Das Feld lichtet sich

Am Donnerstag steht die erste Debatte der republikanischen Kandidaten an. 16 von ihnen hatten sich Chancen ausgerechnet, zehn dürfen mit auf die Bühne. Der konservative Nachrichtenkanal FOXNews hatte vorgegeben, dass nur diejenigen Kandidaten mitdiskutieren dürfen, die in den letzten fünf Umfragen unter die Top Ten der Präsidentschaftsanwärter gekommen sind.

Rick Perry ist wohl bald raus aus dem Rennen. Foto: AFP

Rick Perry ist wohl bald raus aus dem Rennen. Foto: AFP

Und nun hat Rick Perry ein Problem. Der Texaner, der schon bei der letzten Wahl eine denkwürdige Katastrophe erlebte, schafft den „Cut“ wahrscheinlich wieder nicht. Da hilft diesmal auch keine Brille. Derzeit liegt er mit gerade mal 2,6 Prozent auf Rang 11 und es sieht nicht danach aus, als ob er in den letzten Tagen noch den Sprung nach vorne schafft. Perry wird bald Geschichte sein. Die Frage ist, ob er es dann 2020 wieder antreten wird oder irgendwo in der texanischen Ölindustrie einen Job annehmen wird.

Derzeit liegt Donald Trump mit 19 Prozent vorne. Danach Scott Walker (15%), Jeb Bush (14%), Ben Carson (10%). Im einstelligen Prozentbereich dann Ted Cruz, Mike Huckabee, Rand Paul und Marco Rubio. Und in den jüngsten Umfragen haben sich dann auch noch Chris Christie und  John Kasich an Rick Perry vorbei geschoben. Zahlreiche der etwas schwächeren Kandidaten erklärten, man solle diese Umfragen nicht überbewerten und erinnerten daran, dass vor vier Jahren zum gleichen Zeitpunkt Herman Cain vorne lag. Und an den erinnert sich heute niemand mehr.

Ene-Mene-Muh-Und-Raus-Bist-Du

Herman Cain’t ist dann mal weg. War doch ein bißchen viel mit den Frauengeschichten und den peinlichen Aussetzern. Ein Kommentator faßte es richtig zusammen, wenn man so viele Leichen im Keller hat, sollte man vorher schon mal überlegen, wie man die erklärt und nicht erst noch Omas Häkeldecke drüberlegen und hoffen keiner sieht was. Cain zieht sich also aus dem Rennen zurück, will aber – das war klar – aktiv in der Politik bleiben und auch eine Wahlempfehlung an seine Unterstützer geben. Die politische Karriere ist für ihn allerdings damit wohl vorbei, aber es gibt ja noch FOXNews, dort wird er sicherlich einen guten Kommentatorenjob angeboten bekommen.

Einige der Cainschen Tea-Party Anhänger werden  sich nun wieder umschauen müssen. Weit brauchen sie ja nicht zu schauen, ihr Darling Michelle Bachmann ist ja noch im Rennen und hat sich in dieser Woche wärmstens für das Präsidentenamt empfohlen. Wenn sie erst mal im Oval Office sitze, dann wird sie sofort die amerikanische Botschaft in Teheran schließen. Einziges Problem dabei, die USA haben schon seit 1980 keine diplomatische Vertretung mehr im Iran. Egal! Aber wenn die „Stars and Stripes“ noch unterm iranischen Himmel wehen würden, dann würde Iron-Michelle das sofort ändern. Das ist doch ein Wort, das sind doch gute Aussichten!

Und auch, was sie in Sachen Homoehe erklärt hat, deutet auf ihre politische Entschlossenheit hin. Auf die Frage, warum gleichgeschlechtliche Paare nicht heiraten dürfen, meinte Michelle Bachmann: „Sie können doch heiraten. Sie können einen Mann heiraten, wenn sie eine Frau sind. Oder sie können eine Frau heiraten, wenn sie ein Mann sind.“ Noch Fragen?

