Der Tod kommt vom Norden

Mehr als 10.000 Menschen sind seit Anfang 2008 auf den Straßen der nordmexikanischen Grenzstadt Ciuadad Juarez ermordet worden. Ein brutaler Drogenkartellkrieg wird in der Nachbarstadt zu El Paso ausgetragen. Es geht um die lukrativen Routen in den größten Drogenmarkt der Welt – die USA.

Die Waffen für die Kartelle und die Gangs, die den Straßenkrieg befeuern kommen aus den USA. Es gibt in Mexiko keinen freien Zugang zu Knarren, der einzige legale Waffenladen ist in Mexiko City und nur zugänglich für Angehörige der Polizei und der Armee. Nördlich der Grenze, entlang der „Border Region“, haben Hunderte von Waffenläden aufgemacht. Gezielt werden alle Kaliber über die Grenze geschmuggelt. Alleine seit Dezember 2006 wurden von den mexikanischen Sicherheitsbehörden 140.000 Waffen im ganzen Land beschlagnahmt.

Um ein Zeichen gegen die unkontrollierte Waffenflut von Nord nach Süd zu setzen, hat nun der mexikanische Präsident Felipe Calderon ein mehrere Tonnen schweres „Billboard“ (Werbetafel) in Grenznähe enthüllt. Aus zertrümmerten Pistolen und Gewehren wurden die Worte „No More Weapons“ geformt. Zuvor nahm er an der  Zerstörung von 7500 beschlagnahmten Waffen teil.

Mexiko braucht im Kampf gegen die Drogenkartelle die Unterstützung der Vereinigten Staaten. Doch gerade bei der Waffenkontrolle sind Präsident Obama die Hände gebunden. Konservative Kräfte und die überstarke Waffenlobby in den USA wehren sich gegen jeglichen Eingriff in ihr vermeintliches Grundrecht auf Waffenbesitz und schärfere Waffengesetze. Die Probleme südlich der Grenze seien ein rein mexikanisches, heißt es. Ein Irrglauben, wenn man sich nur die harten Zahlen der geschmuggelten Drogen Richtung Norden und des illegalen Waffentransfers Richtung Süden ansieht.

Der Kinderalltag in Juarez

Ciudad Juarez ist die Grenzstadt zu El Paso. Nur eine Brücke trennt die beiden Städte. Hier die zweitsicherste amerikanische Großstadt, dort die gefährlichste Stadt der Welt. Alleine in diesem Jahr sind schon über 2100 Menschen in Juarez ermordet worden. Am vergangenen Donnerstag war es wieder mal besonders blutig. 25 Menschen starben, der jüngste gerade mal 15 Jahre alt.

Mord in JuarezDie 1,5 Millionen Stadt gleicht einer Kriegszone. Ein normales Leben ist schon lange nicht mehr möglich. Schießereien, „Drive-by shootings“, gezielte Morde, Entführungen, Vergewaltigungen und nun auch immer öfters Autobomben, der Alltag in Juarez wird mit Blut gemalt. Die Polizei und das Militär zeigen Präsenz, bekommen die Situation aber nicht unter Kontrolle. Die Kartelle und die ihnen angegliederten Banden bekriegen sich bis zum bitteren Ende. Drogen, Waffen, Respektlosigkeit vor einem menschlichen Leben, Juarez ist zum einem Höllenplatz geworden.

Und die Kinder, die in Familien geboren wurden, die nicht einfach wegziehen können, sie wachsen mit der täglichen Gewalt auf, den täglichen Bildern in den Zeitungen und im Fernsehen und in der Nachbarschaft. Mit der Angst selbst davon betroffen zu sein. Dieses Bild zeigt genau das, was in Juarez tagtäglich passiert. Ein kleines Mädchen schaut durch ein Gitter zum Nachbargrundstück. Dort liegen nach einer Schiesserei gleich mehrere Tote auf dem Asphalt. Der Drogenkrieg hat viele Opfer.

Der Tod in Juarez

Dieser Monat ist der bislang tödlichste in Ciudad Juarez, seitdem der offene Straßenkrieg zweier Drogenkartelle im Januar 2008 begann. Rund 200 Menschen starben bereits im Juni, 60 alleine in der letzten Woche. Die Gewaltspirale dreht sich immer schneller.

juarezIm Januar war ich in Juarez, konnte mich einigermassen frei und alleine in der Stadt bewegen. Doch nun soll auch das nicht mehr möglich sein. Immer öfters und immer brutaler finden die Schiessereien zwischen den Drogengangs nun auch auf offener Strasse im Downtown Bereich von Juarez  statt. Und der liegt gleich hinter der Santa Fe Bridge, die El Paso mit Juarez verbindet.

Juarez ist wie Tijuana ein Knotenpunkt für den Drogenhandel in die USA. Die Nachbarstadt von El Paso gilt als das „Goldene Dreieck“. Wer es kontrolliert, kontrolliert den Fluss der Drogen in die Vereinigten Staaten von Amerika, ein Hunderte von Millionen Dollar lukratives Geschäft. Im NZ Interview meinte der Bürgermeister von Juarez, José Reyes Ferriz, dass die Situation noch eskalieren wird, bevor sie sich bessert. Man sei jedoch auf dem richtigen Weg. Doch bislang ist auch nur der Ansatz einer Besserung in Juarez nicht erkennbar. Polizei und Militär sind präsent auf den Straßen der Stadt, doch das hat bislang wenig zur Befriedung beigetragen. Ganz im Gegenteil. Wurden im Januar noch zehn Morde pro Tag notiert, sind es jetzt schon nahezu doppelt so viele. Juarez versinkt in einem Blutbad