„Lyin‘ Ted“ und Donalds Tweet

Im Wahlkampf 2016 machte sich Donald Trump über so manchen Gegner lustig. Jeb Bush hatte „low energy“, Marco Rubio war zu klein („little Mario“), Bernie Sanders war für Trump nur „Crazy Bernie“ und natürlich gab es da auch „Crooked Hillary“. Einer aus der eigenen Partei, der bis zum Schluß sein Fett abbekam war „Lyin‘ Ted“, damit gemeint war der texanisch-republikanische Senator Ted Cruz. Beide schenkten sich im Wahlkampf nichts, doch vor allem Trump griff Cruz immer wieder auf Twitter an. Unbarmherzig, brutal und frontal.

Foto: GoFundMe.

Nach der erfolgreichen Wahl von Donald Trump wurde das Geschimpfe begraben, nun war man wieder beste Freunde. Allerdings haben so einige die bitteren und beleidigenden Worte von Trump in Richtung Ted Cruz nicht vergessen. Einer davon Antonio Arellano, ein Aktivist aus Houston, der kurzerhand eine GoFundMe Seite online stellte, um seine Idee einer großen Billboard-Tafel zu verwirklichen. Und die soll nun schon bald genau dort stehen, wo Präsident Trump schon bald  für seinen Senator Ted Cruz im Wahlkampf auftreten will. Cruz muss sich nämlich einer Wiederwahl stellen und sein Sieg im November ist nicht sicher. Man kann sich also fragen, wie die Wählerinnen und Wähler darüber denken, wenn Trump für Cruz wirbt, wenn er noch vor kurzem über ihn sagte, dass Ted Cruz eigentlich so rein gar nichts für die Texaner erreicht hat, „all talk, no action“!

Donald, die Russen sind da

Es vergeht seit zwei Jahren kein Tag, an dem nicht über den Einfluss Russlands auf die amerikanischen Wahlen berichtet wird. Belegt ist, dass der Kremel Einfluss auf den Ausgang der Präsidentenwahl 2016 genommen hat. Inwieweit dieser Einfluss das Wahlergebnis, sprich den Sieg Donald Trumps, bestimmt hat, ist nicht eindeutig und genau zu bestimmen. Denn es war ja nicht so, dass da russische Hacker aus einer 2 eine 5 machten, sondern es war die gezielte Verbreitung von Falschmeldungen, die vor allem Hillary Clinton schaden sollten. Ob diese „Fake News“ mit dem eigentlichen Ziel verbreitet wurden, Donald Trump zu helfen und dieser eventuell von dieser Hilfe aus Moskau wusste, das wird derzeit von einem Untersuchungsausschuss hinterfragt.

Wahlen in den USA. Foto: Reuters.

Trump sagt, er habe „fair and square“ gewonnen, also ohne Hilfe von außen habe er sich bei der Wahl durchgesetzt, auch mit zwei Millionen weniger Stimmen als Hillary Clinton. Er habe einfach gewusst, wie er das amerikanische Wahlsystem zu orchestrieren habe. Das stimmt, in einstigen blauen (demokratischen) Hochburgen, wurde Trumps „Make America Great Again“ Schlachtruf laut und deutlich gehört und angenommen. Doch der Vorsprung in Wisconsin, Michigan und Pennsylvania war nicht so überragend, gerade hier hätten gezielte Falschmeldungen und ein Anti-Hillary Wahlkampf durchaus Erfolg haben können. Vermutlich nie geklärt werden wird, warum sich die Wählerinnen und Wähler dort für Trump und gegen Clinton entschieden haben. War es wirklich nur der „MAGA“ Wahlkampf von Trump oder war es auch der Anti-Hillary Wahlkampf aus Moskau, der den Wahlausgang entschieden hat.

