Durch das weite Land

Es muss hinter Idaho Falls an einer Tankstelle gewesen sein. Da meinte einer mit Blick auf mein kalifornisches Kennzeichen, ich sei ja weit weg von zu Hause. Wohin ich denn wolle, fragte er. In die UP, die Upper Peninsula von Michigan, antwortete ich. “Are you crazy? Why don’t you fly?”. Ich zeigte auf meine Begleiterin, Käthe, eine vierjährige Schäferhund-Huskie Hündin, die mir ganz interessiert beim Tanken zuschaute. Er lachte nur, “you crazy Californians”.

Geradeaus, immer geradeaus.

2305 Meilen, das sind 3709 Kilometer. Von Oakland nach Twin Lakes, in der Upper Peninsula von Michigan. Einmal quer durchs Land und doch erreiche ich nicht die andere Küste. 1999 bin ich diese Strecke zum ersten Mal gefahren, damals mit einem Isuzu Trooper. Danach mehrmals mit meinem VW Bus, einem Eurovan, den ich 2002 erwarb. Der hat mittlerweile rund 325.000 Kilometer auf dem Buckel, viele Schrammen, die dritte Windschutzscheibe, doch ich liebe diesen Wagen. Er hat sogar noch einen Kassettenrekorder, kein Gefiepe beim Ein- und Ausparken, keine Sitzheizung und nicht allzu viele Lämpchen, die aufleuchten. Er fährt und fährt und fährt.

Mit diesem VW Bus werde ich bald wieder auf die lange Reise gehen, vollgepackt, mein Fahrrad dabei und Käthe liegt auf der hinten umgeklappten Rückbank. Meist döst sie vor sich hin oder schaut aus dem Fenster, manchmal höre ich sie schnarchen. Und dann kommt sie die paar Schritte auch immer mal wieder nach vorne zu mir, so, als ob sie kontrollieren will, ob ich noch fit bin, denn ich fahre diese Strecke fast durch. Um die 40 Stunden brauche ich, darin einbezogen sind etliche “Power Naps”, 30-45 Minuten Schlafeinheiten, um die Augen ruhen zu lassen.

Ich freue mich jedesmal auf diese lange Fahrt. Sie ist anstrengend, doch auch irgendwie befreiend. Der Weg ist das Ziel, gerade wenn man die übervolle San Francisco Bay Area hinter sich lässt. Der Verkehr auf dem Interstate 80 wird hinter Sacramento weniger, rechts geht es ab nach Folsom, wo das berühmte kalifornische Gefängnis liegt und einst Johnny Cash sein berühmtes Konzert hinter den Knastmauern spielte. Vorbei an Auburn und Truckee, dem Lake Tahoe, über die Berge der Sierra Nevada. Dann kommt die Grenze zu Nevada, dahinter gleich Reno, das etwas stiefmütterliche Spielerparadies, bekannt auch durch seine Conventions, die es nicht nach Las Vegas schaffen.

Irgendwo in Nevada.

Etwa 40 Meilen hinter Reno kommt Fernley, hier geht es nach Norden, wenn man zum alljährlichen “Burning Man” Festival in die Black Rock Desert will. Danach wird es richtig ruhig auf dem 80er. Links und rechts des Freeways wird es karg, der Blick weit, Hundert Kilometer und mehr kann man sehen, keine Gebäude, keine Strommasten, es geht nur noch geradeaus. Nevada ist der siebtgrößte Bundesstaat mit gerade mal etwas über drei Millionen Einwohnern. Viel Land in diesem Bundesstaat ist als Militärsperrgebiet ausgeschrieben, darunter auch die berühmt-berüchtigte Area 51.

In Nevada beginnt für mich die eigentliche Fahrt. Den Gedanken nachhängen, Meile für Meile. Die Weite der Landschaft, der ferne Horizont, die stressfreie Fahrt lassen einen tief in sich versinken. Die Schönheit der kargen Landschaft, ja, das ist Amerika. Das ist auch Amerika. Washington, Donald Trump, Skandale, Politik, all das ist ganz weit weg. Irgendwie kommen mir auf dieser Strecke immer die alten Karl May Filme in Erinnerung, der wilde Westen. Ich denke daran, wie es wohl war, damals, in den Westen zu ziehen, in ein unbekanntes Land voller Gefahren. Nicht wissen, wohin es geht, was noch kommen wird. Durch diese öde Landschaft ziehen, immer weiter in der Hoffnung auf fruchtbaren Boden.

Und doch, hier leben Menschen. Ich fahre gerne von der Interstate ab, um eine Pause zu machen. Manchmal sind es nur ein paar Häuser, die da neben einer Tankstelle stehen, staubig, Tumbleweeds rollen über die Straße. Was macht man hier, wie lebt man hier in der Mitte von Nirgendwo? Auf dieser Strecke quer durch das Land gibt es viele solcher Orte, die wie aus einer Episode der Twilight Zone Serie stammen könnten. Hier will man nicht stranden, nicht lange bleiben, nur weiter auf dem endlos scheinenden Teerband der Interstate. Vorbei an Winnemucca, an Battle Mountain, an Elko bis Wells. Dort fahre ich von der Interstate 80 ab, tanke voll, gehe mit Käthe ein paar Schritte spazieren, bevor es auf dem Highway 93 Richtung Norden, Richtung Idaho geht. Twin Falls erreiche ich meistens in der Nacht, dort geht es wieder etwas Richtung Westen.

