In Texas wählt man schwul zu sein

In Texas findet alljährlich das weltbekannte „South By Southwest Festival“ (SXSW) statt, ein Treffpunkt für neue und teils schräge Musik. Auch Deutschland ist dort seit Jahren mit einer größeren Gruppe von Musikern vertreten. Ganz offiziell mit deutschen Staatsgeldern wird der Musikstandort Deutschland beworben.

Ich bin mal gespannt, was im nächsten Jahr sein wird, wenn die in Texas regierenden Republikaner, wie angekündigt, an diesem Wochenende ihr neues Parteiprogramm verabschieden. Darin heißt es, Homosexuelle wären nicht gezwungen homosexuell zu sein, sie hätten die Wahl. Deshalb unterstütze die Partei die sogenannte „reparative therapy“, also eine Therapie, die die Schwulen und Lesben wieder auf den „richtigen“, spricht heterosexuellen Weg bringen soll.

US Senator Ted Cruz macht Stimmung gegen den "homosexuellen Lifestyle"

US Senator Ted Cruz macht Stimmung gegen den „homosexuellen Lifestyle“

Innerhalb der Texas GOP gibt es sogar eine Gruppe von homosexuellen Republikanern, die eigentlich auf dem aktuellen Parteitag kämpfen wollten, doch nun enttäuscht einklappen, um „schlimmeres zu verhindern“, wie sie erklärten. Sie wollen die offene Auseinandersetzung vermeiden und geben sich schon damit zufrieden, dass im Programm nicht stehen wird „Homosexualität reißt an den Grundfesten der Gesellschaft“. Hardliner in der Partei wollten Homosexualität sogar als „sexuelle Sünden“ brandmarken.

Die 10.000 Parteimitglieder werden also auf ihrem Parteitag in Fort Worth ohne Diskussion den folgenden Satzes abnicken: Die Texas GOP „erkennt die Rechtmäßigkeit und Wirksamkeit von Beratung an, die eine wiedergutmachende Therapie und Behandlung für solche Patienten verspricht, die eine Gesamtheilung von ihrem homosexuellen Lebensstil suchen“. Solch eine Therapie wurde übrigens vom republikanischen Gouverneur Chris Christie in New Jersey und auch in Kalifornien verboten. Christie wird als Präsidentschaftskandidat seiner Partei für 2016 gehandelt. Er wird wohl das texanische Hinterland und den „Bible Belt“ im Süden verlieren. Auf die Stimmen hoffen nun der ehemalige texanische Gouverneur und Präsidentschaftskandidat Rick Perry. Ja, er ist wieder da und macht mobil mit einer erzkonservativen und homophoben Stimmung. Und auch der texanische US Senator Ted Cruz heizte den Delegierten richtig schön warm ein. Er wird als ernstzunehmender Kandidat um das nächste Rennen ums Weiße Haus gesehen.

Texas. Noch Fragen? Ich bin mal gespannt, wie sich die „Patienten“ in San Francisco und auch in Deutschland dazu äußern werden.

 

 

 

Das Ende einer Karriere

Wann war das nochmal? Das muß so 1989 gewesen sein, als ich Michelle Shocked live gesehen habe. War das Konzert in Nürnberg oder in München? Ich weiß es nicht mehr genau, aber es war klasse. Das war die Tour zu ihrem grandiosen Album „Short Sharp Shocked“. Darauf auch ihr größter Hit „Anchorage“. Michelle Shocked war die Folk-Punk-Anarchistin. Politisch und sozial aktiv und engagiert, offen und „outspoken“. Sie brachte den Aktivismus zurück in das etwas verstaubte Folk Genre.

Michelle Shocked produzierte weiter Musik, veröffentlichte Platten, tingelte durch die Weltgeschichte. Ihre Fans liebten sie. Doch es wurde stiller um sie. Vor fünf Jahren wurde sie „born again“, eine „Wiedergeborene Christin“. Sie schrieb weiter Songs, sie wurde allerdings ruhiger, nachdenklicher, verlor dabei jedoch nicht die Intensität in ihrer Stimme. Und dennoch irgendwas war anders. Michelle Shocked schien nicht mehr die gleiche zu sein.

Vor ein paar Tagen nun wetterte sie in einem Konzert ausgerechnet  in der Schwulen- und Lesbenhochburg San Francisco gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Es sei „der Niedergang der Zivilisation“. Wörtlich erklärte sie dem mehr als erstaunten Publikum: „Ich habe Angst davor, dass die Welt zerstört werden wird, wenn Homosexuelle heiraten dürfen“. Und weiter: „Ihr könnt ruhig auf Twitter gehen und sagen, „Michelle Shocked sagt Gott hasst Homos“.

Mit diesen Aussagen war dann wohl ihre Karriere vorbei. Der Großteil des Publikums verließ daraufhin das Konzert, twitterte und postete, youtube Videos erschienen und es dauerte nicht lange, bis ein Konzertveranstalter nach dem anderen die ausstehenden Konzerte auf der US Tournee absagte. Und es gibt nun sogar eine Online Petition, damit auch noch die europäischen Auftritte gestrichen werden. Michelle Shocked gab sich geschockt, versuchte gegen zu rudern, erklärte, alles sei nur ein Mißverständnis gewesen, doch das nahm und nimmt ihr keiner ab. Radiostationen quer durch die USA weigern sich seitdem Songs der einstmals beliebten Musikerin zu spielen. Das wars dann wohl mit dieser Folk-Stimme. Also, nichts mehr mit Michelle Shocked…und dennoch „Anchorage“ ist und bleibt ein toller Song.

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