Donald Trump selbst ist von sich und seiner Aussage überzeugt. Niemand habe ihm geholfen, er habe gewonnen, die Wähler trauten ihm einfach mehr zu als „Crooked Hillary“. Immer wieder hat Trump in den letzten zwei Jahren seit seinem Wahlerfolg Zweifel gestreut, dass sich Russland überhaupt eingemischt habe oder wenn doch, dass das überhaupt nicht ausschlagebend war und ist. Seine Basis glaubt ihm dieses Märchen noch immer. Von daher muss man bezweifeln, dass das Weiße Haus die drohende Gefahr für die „Midterm Elections“ im November ernst nimmt, auch und gerade weil die eigenen Geheimdienste vor erneuten Versuchen der Einflussnahme Moskaus auf die Wahl warnen. Trump weiße alles besser, Trump schaltet auf Durchzug. Die Pressekonferenz seiner Sicherheitsberater am Donnerstag war daher vielmehr ein politisches Signal, man sorge sich, man kümmere sich. Konkrete Schritte gegen die Machenschaften Russlands wurden nicht dargelegt, Fragen von Reportern wurde ausgewichen, aber die Basis von Trump wurde mit dem Auftreten beruhigt. Der Präsident hat alles unter Kontrolle, selbst die Hackerangriffe aus Moskau.

Was Russland in den USA treibt ist eigentlich eine Frage der Nationalen Sicherheit, die höchste Priorität verdiente. Faire Wahlen sind das Fundament einer gesunden Demokratie. Doch nicht für Donald Trump. Er hat in den letzten Jahren, erst im Wahlkampf und dann in Amt und Würden, gezielt und bewußt gleich mehrere Grundfesten der Demokratie unterminiert, darunter die Medien, die Rolle von Richtern und des Parlaments und eben die Bedeutung von fairen Wahlen, bei denen jeder dieselbe, gleiche Stimme hat. Amerika rollt auf eine schwere Krise zu.

Von Gott gesandt

      Christliche Fundamentalisten und Trump

Ein ruhiger Sonntagmorgen. Ich stehe in der Küche, mache Kaffee, schaue nach draußen, der Morgennebel verzieht sich so langsam. Mein Nachbar, ein älterer Mann, tritt im Anzug und Krawatte vor die Tür, steigt wie jeden Sonntagmorgen in seinen in die Jahre gekommenden Plymouth, klappt seine Brille nach oben und fährt zur nahegelegenen Kirche.

In der San Francisco Bay Area kann man davon ausgehen, dass in den Gottesdiensten über Nächstenliebe, den Schutz von Flüchtenden, die Hilfe für Notleidende gesprochen und für sie gebetet wird. In anderen Teilen der USA klingt das wahrscheinlich ganz anders, denn noch immer sind 3/4 der Southern Baptist Gläubigen davon überzeugt, dass Donald Trump „von Gott gesandt wurde“, dass der 45. Präsident auf der „rechten Seite Gottes“ steht. Die christlichen Fundamentalisten im Land waren für den Wahlerfolg Donald Trumps ausschlaggebend. Keine Skandale, keine Lügen, keine Beschimpfungen konnten sie davon abbringen für ihn zu stimmen. Und noch immer halten sie zu ihrem Präsidenten, dessen Fehler sie zwar sehen, aber der für sie dennoch einen höheren Auftrag hat, als nur der amerikanischer Präsident zu sein.

Mit der Bibel in der Hand zur Wahlurne. Foto: Reuters.

Nächstenliebe heißt für viele der Southern Baptist Gläubigen, liebe Deinen amerikanischen Nachbarn. Dem Fremden auf der Durchreise Schutz bieten, ja, aber nur dann, wenn er legal im Land ist. Den Armen in der Gesellschaft helfen, auch das, doch er soll Amerikaner sein. „God and Country“, Gott und Nation, das ist für die christlichen Fundamentalisten eng miteinander verbunden. Der Patriotismus in Glaubensfragen äußert sich auch durch die amerikanische Fahne im Gotteshaus. Da ist kein Platz für Menschen aus anderen Ländern. Das Bekenntnis zu Gott ist ein Bekenntnis zu Amerika, zu „God’s Country“, dem auserwählten Land.