 

 

 

 

Ein No-Kandidat der Mitte

Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten positionieren sich alle am äußersten rechten Rand und buhlen dabei um die Stimmen der „Tea Party“-Bewegung und der christlichen Fundamentalisten in der Partei. Sie alle haben die eidesstattliche Erklärung von Grover Norquist unterschrieben und damit versprochen nie Steuern zu erhöhen. Sie sind gegen Abtreibung, für die Streichung der verschiedensten Sozialprogramme, für eine Beschneidung der Rechte von Arbeitern und Gewerkschaften, für die Aufrüstung des US Militärs, für ein härteres Durchgreifen gegen illegale Einwanderer, China, Iran und Nordkorea, für Foltermaßnahmen bei Terrorverdächtigen, gegen die Evolutionstheorie und die wissenschaftlichen Erkenntnisse der globalen Erwärmung…und, und, und…

Alle reden so ziemlich das gleiche, außer Jon Huntsman, ehemaliger Gouverneur von Utah und Botschafter in Peking unter Barack Obama. Ein Mann mit Charisma, photogen, mit Wissen, mit Erfahrungen auf der internationalen Bühne, Huntsman spricht fließend Chinesisch und weigert sich, dem Druck von Norquist und seiner Organisation „Americans for Tax Reform“ nachzugeben. Und dennoch ist seine Kandidatur so gut wie beendet. In den Umfragen kommt er einfach nicht voran. Er kann tun und lassen was er will, aber die republikanischen Wähler wollen niemanden, der anscheinend durch Sachkenntnis und Erfahrungen einem Präsidenten Obama im Wahlkampf das Wasser reichen könnte. Huntsman vertritt die gemäßigte Mitte der Partei, doch die hat in diesen Tagen nichts zu sagen. Der Wahlkampf wird mit Floskeln und Unwissen und einem erklärten Hass gegen Barack Obama ausgetragen. Perry, Bachmann, Cain, Gingrich, sie alle überschlagen sich mit Anschuldigungen gegen den „Sozialisten“ Obama und unterschlagen dabei, dass viele der heutigen Probleme auf den Vorgänger, den Republikaner George W. Bush, zurückreichen.

Huntsman wird von der konservativen Basis der Partei als Westentaschendemokrat gesehen und sogar mit Al Gore verglichen. Man mag es nicht, wenn ein Kandidat wie Huntsman per Twitter erklärt: „Ich glaube an die Evolution und vertraue den Wissenschaftlern bezüglich der Erderwärmung. Nennt mich verrückt“. Und dann: „In dem Moment, in dem die republikanische Partei die Anti-Wissenschaftspartei wird, haben wir ein riesiges Problem. Wir verlieren eine Menge Leute, die uns sonst in der kommenden Wahl unterstützten“. Das kam gar nicht gut bei der Basis der GOP an. Jon Huntsman wird seitdem wie ein Aussätziger behandelt und wurde zum Teil überhaupt nicht mehr zu den Fernsehdebatten eingeladen.

Der Kandidat selbst schätzt seine Situation ganz realistisch ein. Er wird wohl demnächst, leider muß man sagen, aus dem Rennen ausscheiden. In einem Interview mit CNN wurde er nach der Parodie seiner beiden erwachsenen Töchter gefragt, die ein Video des rauchenden Wahlkampfmanagers von Herman Cain auf youtube stellten. „Das ist einfach die Realität in meinem Leben. Ich gebe eine wichtige Rede über die Außenpolitik und die Rolle Amerikas im 21. Jahrhundert und habe danach vielleicht fünf Klicks auf youtube. Meine Töchter machen dieses Spaßvideo über das Video eines anderen Kandidaten und haben in den ersten 24 Stunden gleich eine halbe Million Klicks“.

