Alles ok in Point Reyes

San Francisco zieht Jahr für Jahr Millionen von Touristen an. Viele von ihnen besuchen die Golden Gate Bridge, fahren kurz mal hoch in die Marin Headlands, um von dort den Ausblick auf die Brücke, das Golden Gate und dahinter Downtown San Francisco zu genießen. Nur wenige fahren weiter in die Headlands hinein, entlang des legendären Highway 1.

Zum Glück kann man nur sagen, denn kurz danach kommt Point Reyes National Seashore, ein Nationalpark, direkt vor den Toren der Bay Area. Irgendwie wirkt dieser Teil in West-Marin County wie vergessen. Hierhin haben sich zahlreiche Aussteiger zurückgezogen, unzählige Musiker und Künstler leben in der Gegend, die mit den gewaltigen Redwoods beginnt und am oftmals nebeligen Pazifikstrand endet. Und in Point Reyes Station sendet auch KWMR, eine engagierte Community Station, auf der Freitagnacht auch Radio Goethe ausgestrahlt wird.

Ich fahre gerne dorthin, laufe alleine  und nur mit meinem Hund am endlosen Strand entlang, setze mich irgendwo an den Strand, beobachte die gewaltigen Wellen, schaue mir das teils skuril wirkende, angeschwemmte Holz an, genieße den heftigen Wind. Manchmal sieht man Seelöwen, hin und wieder kann man auch einen Wal auf seiner langen Reise von Nord nach Süd beobachten. Einmal konnte ich hier sogar bei einer Seehundrettung mithelfen. Point Reyes National Seashore ist ein ganz besonderer, ja, irgendwie spiritueller Ort zum Abschalten, Durchatmen, Auftanken.

Und da es eben ein „National Seashore“ ist, ist die Gegend nun auch von der Haushaltskrise im fernen Washington betroffen. In den letzten Tagen habe ich viel über Touristen gelesen, die in andern Parks, wie Yellowstone, Death Valley oder Joshua Tree National Park einfach ihren Müll liegen haben lassen, die jagten, dort lebende Tiere aufschreckten, Pflanzen ausrissen, mit Geländewagen und Motorrädern mitten durch die Parks rasten. Das alles, weil keine Parkranger vor Ort waren, es keine Aufsicht gab, ein scheinbar gesetzloser Raum entstanden ist. Trumps Kampf um die Mauer scheint das Beste in einigen Zeitgenossen hervorzubringen.

Anders war es gestern in Point Reyes. Es waren kaum Besucher dort, eigentlich wie immer, nur wenige Autos waren zu sehen. Ein Surfer versuchte die gewaltigen Wellen zu reiten und gab nach einer halben Stunde auf. Er kam nicht über die zweite Welle hinaus, die Strömung war zu stark. Die Toiletten an den Parkplätzen waren geschlossen, am Strand selbst kein Müll, keine Idioten, die sich ausleben mussten. Alles war friedlich, so wie immer. Es waren wunderbar entspannende Stunden an einem meiner Lieblingsorte hier an der kalifornischen Küste.

 

Die Lichter gehen aus in Washington

Krise in Washington     

Na, eigentlich hätte ich schon erwartet, dass Präsident Barack Obama um Mitternacht vor die Tür des Weißen Hauses tritt, das Licht geht aus und er sperrt die Haustür ab. So symbolisch den Laden dicht macht. Da sendeten die Nachrichtenkanäle den ganzen Tag einen Countdown, als ob da gleich eine Rakete hoch geht oder ein neues Jahr eingeläutet wird, und dann passiert….nichts.

Aber eigentlich ist das keine Zeit um Witze zu machen, denn was da gerade in Washington passiert oder eben nicht passiert wird sehr viele Bürger treffen. Die amerikanische Regierung kann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, das muß man sich mal vorstellen. Staatsbedienstete werden in den Sonderurlaub geschickt, öffentlich geförderte Hilfsprogramme werden gestoppt, Nationalparks und Sehenswürdigkeiten geschlossen. Die Kosten für die Wirtschaft werden pro Woche auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt. Sinn macht das alles nicht, was da passiert. Und das alles wegen einer allgemeinen Krankenversicherung, die im Grunde schon lange überfällig ist. Die die Republikaner aber als „sozialistisch“, „unamerikanisch“, „diktatorisch“ ansehen. Dazu der aktuelle Audiobericht.

Präsident auf Facebook

Am Mittwoch wird Präsident Barack Obama die Headquarters von Facebook in Palo Alto besuchen. Dort soll es ein „Town Hall Meeting“ geben, bei dem Obama über die Haushaltskrise und -misere sprechen wird. Man kann gespannt sein, was er so erzählen wird, wie seine Pläne zur Lösung der Schuldenkrise aussehen.

Als USA Korrespondent der Nürnberger Zeitung wurde ich vom State Department zu dieser Veranstaltung eingeladen. Nach einer Registrierung mit dem Weißen Haus und einem Security Check im Vorfeld, muß man Stunden vor der eigentlichen Veranstaltung vor Ort sein. Die Sicherheitsvorkehrungen des „Secret Service“ sind mehr als hoch. Ich werde versuchen, die Veranstaltung für die Leser/Hörer des NZ-Blogs aufzuzeichen. Mehr am morgigen Abend an dieser Stelle.

Die Haushaltskrise wird geraucht

Marihuana Rauchen tut gut. Zumindest könnte man damit den kranken kalifornischen Haushalt wieder gesund machen. Das zumindest dachte sich der Abgeordnete Tom Ammiano, der San Francisco im Staatsparlament vertritt und nun die Legalisierung und die Besteuerung von „Pot“ verlangt. Jeder über 21 im Sonnenstaat sollte das Gras anbauen, kaufen, verkaufen und besitzen dürfen. Zwar ist all das bundesrechtlich verboten, aber schwierige Zeiten erfordern schwierige Lösungswege.

Ammiano geht davon aus, dass die Legalisierung und die Besteuerung von Marihuana bis zu einer Milliarde Dollar pro Jahr in den Staatssäckel Kaliforniens bringen würde. Ein Betrag, den man in diesen Zeiten dringend brauchen könnte.

Zwar stösst der Vorstoss des Abgeordneten nicht gerade auf breite Basis, doch er wird durchaus ernsthaft auf vielen Ebenen diskutiert. Viele in Kalifornien sind dem Marihuana nicht gerade abgeneigt. Im Norden des Bundesstaates wird tonnenweise angebaut, privat zum persönlichen Gebrauch, aber auch landwirtschaftlich im grösseren Stil. Allerdings bislang illegal. Auch stimmten die Wähler Kaliforniens im Jahr 2006 zu, dass schwer Erkrankte Zugang zu Marihuana als schmerzstillendes und stimulierendes Medikament haben sollten.

Also, abwarten….in Kalifornien könnten schon bald die roten Zahlen des Staatshaushalts in Rauch aufgehen…und das mit einem breiten Grinsen um die Lippen.

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