Die Sonne so rot

Es will einfach nicht hell werden.

Es ist elf Uhr morgens und draußen ist es dämmerig. Ich sitze in meinem Büro und muß das Licht anmachen, um überhaupt etwas sehen zu können. Es ist im Freien nicht richtig dunkel, eher ein orangenes, apokalyptisches Licht. Endzeitstimmung. Die Außenbeleuchtungen an den Häusern in der Nachbarschaft, die über Sensoren angehen, brennen noch. Die Technik wird getäuscht, genauso wie die Natur, die Grillen zirpen sich einen, so als der Abend angebrochen ist. Es wirkt alles noch düster. Auf mein Auto hat sich ein Aschefilm gelegt.

In Kalifornien brennt es weiter, im Norden, in Napa, im Central Valley, in der Nähe von Santa Cruz und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Eigentlich geht es um diese Zeit erst so richtig los. Die Santa Ana Winde stehen an, starke, warme Winde, die im Landesinneren entstehen und wie ein Fön wirken. Eine späte Hitzewelle ist noch für Ende September, Anfang Oktober zu erwarten. Ich erinnere mich noch daran, dass ich nur im Herbst am Ocean Beach von San Francisco im Meer baden ging, da es dann unerträglich heiß wurde, die kühle, von Alaska kommende Strömung war da eine wunderbare Abkühlung. Da kommt noch was auf uns zu. Vor 25 Jahren gab es diese „Fire Season“ im Herbst, mittlerweile ist dauerhauft Feuer-Saison.

Es regnet Asche.

Corona, Wahlkampf, Hitze, Feuer. Nun noch diese gewaltige Rauchglocke, die das Draußensein ungesund werden läßt. Aber sagen sie das mal einem Schäferhund-Huskie, der einfach immer raus will. Gestern ging ich mit Käthe in den nahegelegenen Wald, ich war einer der wenigen Bekloppten, die in der Hitze und in dem Qualm unterwegs waren. Am Ende eines gut einstündigen Spaziergangs waren wir beide fix und fertig. Sie hechelte nach Wasser, mir kratzte es im Hals. Und heute morgen ist es noch schlimmer. Dieses organgene Licht verschwindet nicht, dicke Schichten Rauch lassen die Sonnenstrahlen nicht durch. Es wird einfach nicht hell. Der Ascheregen nimmt kein Ende. Ich hoffe nur, das ist kein Sinnbild für das, was noch auf die USA zukommen wird…Doomsday!

 

Es wird heiß in Kalifornien

Das Thermometer steigt. Die Sonne strahlt am blauen kalifornischen Himmel, in der San Francisco Bay Area soll es Mitte der Woche 30 Grad heiß werden. Kalifornienreisende wird es freuen, so stellt man sich den Sonnenstaat am Pazifik vor. Doch wenn man hier lebt, gerade etwas außerhalb der Städte, denkt man bei der Hitze an etwas ganz anderes: Feuergefahr.

Schon jetzt werden doppelt so viele Brände in staatlichen Waldgebieten verbucht, wie im letzten Jahr, berichten die kalifornischen Feuerwehren. Auch in den kalifornischen Nationalparks, die von eigenen „Federal Fire Crews“ betreut werden, liegen die Zahlen deutlich über normal. Die sommerliche Feuersaison hat hier bereits Anfang des Jahres begonnen. Feuerwehren im ganzen Staat bereiten sich auf ein langes Jahr vor.

In ganz Kalifornien sind Feuerwehrleute in den Nachbarschaften unterwegs. Wenn sie mal eine Einsatzpause haben, dann reden sie mit Nachbarn, kontrollieren Gärten und Baumwuchs, leiten Teams an, die in Parks und auf offenen Grün- und Waldflächen das ausgetrocknete Unterholz beseitigen. Wer seinen Garten und sein Grundstück nicht in Ordnung bringt, dem droht eine hohe Geldstrafe.

Der Mangel an Niederschlag in Kalifornien hat die Böden ausgetrocknet. Es herrscht Wassernotstand im Bundesstaat. Viele Seen, Flüsse und Reservoirs sind fast ausgetrocknet oder auf einem absoluten Tiefstand. Die Rede ist von einer Jahrhundertdürre, jedes Jahr wird es schlimmer. Die Schneedecke in den Bergen ist so dünn wie noch nie zuvor. Doch bislang kam der Notstand bei den meisten Bürgern Kaliforniens noch nicht an. Nach wie vor wird mit dem Wasser hausiert, als ob das Trink-, Dusch- und Spülwasser aus dem Pazifik kommt. Und auch im Parlament in Sacramento hat man noch nicht die gesetzliche Bremse gezogen, obwohl seit Jahren klar ist, dass unbequeme Entscheidungen getroffen werden müssen. Stärkere Gesetze, die das Leben der Bürger einschränken, sind unbeliebt. Dann wird vom „Nanny State“ gesprochen, dem Bevormundungsstaat. Was in Deutschland „Freie Fahrt für freie Bürger“ ist, bedeutet in den USA „Keep the government out of my personal life“. Und da fällt eben alles mit drunter, auch, dass man nach dem Pinkeln sechs Liter Wasser beim Abziehen verschwendet. Ein umweltpolitisches Umdenken ist in Amerika noch lange nicht in Sicht.

