Gebt den Kindern das Kommando

Wenn man durch Goma fährt, wenn man durch eines der Flüchtlingslager läuft, dann fallen einem sofort die vielen Kinder auf. Sie sitzen im Dreck, kauen auf Zuckerrohr, beobachten Vorbeikommende, spielen mit selbstgebautem Spielzeug. Ein kleiner Junge hatte aus einer Plastikflasche ein Fahrzeug gebaut, die Verschlüsse dienten als Räder. Oder dieser Junge hier, der einen aufgeschnittenen Kanister als Bollerwagen hinter sich herzog.

In einem Gesundheitszentrum der Johanniter kommen monatlich rund 50 Säuglinge zur Welt. Familien mit zehn Kindern sind keine Ausnahme, auch wenn der Vater von vornherein weiß, leisten kann er sich das eigentlich nicht. Als Besucher taucht unweigerlich die Frage auf, welche Zukunft diese Kleinen haben werden?

Heute hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer deutschen Journalistin, die seit eineinhalb Jahren für die Hilfsorganisation ‚Heal Africa‘ arbeitet. Auf die Frage, ob sie Hoffnung für die Stadt, die Region, das Land habe, antwortete sie mit ja. Durch ihre Arbeit komme sie mit vielen jungen Leuten zusammen, die ihr Hoffnung geben. Die Fragen stellen, die sehen, was hier schief läuft. Es ist schwer im heutigen Kongo kritisch zu denken, schon der kleinste Protest wird unterdrückt und zerschlagen. Doch die Jugendlichen von heute wissen, was woanders passiert, wie das Leben auch gelebt werden könnte. Sie fragen, warum man hier so sehr von den Hilfsorganisationen abhängig sei, obwohl die Region reich ist, mit Bodenschätzen aller Art gesegnet ist, eine unfassbar schöne Umgebung hat, die eigentlich ein Touristenziel sein müßte. Hoffnung sei da, meinte die Deutsche, aber es werde wohl noch Generationen dauern, bis die Gesellschaft hier funktionieren kann und wird. Die Zukunft liege in der Hand der jungen Leute.