Bombenanschlag im Hafen von Oakland

Die Vancouver auf Fahrt.

Am 3. November 1938 explodierte eine Bombe am Rumpf des „Nazi-Steamers“ Vancouver im Hafen von Oakland und lief auf Grund. Das Schiff war mit einer Stunde Verspätung ausgelaufen und verhinderte somit eine Katastrophe auf offener See. Der damalige deutsche Generalkonsul, Baron Manfred von Killinger, ein Vertrauter Adolf Hitlers, erklärte, dass hinter dem Anschlag nur Kommunisten stecken könnten. Beweise dafür legte er nicht vor. Die Hintermänner der Explosion wurden nie gefunden. Taucher untersuchten das Loch im Rumpf und erkannten gleich, dass der Stahl nach innen gedrückt worden war, damit war klar, es war zweifellos ein Anschlag. Vier der Seeleute wurden verletzt, der Maschinenraum stand unter Wasser. Und die Vancouver war fahruntüchtig. Aus Deutschland mussten Ersatzteile geliefert werden.

Die Vancouver war am 17. Februar 1939 wieder seetüchtig, doch geriet in die Wirren des Zweiten Weltkrieges. Am 31. August wurde dem Schiff mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges in Curacao die Ausfahrt verweigert. Im Mai 1940 beschlagnahmte die holländische Regierung die Vancouver und taufte sie in Curacao um. 1946 kam das Schiff schließlich zur Holland-Amerika-Linie und wurde in Duivendyk umbenannt. 13 Jahre später wurde das Schiff in Tokio abgewrackt.

Einer jedoch, der auf dem Versorgungsschiff für die Vancouver in Richtung San Francisco an Bord war, war Hans Bartsch. Ihn lernte ich vor fast 15 Jahren kennen, als ich an einem Sonntagmorgen in der „Peter Buhrmann Radioshow“ aushalf und das „Schlesier Lied“ spielte. Hans rief an und den Tränen nahe, dass er dieses Lied aus seiner alten Heimat noch einmal hören konnte. Ich erzählte ihm von meinem Vater, der in Glogau zur Schule ging. Hand lud mich zu sich ein und wir wurden trotz des Altersunterschieds enge Freunde. Hans erzählte gerne vom alten San Francisco, von den vielen deutschen Läden und Handwerkern, von den Festen in der „California Hall“ und auch von seiner eigenen Geschichte.

Auf dem Schiff, mit dem er nach San Francisco kam, geriet er mit einem Offizier aneinander. Der Satz, der Führer sollte das mit den Juden nicht machen, wurde Hans zum Verhängnis. Nach der Abfahrt aus der San Francisco Bay nahm ihn ein anderer Offizier zur Seite und erklärte, ihm drohe in Deutschland ein Gerichtsverfahren wegen Beleidigung Adolf Hitlers. Es sei besser, wenn er von Bord ginge. Und das tat Hans auch. Bei der Durchfahrt des Panama Kanals sprang er über Bord, blieb erst in Panama und ging dann nach Costa Rica, als mit dem Kriegsausbruch eine Rückkehr nach Deutschland unmöglich war.

Mit dem japanischen Angriff auf den Marine Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii, änderte sich das Leben für ihn genauso wie Tausende Deutschen und Japaner in Mittel- und Südamerika. In einer Nacht- und Nebelaktion verhaftete das FBI mit Zustimmung der jeweiligen Regierungen viele der Staatsangehörigen der nun verfeindeten Nationen. Einer von ihnen war Hans Bartsch, der zuerst in ein Lager nach Pacifica, südlich von San Francisco, gebracht wurde. Dort schaffte er es, den Beamten glaubhaft klar zu machen, dass er eigentlich vor dem Zugriff der Nazis geflohen war. Hans wurde mit der Auflage freigelassen, dass er nach Kriegsende die USA verlassen würde.

Und genau so kam es. Nach der deutschen Kapitulation reiste er kurz nach Kanada, um dann erneut und legal in die USA einzuwandern. In San Francisco warteten sein Job als Mechaniker, seine Wohnung und seine Freunde auf ihn. Hans blieb Deutscher, bis zu seinem Tod 2008. Er war ein eigenwilliger Mann voller spannender, interessanter und witziger Geschichten, der bis zuletzt seinen schlesischen Kopf durchsetzen wollte.

