Hinter Berlin geht’s weiter

Es ist mal wieder so weit. Der deutschsprachige Film wird am Golden Gate gefeiert. Zum 23. Mal heißt es im alten 1922 erbauten Castro Theatre „Welcome to Berlin & Beyond“. Das Kino allein ist schon ein Erlebnis. 1400 Plätze hat es, die gewaltige Decke ist mit Kunstleder überzogen. Vor den Abendveranstaltungen spielt ein Orgelspieler und feiert mit dieser Musik die reiche Geschichte des Theaters.

In diesem Jahr werden erneut Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt. Die meisten der Streifen werden es nie auf den amerikanischen Markt schaffen. Sie zeigen diese drei Länder, ihre Kultur, das Leben dort, den Humor, die Themen, die wichtig sind, eben ein Stück Alltag einem amerikanischen Publikum, das gerne auch den Blick über Ozeane, Grenzen und bald schon Mauern werfen will.

San Francisco ist eine Filmfestival-Stadt. Wöchentlich gibt es hier welche und alles wird geboten. Von den verschiedensten Themen bis hin zu den verschiedensten Ländern und Sprachen. „Berlin & Beyond“ ist da schon ein etabliertes Festival mit einer festen und großen Fangemeinde. Neben einem interessierten amerikanischen Publikum ist B&B auch zu einem kulturellen Highlight der deutschsprachigen Gemeinde in der San Francisco Bay Area geworden. Gerade bei Comedies und den Reaktionen im Publikum kann man das erleben, denn der deutsche Humor ist dann doch etwas anderes als der amerikanische.

10.000 verkaufte Tickets gibt es Jahr für Jahr. Der Großteil der Kinogänger schaut sich mehrere Filme an. Und das Angebot hat sich über die Jahre verändert. Wurden in der Anfangszeit eher dunkle, schwere Themen und Töne aus dem frisch wiedervereinigten Deutschland im Film gezeigt, hat sich im Laufe der Zeit der Ton deutlich verändert. Das Festival ist leichter geworden, luftiger, entspannter. Sicherlich gibt es immer noch ernste Themen in Movies „Made in Germany“, aber die Unterhaltung steht im Vordergrund.

„Berlin & Beyond“ ist wie der Fensterblick in eine andere Welt. Vom Golden Gate nach Berlin und eben auch dahinter. In die Provinz, in die Pampa in all jene Gegenden zwischen Emmersbüll-Horsbüll und Antenbichl, Schopfheim und Heringsdorf, Geldern und Krauschwitz. Und gerade das macht dieses Filmfestival zu einer bedeutenden Kulturveranstaltung. All diese Filme zeigen das Leben, manchmal überspitzt, manchmal chaotisch, manchmal nachdenklich. Doch immer sind es Geschichten, die das Leben genau so, ähnlich oder auch ganz anders schreibt, die uns zusammenführen, mitfühlen lassen und verbinden. Ich sage immer, Musik ist eine internationale Sprache, wenn man sie denn hören und verstehen will. Beim Film ist es ähnlich, wenn man sich auf das einlässt, was man sieht und sehen will.