Die patriotische Football Front

Die NFL, die National Football League, hat immer mal wieder Probleme mit den eigenen Spielern. Greg Hardy von den Carolina Panthers wurde wegen häuslicher Gewalt gegen seine Freundin für schuldig befunden. Doch das war kein Problem für die Dallas Cowboys den „Linebacker“ zu verpflichten. Der Besitzer der Cowboys, Jerry Jones, meinte sogar, Hardy sei „einer der wahren Führungsspieler im Team“. Jones hatte auch schon Josh Brent erneut ins Team geholt, nachdem der alkoholisiert einen Verkehrsunfall verursachte, bei dem sein Mitspieler Jerry Brown ums Leben kam.

Ray Rice von den Baltimore Ravens wurde in einem Aufzug von einer Überwachungskamera gefilmt, wie er seine damalige Verlobte zusammenschlug. Erst liess ihn die NFL fallen, doch dann einigte man sich in einer Klage auf ein Millionen Dollar schweres Abfindungspaket. Und die Fans standen dennoch zu Rice, viele trugen bei Heimspielen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Free Ray Rice“.

Gewalt gegen Freundinnen, Partnerinnen, Ehefrauen ist bei NFL-Spielern keine Seltenheit. Auch die Horrorbilder von Tierquälerei und die folgende Verurteilung von Michael Vick hielten gleich mehrere NFL Teams nicht davon ab, den Quarterback wieder anzuheuern. Vick hatte in einem seiner Häuser einen Hundekampfring aufgezogen. „Verlierer“ wurden erdrosselt, erschossen, ertränkt, erhängt oder mit Elektroschocks hingerichtet. Nach seiner Haftstrafe wurde Vick erst von den Philadelphia Eagles, dann den New York Jets und schließlich von den Pittsburgh Steelers unter Vertrag genommen.

Egal, wie brutal und folgenschwer die Straftaten auch waren, die 32 weißen, superreichen Männer, denen die NFL-Teams gehören, hatten nie ein Problem einem „guten“ Spieler zu verzeihen. Frei nach Johanna von Koczian: Das bisschen Blut, Schlagen und Töten ist ja nicht so schlimm, sagt mein Mann.

Colin Kaepernick (rechts) wagt es mit einem Mitspieler während der Nationalhymne zu knien.

Anders jedoch sieht es da im Fall Colin Kaepernick aus, dem ehemaligen Quarterback der San Francisco 49ers. Kaepernick hat weder um sich geschlagen, ist nicht besoffen oder bedröhnt und mit weitreichenden Folgen durch die Gegend gefahren, hat auch keinem anderen und keinem Tier etwas zuleide getan. Kaepernick hat sich vielmehr hingekniet. Das war alles. Und zwar immer wieder dann, wenn in den Stadien die Nationalhymne angestimmt wurde. Der Footballspieler wollte so ein Zeichen setzen: „Ich werde nicht stehen, um stolz auf die Fahne eines Landes zu sein, in dem Schwarze und Menschen mit dunkler Hautfarbe unterdrückt werden. Für mich ist das wichtiger als Football und es wäre verlogen von mir, das nicht wahrzunehmen. Da liegen Menschen in den Straßen, da bekommen andere bezahlten Sonderurlaub und kommen mit Mord durch.“ Damit spielte Kaepernick auf die „Black Lives Matter“ Bewegung an, auf die zahlreichen Toten nach Polizeiaktionen und die oftmals Straffreiheit der Beamten.

Fan Protest gegen Colin Kaepernick. Fotos: Reuters.

Das war zu viel für die NFL. Zwar schlossen sich einige Mitspieler dem Protest an, auch in zahlreichen High Schools und Colleges knieten sich Footballspieler fortan in Solidarität mit Kaepernick und der „Black Lives Matter“ Movement auf dem Spielfeld hin, doch die Aktion spaltete das Land. Aufruhr in den Stadien, wenn die 49ers spielten, „Fans“ verbrannten Trikots von Kaepernick und posteten die Videos auf youtube, FOXNews berichtete ausführlich darüber, Kaepernick solle doch nach Kuba oder Russland gehen, wenn es ihm hier nicht passe.