„Hell Yeah“ – KMFDM sind zurück

Es wurde auch langsam Zeit! Im November wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt und nun endlich ist es so weit. Gespannt wie ein Flitzebogen habe ich auf die neue KMFDM Platte gewartet. Darauf, wie Sascha Konietzko auf die politische Lage in seiner zeitweiligen Wahlheimat reagieren wird. Der Hamburger legt mit „Hell Yeah“ nun das 20. Studioalbum der Band vor.

Es ist erneut ein brachiales Industrial-Metal Werk, ohne Raum für Kompromisse zu lassen. Die zum Teil hochpolitischen Texte machen deutlich, dass hier ein Angriff auf all das kommt, für was Amerika in diesen Tagen steht: Fake News, Gelaber, Geschichtsverfälschung, eine Verletzung der Grundwerte und Grundrechte. Unterlegt ist das lautstark, mit harten Gitarrenriffs, viel Elektronik und einem typisch-mitreißenden KMFDM Beat. Hier spielt eine Band, die nicht Schönwetter macht, vielmehr den Alltag in seiner ganzen Brutalität widerspiegelt.

KMFDM sind bekannt dafür, das auszusprechen, oder besser hinauszuschreien, was andere nur denken. Als Präsident George W. Bush ins Kriegshorn gegen Afghanistan und Irak blies und viele Künstler aus Angst vor Repressalien still blieben, antwortete Konietzko unmissverständlich mit „WWIII“, ein hochpolitisches, ein mehr als wichtiges Album in der Bandgeschichte. Damals lebte er noch in Seattle, eine Stadt, die ihn und die Band prägte. KMFDM heute sind vor allem das Duo Sascha Konietzko und Lucia Cifarelli, nicht nur musikalisch sind sie ein Paar. Und diese künstlerische Nähe spürt man. Es ist eine Ergänzung durch und durch.

KMFDM wurden 1984 am Rande einer Kunstausstellung gegründet. Seitdem brettert Sascha Konietzko unaufhaltsam voran: „KMFDM never stops“ heisst es in einem Lied. Die Band ist international eine der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Acts. Auch wenn man im eigenen Land den Einfluss von KMFDM nicht erkennt und zu schätzen weiß, viele Bands in den härteren Genres sehen die Gruppe als wichtigen Meilenstein im Musikzirkus. In den USA haben sie Kultstatus, das wird man bald wieder auf der kommenden Tour durch die (Nicht)Vereinigten Trumpschen Staaten erleben können. „Hell Yeah, se Tschörmans are coming!“

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Der König feiert sich selbst

Nach dem G20 Treffen feiert sich Donald Trump selbst und lässt sich feiern. Alles sei „great“ gewesen, er habe für Amerika gekämpft. Und auch einige im republikanischen Lager sehen das so, priesen den „Commander in Chief“ als großen Führer und dankten ihm für seine Rolle in Warschau und Hamburg. Der Schocker kam vom früheren Senator Bob Dole, der die Amerikaner in einer Stellungnahme dazu aufforderte „stolz“ auf Donald Trump zu sein. Nun sei es Zeit gemeinsam die Probleme der Welt anzugehen. Natürlich schmeichelte das Trump und er gab diesen Brief nur zu gerne via Twitter an seine „Follower“ weiter.

Auch bei FOXNews blies man größtenteils ins Trump-Horn. Dort hieß es, das Russland Kapitel sei nun abgeschlossen, wenn die Demokraten da weiterhin dranblieben, hiesse das, sie wollten wohl einen Krieg mit Russland. Trump selbst präsentierte seine Unterhaltung mit seinem russischen Kollegen als produktiv, gemeinsam wolle man nun Cyber-Angriffe verhindern. Diese Forderung allerdings brachte den Senator Marco Rubio auf die Florida Palme. Dann könnte man ja auch gleich mit dem syrischen Präsidenten Assad eine Task Force zur Verhinderung des Einsatzes von chemischen Waffen aufbauen. Aufgestoßen ist allerdings einigen bei Demokraten und Republikanern, dass Ivanka Trump am Tisch der Mächtigen Platz nahm, als Donald Trump den Raum verließ. Gefragt wurde, was wohl passiert wäre, wenn Bill Clinton seinerzeit bei einem solchen Treffen seine Tochter Chelsea dort platziert hätte. Trump sei ein diplomatischer Tölpel, das habe dieser Zwischenfall erneut gezeigt.

Trump konnte es am Sonntag auch nicht lassen mal wieder gegen seinen Amtsvorgänger Barack Obama zu pöbeln. Der hätte nichts gegen die Cyber-Angriffe unternommen, obwohl er davon gewusst habe. Trump bleibt Trump, vor und eben auch nach dem G20 Gipfel