Donald Trump steht für all das. Er sagte im Wahlkampf, das Christentum sei in Gefahr, dass die Bibel sein Lieblingsbuch sei und das er als Präsident nur Richter für das Verfassungsgericht auswählen werde, die sich gegen die Abtreibung aussprechen. Das kam gut an, Trump war ihr Mann, hier sprach einer, der zwar mit Sünden beladen war, aber dennoch von Gott gesandt war, um dieses Land, ihr gelobtes Land zu retten. Obama, so meinen noch immer viele, sei ein Muslim, der einen Koran in der Jackentasche mit sich führt. Und Hillary Clinton ist sowieso die Ausgeburt des Teufels.

Mehr als Zweidrittel der christlichen Fundamentalisten stehen nach wie vor zu Donald Trump. Nichts konnte bislang an ihrer Unterstützung für diesen Präsidenten ändern. Sie sehen ihn und das Land auf dem richtigen Weg, in dem Gott und Amerika wieder an vorderster Stelle stehen. Was die liberale Lügenpresse, die „Fake News“ über Donald Trump, seine Administration und seine Politik berichten, kommt im „Bible Belt“ der USA nicht an. Trump hat seine eigenen Kommunikationskanäle geschaffen – Twitter und die Kanzeln in den unzähligen fundamentalistischen Kirchengemeinden der USA. Der nächste Wahlausgang ist hier bereits entschieden.

Hände weg von Hillary

Hillary Clinton hat nicht mehr viele Freunde in Washington DC. Nach der verlorenen Wahl und den verstörenden Einzelheiten ihres Wahlkampfes gingen immer mehr Parteifreunde auf Distanz zur einstig mächtigen Hillary. Zuvor war ihr Wort Religion, ihre und die Unterstützung von Bill Clinton galten als Ritterschlag in der demokratischen Partei.

Hillary Clinton erklärt sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Foto: AFP.

Doch Hillary Clinton hat die Niederlage nicht so verarbeitet und vor allem aufgearbeitet, wie viele es erwarteten und erhofften. Ihr erster Rundumschlag kam mit der Veröffentlichung ihres Buches „What Happened“, eine Frage, die sich viele stellten. Clinton zeigte sich auf den fast 500 Seiten nicht demütig, nicht einsichtig, nicht selbstkritisch, vielmehr suchte sie die Fehler für ihre missglückte Kandidatur um das Präsidentenamt bei anderen. Ihr Zeigefinger schien beim Schreiben mental weit von sich gestreckt zu sein. „Fehler? Ich? Nein, nein, schuld waren nur die anderen.“

Und nun legte Hillary nach. Auf einer Reise nach Indien war sie Gast bei einer Podiumsdiskussion und wurde zur aktuellen Lage in den USA und den Wahlsieg Donald Trumps befragt. Dabei erklärte sie, dass sie vor allem in jenen Landesteilen gewonnen habe, die produktiver seien, als jene die Trump von sich überzeugte. Damit wiederholte sie mit anderen Worten ihren Fauxpas vom Wahlkampf, der ihr viele Stimmen kostete. Damals sagte sie über Donald Trumps Anhänger, dass die Hälfte von ihnen „ein Korb von Bedauernswerten“ sei, rassistisch, sexistisch, homophob, ausländerfeindlich, Islam feindlich.

Hillary Clinton führte in Mumbai weiter aus: „Ich habe in jenen Orten gewonnen, die optimistisch, vielfältig, dynamisch sind und nach vorne blicken. Und seine Kampagne „Make America Great Again“ schaute zurück. (Trump meinte) Es gefällt dir nicht, dass Schwarze Rechte bekommen, Frauen stören dich, es geht um Jobs, Indien-Amerikaner sind erfolgreicher als du. Wie auch immer das Problem ist, ich löse es.“ Und auch auf die Frage, warum viele weiße Frauen sie als erste ernstzunehmende Präsidentschaftskandidatin nicht unterstützten, wusste Hillary Clinton eine Antwort. Der Grund, warum verheiratete, weiße Frauen Trump unterstützten, habe „am anhaltenden Druck (gelegen), so zu wählen, wie dein Ehemann, dein Chef, dein Sohn, wer auch immer glaubt, wie du es solltest.“

