Der Nichtwahlkampf der Demokraten

Alles läuft auf Hillary hinaus. In den innerparteilichen Umfragen führt sie mit fast 60 Prozent unangefochten. Traumzahlen im Vergleich zum politischen Wahlzirkus der Republikaner, bei dem der Frontrunner Donald Trump noch nicht einmal 20 Prozent in den Umfragen erreicht. Doch in der demokratischen Partei sind nicht alle mit der Überdemokratin zufrieden. Und erst recht nicht mit den anderen Alternativkandidaten. Sie haben, um es milde auszudrücken, schon verloren. Aus diesem Grund werden derzeit Namen gehandelt, um überhaupt so etwas wie einen Vorwahlkampf in Gang zu setzen. Sogar der Clinton Kritiker und Starbucks Vorstandsvorsitzender Howard Schultz wird bereits von Demokraten bedrängt, ins Rennen einzusteigen. Er als politischer Außenseiter und erfolgreicher Unternehmer wäre für einige in der Partei eine ernstzunehmende Alternative zu Super-Hillary.

Joe Biden soll es eventuell noch richten. Foto: AFP

Joe Biden soll es eventuell noch richten. Foto: AFP

Doch der 62jährige ziert sich noch. Sowieso fliegen derzeit wilde Meldungen durch die politische Landschaft. Von wem sie genau gestreut werden, ist nicht zu erkennen. Ob von Demokraten selbst oder von den Republikanern, die von ihrem eigenen Chaos Wahlkampf ablenken wollen.

Wie es heißt, wird auch auf Vize-Präsident Joe Biden eingeredet, dass er für eine Kandidatur bereit sein sollte. Es heißt, Biden und seine Familie hätten auch schon mit Wahlkampfstrategen gesprochen, ob so etwas überhaupt Sinn machen würde. Doch offiziell ist das nicht. Biden hat bislang dazu nichts gesagt. Vielmehr hofft man bei den Demokraten darauf, dass Joe Biden zur Verfügung steht, falls es doch noch Probleme für Hillary Clinton geben sollte. Die EMail Affäre, Benghasi, die Clinton Stiftung, all das könnte zu einer politischen Implosion ihrer Wahlkampfträume führen.

Könnte. Denn daran glauben und vor allem darauf hoffen eigentlich nur die Republikaner, die sich derzeit in „Walking Dead“-Manier die Köpfe einschlagen. Und wer auch immer am Ende aus diesem Massenboxen als Sieger hervorgehen wird, verwundbar mit deutlichen blauen Flecken, der wird sich einer frisch ausgeruhten Schwergewichtlerin gegenüber sehen, die nur darauf wartet, ihre „Punches“ zu setzen. Die Wahl ist eigentlich schon entschieden, wenn Hillary es nicht selbst noch versaut.

Ein „low fat soy milk decaf Latté“ und was halten Sie von Afro-Amerikanern?

Starbucks gibt es hier an fast jeder Ecke. In Banken und an Autobahnen, Einkaufszentren und irgendwo auch dort, wo man es kaum erwartet. Der Kaffeegigant ist mit seinen überteuerten Heiß- und Kaltgetränken einfach überall. Wer stand nicht schon einmal in der Reihe bei Starbucks und vor einem verlangte jemand einen Kaffee, mit so vielen Techniken und Feinheiten, dass man sich fragt, ist das wirklich noch Kaffee, was da am Ende im Becher landet? Und warum wollen die immer meinen Namen wissen, den sie sowieso nicht schreiben können?

Ja, lass uns gemeinsam über die Hautfarbe sprechen.

Ja, lass uns gemeinsam über die Hautfarbe sprechen.

Aber gut, das sind so ein paar grundsätzliche Schwierigkeiten, die ich mit der Kette verbinde. Nun aber will man bei Starbucks ganz was neues machen, man will mit den Kunden über „Race“ sprechen, also über das, was „Caucasians“, „Afro-Americans“, „Latinos“, „Asians“ und „Native Americans“ verbindet oder unterscheidet.

Der oberste Boss von Starbucks, Howard Schultz, erklärte kürzlich, dass er im ganzen Land mit seinen „Partnern“, wie er seine Arbeitnehmer nennt, gesprochen habe, um mehr über ihre Sicht der Dinge zu den jüngsten Rassenunruhen in den USA zu erfahren. Es sei respektvoll und emotional gewesen, erklärte Schultz. Das Ergebnis sei, dass man nun in den Cafés genau über diese Themen mit den Kunden sprechen möchte. Die Mitarbeiter seien gebeten, nicht aufgefordert, worden, auf die Kaffeebecher „Race Together“ zu schreiben, eine Einladung zum Thematisieren, einen Dialog zu beginnen.

Eigentlich eine gute Idee, dass man auf breiter Basis, und das sind die fast 13,000 Starbucksläden in den USA, über dieses Thema sprechen will. Aber bei Starbucks in der Schlange? Wirklich? Da wird die soziale Unternehmensverantwortung etwas falsch betrachtet, denn dieser Dialog muß auf einer anderen Ebene geführt werden. Starbucks kann so etwas anschieben, das ja, doch eine grundlegende Debatte über Bürgerrechte, Gleichberechtigung, Chancengleichheit, Polizeigewalt, Vorurteile sollte nicht im Vorbeilaufen geschehen. Sowieso kommen bei dieser Aktion im Caféladen nicht alle zu Wort, denn die, die es hauptsächlich betrifft, können sich den „low fat soy milk decaf Latté“ bei Starbucks um die Ecke gar nicht mehr leisten.