Es wird sich nichts ändern

Amoklauf Isla Vista     

Eine Schießerei folgt auf die andere. Ein Amoklauf auf den anderen. Jedes Jahr werden in den USA fast 15.000 Menschen erschossen. Jahr für Jahr. Amerika hat ein Waffenproblem. Das ist nichts neues. Daran hat auch ein Amoklauf wie im Dezember 2012 nichts geändert, als 28 Menschen, darunter 20 Kleinkinder, in der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Connecticut erschossen wurden. Seitdem, also in den letzten 17 Monaten, wurden in den USA 72 (!) Schießereien in Schulen und an Universitäten gezählt. Es war nicht immer ein Amoklauf, aber Waffen wurden gezogen, es wurde geballert, es gab Tote und Verletzte. Amerika handelte nicht nach den Morden an Kleinkindern, Amerika handelte seitdem nicht und Amerika wird auch nun nicht handeln.

Elliot Rodger nahm sein Grundrecht auf Waffenbesitz in den USA wahr. Er kaufte sich ganz legal und in einem Laden zwei Pistolen der Marke Sig Sauer, Model, p226 und eine Glock 34. Dazu Unmengen an Munition. Und das in einem Bundesstaat, der die schärfsten Waffengesetze in den USA verankert hat. Rodger war auf einen Krieg vorbereitet, einen persönlichen Rachefeldzug, wie er es sah. Denn Mädchen und Frauen hatten ihn nicht beachtet. Auf junge Männer, die Freundinnen hatten, war er neidisch. Elliot Rodger veröffentlichte Videos auf YouTube, schrieb ein längeres Manifest, in dem er „sein Leben“ beschrieb, „My Twisted World“. Ein junger Mann, der alle Möglichkeiten hatte, der jedoch voller Komplexe und Minderwertigkeitsgefühle steckte. Das Ende seines Schreibens liest sich wie der Anfang vom Ende:

„Why do things have to be this way? I’m sure that is the question everyone will be asking after the Day of Retribution is over. They will all be asking why. Indeed, why? That is the question I’ve had for everyone throughout all my years of suffering. Why was I condemned to live a life of misery and worthlessness while other men were able to experience the pleasures of sex and love with women? Why do things have to be this way? I ask all of you.

All I ever wanted was to love women, and in turn to be loved by them back. Their behavior towards me has only earned my hatred, and rightfully so! I am the true victim in all of this. I am the good guy.
Humanity struck at me first by condemning me to experience so much suffering. I didn’t ask for this. I didn’t want this. I didn’t start this war… I wasn’t the one who struck first… But I will finish it by striking back. I will punish everyone.
And it will be beautiful. Finally, at long last, I can show the world my true worth.“

“A spoiled rich white brat”

Die Kommentare unter Onlineartikeln und in verschiedenen Social Networks reichen von Trauer, Unverständnis, bis hin zu Wut und Häme. Elliot Rodger hatte alles und machte andere für seine Minderwertigkeitsgefühle und Depressionen verantwortlich. Als Sohn eines Hollywoodproduzenten und einer Schauspielerin, mit Geld und eigenem BMW, einem Studium, mit Möglichkeiten im Leben, er verbaute sich das Leben selbst. Beendete alles mit seinem Amoklauf am Freitagabend, der sieben Menschen das Leben kostete und 13 Personen verletzte. Im Rückblick deutet vieles im Leben des 22jährigen auf ein dramatisches Ende hin, doch die Zeichen wurden nicht erkannt. Warum auch immer.

Zuerst erstach er am Freitagabend drei junge Männer in seiner Wohnung, bevor er in seinem Hass auf Frauen zum Haus der Studentenverbindung Alpha Phi fuhr, dort laut an die Tür klopfte, doch niemand öffnete. Drei junge Frauen, die zufällig in der Nähe standen, wurden sein Ziel und seine Opfer. Zwei starben im Kugelhagel, die andere ließ er in ihrem Blut liegen. Elliot Rodger setzte sich in seinen BMW und fuhr los. Das Ziel, ein kleiner Eckladen. Dort stieß er auf den 20jährigen UCSB Studenten Michael Martinez. Auch er mußte sterben. Wieder setzte sich Rodger in seinen Wagen und raste durch die „Beach Community“ Isla Vista, schoß wahllos auf Passanten und versuchte andere mit seinem Auto zu überfahren. Zweimal feuerte auf Polizisten, die ihn mittlerweile verfolgten. Die ballerten zurück, verletzten den 22jährigen an der Hüfte. Schließlich und endlich rammte Elliot Rodger einen parkenden Wagen und erschoß sich selbst, so die Angaben der Polizei. In seinem Auto wurden drei semi-automatische Waffen mit mehr als 400 Schuß Munition gefunden. Rodger hatte sich auf einen Krieg vorbereitet.

7 Menschen sind tot, 13 Verletzte, eine Gemeinde im Schock. Und jeder kennt nun Elliot Rodger. Die Familie hatte Ende April die Polizei alarmiert aus Angst vor einem Selbstmord oder einer Gewalttat. Sie hatten die verstörenden Videos ihres Sohnes auf YouTube gefunden und gesehen. Beamte besuchten Elliot Rodger in seinem Apartment und redeten mit ihm. Er sei schüchtern und höflich gewesen, so der Bericht der Polizei. Er habe zwar Probleme sich ins soziale Leben der Studentengemeinde einzufügen, aber man sehe keinen Bedarf ihn unter ärztliche Überwachung zu stellen. In einem Video erklärte Elliot Rodger anschließend: „Wenn sie verlangt hätten, mein Zimmer zu durchsuchen…das hätte alles beendet. Für ein paar schreckliche Sekunden dachte ich, jetzt sei alles vorbei“. In seinem Zimmer lagen die drei Tatwaffen und die Munition, die er am Freitagabend verschoß.