Wir reden seit langem über die Verzerrung der Realitäten durch Donald Trump, doch was Hillary Clinton hier macht ist nicht viel anders, „ich erkläre mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Selbstkritik, die mehr als angebracht wäre, eine Aufarbeitung eines katastrophalen Wahlkampfes, Fehlanzeige. Hillary Clinton setzt aufs Nachtreten, aufs Schönreden, auf Spaltung. Die mahnenden Worte von Michelle Obama auf dem demokratischen Parteitag 2016 „When they go low, we go high“ scheinen bei der Kandidatin und Verliererin Hillary Clinton nie angekommen zu sein. Kein Wunder also, dass nach Bekanntwerden dieser neuen Aussagen etliche Demokraten auf Distanz gingen, die gerade in Wahlkreisen und Bundesstaaten kandidieren, in denen jene „bedauernswerten“ Amerikaner leben. „Not helpful“ seien die Worte von Clinton, wurde immer wieder betont. Die einstige Lichtgestalt der Partei gehört nun nur noch der Vergangenheit an.

Der nächste Trump kommt bestimmt

Donald Trump hat bereits einen Wahlkampfmanager für 2020 angestellt. Er bereitet sich auf seine Wiederwahl vor, denn, „Make America Great Again“ sei nicht in vier Jahren zu realisieren. Nun hat er auch eine politische Landkarte weiter getweetet, die ihm zugeschickt wurde und die ihm sehr schmeichelt. Darüber schreibt er: „Such a beautiful map, thank you!“. Trump, der rote Baron.

Das blau-rote Amerika heute.

Diese Karte drückt die ganze Misere in den USA aus. Das Land scheint rot, also republikanisch zu sein. Und doch, Hillary Clinton hat bei der Präsidentschaftswahl über zwei Millionen mehr Stimmen erhalten als Donald Trump. Auch wenn Trump erklärte und noch immer behauptet und dafür bislang keine Beweise vorlegen konnte, viele von Hillarys Stimmen seien nicht rechtens gewesen, illegale Einwanderer hätten für sie gestimmt, Fakt ist, Hillary Clinton hat die Mehrheit der amerikanischen Wähler hinter sich bringen können.

Amerika ist politisch tief gespalten, das zeigt diese Landkarte. Die Mehrheit der Menschen lebt in den Metropolen, die stimmen meist für Demokraten. Doch entschieden werden die Wahlen auf dem Land. Hier in den USA müsste es eine Reform des Wahlsystems geben, denn das „Electoral College“ System ist überholt, veraltet, ungerecht und undemokratisch. Aber die Aussichten auf eine Reform sind gleich Null. Das heißt, die Wahl von Donald Trump wird kein Einzelfall bleiben. Was sich mit dem Sieg von George W. Bush im Jahr 2000 schon angekündigt hatte, wurde mit Donald Trump noch viel deutlicher gemacht. Es kann, es wird wieder passieren, dass der- oder diejenige, der/die die meisten Stimmen auf sich vereinen kann nicht Präsident/-in werden wird. Armes Amerika!

Realitätsverlust in Washington

Es war damit zu rechnen, dass Donald Trump der Veröffentlichung des vertraulichen Berichtes des republikanischen Abgeordneten Devin Nunes zustimmen würde. Schon am Dienstag, noch bevor Trump den vierseitigen Bericht überhaupt gelesen hatte, erklärte er am Rande seiner “State of the Union” Rede, dass er auf alle Fälle zustimmen werde.

Der Republikaner Devin Nunes kämpft für Donald Trump. Foto: Reuters.

Und so kam es auch. Das Memo schlug am Freitag wie zu erwarten hohe Wellen. Für viele Republikaner, doch vor allem für Donald Trump und seine Anhänger ist dieser Bericht ein Beweis dafür, dass die Ermittlungen zu der Russland-Connection von Trump und seinen Mitarbeitern eine politisch motivierte Aktion war. In dem Memo wirft Nunes einigen führenden Personen im FBI und im Justizministerium vor, gezielt Falschaussagen und falsche Fakten für eine Ermittlung gegen das Trump Lager genutzt zu haben. Es entsteht der Verdacht, dass es einen Staat im Staat gebe, unterwandert vom Clinton-Apparat, der Donald Trump schaden wollte.

