In der Hölle und zurück

Unten wurde der polnische Ministerpräsident mit Militärehren, Fanfaren und Salut empfangen, im zweiten Stock saß ich General a.D. und Senator Romeo Dallaire gegenüber. Ottawa strahlte an diesem Montagmorgen unter einem blauen Himmel. Und auch der 65jährige lacht. Ganz stolz zeigt er mir die deutsche Ausgabe seines Buches „Handschlag mit dem Teufel„.

Romeo Dallaire ist durch die Hölle gegangen, ein Jahr lang war er in Ruanda stationiert. Hochmotiviert kam er im August ’93 in dieses kleine afrikanische Land, um die UN Truppen zu befehligen, die das dortige Friedensabkommen überwachen sollten. Doch alles kam anders. Im Rückblick war klar, radikale Kräfte in der Regierung und im Land arbeiteten auf die Endlösung hin, sie wollten die Tutsi Minderheit auslöschen. Man spielte mit ihm. Die verschiedensten radikalen Kräfte im Land und auch die Politdiplomaten daheim in New York.

Im Interview berichtet der Senator von damals, von seinen Einschätzungen, von den Versuchen, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen endlich zum Handeln zu bringen. Aber auch davon, dass Länder wie Deutschland schlichtweg versagt haben, kaum mit ihm als UN Vertreter vor Ort zusammen gearbeitet haben oder zusammen arbeiten wollten. Deutschland war Teil einer Gruppe von Botschaftern, die sich regelmäßig in Kigali traf, um die Lage vor Ort zu besprechen.

Romeo Dallaire erzählt, man merkt ihm im Gespräch nicht an, dass er Zeuge eines der schlimmsten Verbrechen der Geschichte war. Im Jahr 2000 versuchte er sich umzubringen, die Diagnose posttraumatische Belastungsstörung. Die Geister von Ruanda lassen ihn nicht mehr los. Seine Erlebnisse, seine Erfahrungen in Ruanda und innerhalb des gewaltigen UN Apparats, die Enttäuschungen, die Hilflosigkeit, der Handschlag mit dem Teufel haben sein Leben verändert. Romeo Dallaire blickt nach vorne, sucht den Kontakt und das Gespräch mit vielen jungen Menschen. Man habe aus der Geschichte gelernt, sagt er. Und fügt hinzu, zumindest auf dem Papier.