Operation „Project Southbound“

Amerika hat ein Gangproblem. Eigentlich nicht nur eines, denn zahlreiche Kommunen und Regionen in den USA werden von Gangs kontrolliert. Nun gehen die Behörden immer gezielter und geeinter gegen gewaltsame Gruppierungen vor, vor allem jene, die internationale Verbindungen haben. Geleitet werden diese Aktionen von ganz oben, vom Homeland Security Ministerium. Der jüngste Schlag kam im März/April. 638 Gangmitglieder in 179 Städten wurden verhaftet. Seit 2005 sollen bereits 33.000 Gangmitglieder in Haft genommen worden sein.

Die jüngste Aktion, „Project Southbound“, richtete sich gegen die „Surenos“, eine Dachorganisation von Gangs, die enge Verbindungen zu Lateinamerika unterhalten. Allen voran „Mara Salvatrucha“, besser bekannt als“ MS-13″, die rund 10.000 Mitglieder stark sein und eine starke Präsenz im Großraum Los Angeles und der San Francisco Bay Area haben soll. MS-13 wurde in den 80er Jahren in Südkalifornien von Einwanderern aus El Salvador gegründet, die ihre Gang als Schutztruppe für Immigranten aus El Salvador ansahen. Die Kampferfahrungen aus dem dortigen Bürgerkrieg brachten den Mitgliedern jedoch schnell einen Ruf auf den Straßen rund um Los Angeles ein. Mord, Drogen- und Waffenhandel, Zwangsprostitution und Menschenhandel. MS-13 schreckte und schreckt vor nichts zurück. Opfer wurden schon mal mit Macheten zerteilt.

Homeland Security hat seit Jahren die Führung im Kampf gegen die Gangs unternommen, da viele Banden im engen Kontakt mit den mexikansichen Syndikaten stehen und den Drogenkartellkrieg südlich der Grenze in Städte und Gemeinden in den USA verlagern. Der Gangkrieg zwischen Los Angeles und Washington DC ist mittlerweile zur Chefsache geworden, was auch die jüngsten Verhaftungszahlen belegen.

Amerika hat ein Sicherheitsproblem

Nach dem 11. September 2001 änderte sich alles an den amerikanischen Flughäfen. Zuersteinmal ist jeder verdächtig. Die Zahnpasta, das Duschgel, das Deo, der eingekaufte Wein, alles könnte ja was anderes sein, als auf dem Label steht und zum Sprengen des Fliegers genutzt werden. Im Schuh trägt man so lange eine Bombe, bis alles durchleuchtet und chemisch abgeklärt ist. Man wird durchleuchtet, Gepäck wird geöffnet, Daten für USA Reisende werden schon vor dem Abflug an eine riesige Datenbank gesendet. Und Zehntausende von Menschen können überhaupt nicht mehr in die USA fliegen oder per Flugzeug die USA verlassen. Die „No Fly List“ ist streng geheim, kein Sterblicher weiß, wie man darauf kommt und vor allem, wie man wieder runter kommt von dieser ominösen Liste.

Und nun ist ein 16jähriger am Sonntag einfach so und ohne Ticket vom kalifornischen San Jose nach Hawaii geflogen. Er hatte Streit mit seinen Eltern, rannte weg. Am Flughafen kletterte er über einen Zaun, ging auf eine Maschine der Hawaiian Airlines zu und krabbelte dort in den Fahrwerksschacht. Der Flieger hob ab und landete nach fünfeinhalb Stunden auf dem Flughafen Maui. Der Junge kletterte aus seinem Versteck und wurde von Airline Mitarbeitern entdeckt, die Polizei wurde gerufen und nun rätselt man, wie der 16jährige den Flug in rund 10 Kilometern Höhe bei mangelnder Sauerstoffzufuhr und bei Minustemperaturen von 40 – 50 Grad überleben konnte. Scheinbar lag der Junge den Großteil des Fluges ohnmächtig im Radschacht. Und nicht nur das, die Sicherheitslücke im scheinbar soliden Sicherheitsnetz ist riesig. Homeland Security ist eingeschaltet worden und versucht nun zu klären, wie es zu dieser ungewollten Mitreise kommen konnte. Der Ausreißer hat nun einige mit seiner unbedachten Flucht vor riesige Probleme gestellt. Die vielgelobte Sicherheit auf Flügen seit „9/11“, das Schulterklopfen der Politiker und Sicherheitsfanatiker in den USA muß nun ganz neu beleuchtet werden.

Der Junge wird derzeit genauestens untersucht, ob er einen Schaden von seinem Mitflug davon getragen hat. Experten meinen, dass solche blinden Passagiere wohl gar nicht so selten sind, sie einfach beim Ausfahren des Radwerks tot ins Meer fallen würden. Einige glauben noch immer an einen schlechten Scherz und sind davon überzeugt, dass der Junge nicht die Wahrheit erzählt. Doch klar ist, das belegen Kameraaufzeichnungen am Flughafen San Jose, dass er einen Zaun am Airport überwunden hat, ohne das Alarmglocken losschrillten.

Ich seh‘ nicht aus wie ein Amerikaner

„Are you a citizen“, fragte mich der Grenzbeamte am Flughafen von San Francisco. Und das, obwohl ich ihm meinen US Pass reichte. „Ähm, yes“. „How did you obtain your citizenship?“, kam die nächste Frage, so, als ob ich mir auf dem Heimaturlaub im Frankenurlaub mal schnell einen amerikanischen Reisepass ausgedruckt habe. Meine Erklärung, dass ich bereits seit 18 Jahren hier lebe, eine Green Card hatte und schon mehrmals durch das ganze bürokratische Prozedere mit der INS und dem Homeland Security Department marschierte, interessierte ihn wenig.