Der Bericht ist hochpolitisch und durchaus einseitig formuliert. Vor allem auch, weil nur am Rande erwähnt wird, dass die Ermittlungen des FBIs sich nicht nur auf eine Person beschränkten, sondern ein Tipp auch von der australischen Regierung kam. Der frühere nationale Sicherheitsberater George Papadopoulos soll dabei angetrunken in London einem australischen Diplomaten erzählt haben, dass Russland schädigende Emails von Hillary Clinton besitze. Vor der Veröffentlichung dieser Informationen hatten das Justizministerium und das FBI gewarnt, denn damit würden wichtige Quellen, auch auf internationaler Ebene, belastet werden.

Dennoch erklärte Präsident Donald Trump und viele seiner Unterstützer vorab, das Memo wäre eine politische Granate, die weitaus größer sei, als der Watergate Skandal unter Präsident Richard Nixon in den 70er Jahren. Zahlreiche Kommentatoren sahen das als masslos übertrieben an und sprachen von einem “Realitätsverlust” Trumps. Der führende Demokrat im Sicherheitsausschuss, Adam Schiff, erklärte, dieser Bericht sei ein “politischer Anschlag” auf die USA.

Es scheint, dass Donald Trump mit seiner Zustimmung zur Veröffentlichung dieses Memos nur ein Ende der Mueller Ermittlungen erreichen will und unliebsame Mitarbeiter im FBI und im Justizministerium, wie den Stellvertretenden Minister Rod Rosenstein, loswerden möchte. Für die Demokraten und auch etliche Republikaner, darunter Senator John McCain, ist das ein nur allzu durchsichtiges Ziel von Donald Trump. Die USA sind mit der Veröffentlichung dieses Memo in eine tiefe politische Krise gerutscht. Wie es nun weitergehen soll, das ist derzeit noch völlig unklar.

2018 – das Jahr der Frauen

Die demokratische Kongressabgeordnete Jackie Speier ruft das „Jahr der Frauen“ aus. Foto: Reuters.

In diesem Jahr stehen in den USA wieder ein paar Wahlen an, die durchaus bedeutsame politische Weichen stellen könnten. Da sind die Kongresswahlen, das gesamte Abgeordnetenhaus wird neu bestimmt, dazu noch ein Drittel der 100 Senatoren. Donald Trump befindet sich schon im Wahlkampf, denn mit einem Verlust der republikanischen Mehrheit in beiden Kammern, könnte für ihn das Regieren mehr als schwierig werden.

Und auch in Kalifornien, dem einwohnerreichsten und politisch mächtigsten Bundesstaat in den USA wird ein neuer Gouverneur gewählt. Bislang ist der Wahlkampf mehr als dröge. Der Stellvertretende Gouverneur, Gavin Newsom, und der frühere Bürgermeister von Los Angeles, Antonio Villaraigosa, – beide Demokraten – liefern sich einen gähnend-langweiligen Wahlkampf. Sie stimmen einfach in vielem überein. Keiner kann so richtig überzeugen.

Doch das kann sich nun ändern. Die Kongressabgeordnete Jackie Speier, ebenfalls eine Demokratin, überlegt das Feld als weibliche Kandidatin aufzurollen. Die Tochter einer Überlebenden des armenischen Genozids und eines deutschen Einwanderers ist seit 2008 im US Kongress. Zuvor war sie kalifornische Senatorin und Abgeordnete in Sacramento. Speier machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen damit, dass sie sich für eine Amtsenthebung von Donald Trump einsetzte, nachdem dieser die Gewalt bei der „Unite the Right“ Demonstration in Charlottesville relativierte und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jon-Un mit einem nuklearen Schlag drohte. Trump, so Speier, sei geistig nicht in der Lage das Land zu führen und gefährde die USA nur.

Im Oktober trat sie im Zuge der #metoo Kampagne mit ihren Erfahrungen als Frau im Kongress an die Öffentlichkeit und erklärte, sie habe vor vielen Jahren als Mitarbeiterin eines Abgeordneten selbst sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erdulden müssen. Der US Kongress sei ein „Brutplatz“ für Übergriffe.

