Ein Präsident ohne Überblick

Donald Trump will nun also auch die legale Einwanderung in die USA beschränken. Nicht nur die Mauer soll die Immigration verhindern, nun wird auch ausgesiebt, wer überhaupt kommen darf. Eine Million „Green Cards“, also unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse, werden bislang jährlich ausgegeben, das soll halbiert werden. Und wer keine Ausbildung oder Berufserfahrung vorweisen kann, wer „nur“ Angehöriger einer hier in den USA lebenden Person ist, hat so gut wie keine Chance mehr, legal ins Land zu kommen.

Und dann ist da auch noch die Forderung von Donald Trump, jeder Zugezogene sollte Englisch sprechen können. Das alleine zeigt schon, dass Trump keine Ahnung hat, von was er da überhaupt spricht. Als jemand, der das Prozedere für die „Green Card“ und schließlich die Annahme der Staatsbürgerschaft selbst durchgemacht hat, kann ich das durchaus behaupten. Einen Sprachtest gab es nur vor der Einbürgerung und der war ein gespielter Witz, wie er auch bei Nonstop Nonsens mit Dieter Hallervorden vorkommen hätte können:

Please read „What is the color of the American flag?“. And now answer this question: „The color of the American flag is red, white and blue“. Congratulations, you passed your language test.“

Ich kam mir bei diesem Test schon etwas verschaukelt vor, denn die nette Dame von der INS Behörde holte mich im Warteraum ab, wir plauschten auf dem Weg in ihr Büro etwas, dann vereidigte sie mich und meinte, jetzt komme der Sprachtest. Danach wurden noch ein paar Fragen gestellt, wie „Welches Land grenzt an die USA im Norden?“, „Wie heißt der Ozean an der amerikanischen Westküste?“. Das wars, ich wurde damit in „God’s Country“ aufgenommen.

Trumps Forderung, die legale Immigration in die USA zu beschränken, hätte weitreichende Folgen für die Landwirtschaft in Kalifornien. Foto: Reuters.

Donald Trump, der sich wohl nie mit Konsulaten, Botschaften und solch popeligem Papierkram aufhalten musste, zeigt mit seinem Vorpreschen, dass er keinen Überblick über die katastrophale Immigrationspolitik seines Landes hat. Zu fordern, dass nur noch Akademiker mit perfektem Englisch in die USA kommen sollten, damit der Arbeitsmarkt für den „einfachen Arbeiter“ nicht zerstört wird, weil ja auch so viele englischsprachige Amerikaner auf den Feldern oder in den Küchen arbeiten wollen, ist schlichtweg ein Hohn.

Trumps Hintergedanke ist dabei klar, er präsentiert sich damit erneut als „America First“ Präsident, als jemand, der sich um den einfachen Arbeiter, den „besten Arbeiter der Welt“, so Trump, kümmert und einsetzt. Was er übersieht ist, dass die USA heute von Wanderarbeitern gerade aus Ländern südlich der Grenze abhängig sind. Alleine auf den Feldern Kaliforniens würde nichts ohne die legalen, ausländischen Arbeiter gesät und gepflückt werden. Farmer im Central Valley, in den Weinanbaugebieten in Napa und Sonoma, auf den Erdbeerfeldern in Oxnard schalten mittlerweile Anzeigen in Zeitungen, auf der Suche nach „US Bürgern“, die auf den Feldern arbeiten wollen. Keine Reaktion. Doch damit schaffen sie eine Möglichkeit legal „Gastarbeiter“ aus dem Nachbarland anzufordern. Falls also Trumps Immigrationspolitik umgesetzt werden würde, hätte das fatale Folgen für so einige Wirtschaftsbereiche in den USA. Amerika war, ist und bleibt ein Land der Immigranten. Daran darf, daran wird Trump nichts ändern!

Arbeiten auf Hawai’i?

Auf Hawai’i herrscht Lehrermangel. Die Behörden gehen davon aus, dass in diesem Herbst rund 1600 Stellen offen sind. Von daher klingeln die Alarmglocken, Lehrer müssen her, wie, das hat man noch nicht endgültig geklärt. Allerdings sucht man nun schon mal auf dem amerikanischen Festland nach geschulten Fachkräften und auch in Übersee, denn um den Job als Lehrkraft annehmen zu können braucht man nicht amerikanischer Staatsbürger zu sein. Lediglich die Arbeitserlaubnis für die USA muß man besitzen.

