Der Anti-Muslim Kampf geht weiter

Donald Trump kann es einfach nicht lassen. Erst baute er seinen Wahlkampf damit auf und nun regiert er in Washington mit Hass, Hetze und Lügen weiter. Erst die Ankündigung eines allgemeinen Einreiseverbots für Menschen aus muslimischen Ländern. Dann die Durchsetzung seines „Travel Bans“, seine Twitter Nachrichten über nicht nachweisbare Zellen des Islamischen Staates in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez, die unbemerkt in die USA eindringen. Und nun tweetet er, dass unter den Immigranten aus Honduras, Guatemala und El Salvador erneut „unknown Middle Easterners“ seien. Belege und Beweise für solche Angstszenarien muss ein Donald Trump nicht vorlegen.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist zu einem der größten Hassprediger unserer Zeit geworden. Er regiert mit Angst und Schrecken. Nicht, dass er nachts Sturmtruppen aussendet, die Kritiker mundtot machen sollen. Nein, das nicht, auch wenn sich rassistische und ausländerfeindliche Gruppen durch ihn, seine Worte und seine Handlungen bestärkt fühlen und Übergriffe gegen Menschen anderer Hautfarbe, anderer Religionen, anderer Sexualität, anderer Überzeugungen als Einladung zur Gewalt sehen. Trump kreiert eine Welt, in der man Angst haben sollte vor Immigranten, Muslimen, Andersdenkenden. Belegen braucht er seine Anschuldigungen und Behauptungen nicht. „People are talking“, das ist sein Argument. Seine Basis glaubt ihm kritik- und kommentarlos.

Trump ist gefährlich, nicht nur weil er die Gesellschaft spaltet, staatliche und gesellschaftliche Instanzen unterminiert, die Demokratie aushöhlt. Er ist gefährlich, weil er Hass und Hetze als den „normalen“ Ton präsentiert. Keine Rücksicht auf Konsequenzen, auf die langfristigen Folgen seiner Worte. Ich dachte immer, man könne zu meinen Lebzeiten Amerika in die Zeit vor und nach den Terrorangriffen des 11. Septembers 2001 einteilen, denn 9/11 war ein Scheidepunkt für die USA. Der Terror der Al-Qaida führte dazu, dass Amerika nach 9/11 zusammenrückte, in der Katastrophe sah man sich geeint. Zumindest für eine kurze Zeit. Doch mit Trump hat sich erneut die Zeitrechnung verändert. Nichts ist mehr so, wie es einmal war.

Donald Trump hat eine Alternative Realität erschaffen, in der Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Homophobie, Angriffe auf Andersdenkende und Andersgläubige hoffähig geworden sind. Trump tritt vor seine Wählerinnen und Wähler, attackiert unter dem Jubel der tobenden Menge die Medienvertreter, verharmlost Gewalt gegen Reporter, beschimpft die politische Opposition, beleidigt Menschen in Not, droht, lügt, wütet. Wohin dieser eingeschlagene Weg führen wird ist noch nicht klar, aber eine Rückkehr zu einem zivilen Umgang scheint undenkbar geworden zu sein.

Ein Hass Prediger fährt zur Hölle

„Gott hasst Schwule“. „Gott hasst Dich“. „Danke Gott für tote Soldaten“. Sprüche, mit denen die Westboro Baptist Church an Beerdigungen von gefallenen US Soldaten protestierte. Eine Handvoll Verblendeter war immer zugegen, wenn Trauerfeiern anstanden. Weit über 50.000 wurden so über die Jahrzehnte gestört. Nichts half, sogar eine breite Diskussion über Meinungsfreiheit wurde wegen dieser Aktionen in den USA geführt. 2011 bestätigte das US Verfassungsgericht das Grundrecht auf Meinungsfreiheit für die radikalen Christen.

Nun ist Fred Phelps, der Gründer der Westboro Baptist Church, im Alter von 84 Jahren gestorben. Er gründete seine Kirche 1955 und machte sie zur Speerspitze einer Hassbewegung. Alles Übel in den USA, ob Krieg, Gewalt, Drogenmißbrauch, Wirtschaftskrise, führte er auf die liberale Haltung zurück. Schwule, Abtreibung, offene Partnerschaften seien für alles im Angesicht Gottes verantwortlich. Seine Kirche war seine Familie, Phelps hatte 13 Kinder. Und er wusste zu provozieren.

Sein Begräbnis wird nun allerdings keine Proteste hervorrufen. Auch wenn viele in den USA sagen, „Thank god, he’s dead“. Seine Familie kündigte an, keine Trauerfeier durchzuführen. „Wir verehren nicht die Toten“, meinte seine Tochter Shirley Phelps-Roper. Doch auch mit dem Ableben des Hasspredigers werden die Proteste weiter gehen, das kündigte der Familienrat bereits an.

