Meine Reisen in die „Shitholes“ dieser Welt

Donald Trump erklärte Länder wie Haiti, El Salvador und afrikanische Länder zu „Shitholes“. Damit trat er einen „Shitstorm“ los, um beim Thema zu bleiben. Die Aufregung am Donnerstag war groß. Trump reagierte am Freitagmorgen und tweetete wie immer eine Antwort. Klar, alles sei gelogen.

Er habe niemals schlecht über Haiti gesprochen, denn er habe ja eine „wunderbare Beziehung“ zu den Menschen dort. Kein Wort von El Salvador oder den afrikanischen „Dreckslöchern“, die von Trump ebenso benannt wurden. Anscheinend steht der Präsident zu seiner Meinung, obwohl er bislang weder die Länder noch die Menschen dort kennengelernt hat. Aber die Aussage ist nur eine von vielen rassistischen Äußerungen Donald Trumps. Überraschend kam sie nicht (mehr).

Das Haus wurde mir von der Dorfgemeinschaft in einer kleinen Gemeinde im südlichen Niger angeboten. Wir hatten trotz der ernüchternden Situation um uns herum viel Spaß an diesem Tag.

Erschreckend war auch die Reaktion der Trump-Basis, die die durchaus rassistischen und beleidigenden Worte ihres Führers relativierten. So spreche man eben in der Kneipe, so sehen „Amerikaner“ diese unterentwickelten Orte, Trump verstehe einfach seine Wähler und drücke das aus, was sie denken. So, die einhellige Meinung auf FOXNews. Nun, ich bin auch Amerikaner, selbst Immigrant, wenn auch nicht aus einem „Shithole Country“, doch ich kenne einige der Länder, die unter den Trumpschen Hammer kamen: Niger, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, den Tschad. Der Grund, warum Menschen fliehen, zu Flüchtlingen werden, ihre Heimat verlassen, ist sicherlich nicht der, dass sie meinen in den USA ein Lotterleben führen zu können. Oftmals hängt der Grund für die Flucht oder die Eskalation der Situation vor Ort auch mit der amerikanischen Außenpolitik zusammen. Wenn man, wie Trump, die Diplomatie nun fast nur noch auf Militäreinsätze und militärische Drohgebärden beschränkt, offene Stellen in den Botschaften nicht besetzt, wichtige Entwicklungshilfegelder kürzt oder ganz streicht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn Menschen sich auf den Weg machen. Niemand wird geboren um ein Flüchtling zu werden.

Umuganda in Ruanda

Umuganda in Ruanda könnte auch eine Textzeile aus dem United Balls Song Pogo in Togo, Coca Cola in Angola, Samba in Uganda sein…Ist es aber nicht. Aber heute ist Umuganda in Ruanda. Immer am letzten Samstag im Monat von 7 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags ist Gemeinschaftstag im Land der tausend Hügel. Geschäfte, Märkte, Restaurants sind geschlossen, auf den Straßen fahren kaum Autos, und wenn, dann werden sie gestoppt, falls sie keine Sondererlaubnis oder Diplomatenkennzeichen haben.

An diesem Samstagmorgen arbeiten alle über 18 Jahre „ehrenamtlich“ im Dienst der Allgemeinheit. Der Blockwart paßt darauf auf, dass auch jeder völlig freiweillig dabei ist. Es wird gefegt und geputzt, gebaut und gezimmert, Müll eingesammelt und öffentliche Grünflächen gesäubert. Alles, um das Land zusammen zu bringen. Umuganda bedeutet in etwa “Beitrag”, und jeder kann und soll seinen Beitrag für die Allgemeinheit geben.

Vor dem Hintergrund des Genozids 1994, als in rund 100 Tagen nahezu eine Million Menschen abgeschlachtet wurden, wird mit diesem symbolischen Tag versucht, die Menschen zusammen zu bringen, “Nation Building” zu ermöglichen. Offiziell gibt es keine Hutus und Tutsis mehr, doch die dunkle Geschichte Ruandas überschattet alles im Land. Die Älteren wissen noch genau, wer welcher Gruppe angehört. Die jüngeren hingegen sehen sich als Ruander. Das zumindest wird einem in Gesprächen erklärt. Man hofft einfach, dass das auch so ist, falls es erneut zu Spannungen in der Region der großen Seen kommen sollte.

