Einmal quer durchs Land und zurück

Vier Wochen in Michigan liegen hinter mir. Montagmorgen Ortszeit ging es los, nach 42 Stunden im Auto war ich wieder in Oakland. Am Rande der langen Highways konnte ich etwas schlafen, während Käthe beide Augen und Ohren offen hielt und aufpasste, dass niemand dem Wagen zu nah kam. Sie ist die perfekte Wegbegleiterin.

Endlos geradeaus.

In Minnesota lief ein Bär vor mir über den Highway und verschwand im dichten Unterholz des Waldes. Auch ein Wolf, Rehe, ein paar Koyoten kreuzten meinen Weg…it’s a zoo out there! 3500 Kilometer quer durchs Land, über Highways und Freeways, durch endlose Wälder und Felder, vorbei an verschlafenen Ansiedlungen, Dörfern, Kleinstädten. Die wenigen größeren Städte auf dem Weg wie Duluth, St. Paul, Fargo, Bismarck und Reno ließ ich links oder rechts liegen. Einfach weiter, immer weiter. Hin und wieder eine halbe oder eine Stunde Schlaf. Tank- und Pinkelpausen für den Hund, kurz die Beine vertreten und weiter ging es. Tagsüber kletterte das Thermometer über 30 Grad, was längere Pausen mit einer haarig-pelzigen Vierbeinerin schwierig machte.

„Are we there yet?“

Amerika ist ein schönes, ein beeindruckendes, ein vielgesichtiges und vielseitiges Land. Die Weite des Landes, der Endlosblick beeindrucken mich noch immer nach all den Jahren. Ich kann mich daran nicht satt sehen, während ich Meile um Meile abfahre. Irgendwann einmal will ich vom Westen in den Osten fahren, mit viel Zeit und nur Highways benutzen, Landstraßen, die Freeways meiden, der Weg als Ziel. Wer weiß, vielleicht wäre das auch einmal ein schöner, klangvoller und eindrucksreicher Roadtrip.

Letzte Nacht, gerade als ich an Sacramento vorbeifuhr rief ein Radiosender an und fragte, ob ich etwas zum Mißbrauchsskandal in Pennsylvania machen könnte. An dem Punkt war das Ziel so nah, ich freute mich nur noch auf mein Bett und verneinte, was nicht oft vorkommt. Eine kurze Nacht liegt nun hinter mir, Käthe war fit und rastlos, sie hatte ja auf der Fahrt viel geschlafen. Nun geht der Blick voraus auf die kommenden Wochen, viele interessante Themen warten auf mich und im September geht es wieder nach Somalia. Das Leben bleibt spannend und schön.

America the beautiful

3500 Kilometer liegen hinter mir. Fast einmal quer durchs Land. Durch Nordkalifornien nach Nevada, den Bundesstaat von West nach Ost durchfahren, dann Richtung Norden durch Idaho, rüber nach Montana, entlang des Yellowstone National Parks. Montana durchkreuzt, den langen Freeway in North Dakota abgefahren, bei Fargo dann auf den Highway Richtung Minnesota eingeschwenkt. Bei Duluth nach Wisconsin rein, von dort noch weiter nördlich bis zur Upper Penninsula von Michigan. Das alles nur mit ein paar „Power Naps“ geschafft.

Eine Endlosfahrt durch Amerika.

Eine lange, endlos erscheinende Autofahrt durch ein Land, das mir auch noch nach 22 Jahren fremd und gleichzeitig neu ist und dennoch faszinierend bleibt. Amerika ist ein wunderschönes Land, in das es sich lohnt zu reisen. Nicht nur nach New York, Florida, Las Vegas und Kalifornien. Wer die USA verstehen lernen möchte, der muss ins Landesinnere fahren. Nach Elko, Bozeman, Bismarck, Duluth, Houghton und viele andere Kleinstädte auf dem Weg von West nach Ost.

Auf dieser Fahrt durch die unvereinigten Staaten von Amerika hörte ich B5 Aktuell, Deutschlandfunk, NPR, Al Jazeera, BBC, das Smartphone macht es möglich. Und alle berichteten von Donald Trump und seinem Treffen mit Vladimir Putin in Helsinki. Berichte, Analysen, Reaktionen. Donald Trump der seltsame, selbstverliebte, unkonventionelle, rüpelhafte Präsident der USA. Und dann diese Bilder von diesem weiten, offenen, wunderschönen Land. Menschen, an allen Tank- und „Dog Business“ Stopps, die freundlich, interessiert, humorvoll waren. Ich war überrascht, dass ich im Landesinneren nicht auf Unmegen an Trump Aufkleber und MAGA-Hüten stieß. Diese Fahrt durch Amerika führte mir auch wieder mal vor Augen, warum ich dieses Land auch nach 22 Jahren noch liebe.

Der Müll Nazi

Überall in den USA stehen die Schilder entlang der Landstrassen und Autobahnen: „Adopt a Highway“. Bürger und Gruppen, lokalen Unternehmen und Kirchengemeinden raffen sich dann immer mal wieder zusammen und erklären sich dazu bereit, eine Meile Highway sauber zu halten. Das heisst, sie sammeln den Müll ein, den Autofahrer so aus dem Fenster schmeissen und der sich entlang der Strasse ansammelt.

Nun hat sich in Colorado eine extreme Nazi Organisation für ein Strassenstück angemeldet und das schlägt im ganzen Land hohe Wellen. Die Nazis sagen, sie seien pflichtbewusste Bürger, andere meinen, man dürfte solchen Hasspredigern kein Forum bieten. Und das sei es, wenn an der Strasse nun ein Schild mit dem Namen der Organisation stehen wird. Doch einige meinen süffisant, man solle die Nazis doch den Müll aufsammeln lassen….was passe besser zu ihnen. Die Behörden haben nun zugestimmt, auch auf Anraten von Bürgerrechtsgruppen, die erklärten, die Meinungsfreiheit sei eben auch die Freiheit Andersdenkender.

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