Jobs sind dann wohl doch nicht alles

Frühmorgens in Washington. Alles schläft noch, nur einer ist schon wach. Donald Trump sitzt vor dem Fernseher und schaut seine Lieblingssendung an – Fox & Friends. Das, was er da sieht, animiert den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Tag für Tag zum Sonnenaufgang ein oder zwei oder auch drei oder mehr Tweets in die Welt zu schicken. Amerika sollte wissen, was er denkt und über was an diesem Tag geredet werden soll.

Vor ein paar Stunden war es mal wieder so weit. Donald Trump tweetete, dass die Arbeitslosenzahlen von Afro-Amerikanern seit seiner Amtsübernahme gefallen sind. Natürlich auf ein historisches Tief. Und auch die „Hispanics“ im Land würden wieder mehr zu arbeiten haben. Trump ganz Trump bezieht das natürlich auf sich und zeigt sich etwas verärgert darüber, warum diese Wählergruppen für die Demokraten gestimmt haben und nicht für ihn.

Was Donald Trump hier allerdings etwas außer acht lässt, ist die Tatsache, dass seine Wahlkampfversprechen und seine jetzige Politik alles andere als „pro amerikanisch“ sind. Da kann er noch so viel „America First“ schreien, jubeln, jauchzen. Amerika ist ein Land der Immigranten, der verschiedenen Hautfarben, der verschiedensten Ethnien und Kulturen. Die USA sind nicht nur die „United States of America“, sondern vor allem die „United Shades of America“. Und das übersieht Trump nur zu gern, in dem er amerikanisch als das definiert, was er als amerikanisch betrachtet.

Auch will er nicht wahrhaben, dass seine Politik der Steuersenkung massive Konsequenzen gerade für afro-amerikanische und Latino Nachbarschaften hat und haben wird. Kürzungen bei Sozialprogrammen, im Schulwesen, beim sozialen Wohnungsbau, beim Jobtraining, bei Fördermaßnahmen, all das und mehr trifft nicht nur Schwarze und „Hispanics“ im Land, das wird auch viele der Trump-Wähler treffen, die sich von seinen Versprechungen blenden ließen und leider noch immer blenden lassen. Es gehört eben mehr dazu als unaufhörlich „America First“ und „Make America Great Again“ zu predigen, fast täglich auf den steigenden Dow-Index zu verweisen (der Trump noch reicher werden lässt), und „Jobs, Jobs, Jobs“ zu rufen, um Wählerinnen und Wählern zumindest das Gefühl zu geben, dass sie nicht übergangen werden. Mit seiner Politik, seinen Aussagen und seinem Auftreten macht der Präsident deutlich, dass er kein Interesse daran hat, der Präsident aller Amerikaner zu sein. Er regiert und handelt für sich, seine „Berater“ und seiner ihm ergebenen Basis.

Republikaner tief gespalten

Wie schnell die Zeit vergeht. Vor einem Jahr erst wurde Präsident Barack Obama zum zweiten mal im Amt vereidigt. Doch das ist lange her, nunmehr blickt man nach vorne. Wer wird 2016 kandidieren, auf der demokratischen und auf der republikanischen Seite. Namen fliegen durch die Gegend, doch bislang hat noch keiner der möglichen Kandidaten reagiert und seine ernstzunehmende Absicht kund getan.

Einer dessen Namen ganz heiß gehandelt wird, ist Rand Paul. Sein Vater Ron Paul kandidierte regelmäßig, doch immer aussichtslos. Sein Sohn hingegen, ein junger, dynamischer, intelligenter und durchaus zielorientierter Politiker, hat das Zeug für mehr. Bis ins Weiße Haus wird es nicht reichen, dafür kritisiert Paul zu sehr die eigenen Reihen, gerade das Establishment der Republikaner. Rand Paul fordert eine grundlegende Reform innerhalb der Partei. Man müsse endlich davon weg kommen, nur über Steuern zu sprechen, fordert er. Vielmehr solle sich die republikanische Partei damit profilieren, dass sie für die Grund- und Zivilrechte eintritt. Rand Paul machte das, was er damit meint, in dieser Woche. Er verklagte Barack Obama wegen der NSA Affäre und der massiven Verletzung der Bürgerrechte.

Auch will der Senator aus Kentucky offener auf Afro-Amerikaner und  Hispanics zugehen und erklären, dass „Big Government“ immer zu Lasten der Minderheiten geht. Der „War on Drugs“, der Krieg gegen die Drogen haben vor allem diese beiden Bevöllkerungsgruppen kriminalisiert. Das sei unvereinbar mit der republikanischen Partei und deren Politik. Zumindest in den Augen von Rand Paul. Doch der Jungsenator ist ein Außenseiter in den eigenen Reihen. Seine Vorschläge gelten als zu radikal, zu kompromisslos. Und doch, Rand Paul zieht immer mehr junge Wähler an, die endlich eine andere Politik verlangen. „Ich glaube, Republikaner werden in meinem Leben keine Präsidentschaft mehr gewinnen, es sei denn, es wird eine neue GOP, eine neue Republikanische Partei geben“, meinte Paul kürzlich in einem Interview. „Und es muß eine Umwandlung sein, nicht nur ein bisschen Gezupfe an den Rändern“. Solche Aussagen kommen an. Man kann gespannt sein, wie er sich im Wahlkampf 2016 positionieren wird. Ernstzunehmen ist er, auch wenn er am Ende wohl keine Chance haben wird, auf die Zielgerade zum Weißen Haus einzuschlagen.