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Es geht um den Bart

Vor ein paar Tagen wurde in Cleveland Samuel Mullet Sr. wegen eines „Hate Crimes“, eines durch Hass bedingten Verbrechens für schuldig befunden. Er hatte 16 Mitglieder seiner fundamentalistischen Amish Glaubensgruppe, darunter vier seiner Kinder dazu angestiftet, mehrfach Mitglieder einer anderen Amish Gruppe zu überfallen und deren Bärte und Haare abzuschneiden. Ein ganz schlimmes Ding in der Amish Welt, nun drohen Mullet 15 Jahre Haft, denn die Staatsanwaltschaft konnte sich bei den Geschworenen mit ihrer Argumentation des „Hate Crimes“ durchsetzen.

Aber mal ganz ehrlich, eigentlich wären solche Bartabschneideaktionen gar nicht mal so schlecht, wenn sie denn dabei blieben. Man stelle sich vor radikale Islamisten würden mal solch eine Aktion machen, anstatt auf einem überfüllten Markt eine Autobombe zu zünden oder Selbstmordattentäter in jüdische Busse zu schicken. Zumindest könnten dann anschließend die Betroffenen auch zu diesen Mitteln greifen. Bart ab und gut ist…denn danach müssen alle erst mal wieder warten, bis ein neuer Bart gewachsen ist. Zeit zum „cool down“, zum Abkühlen der Gemüter. Ich weiß, alles Hirngespinste, aber mal ehrlich, andere wichtige und nicht so wichtige Zeitgenossen machen auch keine besseren Vorschläge, wie man extremistische und religiös fundamentalisch bedingte Gewalt einschränken oder unter Kontrolle bringen könnte. Von daher…ja, ja, ich hör‘ schon auf.

 

Der Müll Nazi

Überall in den USA stehen die Schilder entlang der Landstrassen und Autobahnen: „Adopt a Highway“. Bürger und Gruppen, lokalen Unternehmen und Kirchengemeinden raffen sich dann immer mal wieder zusammen und erklären sich dazu bereit, eine Meile Highway sauber zu halten. Das heisst, sie sammeln den Müll ein, den Autofahrer so aus dem Fenster schmeissen und der sich entlang der Strasse ansammelt.

Nun hat sich in Colorado eine extreme Nazi Organisation für ein Strassenstück angemeldet und das schlägt im ganzen Land hohe Wellen. Die Nazis sagen, sie seien pflichtbewusste Bürger, andere meinen, man dürfte solchen Hasspredigern kein Forum bieten. Und das sei es, wenn an der Strasse nun ein Schild mit dem Namen der Organisation stehen wird. Doch einige meinen süffisant, man solle die Nazis doch den Müll aufsammeln lassen….was passe besser zu ihnen. Die Behörden haben nun zugestimmt, auch auf Anraten von Bürgerrechtsgruppen, die erklärten, die Meinungsfreiheit sei eben auch die Freiheit Andersdenkender.

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Hass und Haiti

Pat RobertsonRush Limbaugh ist ein Döskopp und Pat Robertson eine absolute Pappnase. Diese zwei Quatschköpfe haben in dieser Woche wirklich den Vogel abgeschossen. Der verbohrte und extrem nervige Fernsehprediger Robertson hatte das Erdbeben in Haiti damit erklärt, dass die Menschen dort sich dem Voodoo Glauben zugewandt hatten und wer einen Pakt mit dem Teufel eingehe, der brauche sich über die Strafe Gottes nicht zu wundern. Auch eine Erklärung, die sicherlich sehr hilfreich in dieser Situation ist. Wenn Robertson so ein seniler, alter Prediger wäre, der nur nachts, wie so viele andere, die schlaflosen Amerikaner belabert, dann wäre das kein Ding. Doch Pat Robertson hat ein richtiges Fernsehimperium mit seinem „Christian Broadcasting Network“ und seinem „700 Club“ aufgebaut. Und als ehemaliger Präsidentschaftsanwärter hat er grossen Einfluss auf die religiöse Rechte und die Diskussion um Moralvorstellungen in den USA.

Rush LimbaughAber so richtig genervt hat in dieser Woche vor allem Rush Limbaugh, der bekannteste und erfolgreichste Radio Moderator, der Tag für Tag auf rund 500 Stationen die Amerikaner gegen Barack Obama aufpeitscht. Limbaugh ist ein Hassprediger, der in seiner Sendung behauptete, Präsident Obama würde die Katastrophe in Haiti nur für die eigenen politischen Ziele nutzen. Er wolle sich mit seiner schnellen und massiven Hilfe für die Erdbebenopfer nur bei den „leicht farbigen und dunkelhäutigen“ Amerikanern einschmeicheln. Auch wendete er sich gegen jegliche Spenden, denn man „zahle ja über die Einkommenssteuer“ für die Hilfsmassnahmen. Limbaugh ist ein Quasselkaspar, der seinen Hass auf diesen Präsidenten überhaupt nicht versteckt. Das Problem ist, dass dieser selbstverliebte Verbalschläger grossen Einfluss auf die republikanische Partei hat und als Gradmesser der Konservativen im Land gesehen werden muss. Rush Limbaugh kann fast eigenhändig einen Kandidaten ins Amt heben oder ihn total zerstören. An ihm kommt Amerika derzeit nicht vorbei.