Der weite Himmel über Montana.

Es gibt mehrere Möglichkeiten von Oakland in die UP zu fahren, ich wähle immer die nördlichste Route, die ist in den heißen Sommermonaten meist etwas kühler, durch das Farmland von Idaho Richtung Yellowstone National Park, den ich westlich auf einem kurvigen, engen Highway passiere, immer weiter nach Norden. Hier grenzen Idaho, Wyoming und Montana aneinander, hier ragen die Berge der Rocky Mountains auf. Hier ist das konservative “Heartland” Amerikas, hier ticken die Uhren ganz anders. Trump und NRA Aufkleber auf den Autos, “Gun Racks” Gewehrhalterungen, in den Pick-up Trucks. Die Landschaft ist wunderschön, man sieht im Vorbeifahren Bisons und Hirsche, Koyoten und Füchse, nachts haben schon ein paar Bären vor mir die Straße überquert.
Dort liegt Big Sky, eine Ortschaft, die diesen Namen wahrlich verdient. Der Nachthimmel zwischen den hoch aufragenden Bergen ist unbeschreiblich schön, spirituell in seiner ganzen Pracht. Es sind diese Augenblicke, die die Strapazen einer 40 Stunden Fahrt verschwinden lassen. Natürlich könnte ich irgendwo anhalten, mir ein Zimmer nehmen, übernachten, doch ich will ankommen und fahre weiter.

Bei Bozeman treffe ich auf die Interstate 90, die bei Billings in die 94 übergeht, es geht norwestlich weiter, die Grenze zu North Dakota liegt vor mir, hier habe ich schon 1400 Meilen hinter mich gebracht. Vor mir liegt die endlose Weite von North Dakota, der 94er zieht sich schnurgerade durch den Bundesstaat. Links und rechts nur Einöde. In der Mitte von North Dakota liegt Bismarck, die Hauptstadt des Staates. Hier existierte ein Internierungslager, in dem im Zweiten Weltkrieg viele Deutsche untergebracht waren, einer von ihnen war Max Ebel, der schon in den 30er Jahren vor den Nazis aus Deutschland floh, um dann in der Hysterie nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor in die Fänge des FBIs zu geraten. Er verbrachte ein paar Jahre im Lager “Fort Lincoln”. Max Ebel lernte ich vor etlichen Jahren kennen, er erzähle mir seine Geschichte, an der er fast zerbrach. Immer wenn ich an Bismarck vorbei fahre, denke ich an ihn. Ich sollte “Fort Lincoln” mal besuchen, bislang, auf all den Fahrten gen Osten und gen Westen hat es noch nie geklappt. Vielleicht verbinde ich das mal mit meinem Traum, von Oakland in die UP nur auf Highways zu fahren, lokale Museen und Sehenswürdigkeiten zu besuchen und viel Zeit auf diesem Weg zu verbringen.

Wenn ich mich mal für eine halbe Stunde hinlege und die Augen schließe passt Käthe auf.

Von Fargo geht es ab von der Interstate auf den Highway 10, dann auf den Highway 210, quer durch Minnesota Richtung Duluth. Meist fahre ich nachts durch Minnesota. Einmal wurde ich gegen drei Uhr morgens von der Highway Patrol angehalten, weil ich einen mir entgegen kommenden Wagen mit meinem Fernlicht angeblinkt hatte, denn dieser blendete mich mit seinem Fernlicht. Es war die Highway Patrol, die ich da angeblinkt hatte. Er stoppte mich auf einer verlassenen Strecke des 210, stieg aus und kam langsam auf der Beifahrerseite zu meinem VW Bus. Im Seitenspiegel konnte ich beobachten, wie er den Verschluss seines Pistolenholsters löste. Das ist Routine, kein Polizist weiß, in welche Situation er in solch einem Augenblick kommt. In einem schwerbewaffenten Land wie den USA ist alles denkbar. Ich öffnete das Seitenfenster und fragte, warum er mich stoppe. Der Beamte sagte, ich hätte ihn angeblinkt, was nicht erlaubt sei. Ich antwortete, seine Scheinwerfer hätten mich geblendet. Er leuchtete mit einer Taschenlampe in meinen vollen Wagen, sah Käthe, die ihn einfach nur anschaute. Er wollte daraufhin meinen Führerschein und die Fahrzeugpapiere sehen und fragte, woher ich komme. Ich sagte, aus Kalifornien und sei auf dem Weg in die UP nach Michigan. Nach der Prüfung meiner Papiere wünschte er mir eine gute und sichere Weiterfahrt. Ich nahm das zum Anlass, mal wieder länger anzuhalten, die Augen ruhen zu lassen.

