Ein weiter Weg

2004 gewann George W. Bush die Wiederwahl. Es war ein Wahlkampf um „Family Values“, Familienwerte, allen voran der Kampf um die Ehe. In Massachussetts und auch in Kalifornien hatten Gemeinden Eheschließungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern zugelassen. Die Bilder aus San Francisco gingen durchs Land und um die Welt. Lange Schlangen mit Männern die Männer, Frauen, die Frauen heiraten wollten. An der Spitze der Bewegung, der damalige Bürgermeister Gavin Newsom, der erkannte, dieser Kampf um Gleichberechtigung von Homosexuellen ist die Bürgerrechtsbewegung unserer Tage.

Harvey Milk wurde schon mit einer Briefmarke geehrt. Nun folgt die Benennung eines Navy-Schiffes. Foto: Reuters.

Harvey Milk wurde schon mit einer Briefmarke geehrt. Nun folgt die Benennung eines Navy-Schiffes. Foto: Reuters.

Newsom wurde von allen Seiten angegriffen. Sein Alleingang machte ihn zum Aussätzigen in der demokratischen Partei. Auch Hillary Clinton distanzierte sich von ihm. John Kerry verlor die Wahl, George W. Bush gewann und sein damaliger Stratege Karl Rove hatte erneut einen Sieg eingefahren. Er hatte frühzeitig erkannt, dass der Kriegspräsident Bush die Wahl nicht gewinnen konnte, ein anderes Thema mußte her, um die christlich-konservative Basis zu mobilisieren. Da kamen Rove die Bilder aus San Francisco gerade recht. Rove setzte alles auf eine Karte, sprach vom Verfall der Werte, dem Ende des Abendlandes und mobilisierte so die christliche Basis.

12 Jahre später ist alles anders. Gleichgeschlechtliche Eheschließungen sind überall anerkannt, abgenickt vom Verfassungsgericht. Und nun zieht sogar das Militär nach. Schon seit langem wurde die Doktrin „Don’t ask, don’t tell“ aufgegeben, Schwule und Lesben, Transsexuelle können offen in den Streitkräften dienen. Die US-Navy setzt nun ein ganz deutliches Zeichen, ein Zeichen, dass den Wandel der Zeit symbolisiert. Es ist ein Ende der LGBT-feindlichen Bush-Ära. Die Navy wird schon sehr bald ein Schiff ihrer Flotte „USNS Harvey Milk“ benennen, benannt nach dem ermordeten Supervisor und Gay-Aktivisten aus San Francisco Harvey Milk.

Milk war einer der ersten Politiker, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannten. Er kandidierte, gewann die Wahl und wurde zum Sprecher der Bewegung, nach seinem frühen Tod zur Symbolfigur. Am 28. November 1978 wurden er und Bürgermeister George Moscone von Dan White erschossen.

Der Tag wird kommen

Marcus Wiebusch     
Marcus Wiebusch und sein Song "Der Tag wird kommen".

Marcus Wiebusch und sein Song „Der Tag wird kommen“.

Am heutigen Montag präsentierte Marcus Wiebusch ein Video, das ihm sehr am Herzen liegt, wie er im Interview erklärte (Audioclip). Auf seiner ersten Soloplatte „Konfetti“, hat der Kettcar Sänger und Gitarrist den Song „Der Tag wird kommen“ veröffentlicht. Darin geht es um die Angst von schwulen Profi-Fußballern sich zu outen, es geht um Homophobie im deutschen Fußball. Wiebusch bringt in seinem Clip Bilder der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den 60er Jahren und der US Gay „Movement for Equal Rights“. Harvey Milk, der erste offen schwule Supervisor in San Francisco, ist zu sehen. Und ich mußte an die Worte von Bürgermeister Gavin Newsom denken, der im Januar 2004 Trauscheine für Schwule und Lesben ausstellen ließ. Newsom wußte, dass er damit seine politische Karriere riskiert. Nach der verlorenen Präsidentenwahl 2004 beschuldigten viele Gavin Newsom für die Niederlage von John Kerry mitverantwortlich zu sein. Doch Newsom hatte mir damals im Interview gesagt, er habe die Entscheidung deshalb getroffen, weil die Diskriminierung von Schwulen und Lesben die „Civil Rights“ Frage unserer Zeit sei. Er könne und wolle da nicht länger zusehen, wegschauen, gleichgültig sein.

Und genau das zeigt auch dieses Video von Marcus Wiebusch. „Der Tag wird kommen“ bezieht Stellung, zeigt die geschichtliche Bedeutung des offenen und ehrlichen Lebens. Es geht um Akzeptanz, um Gleichberechtigung, um das Recht zu leben, so wie man will.

Der Song ist klasse, das Video setzt diese Geschichte hervorragend um. Finanziert hat Marcus Wiebusch dieses Filmprojekt mit Hilfe von „Crowdfunding“. Weit über 1000 Supporter unterstützten die Realisierung des Videos. Ein Projekt, das Schule machen sollte.

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Gay Pride in San Francisco

rainbowflagSan Francisco gilt als die Hauptstadt der Schwulen- und Lesbenbewegung. Doch die Stadt am Golden Gate ist schon seit Goldgräberzeiten für ihre Liberalität bekannt, wenn es um Sexualität und Lebenseinstellungen geht.

Der Juni ist der „Gay Pride“ Monat. Überall in der Stadt hängen die Regenbogenfahnen, viele Veranstaltungen, allen voran das größte Gay Filmfestival der Welt, Frameline, zeugen von einer selbstbewußten Haltung. Am morgigen Sonntag findet in San Francisco auf der Market Street die riesige Parade statt.

Hier ein Audiobeitrag über „Gay San Francisco“:

Gay Capital San Francisco