Die 67jährige Jackie Speier repräsentiert Teile von San Mateo County und dem südlichen San Francisco. Sie ist aufgrund ihrer langen politischen Erfahrungen hervorragend in der Partei und bei Spendern vernetzt. Ihr charismatisches Auftreten begeistert nicht nur weibliche Wähler. Und die werden auf die Abgeordnete setzen, falls es zu einer Kandidatur kommen sollte. Speier gilt als Vertraute von Hillary Clinton und könnte gerade dem derzeitigen Frontrunner Gavin Newsom gefährlich werden. Auch wenn dieser auf seine „Kriegskasse“ von 20 Millionen Dollar verweist. Newsom bereitet seit Jahren seine Kandidatur generalstabsmäßig vor. Doch im engen Umfeld von Jackie Speier heißt es dazu nur, sie brauche so viel Geld gar nicht, denn „das ist das Jahr der Frauen“. Auf den Seiten der Kandidatinnen und auf Seiten der Wählerinnen.

Wäre wirklich alles besser?

Gestern kramte ich hier durch meine Plattensammlung und legte alte Scheiben auf. Vinyl wohlgemerkt, es kratzte und knisterte, einiges hörte ich bis zum Schluß und war begeistert über so manche vergessene Perle, anderes wurde gleich wieder vom Plattenteller genommen: wie konnte ich das nur früher hören? In so einem Plattenschrank findet man viele schöne, traurige, nachhaltige Erinnerungen und auch Jugendsünden, aber die behalte ich für mich.

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Auf einer Herman van Veen LP war das Stück „Wenn’s nun anders ausgegangen wär'“, ein zärtlicher Song mit einer offenen Frage. In dem Lied fragt der holländische Liedermacher, was geworden wäre, wenn Hitler seinen Kampf gewonnen, das Dritte Reich erfolgreich aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen wäre. Eine Frage, die sich sicherlich viele schon gestellt haben. Wie sehe Deutschland, Europa, die Welt aus, was hätte das mit unserem Leben gemacht, wenn der Gang der Geschicht anders verlaufen wäre.

Im Rückblick gibt es in jedem Leben solche Kreuzungen, an denen man sich entscheiden muss oder an denen man in eine Richtung gedrängt wird oder an denen von außen Entscheidungen gefällt werden, die Konsequenzen nach sich ziehen. Hier in den USA, vor allem in der liberalen San Francisco Bay Area, redet man darüber, was denn nun wäre, wenn Hillary Clinton die Wahl gewonnen hätte. Und das gleich und deutlich gesagt, ich vergleiche weder die Situation noch bestimmte Personen hier mit jenen von damals.

Wäre Präsidentin Hillary Clinton besser für Amerika? Foto: Reuters.

Aber die Frage muss erlaubt sein, was denn nun wäre, wenn Hillary Clinton im Oval Office sitzen würde? Wäre Amerika geeinter, weltoffener, die Welt sicherer? Nach einem halben Jahr Trump-Administration, nach einem halben Jahr Politik aus dem Weißen Haus, der ich so gar nichts abgewinnen kann, spiele ich mit dem Gedanken. Ich glaube allerdings, viel wäre nicht anders. Hillary Clinton ist genausowenig wie Donald Trump ein „Uniter“. Das liegt allein schon an ihrer Person, wie es im Wahlkampf zu beobachten war. Clinton ist das rote Tuch für die Republikaner. Viele der Stimmen für Trump waren keine Stimmen für den selbstverliebten Milliardär und seine vagen politischen Vorstellungen. Vielmehr wurde Trump auch gewählt, weil viele Wähler ihn als das kleinere Übel zu Hillary Clinton, ihrem Machtapparat und ihren Leichen im Keller sahen. Bei Hillary wusste man, was kommen wird, eine gelähmte Regierung, die sich mehr mit sich selbst beschäftigen würde.