 

Der Countdown läuft

In einem Jahr ist Wahltag. In einem Jahr? Das sind zwölf lange Monate mit viel Worthudelei, Tam Tam, Skandalen und Skandälchen, Bla Bla Bla und am Schluß ist eh keiner schlauer. Die Republikaner bekriegen sich gerade noch, doch keiner kann sich irgendwie als Frontrunner etablieren. Der Demokrat dagegen sammelt Geld ein und was sie alle verbindet sind ihre Reden vor der amerikanischen Flagge und ihrem „God bless America“ am Ende jedes öffentlichen Auftritts. Also, es kann losgehen. Der Countdown läuft.

Dazu ein aktueller Audiobeitrag:

Ein Jahr vor der Wahl      

Republikaner Ringelreih

Die Republikaner würden im kommenden Jahr so gerne Präsident Obama aus dem Weißen Haus treiben. Doch zwölf Monate vor dem Wahltag sind sie mehr mit sich selbst beschäftigt.

Dazu ein aktueller Audiobericht:

Republikaner im Wahlkampf     

999 – vom Punk zum Wahlkampf

999 schrieben Punk Geschichte. Doch die britische Band hat Herman „Herb“ Cain nicht im Sinn, wenn er derzeit im Wahlkampf von seinem 999 Plan spricht. Also nichts mit lautstarker Beschallung der US-Politiker. Er will vielmehr ein neues Steuersystem in den USA begründen. 9 Prozent Einkommensteuer, 9 Prozent Unternehmenssteuer, 9 Prozent Mehrwertsteuer. Das ist es. Simpel, direkt, unkompliziert. Zumindest in den Augen von Herb Cain.

Michelle Bachmann sieht das natürlich anders, sie meinte jüngst, wenn man die 9er umdreht habe man 666, die Zahl Satans, „the devil lies in the detail“, so Bachmann. Also, fort damit, weggewischt. Ist auch klar, kein GOP Kandidat redet derzeit gutes über den anderen.

Doch Herb Cain, am Anfang auf verlorenem Posten, kommt immer besser in Fahrt. In jüngsten Umfragen liegt er sogar in der Spitzenposition aller GOP Anwärter. Seine Ideen und Überzeugungen kommen an der Parteibasis an. Er ist für eine grundsätzliche Steuerreform, für ein striktes Verbot der Abtreibung, auch bei Inzest und Vergewaltigung, er hält den Klimawandel für ein Hirngespinst, die Gesundheitsreform als Todbringer, warnt vor den Gefahren der Scharia im Land und sieht die USA unter Barack Obama am Rande eines sozialistischen Machtwechsels. Cain trommelt, fabuliert und vereinfacht komplizierteste Zusammenhänge, doch „wenn man einfache Konzepte versteht, wird man auch komplexere Konzepte angehen können“, meint er ganz oberlehrerhaft.

Herb Cain, der erfolgreiche Business Manager hat eine Karriere hinter sich, die man als eine amerikanische Traumkarriere bezeichnen kann. Geboren 1945 in Tennessee wuchs er in ärmlichen Verhältnissen im rassengetrennten Süden der USA auf. Doch Cain arbeitete sich nach oben und gilt heute als Retter von Burger King, Godfather’s Pizza und anderen Unternehmen. Daneben war er noch Mitglied und Vorsitzender der „Federal Reserve Bank of Kansas City“, bevor er sich der Politik zuwandte. Cain ist kein Unbekannter, seine „syndicated“ Radioshow und seine Kolumnen werden im ganzen Land gehört und gelesen, als Kommentator ist er Stammgast in diversen Fernsehprogrammen.

Nun also tritt dieser Mann an und wird überall mit Jubelrufen im republikanischen Lager empfangen. Sowohl bei der christlich-fundamentalistischen Basis wie auch bei den Tea-Party Mitgliedern. Die Umfragen zeigen, er hat durchaus eine Chance im Kandidatenfeld. Allerdings besagen die gleichen Umfragen, dass er im direkten Vergleich mit Präsident Obama den kürzeren ziehen würde. Sein Mangel an internationalen Erfahrungen und seine teils starren Haltungen werden ihm da zum Problem.

