Osama soll Obama helfen

Seit langem schon arbeiten die Regisseurin Kathryn Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal an einem Film über die Jagd auf den Terrorfürsten Osama bin Laden. Und dann, am 2. Mai, wurden sie von der Nachricht überrascht, dass Bin Laden in einer Geheimmission amerikanischer Elitetruppen erschossen wurde. Bigelow und Boal, die für „Hurt Locker“ den Oscar bekamen, überlegten nur kurz, ob diese neue Sachlage ihrem Filmprojekt ein Ende setzt.

Nein, ganz im Gegenteil, denn anscheinend hat das Weiße Haus Wind von den Plänen bekommen und findet die Idee durchaus unterstützenswert. Drehbuchautor Boal hat sogar Zugang zu Treffen des Militärs und der Navy Seals bekommen, die ansonsten eher hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Obama Administration scheint einen Hintergedanken bei all der Freundlichkeit zu haben. Der Kinostart für den Osama-Jagd Streifen ist auf den 12. Oktober 2012 festgesetzt, also weniger als vier Wochen vor der Wahl. Obama als amerikanischer Held und Terrorjäger.

Natürlich führt das zu Aufregung bei den Republikanern, immerhin hatte ihr Präsident Bush die Jagd auf Bin Laden mit den Worten „Dead or Alive“ eröffnet. Auch sehen sie die Sicherheitslage gefährdet, wenn einem Drehbuchautoren Zugang zu den geheimen Navy Seal Kommandos gegeben wird. Der republikanische Abgeordnete Peter King hat deshalb jetzt eine Untersuchung der Vorfälle gefordert. Was wissen Bigelow und Boal von den Navy Seals und wie hat das Weiße Haus dabei mitgeholfen? King kritisiert auch den Zeitpunkt des Filmstarts, den er schon jetzt als billigen Werbefilm für den demokratischen Präsidenten abtut.

Kathryn Bigelow und Mark Boal verstehen die ganze Kritik nicht. In einer Erklärung ihres Büros heisst es: „Unser geplantes Filmprojekt über die Jahrzehnte lange Jagd auf Bin Laden ist schon seit Jahren in Arbeit und beinhaltet die gemeinsamen Anstrengungen von drei Administrationen, von Präsident Clinton, Bush und Obama, und dem Verteidigungsministerium und der CIA. Es war ein amerikanischer Triumph, heroisch und überparteilich. Es gibt keine Grundlage dafür, dass wir diesen enormen Sieg anders darstellen werden.“