Das klingt bekannt, das erleben wir derzeit auch mit Donald Trump. Doch davon war nicht auszugehen, zumindest nicht für seine Anhänger, die die Warnzeichen nicht erkennen wollten, in ihm vielmehr einen Außenseiter sahen, eine erfolgreichen Geschäftsmann, der in Washington aufräumen wollte. Mit „Make America Great Again“ und „You’re fired“ malten sie sich ein buntes Bildchen der Hoffnung in ihr wenige Seiten umfassendes Malbuch. Doch so funktioniert Politik nicht.

Hillary im Weißen Haus hätte sicherlich ganz andere Schwerpunkte gesetzt. Doch sie wäre politisch gelähmt gewesen, hätte genausowenig wie Barack Obama frei regieren, ihre Politik umsetzen können. Viel Erfolg in Washington hätte sie nicht gehabt, das zeigen die Obama Jahre, in denen viel, fast alles von der republikanischen Opposition ausgebremst wurde, was er umsetzen wollte. Am Ende sogar die Neubesetzung eines Verfassungsrichters. Ob Clinton ihre Kandidaten durchgebracht hätte ist mit den Mehrheitsverhältnissen in Washington daher fraglich. Die Stelle durfte gleich Donald Trump besetzen und hat damit seinen Anker bis mindestens ins Jahr 2040 geworfen.

Hillary im Oval Office wäre also nur etwas für das Wohlbefinden ihrer Unterstützer, erreicht hätte sie nicht viel. Politisch wäre sie chancenlos geblieben. Für Amerika war, ist und wäre Hillary Clinton die falsche Präsidentin. Wenn’s nun anders ausgegangen wär’…eines ist allerdings sicher, der politische Diskurs würde sich nicht mehr in nur 140 Zeichen ausdrücken. Das für sich, wäre schon ein Gewinn in diesen Tagen und es hätte Donald Trump eine empfindliche und für ihn schmerzliche Niederlage gebracht. weiter lesen

Die amerikanischen Sklavenkinder auf dem Mars

Vor einigen Jahren habe ich mit einer Frau gesprochen, die schon mehrmals auf dem Mars war. Sie erzählte, wie sie immer wieder in der Nacht von Aliens abgeholt und zum „Mother Ship“ gebracht wurde. Damit ging es dann schwuppdiwupp zum roten Planeten, auf dem die Auserwählte untersucht wurde. Pünktlich zum Sonnenaufgang war sie wieder daheim, damit niemand in ihrem Umfeld etwas von ihren nächtlichen Entführungen bemerkte.

So ein Interview ist für einen Journalisten nicht leicht, denn während man fragt und zuhört muss man versuchen sachlich und ernst zu bleiben. Aber die Frau war sich ihrer Geschichte ganz sicher. Ihre Zuhörer auf dem Kongress waren begeistert von ihren Erzählungen, ein weiterer Beweis dafür, dass Aliens schon lange unter uns sind, Dinge kontrollieren, die Menschheit versklaven wollen, die Weltregierung Realität ist.

Zwischen Märchenerzähler und Verschwörungstheoretiker – Alex Jones. Foto: AFP.

Man kann solche Geschichten als Irrsinn und Gschmarri abtun, aber Amerika lebt von solchen Stories. Einer, der das tagtäglich verbreitet ist Alex Jones mit seinen „Info Wars„, einer Webseite, einer Radiosendung, einer Fernsehsendung. Jones erreicht damit Millionen von Lesern, Zuhörern und Zuschauern. Es geht um Verschwörungen, um geheime Absprachen, um den Masterplan. Einer der ihn so richtig gut findet ist Präsident Donald Trump. Gleich mehrmals war Trump im Wahlkampf zu Gast in Jones‘ Sendung, nach seinem Wahlsieg dankte er Alex Jones und dessen Fans für ihre Unterstützung. „Dein Ruf ist unglaublich. Ich werde Dich nicht enttäuschen“, meinte Trump. Und Jones erklärt immer wieder, dass der Präsident ihm zuhöre, er seine Hinweise auf Verschwörungen und „Deep State“ Stories ernst nehme. Jones ist auch derjenige, der im Wahlkampf mit der Posse vom millionenfachen Wahlbetrug anfing. Trump glaubte ihm. 9/11 war für Jones ein „Insidejob“. Er verbreitete die „Pizzagate“ Story, in der Hillary Clinton mit einem Kinderpornoring in Washington in Verbindung gebracht wurde. Trump glaubte auch das…“people are talking“. Und jüngst meinte Jones, der Amoklauf in Newtown an der „Sandy Hook Grundschule“ sei nur ein Theater gewesen, kein Kind sei gestorben. Die damalige Regierung unter Präsident Obama habe das nur initiiert, um strengere Waffengesetze durchzusetzen. Trump widersprach nicht.