Hitzewelle in Kigali

Bin gut in Ruanda, im Herzen Afrikas angekommen. Die erste Regenzeit des Jahres steht bevor, es ist drückend heiss. Aber es ist eine Wohltat nach den Regenstürmen in Kalifornien und dem Schnee in Deutschland.

Es ist beeindruckend durch diese Stadt zu laufen. Die politische Führung in Kigali will mit aller Macht das Land nach vorne bringen. „2020“ heisst die Devise, also in zehn Jahren will man ein Musterbeispiel für „New Commerce“, „IT“ und „Wirtschaftsboom“ in Afrika sein. Na, bis dahin können sie sich noch ganz schön am Riemen reissen, denn so einiges liegt im argen. Aber egal, es ist spannend, all das aus der Nähe zu sehen.

Einiges steht auf dieser Reise an, ein paar Interviews und auch ein Trip nach Goma, in die Nord-Kivu Region der DRC, der „Democratic Republic of Congo“. Ich bin sehr, sehr gespannt, was mich alles erwarten wird. Und wenn ich kann und es interessantes zu berichten gibt, werde ich mich an dieser Stelle melden.

Kleine Randnotiz, gestern hatte ich Lust zum Joggen, bin also bei Sonnenuntergang in der brütenden Hitze los gerannt und eine zeitlang auch auf einem Grünstreifen entlang einer Hauptstrasse gelaufen. Tja, bis mich ein Soldat mit Maschinengewehr angehalten hat…Ich hatte mich schon vorher gewundert, denn ein anderer Soldat hatte mir was unverständliches hinterher geschrien. Aber ich verstehe weder Kinyarwanda noch Französisch, und beim Laufen habe ich Tunnelblick. Doch als der mit seiner MG vor mir auftachte blieb ich doch lieber stehen. Er fragte mich mit ein paar Brocken Englisch nach meinem Name und was ich mache (!). Irgendwie konnte er mit mir nichts anfangen. Verschwitzt, unverständlicher Name und dazu in kurzen Hosen….“Go“. Es stellte sich später heraus, dass dort die Büroräume des Präsidenten liegen und daher die Sicherheitsvorkehrungen extrem sind. Aber wie soll ich das denn wissen, ein Warnschild habe ich nicht gesehen und der Grünstreifen lud einfach zum Joggen ein. Und so gefährlich sehe ich doch nicht aus, oder?

Tote Deutsche in Kalifornien aufgefunden

Sie verschwanden am 22. Juli 1996. Die 27jährige Cornelia Meyer und ihr vierjähriger Sohn Max. Ihr 34jähriger Freund Egbert Rimkus und dessen zehnjähriger Sohn Georg Weber. Die vier aus Dresden befanden sich auf einer Kalifornien Rundreise und kamen aus Las Vegas. Doch im Death Valley, dem heissesten Ort Nordamerikas, verschwanden sie spurlos. An den Tagen im Juli 1996 erreichte das Thermometer im Death Valley rund 50 Grad Celsius. Ohne Wasser und Verpflegung sind die Überlebenschancen in dieser brutalen Umwelt nach dem dritten Tag gleich Null. Nur der Mietwagen der Dresdner konnte Monate später aufgefunden werden.

Georg WeberAuf Online Seiten über vermisste Kinder wurden sogar Phantombilder eingestellt, wie der damals zehnjährige Georg Weber heute aussehen könnte. Man ging sogar davon aus, dass sein Vater ihn nach Costa Rica gebracht habe und dort mit ihm in der Künstlerkolonie lebe.

Am heutigen Freitag nun fanden Wanderer im Death Valley National Park menschliche Knochen, die zu einem oder mehreren der vier gehören könnten. In der Nähe der Knochen wurde auch ein Ausweis der Vermissten entdeckt. Der Ort liegt rund vier Meilen südlich von dem Platz an dem Monate nach dem Verschwinden der Touristen der gemietete Minivan gefunden wurde. Nichts deutet bislang auf eine Straftat hin, die genaue Identifizierung der Knochen kann Wochen dauern.