Die Geister, die er rief

Donald Trump steht im November nicht auf dem Wahlzettel. Am 6. November wird das Abgeordnetenhaus und ein Drittel des Senats neu bestimmt. Sicherlich geht es bei den Wahlen im ganzen Land auch um Donald Trumps Politik und seinem eher unkonventionellen Regierungsstil. Die Demokraten hoffen, dass sie die republikanische Mehrheit im Kongress knacken und somit Donald Trump das Regieren in den kommenden zwei Jahren schwerer machen können.

Der Ausgang der Wahlen im November ist noch offen, doch was man nun schon sehen kann ist, dass es zahlreiche Kandidaten unter dem republikanischen Namen gibt, die sich durch Trumps Wahlkampf und seine Politik im Weißen Haus bestätigt fühlen, die aber eigentlich so gar nichts mit der Partei von Reagan, Bush und McCain zu tun haben.

Die kalifornische Partei der Republikaner versucht sich in meiner Gegend, der San Francisco Bay Area, gleich von zwei Kandidaten mit „R“ hinter ihrem Namen deutlich zu distanzieren. Der Grund ist mehr als offensichtlich, beide sind Neo-Nazis und Antisemiten, die damit Wahlkampf betreiben. Im deutschen Wahlsystem bestimmen die Parteien selbst, wer auf die Liste kommt. In den USA hingegen kann man kandidieren und gibt dafür nur seine Parteizugehörigkeit an, obwohl man kein Mitglied sein muss. Genauso machte es Donald Trump, der sich als Republikaner präsentierte und so den Vorwahlkampf der GOP gewann. Erst auf deren Wahlparteitag im Juli 2016 wurde er offiziell als republikanischer Präsidentschaftskandidat gekürt, ohne vorher auch nur ein Amt in der Partei gehabt zu haben.

Ein Holocaust-Leugner kandidiert als Republikaner in der San Francisco Bay Area.

John Fitzgerald lebt im 11. Wahldistrikt von Kalifornien, einer Gegend östlich von San Francisco, in der Kleinstädte wie Richmond, Danville und Antioch liegen. Fitzgerald lag bei den Vorwahlen auf Platz zwei, erhielt als (selbsternannter) republikanischer Kandidat 36279 Stimmen und lag damit vor zwei weiteren Republikanern. Somit tritt er im November gegen den Amtsinhaber, den demokratischen Kongressabgeordneten Mark DeSaulnier an. Fitzgerald macht damit Wahlkampf, dass die Juden die Terrorangriffe des 11. Septembers ausnutzten, die US Medien und Banken kontrollieren, die Vermischung von Rassen vorantreiben und, dass es die Vernichtung von sechs Millionen Juden in Nazi-Deutschland nie gegeben hat. Wohlgemerkt, John Fitzgerald wird auf dem Wahlzettel als Republikaner geführt und wird somit sicherlich Zehntausende Stimmen erhalten, allein weil er in einem demokratischen Distrikt das „R“ hinter seinem Namen stehen hat.

Auch Patrick Little aus Albany, nördlich von Berkeley gelegen, ist Neo-Nazi und Kandidat der Republikaner. Er tritt gegen die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein an und sagt ganz offen: „I am the only America First candidate in California.“ Little wettert gegen Feinstein als jüdische Kriegstreiberin für Israel und fordert „die Begrenzung von Juden in der Regierung“. Auch er beschreibt den Holocaust als einen „jüdischen Propaganda Schwindel, der nie passiert ist“.

Donald Trump steht sicherlich nicht für die Ziele dieser Kandidaten, doch er hat durch sein Verhalten, seine offenen Lügen und Falschaussagen, seinem provozierenden, provokanten und beleidigenden Ton gegen Andersdenkende, Immigranten, politische Gegner solche Kandidaturen möglich gemacht. Vor ein paar Monaten produzierte ich für den SWR ein Feature über die wiedererstarkte Milizen-Bewegung in den USA. Diese hatten Donald Trump im Wahlkampf unterstützt, denn er war der Kandidat, der offen das aussprach, für was sie jahrelang standen. Seine Hetze gegen Mexikaner, Afro-Amerikaner, Demokraten, sein „America First“ Ruf fiel bei ihnen auf fruchtbaren Boden. Sie sahen sich in dem bestärkt, was Trump als Wahlkämpfer und als gewählter Präsident von sich gab. Die Kandidaturen von „Republikanern“ wie John Fitzgerald und Patrick Little sollten da also nicht überraschen. Es sind nur die Geister, die Donald Trump rief.

      Im Kampf ums Vaterland

Trump ist Hitler, 1933 ist 2016.

Trump wird immer häufiger mit Hitler verglichen. In den amerikanischen Blogs und sozialen Medien lassen sich viele Bilder und Vergleiche finden.