Die jüngste Story, die von Trumps Freund in die Welt gesetzt wurde geht da noch ein paar Schritte weiter. Auf dem Mars, so Jones‘ Gast Robert David Steele, werden entführte Kinder gehalten und versklavt, um deren Körper für Verjüngungskuren zu verbrauchen. Moderator Alex Jones widersprach seinem Gast nicht, sondern heizte dieses Thema nur noch mehr an: „Wir wissen ja nicht, was wirklich auf diesen strenggeheimen Missionen passiert“. Verwundern täte es nicht, wenn Donald Trump demnächst eine Untersuchungskommission in Sachen „Kindersklaven auf dem Mars“ einsetzen würde

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Der Morgenkaffee von Donald Trump

Irgendwas war wohl wieder im Kaffee von Donald Trump, denn am Morgen kam eine weitere Latte von Tweets geflogen. Siebenmal drückte Trump auf den „Send Button“, sechs eigene und eine weitergetweetete Fanmail. Die Zeiten als Trump zumindest noch erklärte, er wolle der Präsident aller Amerikaner sein ist lange vorbei. Nun gibt es nur noch Angriff. Dabei hat Trump ausschließlich seine Anhänger im Blickwinkel. Der Versuch eines überparteilichen Dialogs scheitert schon an der Wortwahl des Präsidenten. In 140 Zeichen tritt er fast allmorgendlich kräftig nach. Hillary, Obama, Fake News, alles Themen, die er nicht einfach so links liegen lassen kann. Darüber definiert sich Trump, daran – man will schon fast das „G“ Wort benutzen – baut er sich auf, und das zum Jubel seiner Anhängerschaft.

Donald Trump ist der Totengräber Washingtons. Er erklärt zwar immer wieder, er sei ein politischer Außenseiter, ein „Deal Maker“, der einzige, der den Washington Sumpf trockenlegen könne, aber er versucht das mit noch mehr Gräben durchs ganze Land zu erreichen. Trump spaltet Tag für Tag. Und oftmals wirkt es so, als ob der Donald nur im Weißen Haus sitzt, um sich und seine Familie und seine Kumpels noch weiter zu bereichern. Amerika verliert mit diesem Präsidenten endgültig das, für was das Land einmal stand. Auf meinen Reisen in Krisen- und Konfliktgegenden werde ich immer wieder gefragt, wie es dazu kommen konnte, dass die USA nach Barack Obama jemanden wie Donald Trump wählten. Einen Mann, der so gar nicht für das steht, was Obama darstellte. Natürlich hatte auch Barack Obama seine Fehler, man denke nur an die Eskalation des Drohnenkrieges, an die massiven Abschiebungen illegaler Einwanderer nach Mexiko. Aber so deutlich wie Trump hat noch niemand anderen ins Gesicht gespuckt. Langjährigen Partnern genauso wie Millionen von Menschen, die auf die Hilfe Amerikas angewiesen sind. Wer während einer massiven Hungerkatastrophe in mehreren Ländern Afrikas vorschlägt, das Budget für die Entwicklungshilfe drastisch zu kürzen, und das im Namen von „America First“, der spricht eine deutliche Sprache. Wer „Jobs, Jobs, Jobs“ predigt und dafür die Welt mit „wunderschönen amerikanischen Waffen“ überzieht und internationale Verträge, darunter wichtige Umweltschutzmaßnahmen einfach aushebelt, wer mit Lügen, Anfeindungen und verbalen Tiefschlägen regiert, der ist kein „Uniter“, sondern schlichtweg ein Spalter.