Umuganda ist da vielleicht mehr als nur ein symbolischer Schritt auf einem langen Weg, eine gespaltene Nation und ein traumatisiertes Volk zu einen.

Die Ruander sind von diesem Konzept überzeugt. Die als Blauhelme eingesetzten Mitglieder der ruandischen Armee RDF in Darfur und in Haiti haben auch dort Umuganda am letzten Samstag im Monat eingeführt.

Bush und Clinton

Die beiden Ex-Präsidenten Clinton und Bush setzen sich gemeinsam für die notleidenden Menschen in Haiti ein. Eine Aktion, die auch die Hilfsbereitschaft aller Amerikaner über die Parteigrenzen hinaus unterstreichen soll. Nach wie vor flimmert ein Spot über die Fernsehkanäle, der zum Spenden aufruft. Und natürlich haben auch schon Comedy Sendungen darauf reagiert. Hier zuerst der etwas abgeänderte Spot und danach der Originalauftritt der beiden Präsidenten.

YouTube Preview Image YouTube Preview Image

Hass und Haiti

Pat RobertsonRush Limbaugh ist ein Döskopp und Pat Robertson eine absolute Pappnase. Diese zwei Quatschköpfe haben in dieser Woche wirklich den Vogel abgeschossen. Der verbohrte und extrem nervige Fernsehprediger Robertson hatte das Erdbeben in Haiti damit erklärt, dass die Menschen dort sich dem Voodoo Glauben zugewandt hatten und wer einen Pakt mit dem Teufel eingehe, der brauche sich über die Strafe Gottes nicht zu wundern. Auch eine Erklärung, die sicherlich sehr hilfreich in dieser Situation ist. Wenn Robertson so ein seniler, alter Prediger wäre, der nur nachts, wie so viele andere, die schlaflosen Amerikaner belabert, dann wäre das kein Ding. Doch Pat Robertson hat ein richtiges Fernsehimperium mit seinem „Christian Broadcasting Network“ und seinem „700 Club“ aufgebaut. Und als ehemaliger Präsidentschaftsanwärter hat er grossen Einfluss auf die religiöse Rechte und die Diskussion um Moralvorstellungen in den USA.

Rush LimbaughAber so richtig genervt hat in dieser Woche vor allem Rush Limbaugh, der bekannteste und erfolgreichste Radio Moderator, der Tag für Tag auf rund 500 Stationen die Amerikaner gegen Barack Obama aufpeitscht. Limbaugh ist ein Hassprediger, der in seiner Sendung behauptete, Präsident Obama würde die Katastrophe in Haiti nur für die eigenen politischen Ziele nutzen. Er wolle sich mit seiner schnellen und massiven Hilfe für die Erdbebenopfer nur bei den „leicht farbigen und dunkelhäutigen“ Amerikanern einschmeicheln. Auch wendete er sich gegen jegliche Spenden, denn man „zahle ja über die Einkommenssteuer“ für die Hilfsmassnahmen. Limbaugh ist ein Quasselkaspar, der seinen Hass auf diesen Präsidenten überhaupt nicht versteckt. Das Problem ist, dass dieser selbstverliebte Verbalschläger grossen Einfluss auf die republikanische Partei hat und als Gradmesser der Konservativen im Land gesehen werden muss. Rush Limbaugh kann fast eigenhändig einen Kandidaten ins Amt heben oder ihn total zerstören. An ihm kommt Amerika derzeit nicht vorbei.

The music of Haiti

Haiti BoxIch bin gerade von meinem Trip nach Juarez, Mexiko, zurück gekommen. Zuhause lag ein Paket von amazon, darin die bestellte CD Box „Haiti – Recordings for the Library of Congress“. Der Ethnologe und Folklorist Alan Lomax reiste 1936/1937 nach Haiti, um dort die einheimische Musik aufzuzeichnen und für nachfolgende Generationen zu archivieren. Nun ist diese umfangreiche CD Box erschienen. Komischer Zeitpunkt. Man hört in diesen Tagen ganz anders in.