Das Unrechtssystem USA

In den USA leben 5 Prozent der Weltbevölkerung, doch das hat Land hat 22 Prozent der weltweiten Gefängnisinsassen. Mehr als zwei Millionen Menschen sitzen eine Haftstrafe in den amerikanischen Gefängnissen ab. Fast jeder Dritte Afro-Amerikaner im Land wird schon bald hinter Gittern sitzen oder eine Haftstrafe hinter sich haben.

Am heutigen Montag lief auf Deutschlandfunk Kultur mein Beitrag über Albert Woodfox, einem der drei Insassen, die als „Angola 3“ bekannt wurden. Ich hatte ihn vor wenigen Wochen in seinem Haus in New Orleans besucht. Ein längerer Artikel über ihn, sein Leben und seinen Kampf hinter Gittern kann man hier nachlesen. Erst auf internationalen Druck, angeführt von amnesty international, wurde Albert Woodfox als letzter der „Angola 3“ im Frühjahr 2016 aus dem Gefängnis und der langen Isolationshaft entlassen.

„Panthers in the hole“ von Bruno Cénou und David Cénou.

In der „Graphic Novel“ „Panthers in the hole“ erzählen Bruno und David Cénou die Geschichte dieser drei Black Panther, die in Angola eingesperrt wurden, dort kämpften, nicht aufgaben und überlebten. Eine bewegende und berührende Geschichte, die einen wütend und traurig macht, einem ein Gefühl der Hilflosigkeit vermittelt. Drei farbige Männer, die von weißen Geschworenen verurteilt wurden, die in einem Unrechtssystem Opfer des amtlichen Rassismus geworden sind. Heute sind zwei von ihnen frei, Robert King und Albert Woodfox, Herman Wallace war nur wenige Tage nach seiner Entlassung verstorben. Angola, das Staatsgefängnis von Louisiana, existiert weiter und wird auch King und Woodfox nie verlassen.

In beeindruckenden Bildern und in Sprechblasen erzählen und zeichnen die Cénous diese Geschichte, die das Leben in diesen Vereinigten Staaten von Amerika schrieb. Als jemand, der seit über zwei Jahrzehnten einen Einblick in das kalifornische Rechts- und Gefängnissystem hat, weiss ich nur zu gut, dass die Story der Angola 3 keine einmalige ist. Noch immer sitzen Männer hinter Gittern, die unschuldig sind, ungerecht vor Gericht behandelt und abgeurteilt wurden. Viele von ihnen Afro-Amerikaner und Latinos, deren Hautfarbe und Herkunft für Ermittler, Staatsanwälte, Richter und letztendlich einer Jury die ausschlaggebenden Punkte für eine Verurteilung waren. Und es gibt Beispiele, wo Unschuldige in diesem Land am Ende hingerichtet wurden, für eine Tat, die sie nicht begangen haben. Man hofft, beim Lesen dieser „Graphic Novel“, dass all dies der Vergangenheit angehört. Doch die Realität ist anders. Noch immer, noch heute kann man in den USA für eine Tat verurteilt werden, die man nicht begangen hat. Und wenn man ein Afro-Amerikaner ist, steigt die Wahrscheinlichkeit um ein vielfaches, dass das Rechtssystem zu einem Unrechtssystem wird. Wie sonst lässt es sich erklären, dass Schwarze in den USA nur 13 Prozent der Gesamtbevölkerung, aber 40 Prozent der Gefängnispopulation ausmachen!

Wie überlebt man Isolation?

Nach 44 Jahren kam die Freiheit. Körperliche Freiheit, betont Albert Woodfox. Denn im Gefängnis sei sein Geist nie eingesperrt gewesen. Gestern sass ich mit dem 70jährigen auf seiner Veranda in seinem Haus in New Orleans. Wir unterhielten uns über sein Leben, das vor allem hinter Gittern in einer kleinen Zelle stattfand. Albert Woodfox war einer der „Angola Three“, drei Häftlinge, die Jahrzehnte im „Louisiana State Penitentiary“ in Einzelhaft verbracht haben für einen Mord, den sie nicht begangen haben.

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