Von der Maininsel ins Dry Creek Valley

Vor kurzem war ich noch mit Freunden auf der Maininsel bei Volkach unterwegs. Gestern ging es mal wieder ins Dry Creek Valley nach Sonoma County. Was beide Gegenden verbindet, ist die wunderschöne Landschaft und hervorragender Wein.

Im Dry Creek Valley war gestern die sogenannte „Passport“ Veranstaltung, an der ich jedoch nicht teilnahm. Es war viel los im Valley. Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen wurde so einiges an Wein verköstigt. Ganze Busladungen waren unterwegs. Ich steuerte hingegen ganz gezielt ein paar Weingüter an, zu denen die ich eingeladen war, die genau meinen Weingeschmack treffen. Passalacqua, Zichichi Winery, Trattore und Hawley. Vier Weingüter mit fantatastischem, doch preislich deutlich höheren Vinos, als auf der Maininsel.

Sonoma liegt etwa eineinhalb Stunden Autofahrt von Oakland entfernt. Eigentlich, doch gestern dauerte es mal wieder zwei Stunden, bis ich ankam. Die Verkehrslage in der Bay Area ist eine Katastrophe geworden. Das ist ein Grund wegzuziehen, denn im Stau steckt man hier so gut wie immer. Und doch, dann kommt man im Dry Creek Valley an, die Stimmung ändert sich umgehend und man genießt eine dieser Perlen dieser Region. Das Wine-Country nördlich von San Francisco ist etwas ganz besonderes, für mich ist es wie mein täglicher Spaziergang mit meinem Hund zwischen den Redwoods des East-Bay Regional Parks. Ankommen und durchatmen, ein bisschen entschleunigen, runterkommen in der überfüllten Bay Area. Und ja, ich empfehle für Nordkalifornienreisende das Weinanbaugebiet von Sonoma und nicht das viel berühmtere und nochmals teuere Napa. Aber das ist Geschmackssache. Was ich Besuchern immer gerne auch in Verbindung mit einem Tagestrip nach Healdsburg und Umgebung zeige (und empfehle) ist der Armstrong Redwoods State Park unweit von Guernville. Dort kann man die richtig großen Redwoods erleben, wie sie sich dem Himmel seit Jahrhunderten entgegenstrecken. Das Leben hier kann durchaus schön sein, wenn man es sehen will.

 

Zum Wohle

„Barrel Tasting Weekend“ im Wine Country, an einem Tag im März muss ich alljährlich dabei sein. Nun war es mal wieder soweit. Und ich kann sagen, da kommt sehr viel guter Wein in die Flaschen.

Etwa eineinhalb Stunden nördlich von Oakland liegt Healdsburg und dahinter das „Dry Creek Valley“. Dorthin zieht es mich meistens, dort findet man hervorragenden Zinfandel. Die Weingegend ist noch nicht so überlaufen wie das weltbekannte Napa Valley. Und doch, die zwei „Barrel Tasting Weekends“  sind meistens Partyzone, auch wenn sich das in letzter Zeit etwas geändert hat. Busse mit zumeist jungen Frauen aus San Francisco reisen an. Nach der vierten, oder fünften „Winery“ heisst es dann nur noch: „Gimme some wine“. „What would you like, we have Cabernet, Merlot, Zinfandel…“. „Just some red“.

Seitdem besuche ich gezielt ein paar wenige Winzer, die meinen Geschmack eigentlich immer treffen und die mich auch ohne Ticketkauf aus ihren Fässern probieren lassen. Dieses Jahr war ich bei Hart’s Desire, Passalacqua, bei Amphora und wie immer bei Hawley. Unglaublich gute Zinfandel kommen da. Ich bin gespannt darauf, wie sich die Weine in den kommenden Monaten noch weiter entwickeln werden. Amphora bietet darüberhinaus viele Weinsorten an, die man normalerweise nicht so oft in dieser Gegend findet. Ein Geschmackserlebnis sondergleichen. Für Kalifornien Reisende kann ich diese vier Weingüter nur wärmstens empfehlen, es lohnt sich wahrlich den kalifornischen „Wine Taste“in den „Tasting Rooms“ zu erkunden. Aber, es ist nicht billig, gerade, wenn man die Preise mit Wein aus Deutschland, Italien, Frankreich oder Spanien vergleicht.