Seit März 2017 ist Colin Kaepernick ohne Vertrag. Nicht weil er ein schlechter Spieler oder nicht in Form ist, sondern vielmehr weil kein Team ihm einen Vertrag geben will aus Angst, ein paar „patriotische“ Fans würden ihre Jahrestickets zurückgeben. Das ist die NFL, das ist Amerika im Jahr 2017. Wer einer Frau vor einer Überwachungskamera brutalst ins Gesicht schlägt, wer Spaß daran hat zuzusehen, wie sich Hunde zerfleischen, wer sich und andere besoffen im Straßenverkehr gefährdet, der ist in der „National Football League“ jederzeit wieder willkommen. Wer dagegen ein politisches Statement abgibt, wer den (Schein-)Patriotismus der USA hinterfragt und sei es nur dadurch während des Absingens der Nationalhymne nicht zu stehen, der wird aus der „Sportlerfamilie“ der NFL verbannt. Wie verlogen und heuchlerisch kann der Sport eigentlich noch sein?

 

 

Hundekampf im amerikanischen Südosten

Nach über dreijährigen Ermittlungen schlug man nun endlich zu. Vor ein paar Tagen wurden Häuser in Alabama und Georgia durchsucht, 12 Personen festgenommen, 500.000 Dollar beschlagnahmt und 367 Hunde sichergestellt. Es war ein gezielter Schlag gegen eine Hundekampforganisation im Südwesten der USA. Viele der Tiere waren unterernährt, stark verwundet, mit Flöhen übersät. Der zuständige Staatsanwalt, George Beck, erklärte auf einer Pressekonferenz: „Ich glaube, wenn Danté noch leben und sein „Inferno“ neu schreiben würde, die niedrigsten Orte der Hölle wären für jene reserviert, die unsere Tiere und unsere Kinder quälen“.

Nach wie vor sind Hundekämpfe in den USA beliebt. In jedem Bundesstaat werden immer wieder illegale Gruppen ausgehoben, die auf kämpfende Hunde wetten. Selbst in Oakland gibt es solche… ja, wie nennt man diese Leute, die sich sowas ansehen, darauf wetten, wie sich zwei Hunde zerfleischen?… Unmenschen(!?). Ein Grund für mich, meinen Hund nie vor einem Laden anzuleinen, denn Hunde verschwinden hier spurlos, werden als Köder zum Scharfmachen der Kampfhunde verwendet.

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Hundekampf ist Meinungsfreiheit

Die Amerikaner lieben ihre sogenannte Meinungsfreiheit. Darunter packen sie alles, was woanders als kriminell, geschmacklos, verabscheuend angesehen wird. Nun hat der oberste Gerichtshof in den USA ein Urteil gefällt, das katastrophale Folgen haben wird. In einer 8:1 Entscheidung erklärten die Verfassungsrichter, dass Videos von brutalen Hundekämpfen unter die Meinungsfreiheit, die „Freedom of Speech“ fällt. Hundekampf

Die Richter erklärten ein 1999 vom US Kongress verabschiedetes Gesetz gegen solche Filme als verfassungswidrig. Damals waren rund 3000 Videos von Hundekämpfen im Handel. Der Gesetzgeber reagierte und machte solche Filme illegal, klagte einen Händler an, der sich als „Journalist und Autor“ bezeichnet. Doch der Mann ging in die Berufung, bis der Fall schliesslich vor dem Verfassungsgericht landete. Die Folgen dieses Urteils sind schon jetzt zu sehen, brutalste Kampffilme, sogenannte „Crush Videos“ zwischen Hunden sind bereits wieder auf dem Markt, diesmal ganz legal erhältlich. Armes Amerika!