Das Morden geht weiter

Ciudad Juarez kommt nicht zur Ruhe. Allein am Samstag wurden 18 Menschen im Stadtgebiet umgebracht. Der Krieg von Drogenkartellen und -Banden ist einfach nicht stoppen. Ciuadad JuarezSeit fast drei Jahren bekämpfen sie sich in der Grenzstadt zu El Paso und die Regierung, die Polizei und das Militär schauen hilflos zu. Sie versuchen zwar die Situation unter Kontrolle zu bekommen, verhaften hier und da einen „Kingpin“, einen der Drogenbosse, doch das hat bislang zu nichts geführt. Es scheint, als ob sich die Lage von Monat zu Monat nur noch verschlimmert. Seit Beginn des Kartellkrieges vor drei Jahren sind rund 7000 Menschen in Ciudad Juarez ermordet worden.

In Ciudad Juarez herrscht die Anarchie. Zwar wurde erst kürzlich ein neuer Bürgermeister ins Amt gewählt, doch die Aussichten für ihn sind mehr als düster. Die Bürger der Stadt, die die noch nicht weggezogen sind und bleiben müssen, trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Restaurants und Bars sind verwaist. Juarez ist zu einem Vorhof der Hölle geworden.

Hoffnung für Juarez

Heute war ich nochmals in Juarez. Wieder 50 Cent eingeschmissen und über die Brücke marschiert. Ein Interview mit dem Bürgermeister stand an, ein weltgewandter, offener, sehr freundlicher Mann mit Weitblick. Time Magazine beschrieb ihn einmal als den Mann mit dem schlimmsten Job. Was fragt man jemanden, der den Willen und den Mut zur Veränderung hat, der bleibt, weil er seine Stadt liebt und gleichzeitig vor scheinbar unlösbare Aufgaben gestellt ist?

Jose Reyes FerrizJose Reyes Ferriz ist beschäftigt, Leute laufen rein und raus aus seinem Büro direkt hinter der Grenze an der Santa Fe Bridge. Nach zwei Stunden Verspätung setzt er sich zu mir an den langen Konferenztisch, macht sich eine Cola Dose auf, nimmt einen kräftigen Schluck und ist bereit. Er beschreibt im perfekten Englisch die komplexe Situation in der Stadt. Es geht nicht nur um einen Drogenkrieg, Juarez habe in den letzten zwei Jahren einen „perfect storm“, den perfekten Sturm erlebt. Und noch immer versucht man nicht unter zu gehen. Da sind die strengeren Passkontrollen der Amerikaner, die seit zwei Jahren von ihren Bürgern verlangen, einen Pass vorzulegen, wenn sie nach Mexiko wollen. Vorher reichte der Führerschein, doch 80 Prozent der Amerikaner besitzen nach wie vor keinen Reisepass. Alleine das zog die Tourismusindustrie von Juarez nach unten, denn die Stadt lebte von US Amerikanern, die zum Essen, Trinken und Einkaufen kamen.

Und dann die Wirtschaftskrise, die Juarez hart traf. Vor allem die amerikanische Automobilindustrie liess in Juarez produzieren. Alleine im letzten Jahr verlor die Stadt 25 Prozent der Jobs in der Produktion.

Hinzu stand Jose Reyes Ferriz gleich nach Amtsantritt vor grossen Entscheidungen. Er musste weite Teile der Polizeiführung auswechseln, die korrupt waren und mit den Kartells zusammen arbeiteten. Todesdrohungen folgten, nun lebt er mit Bodyguards an seiner Seite und einem automatischen Gewehr unterm Bett.

Juarez ist eine Stadt, die fasziniert. Denn hier treffen Widersprüche aufeinander, wie wohl an keinem anderen Ort. Die Menschen haben Angst und sind gleichzeitig von der Gewalt fasziniert. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, meinte Reyes Ferriz dennoch im Gespräch. Viel Glück wünschte ich ihm am Schluss….und „stay safe“. In dieser Stadt ist das nicht einfach so dahin gesagt.