Auf Hawai'i läßt es sich leben. Foto: Reuters.

Auf Hawai’i läßt es sich leben. Foto: Reuters.

Der Hawai’i Schuldistrikt will den Umzug für Neulehrer finanziell unterstützen. Bis zu 10.000 Dollar sollen Fachkräfte erhalten, die sich verpflichten für drei Jahre anzuheuern. Vor allem für die Insel Oahu werden Lehrkräfte gesucht. Die Inselgruppe im Pazifik ist kein billiges Pflaster, gerade das hat zu der jetzigen Situation geführt. Lehrer auf Hawai’i verdienen gerade mal etwa 35.000 Dollar im ersten Jahr. In San Francisco liegt das Einstiegsgehalt bei 50.000 Dollar, doch auch hier ist das zu wenig zum Leben bei derzeitig monatlichen Mietpreisen um die 3500 Dollar.

Wer also in Nürnberg, im Frankenland oder wo auch immer dieser Blog gelesen wird Interesse an einer Lehrerstelle auf Hawai’i hat, der kann sich an das Hawai’i State Department of Education wenden. Ein paar Jahre in der Sonne mit dem „Mahalo“-Gefühl, es könnte schlimmer sein.

Demokraten für Recht und Ordnung

1996 unterzeichnete der damalige Präsident Bill Clinton das Gesetz „Defense of Marriage Act“. Darin wurde festgeschrieben, dass eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau sein kann und, dass Bundesstaaten und Kommunen eine eheähnliche Verbindung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern nicht als Ehe anerkennen müssen. Und genau auf dieses Gesetz beruft sich nun die Administration von Barack Obama in einem Immigrationsfall, der noch viel Aufsehen erregen wird.

Seit 19 Jahren sind der US Bürger Bradford Wells und der Australier Anthony John Makk zusammen, sie leben im Castro Distrikt von San Francisco. Vor sieben Jahren heirateten sie in Massachusetts. Makk kam vor fast 20 Jahren hierher, machte sich selbständig und lebte immer legal und mit verschiedenen Visa in den USA. Vor ein paar Jahren stellten die Ärzte den HIV Virus bei Wells fest. Als die Krankheit ausbrach, kümmerte sich sein Partner um ihn und tut dies auch noch heute. Anthony John Makk wollte sicher gehen und beantragte den „Permanent Resident Status“, die sogenannte Green Card in den USA. Vieles spricht für ihn. Er ist mit einem Amerikaner verheiratet, er pflegt einen schwerkranken Amerikaner, er war nie illegal im Land und hat sich auch nichts zu Schulden kommen lassen.

Doch das sieht die Obama Administration anders. Mit Beschluss vom 26. Juli, der dem Paar am vergangenen Wochenende zugestellt wurde, ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Anthony John Makk hat von der INS, dem Immigration und Naturalization Service, die Aufforderung erhalten, bis zum 25. August das Land zu verlassen. Und gerade die demokratische Verwaltung in Washington beruft sich auf das von einem Demokraten unterschriebene Gesetz aus dem Jahr 1996. Sinn macht diese Ausweisung nicht. Ganz im Gegenteil, sie wird in Zukunft als ein Beispiel dafür hergenommen werden, warum eine Ehe auch eine Ehe sein muß. Es geht nicht um die Zeremonie vor dem Traualtar oder im Standesamt. Vielmehr geht es darum, dass man mit einer Ehe Rechte zugesprochen bekommt, die man mit der eheähnlichen Partnerschaft einiger Bundesstaaten nicht hat. Was ich in Massachusetts unterschreibe gilt nichts in Texas, Oklahoma und auch nicht in Kalifornien…und schon gar nicht beim Demokraten Obama, der noch im Wahlkampf davon sprach, das Gesetz „Defense of Marriage Act“ sei ungerecht und müsse abgeschafft werden.

Wer in diesem Fall noch damit argumentiert, dass die Ehe zweier gleichgeschlechtlicher Partner einem Verfall der Werte, einer Unterhöhlung der Institution Ehe gleichkommt, der übersieht, dass gerade Bradford Wells und Anthony John Makk das vorleben, was eine Ehe ausmachen sollte. In den verbleibenden Tagen bis zum 25.8. hoffen Wells und Makk und ihre vielen Unterstützer und Freunde in San Francisco, dass sie auf direktem Wege noch einflussreiche Politiker finden können, die sich für sie und den Verbleib von Anthony John Makk einsetzen.