Es weihnachtet sehr

Es gibt wirklich Männer, die so rumlaufen!? Ein besonders schickes 3-D Exemplar von uglychristmassweater.com.

Gestern war ich in Healdsburg und traf dort in einem „Wine Tasting Room“ jemanden, den ich zuvor schon oft gesehen hatte. Und dieser jemand hatte einen „Christmas Sweater“ an, einen Pullover passend zur Jahreszeit. Nun muss ich sagen, das Ding war pottenhässlich. Ein ekliges Blau, und darauf ein Druck der schon vom Hingucken Kopfschmerzen bereitete. Und ich fragte frank und frei heraus, ob das ein Sweatshirt von der Webseite uglychristmassweater.com sei.

Die Reaktion, die ich bekam, war allerdings nicht locker. Ich wurde mit Blicken durchbohrt. Also meinte ich anschließend, „wirklich, diese Webseite gibt es tatsächlich“. Doch das half nichts. Er kannte sie nicht und meinte, ich wolle ihn nur veralbern. Versuch Fehlgeschlagen! Auf uglychristmassweater.com werden die absolut hässlichsten Weihnachtspullover verkauft, die man sich nur vorstellen kann. Wie ich lernte, gibt es in den USA eine große Fangemeinde von diesen Pullovern, die einfach nur schrecklich sind und mit denen ich noch nicht mal in tiefster, dunkler Nacht rumlaufen würde. Selbst die Hip Hop Größe Method Man vom Wu-Tang-Clan ist großer Weihnachtspulloverfan und hat sein eigenes Model.

Und ich dachte eben am gestrigen Samstag, dieser jene in dem Weinladen gehört zu diesen Zeitgenossen, die das ganze Jahr darauf warten, ihre besonderen Feiertags-Sweat Shirts rauszuholen und ihre Mitmenschen damit zu schocken. Ich lag falsch, er hatte seinen nicht auf der Webseite gekauft und fand ihn auch noch ansehnlich. Er sah ihn auch nicht als hässlich an, sondern als passend zur besinnlichen Weihnachtszeit. Na denn…Ho, Ho, Ho…Merry Christmas!

 

Noch nicht alt genug zum Rauchen

Healdsburg ist eine schöne Kleinstadt, rund 80 Autominuten nördlich von San Francisco. Im Zentrum ein kleiner Park mit Bänken, einem Brunnen, einem Pavillon. Gewaltige Redwoods recken sich neben Palmen dem Himmel entgegen. Hier in Healdsburg scheint das Leben langsamer zu laufen, Passanten sitzen herum, genießen einen Kaffee, plauschen ein bisschen, bevor sie in einer der kleinen Boutiquen oder in eines der zahlreichen Restaurants verschwinden. Healdsburg legt viel Wert auf seinen Ruf, eine gesunde Stadt zu sein.

Healdsburg Plaza ist schon lange rauchfrei.

Healdsburg Plaza ist schon lange rauchfrei.

