Der amerikanische Waffentag

Also besser konnte man den Tag doch nicht legen. Zwischen der Pressekonferenz von Barack Obama, auf der er anschließend vor ein paar Kindern die schärferen Waffengesetze unterzeichnete und seiner zweiten Amtseinführung. Das ist ein deutliches Zeichen. Am heutigen 19. Januar ist „Gun Appreciation Day“, quasi der Muttertag der Knarren. Man erinnert sich an seine Wumme, erzählt sich Geschichten von Wald, Wiese, Jagd und Ballerei. Ist dankbar für die vielen netten Stunden mit dem Schießgewehr. Oder man geht zum Shoppen in den Waffenladen seines Vertrauens und sucht sich am heutigen Tag der Knarre was neues aus. Man hat eine ins Auge gefasst, doch der nette Mann hinter der Theke meint „Schauen Sie mal hier, die hier hat eine bessere Durchschlagskraft, größeres Kaliber und liegt einfach besser in der Hand“. Man läßt sich beraten, tauscht sich aus, lacht über die hungrigen Medienvertreter vor der Tür, die natürlich ihre Story im Angesicht des Massakers von Newtown haben wollen.

Die National Rifle Association (NRA) macht in diesen Tagen mobil und droht Präsident Obama ganz offen mit einem „blutigen“ Kampf. Einige Waffennarren sprechen von der Vorstufe des Bürgerkrieges, kommen mit wahnwitzigen Ideen daher, so, als ob die Zukunft Amerikas vom Schnellfeuergewehr abhängt. So viel wie in diesen Tagen, habe ich noch nie Adolf Hitler als Beispiel für einen Grund zur Bewaffnung gehört. Und ja klar, wenn die Juden im Dritten Reich bewaffnet gewesen wären, hätten Hitler und seine Schergen keine Chance gehabt. Oder die schwarzen Sklaven aus Afrika, auch die wurden als Beispiel in einer Fernsediskussion angeführt. Wenn diese mit Schießeisen anstatt Fusseisen ausgerüstet worden wären, dann hätten die weißen Sklavenhalter ihre Baumwolle selber pflücken können. Sogar Martin Luther King wurde von der Gun Lobby herangezogen, auch der Bürgerrechtler sei für die Verfassung und das Recht auf Waffenbesitz gewesen. Kein Wort darüber, dass MLK selbst Opfer eines Todesschützen wurde.

Mit solchen Argumenten wird derzeit die Diskussion über schärfere Waffengesetze geführt. Aber darüber wollen wir heute nicht sprechen, es ist „Gun Appreciation Day“….man verweile, gedenke, freue sich an seinem Schießeisen.