Griff von erzkonservativen Gruppierungen, die keinen kühlen Kopf und Pragmatiker wie Jon Huntsman in ihrer Mitte dulden. Mitt Romney setzte sich mit seinem dicken Bankkonto und einem Spagat nach Rechts durch.

In der GOP geht es schon lange nicht mehr um eine Politik der Mitte, hier dreht sich alles darum, wer am meisten und am lautesten schreit und polemisiert. Wie sonst könnte eine Frau wie Sarah Palin sonst so einen Erfolg in den eigenen Reihen haben? Sie erklärt die Welt im Schwarz-Weiß Format. Hier der böse schwarze Mann, dort der gute weiße Patriot. Hier die bittere Realität mit Weltwirtschaft, Arbeitslosigkeit, nicht zu gewinnenden Kriegen, Sozialproblemen, dort der „American Dream“, Patriotismus, „God’s Country“  und der absolute Glaube an die militärische Dominanz Amerikas.

Mitt Romney läßt sich mitreißen, auch wenn ein großer Teil der Partei ihm das nicht abnimmt. Seine Politik als Gouverneur zeigt einen eher liberal orientierten Politiker. Und sein Verweis auf seine langjährigen Wirtschaftserfahrungen werden auch in Frage gestellt. Romney ist nicht der Wunschkandidat der Republikaner und er wird es auch nicht mehr werden. Huntsman sprach dies nun offen aus. Kopfschüttelnd kommentiert er die außenpolitischen Forderungen des Frontrunners und der Partei auf: „Ich weiß nicht, in welcher Welt diese Leute leben“. Als das Kandidatenfeld zur ersten Debatte antrat, wurden sie von allen Seiten bedrängt, eidesstattliche Erklärungen abzugeben. Es ging um Steuern, moralische und religiöse Verpflichtungen, die die verschiedensten Lobbygruppen in der Partei von den Kandidaten erwarteten. Huntsman war der einzige, der diese nicht unterschrieb. „Meine Frau meinte, wenn ich auch nur eine dieser Verpflichtungen unterschreibe, verläßt sie mich. Also mußte ich erklären, ich glaube an die Wissenschaft…und die Leute auf der Bühne schauten mich nur fragend an, komischer Kauz“.

Schade, es hätte ein spannender und interessanter, anspruchsvoller und tiefgehender Wahlkampf zwischen Obama und Huntsman werden können. Nun wird es erneut eine weitere unsägliche Politgeschichte in Amerika.

 

 

 

„Mommy War“

„Mommy War“. Nein, das ist nicht der neueste Horrorstreifen, in dem sich ägyptische Mumien bekriegen und auch nicht ein Film über wild umeinander prügelnde Hausfrauen auf dem Spielplatz ihrer Kleinen. „Mommy War“ ist amerikanische Politik, das Herzstück des Wahlkampfs. Es geht um die Mütter, um die Frauen, darum, ob der smarte Amtsinhaber mit seinen erneuten Versprechungen mehr auf seine Seite bringen kann, oder ob es der gegelte Herausforderer und frühere Gouverneur schafft, eine sicher geglaubte Wählerbasis der Demokraten anzuzapfen.

Barack Obama organisiert eine Frauenkonferenz und macht den anwesenden Damen dort klar, dass nur er Gleichberechtigung am Arbeitsplatz und in der Bezahlung schaffen kann. Wenn denn der Teufel von der anderen Partei gewählt werden würden, dann, ja dann würden die Frauen wieder zurück an Heim und Herd geschickt werden. KKK, Kirche – Küche – Kinder…. Das ist jetzt übertrieben, aber wenn man den Demokraten so zuhört, dann meint man wirklich, es gehe in diesem Wahlkampf um Fortschritt oder Reaktion. Hier die selbstbewußte und lachende Frau, die gekonnt Karriere und Familie jonglieren kann. Dort das traurige Trutchen mit Kittel und Kopftuch, das artig den Haushalt führt und abends mit den Pantoffeln auf ihren Brotverdiener wartet; „Wie war Dein Tag, Schatz?“.

Aber die Demokraten sind auch bekloppt. Die demokratische Beraterin Hilary Rosen hat sich in einem CNN Interview weit aus dem Fenster gelehnt und auf Angriff geschaltet. Dabei hat sie nicht richtig nachgedacht und mit ihrem Statement eine politische Lawine losgetreten. Eigentlich hat sie ja recht, wenn sie sagt, Ann Romney, die Frau des GOP-Kandidaten, sei sicherlich kein Musterbeispiel für eine Frau, die jeden Tag kämpfen muß. Ann Romney habe nie gearbeitet und konnte problemlos als Mutter daheim bleiben. Ihr Mann ist Supermillionär und mal ganz ehrlich, Ann Romney wird nicht fünf Jungs alleine groß gezogen und den Haushalt im Villenviertel geschmissen haben. Was Rosen sagen wollte, Ann Romney ist privilegiert und sie muß sich neben der Aufgabe als Mutter sicherlich nicht um Rechnungen sorgen machen, darum, dass die Kinder satt werden, zur Schule gehen, eine Zukunft haben, wie es heute viele alleinerziehende amerikanische Mütter tun müssen.

Rosens Kommentar klang allerdings so, und wurde auch so vom politischen Gegner ausgelegt, als ob sie die Aufgabe einer Mutter als banal abtut. Und der Sturm folgte umgehend. Hillary Rosen spreche für die Demokraten, meinten die Republikaner. Hier eine Frauenkonferenz, dort die Rolle der Mutter zu belächeln. Ein Unding sei das, typisch scheinheilige Demokraten. Schnell waren Obamas Leute auf Schadensbegrenzung aus und distanzierten sich von Rosen, die spreche nicht für Barack Obamas Partei. Sogar Michelle Obama twitterte durch die Gegend. Der „Mommy War“ war geboren, der Kampf um die wählende „Soccer Mum“. Die Frauen entscheiden, welcher Mann als nächstes im Weißen Haus sitzen wird.

Politik in Amerika ist schon seltsam. Doch dieser aufgekochte Konflikt zeigt nur, dass die kommenden Monate heftig werden. Der Wahlkampf wird dreckig und brutal, fies und unter der Gürtellinie geführt.