Daher verwundert es nicht, dass das Rauchen in der Kleinstadt erschwert wird. Schon jetzt darf man in öffentlichen Parks, wie dem Plaza im Zentrum, nicht mehr rauchen. Vor Geschäftseingängen nur noch im Abstand von etwa acht Metern, heißt, um sicher zu gehen, müßte man sich mitten auf die Straße stellen, was auch nicht ganz ungefährlich ist. Da könnte ein Raucher dann durch „Second Hand Smoke“ unter die Räder kommen. Zigarrenclubs und Hookah Bars sind total verpönt. Nun geht der Stadtrat der 12000 Seelengemeinde noch einen Schritt weiter. Das Alter für Tabakkäufer jeglicher Art wird nach oben gesetzt. Man muß nun in Healdsburg 21 sein, um sich die Fluppe leisten und anstecken zu können. Damit ist Healdsburg die erste Stadt in Kalifornien und erst die zweite Stadt nach New York in den USA, die radikal gegen junge Raucher vorgeht. Im Stadtrat von Healdsburg wurde der Antrag mit 4:1 angenommen, angeführt wurde, dass 9 von 10 Rauchern bereits in jungen Jahren mit dem Paffen anfangen. Und Tabakverkäufer müssen jedes Jahr eine neue Lizenz für 450 Dollar beantragen. Healdsburg will also gesunde rauch(freie) Zeichen setzen.

Alles gut und schön, wäre da nicht die Tatsache, dass Healdsburg im Zentrum des Sonoma Wine Countries liegt. Dutzende von Weingütern haben um den zentralen Platz ihre „Tasting Rooms“, in denen man den durchaus leckeren, aber hochprozentigen kalifornischen Wein kosten kann. Oftmals gibt es dann auch noch gute Angebote, die Kiste zum halben Preis. Natürlich darf man hier auch erst ab 21 probieren und so ein Glas Wein soll ja gesundheitsförderlich sein, zumindest wird das immer wieder behauptet. Doch viele der Sonoma Besucher belassen es nicht beim einen „gesunden“ Gläschen. Aber was soll’s, davon lebt die Region.

Seltsam bei solchen Gesetzen, und seien sie nur auf der lokalen Ebene, ist für mich immer die Tatsache, dass man in den USA als 13 oder 14jähriger vor Gericht als Erwachsener behandelt werden kann. Dass man als 17jähriger, mit Einwillung der Eltern, für sein Land in den Krieg ziehen, für sein Land „fallen“ darf. In all diesen Fällen ist man als Jugendlicher, als junger Mann, als junge Frau alt genug, um Entscheidungen zu treffen, seien sie auch noch so ungesund, unsozial, fatal. Doch beim Rauchen und beim BushCoorsMiller Wasserbiergenuß hat der Spaß ein Ende. Dann, ja dann, ist ein junger Mensch nicht alt genug, um eine kluge, durchdachte und bewußte Entscheidung zu treffen. Amerika ist seltsam.

Weinkönig sein

Hardy Wallace hat es geschafft. Er hat wohl zumindest für sechs Monate einen Traumjob an Land gezogen und darf nun im Herzen des kalifornischen Wine Countries leben, lachen, es sich gut gehen lassen, doch vor allem Wein trinken.

Das ganze war nach dem Vorbild der australischen Kampagne „Traumjob Great Barrier Reef“ aufgemacht. Das Murphy-Goode Weingut in Healdsburg, rund eine Autostunde nördlich von San Francisco, suchte unter dem Slogan „A Really Goode Job“ jemanden, der als „Lifestyle Korrespondent“ über das Leben im Wine Country und den Wein der Jackson Familie, zum dem Murphy-Goode gehört, berichtet. Mehr als 2000 Frauen und Männer aus dem ganzen Land bewarben sich per You Tube Video. Nun wurde der Gewinner genannt.

10.000 Dollar pro Monat und ein viktorianisches Haus mit zwei Schlafzimmern warten nun auf Hardy Wallace aus Atlanta, dem Anfang des Jahres sein Job bei Kodak gekündigt wurde und der die Winzer in Sonoma County mit seinem Wein Blog „Dirty South Wine“ beeindruckte. Dienstbeginn ist der 15. August und Weingenuss am Arbeitsplatz ist durchaus erwünscht.

Hier noch das Bewerbungsvideo von Hardy Wallace für „A Really Goode Job““

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