Trump wird immer häufiger mit Hitler verglichen. In den amerikanischen Blogs und sozialen Medien lassen sich viele Bilder und Vergleiche finden.

Der Ton wird rauer. In einer Wahlveranstaltung in Wisconsin erklärte der Senator aus Vermont und demokratischer Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders: „Wie einige von Ihnen wissen bin ich jüdisch. Mein Vater kam als 17jähriger aus Polen in dieses Land. Er kam, andere in seiner Familie kamen nicht. All jene starben. Kinder starben…Das ist in meinem Herzen, ich weiß, was ein Wahnsinniger anrichten kann, wenn er mit Rassenhass zündelt.“ Deutliche Worte, die an den republikanischen Frontrunner Donald Trump gerichtet sind. Es ist nicht das erste Mal, dass Sanders sich gegen die Verbalausfälle des New Yorker Milliardärs äußert. Schon im Dezember besuchte er eine Moschee in Washington DC und verurteilte die islamophoben Aussagen Trumps.

Bernie Sanders fährt mehr und mehr Angriffe gegen den Republikaner, beschreibt ihn als „Spinner“, der mit seinen Worten gefährlich zündele. Sanders hält sich anders als bei seiner direkten Mitkonkurrentin um die Nominierung der demokratischen Partei bei Trump nicht zurück. Auf der Wahlveranstaltung in Wisconin teilte er erneut aus aus. Und seine klaren und deutlichen Worte scheinen anzukommen. In Wisconsin könnte Bernie Sanders am kommenden Dienstag erneut einen wichtigen Sieg gegen Hillary Clinton einfahren. Der Senator aus Vermont hat noch lange nicht aufgegeben. Mit seinem positiven Wahlkampf und seinen direkten Angriffen gegen den eigentlichen politischen Gegner punktet Bernie Sanders weiterhin. Seine Massenbewegung in den demokratischen Reihen ist noch immer nicht zum Stillstand gekommen. Hillary Clinton wird langsam nervös, man merkt ihr die Spannung an. Nicht noch einmal will sie sich die Nominierung entgleiten lassen. Sie würde am liebsten alles schnell und gleich unter Dach und Fach bringen. Gleichzeitig braucht sie Sanders jedoch mehr denn je. Denn mit ihm im Wahlkampf beachten die Medien neben den Trump-Shows auch noch den Zweikampf zwischen der großen Hillary und dem Senator aus Vermont. Noch nie wurde so oft im amerikanischen Fernsehen der Ruf nach einer „politischen Revolution“ übertragen.

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Ein Lied geht um die Welt

      Das Lied der Moorsoldaten
Das Lied der Moorsoldaten, geschrieben 1933 im KZ Börgermoor.

Die Moorsoldaten, geschrieben 1933 im KZ Börgermoor.

Heute wurde im deutschen Bundestag anlässlich des internationalen „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ auch das Lied der Moorsoldaten gesungen. Ein Lied, das 1933 geschrieben wurde und wohl zu den bedeutendesten Protestliedern gegen das Nazi-Regime gehört. Vor einiger Zeit produzierte ich für einen amerikanischen Sender ein englischsprachiges Feature zur Geschichte der „Peat Bog Soldiers“, das man hier oben hören kann.

Das Lied der Moorsoldaten ist ein tief bewegendes und oft gesungenes Lied, das eine beeindruckende Reise um die Welt hinter sich hat und in allen Sprachen und Kulturen gleichermaßen wirkte. Bei einigen Versionen läuft mir beim Anhören noch immer jedes Mal ein kalter Schauer über den Rücken.

Diesen Fahrer sollte man fahren lassen

Nett verziertes Auto im Straßenverkehr.

Gestern fuhr ich hinter diesem Wagen her. Dicker Verkehr, ständig stand ich und hatte Zeit die vielen Aufkleber zu lesen, die da vor mir prangten. Eine ungewöhnliche Auswahl für die politisch eher liberale und progressive San Francisco Bay Area. Aber dieser Fahrer machte deutlich, dass er weder etwas von der Regierung halte, noch sich irgendwelche Vorschriften machen lasse. Vor allem das Thema Waffen scheint ihn zu interessieren, denn niemand dürfe ihm dieses (vermeintliche) Grundrecht strittig machen. So zumindest die klare Ansage seiner unzähligen „Bumper Stickers“. Am aussagekräftigsten fand ich den Aufkleber „Gun Control – Made the Holocaust possible. No More Nazi Gun Control Laws“. Da mußte ich einfach ein Bild machen, in der Hoffnung, dass der Fahrer mich nicht in seinem Rückspiegel entdeckt und mich für einen Agenten Obamas hält.