Cain ist im Rennen und wird es auch noch eine zeitlang bleiben. Mit Sicherheit wird man noch mehr von diesem von sich sehr überzeugten Kandidaten hören, der die GOP deutlich nach rechts zieht.

 

 

 

Das wird noch lustig!

Und da haben sie wieder debattiert. Die selbst ernannten republikanischen Präsidentschaftskandidaten: Rick Santorum, Herman Cain, Ron Paul, Mitt Romney, Michele Bachmann, Tim Pawlenty, Jon Huntsman und Newt Gingrich. Zwei Tage vor der sogenannten „Ames Straw Poll“, einer Mischung aus Volksfest und politischem Parteitag in Ames, Iowa. Unnütz und nichtssagend, aber die Kandidaten pulvern dafür das Geld raus. Zwischen 14.000 und 18.000 „Wähler“ votieren da für einen Kandidaten und wählen dürfen alle, die in Iowa leben und älter als 16,5 Jahre alt sind. Der Sieger kann sich allerdings davon nichts kaufen und erst recht nichts darauf einbilden. 15 Monate vor der Wahl ist noch gar nichts entschieden. Das republikanische Kandidatenfeld ist noch immer offen für weitere große Namen, die wohl dazustoßen werden, u.a. der texanische Gouverneur Rick Perry und die Nervtante der Nation Sarah Palin.

Am heutigen Donnerstag trafen sich also diese acht Kandidaten, um ihre Standpunkte zu vertreten. Der gemeinsame Gegner heißt Barack Obama, darin ist man sich einig. Michelle Bachmann, die eigentlich nichts zu sagen hat und auf keinerlei Erfolge im Kongress verweisen kann, ruft dennoch ganz mutig aus: „You are finished in 2012, and you will be a one-term president.“ Bachmann ist für mich sowieso ein Rätsel. Inhaltlich hat sie genausoviel zu bieten wie ihre Tea-Party Kollegin Sarah Palin. Und dennoch versuchen mir Kommentatoren in der „Analyse“ nach der Debatte einzureden, dass sie eine ernstzunehmende Kandidatin sei. Pustekuchen! Bachmann hat weder politische Argumente noch die Unterstützung einer breiten republikanischen Basis. Sie ist eine Luftnummer, es scheppert schön, wenn sie was sagt, aber damit läßt sich noch lange kein Wahlkampf gewinnen.

Man kann von Ron Paul oder Tim Pawlenty halten was man will, aber die beiden wissen wenigsten von was sie reden und begründen ihre Standpunkte auch. Paul ist im Rennen, um zumindest wieder eine zeitlang den „Libertarian“ Flügel der Partei zu vertreten. Pawlenty ist einfach nicht wählbar, gerade sein offen ausgetragener Streit mit Michelle Bachmann, dem Darling der Tea-Party Bewegung, wird ihm schnell das Genick brechen. Newt Gingrich hat sich mit seinem Katastrophenwahlkampf schon selbst ins Aus manövriert. Herman Cain und Rick Santorum laufen so mit, aber kommen irgendwie nie in die erste Reihe fürs Klassenbild. Und Mitt Romney? Er will ja so gerne staatsmännisch wirken, verweist auf seine langen Erfahrungen als Geschäftsmann, aber irgendwie wird man mit ihm nicht warm. Er wirkt abgehoben, kein Mann des Volkes und ist einfach nicht überzeugend, denn er hat schon mehrmals sein politisches Fähnchen im Wind gedreht.

Fazit des heutigen Abends. Bislang ist kein ernstzunehmender Kandidat der GOP in Erscheinung getreten. Und gerade das kann eigentlich nur einen freuen, den angeschlagenen Amtsinhaber Barack Obama. Der fährt jetzt erstmal für 10 Tage in den Urlaub, waren ja auch anstrengende Wochen…