Steif auf seinem Stuhl sitzend blätterte er durch den Pass. Da war kein Stempel, also kam die Frage, ob ich mit einem anderen Reisedokument reise. „Yes, I have a German passport“. Den wollte er dann sehen, und damit begann das Verhör. Interessiert schaute er sich jeden Stempel und jedes Visa an. Was ich denn so oft in Ruanda gemacht habe. Ach ja, und im Kongo. Und dann fiel sein Blick auf die Afghanistan Visa. Alle Glocken schrillten auf, da bot sich dem Beamten die Chance einen getarnten Talibankämpfer hier am SFO Airport zu fangen. Ich sehe ja auch so aus, wie der Bruder von Abdullah Ali Khan. Warum waren Sie in Afghanistan? Wo genau waren Sie? Wer hat Sie dazu verleitet? Wo war ich untergebracht? „I was embedded with the German army“, ließ er als Antwort nicht gelten. „So, you were serving the German army?“, meinte er mit steinernem Gesichtsausdruck.  „No, I’m a journalist“. Der Typ ging wirklich zum Lachen in den Keller.

Man muß sich schon sehr zurück halten, um da einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Typ war nicht zum Spaßen aufgelegt. Nach langen Minuten gab er mir schließlich meinen Pass wieder und vermerkte etwas auf der Zollerklärung. Geheimcode Homeland Security. Und klar, der Zoll zog mich raus. Mein INS Beamter wollte also mal zwischen meine Unterhosen und Hemden schauen lassen. Die „Customs Agents“ waren allerdings freundlich und etwas überrascht, dass ein Deutscher seine Koffer öffnen sollte. Auch sie fragten und fragten, aber es war mehr ein freundlicher „Chitchat“. Zwei unterhielten sich, einer wühlte durch die Koffer, schaute sich Bücher an. Klar, hätte ja das Manifest von Mullah Omar sein können, oder schlimmer Lenins Schriften, doch dem Oberkommi hatte ich ja schon bei meiner Einbürgerung abgeschworen. Die vielen CDs für Radio Goethe waren nicht auffällig, also „Thank you and have a nice day“.

Amerika ist schon ein seltsames Land. Da reist man 18 Jahre lang unbescholten hin und her und dann kommt so ein Terroristen jagender Beamter, der einen nach einem endloslangen Transatlantikflug zuquatscht und gleich mal als Bombenleger vorverurteilt. Egal, ich bin angekommen. Der Alltag hat mich wieder.

Über den Wolken…(NOT)

Als die Familie Thomas kürzlich von Cleveland nach Minneapolis fliegen wollte, erlebten sie am Schalter von Continental Airlines eine Überraschung. Beim Einchecken von Herrn, Frau und Tochter Thomas leuchtete auf einmal der Name der sechsjährigen Alyssa auf. Sie, so der Continental Mitarbeiter, sei auf der sogenannten „No Fly“ Liste der US Regierung. Eine ellenlange Liste mit Threat LevelNamen, denen verboten ist, per Flugzeug in und nach den USA zu reisen. Das Ministerium für Heimatschutz gibt lediglich zu, dass es diese Datenbank gibt, allerdings nicht, wer auf dieser Liste steht, wie man darauf kommt und vor allem wie man wieder von ihr gestrichen wird.

Nach langem hin und her durfte Alyssa mit ihren Eltern den Flug nehmen, aber nur, nachdem der Vater zusicherte, umgehend mit den Behörden in Kontakt zu treten, um den Sachverhalt zu klären. Seltsamerweise war dies nicht der erste Flug der Sechsjährigen, doch das erste mal, dass ihr Name beim Einchecken auf der „No Fly“ Liste auftauchte.

Wie der Name von Alyssa auf die Liste kam ist nach wie vor unklar, die offiziellen Stellen hüllen sich in Schweigen. Das Problem für die Familie Thomas ist nun, dass sie für jeden Flug früher am Flughafen sein müssen, um nach genauer Prüfung die Reiseerlaubnis zu bekommen.

„Golden Age of Homeland Security“

Ich bin ein begeisterter Sammler von alten Tönen. Musik und Audioclips, historischen Reden und alter Werbung. Für Radioproduktionen ist das einfach fantastisch. Ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit meinem ehemaligen Kollegen, Rainer Knape, aus dem Funkhaus Nürnberg. Das war damals noch zu Radio Gong Zeiten in der Inneren-Cramer-Klett-Strasse. Wir gingen auf einen Kaffee in die Meisengeige und unterhielten uns übers Radiomachen. Und er sagte einen Satz, der für mich und meinen Werdegang im Hörfunk ganz wichtig wurde. „Radio ist Theater im Kopf. Du hast am Anfang eine leere Bühne vor dir und musst selbst bestimmen, wie du sie füllst.“ Im Radio macht man das durch Musik, durch historische und bekannte Aufnahmen, durch Soundeffekte, durch die Produktion selbst. Beispielsweise ist der Redefluss eines Interviewpartners ein Klangelement für sich. Beim Privatradio werden Schnaufer oftmals aus Zeitgründen geschnitten. Doch gerade das kann klanglich reizvoll sein, wenn man jemandem zuhört, der hörbar nachdenkt.

Ein Zeitalter drückt sich auch über Lieder und Originaltöne aus. Gestern hatte ich mal wieder ein Spotlight auf KUSF San Francisco, also eine Zweistundensendung zu einem bestimmten Thema. Es ging diesmal um Songs und sogenannte „Public Service Announcements“ des Kalten Krieges. Das deutsche Label Bear Family Records hat dazu eine wunderbare CD Box herausgegeben.

Und hier kann man sich die Sendung über die KUSF-Archivseite anhören.