Ein Boxer dankt ab

Die Nachricht kam nicht überraschend. Harry Reid stellt sich im kommenden Jahr nicht mehr den Wählern. Nach über 30 Jahren als Politiker tritt er zurück. Am 1. Januar dieses Jahres stürzte er in seinem Haus in Las Vegas, Nevada, beim Fitnesstraining und zog sich eine schwere Verletzung im Gesicht und am rechten Auge zu. Wochenlang war er außer Gefecht gesetzt. Und in dieser Zeit ging Reid in sich und dachte an seine Zukunft. Zuvor hatte er noch erklärt, er werde auch 2016 wieder antreten.

Nun also tritt einer der Schwergewichtsfighter in Washington zurück. Damit steht im kommenden Jahr eine grundlegende Neuausrichtung für die demokratische Partei an, da Präsident Barack Obama nicht mehr kandidieren kann und schon fürs Weiße Haus die Karten neu gemischt werden. Neben Harry Reid hat auch schon die langjährige kalifornische Senatorin Barbara Boxer ihren Rückzug erklärt.

1982 wurde Harry Reid als Abgeordneter in den Kongress gewählt, vier Jahre später in den Senat. 2005 übernahm er von Tom Daschle die Führungsrolle im Senat. Vor seiner parteipolitischen Karrier war Harry Reid Boxer, Anwalt und Vorsitzender der „Nevada Gaming Commission“, jender Kommission, die die Casinos und das Glücksspiel im Bundesstaat überwacht.

Als unnachgiebiger Kämpfer für eine Gesundheitsreform an der Seite von Barack Obama machte sich Reid in den letzten Jahren viele Feinde in Washington. Gerade in den Kreisen der „Tea Party“ wird man die Entscheidung des einstmaligen Boxers mit Freuden aufgenommen haben. Reid war für sie ein rotes Tuch wie Obama. Der Sturz vom 1. Januar kam also für den erprobten Boxer einem Knockout gleich.

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Amerika „Made in China“

Was für eine blöde Diskussion wird denn da gerade vom Zaun gebrochen? Demokraten und Republikaner in Washington regen sich auf, dass die Uniformen des US amerikanischen Olympiateams in China geschneidert wurden. Und die, die sich hier echauffieren sind noch nicht mal Hinterbänkler und versuchen das Sommerloch zu nutzen, um ihren Namen auch mal gedruckt zu sehen. Nein, es sind solche „Führungskräfte“ wie Senator Harry Reid („alles auf einen Haufen und verbrennen“), Kongressabgeordneter Steve Israel („einfach nur dumm“), Nancy Pelosi („sie sollten Uniformen „Made in USA“ tragen“), John Boehner („man würde hoffen, sie wüßten es besser“). Lediglich Präsident Barack Obama und sein Kontrahent Mitt Romney ließen sich nicht aufs Glatteis führen und meinten jeweils ganz vorsichtig, vielleicht könnte man beim nächsten mal darauf achten.

Die Diskussion ist unsinnig und zeigt nur, dass das politische Establishment in Washington einfach keinen Bezug mehr dazu hat, was da draußen passiert. Die Herren Reid und Madame Pelosi kaufen sicherlich in exklusiven Boutiquen ein, da stellt sich die Frage (noch) nicht. Aber wer heute als Normalsterblicher und ohne Privilegien und dickem Geldbeutel in den USA T-Shirts, Hosen, Pullover, Jacken einkauft, der kommt fast nicht drum herum „Made in China“ oder „Made in PRC“ zu erwerben. Man kann schon froh sein, wenn man was zum Anziehen findet, was auf dem nordamerikanischen Kontinent, südlich der Grenze in Mexiko produziert wurde. Die großen amerikanischen Bekleidungsunternehmen, vom Sportartikelhersteller Nike bis zum Jeansproduzenten Levi’s lassen alle schon lange nicht mehr in den USA nähen.

Es gibt nur noch wenige Bekleidungsfirmen, die in Amerika produzieren, darunter „American Apparel“, „New Balance“ und „Carharrt“. Und selbst die lassen schon einen Teil ihres Angebotes in Übersee nähen. Politiker in Washington fordern Jobs für Schulabgänger und High School Absolventen. Doch haben genau jene Politiker über die Jahre ganze Industriezweige mit ihren Entscheidungen abgeschafft und ausgelagert. Das kapitalistische System Amerikas beruht auf Gewinnsteigerung. Und es ist heute für eine amerikanische Firma billiger im fernen China T-Shirts und Hosen produzieren und dann die gefüllten Container quer um die Welt zurück in die USA  schippern zu lassen, als die Klamotten hier im eigenen Land herzustellen. Das ist die Rechnung eines US Unternehmens. Dabei geht es nicht um soziale Folgekosten und gesellschaftliche Verantwortung im eigenen Land, um Arbeitsrechte an den Produktionsstätten, nicht um umweltpolitische Bedenken. Wichtig ist nur, was für Firmenleitung und Aktionäre am Jahresende ausgezahlt wird.

Firmen wie WalMart machen damit Werbung, dass eine Familie, die regelmäßig bei ihnen einkauft pro Jahr rund 2500 Dollar sparen wird. Einfach, weil die Produkte billiger als bei den Konkurrenten sind. Vergessen und nicht erwähnt wird dabei, dass das System WalMart auf Produkten „Made in China“ aufbaut. Auf Produkten, die nicht mehr von amerikanischen Arbeitnehmern zusammengebaut, genäht, erstellt werden. Und da beginnt der Teufelskreis. Familien müssen sparen, kaufen billig ein, achten nicht darauf, was sie da erwerben und zerstören damit genau die Jobs, die sie oftmals gehabt haben. Ein irres System, über das unsinnigerweise auch im diesjährigen Wahlkampf gesprochen werden wird. Romney, der eiskalte Kapitalist und Obama, der als Demokrat auch nicht gerade viel besser ist.

Ein Unternehmenssprecher von Ralph Lauren, die die diesjährigen Olympia Uniformen entworfen haben, kündigte an, in Zukunft wieder in den USA zu produzieren. Zumindest diese Uniformen für die Olympiamannschaft. Wir anderen müssen uns mit „Made in China“ zufrieden geben. Oder, vielleicht sollte man beim Einkaufen doch mal genauer auf die Etiketten schauen. Es lohnt sich!