Die letzte Etappe von Duluth, entlang der Küste des Lake Superior in Wisconsin zur Staatsgrenze nach Michigan zieht sich besonders lang hin. An diesem Punkt bin ich übermüdet, das Ziel quasi schon vor Augen und die Meilen werden nicht weniger. Der Highway ist langsam, kurvenreich, vorbei an Iron River, Ashland, Ironwood. Dort geht es dann wieder nach Norden, endlich in die UP.

Die Upper Peninsula war einst das Ziel vieler Einwanderer aus Europa. Finnen, Italiener, Tschechen, Polen, Deutsche, sie alle kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, um in den Kupferminen zu arbeiten und in der boomenden Region dieser Halbinsel eine neue Heimat zu finden. Noch immer sind in der UP riesige Vorkommen an Kupfer zu finden, hier soll es das reinste Kupfer der Welt geben, doch die Gesteinsbrocken sind so gross, zu teuer, um sie abzubauen. Seit den 1920er Jahren wurde eine Mine nach der anderen geschlossen. Überall findet man hier Geisterstädte, überwucherte Ansiedlungen und Industrieanlagen, die Natur holt sich das zurück, was ihr genommen wurde. Die Region ist eine vergessene Region in den USA. Die Winter sind lang und hart. Im September kann es schon schneien, im Mai fällt der letzte Schnee.

Es ist einsam hier oben an dem kleinen See, der mein Ziel ist. Doch es ist wunderbar, idyllisch, unbeschreiblich. Ein innerer Friede, ein Abschalten, ein in sich gehen. Mit dem Kayak nachts um halb elf auf den See zu paddeln, das Abendrot im hohen Norden zu bewundern, die Ruhe wirken zu lassen. In solchen Momenten weiß ich, warum ich immer wieder hierher komme an den Lake Roland. Der Weg ist das Ziel. Und das Ziel hilft auf dem Weg, der da kommen mag.

Die Geschichte vom Wolf

Eines der faszinierendsten, spannendsten, und bewegendsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe ist “American Wolf” von Nate Blakeslee. Erzählt wird die Geschichte der Wölfe im Yellowstone Nationalpark seit ihrer Wiederansiedlung 1995. Blakeslee erhielt dafür Zugang zu den Aufzeichnungen etlicher Wolf-Beobachter, die Tag für Tag und das ganze Jahr über Wölfe beobachten, ihr Verhalten und ihr Leben dokumentieren.

“American Wolf” gibt einen Einblick in das Leben dieses Raubtieres, aber auch in die amerikanische Politik und das Denken von Jägern, die Wölfe als Trophäen erschießen. Politiker, die Wölfe abschlachten lassen, um ihre Wiederwahl zu sichern. Jäger, die dieses beeindruckende Tier in einem bescheuerten Egotrip zur Strecke bringen. Es ist nahegehendes Buch um Leben und Tod. Der Wolf wird hier nicht vermenschlicht und doch fühlt man mit den Rudeln, die ihren täglichen Kampf ums Überleben durchmachen. Viele der beschriebenenen Beobachtungen erinnerten mich an meinen Hund, einen Huskie-Schäferhund Mischling, spannend zu lesen und zu lernen, woher manches Verhalten kommt.

Nate Blakeslee schafft es in diesem Buch ohne Gefühlsduselei, Schönfärberei und Verharmlosung eine mitreißende Naturgeschichte zu erzählen, die sich im ältesten Nationalpark der Welt abspielt. Eine Schutzzone, in der sich seit 1995 der Canis Lupus wieder entwickeln darf und dadurch den Park und das Leben darin verändert hat. Es ist ein wichtiges Buch in einer Zeit, in der solche Schutzzonen mehr denn je gebraucht werden und in der Politiker offen dem Natur- und Tierschutz den Kampf angesagt haben. „American Wolf“ macht nachdenklich und ist dennoch auch ein hoffnungsvolles Buch. Denn es ist eine Geschichte die Mut macht, die vom Überleben und von der persönlichen Überzeugung erzählt.

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America the beautiful

3500 Kilometer liegen hinter mir. Fast einmal quer durchs Land. Durch Nordkalifornien nach Nevada, den Bundesstaat von West nach Ost durchfahren, dann Richtung Norden durch Idaho, rüber nach Montana, entlang des Yellowstone National Parks. Montana durchkreuzt, den langen Freeway in North Dakota abgefahren, bei Fargo dann auf den Highway Richtung Minnesota eingeschwenkt. Bei Duluth nach Wisconsin rein, von dort noch weiter nördlich bis zur Upper Penninsula von Michigan. Das alles nur mit ein paar „Power Naps“ geschafft.

Eine Endlosfahrt durch Amerika.

Eine lange, endlos erscheinende Autofahrt durch ein Land, das mir auch noch nach 22 Jahren fremd und gleichzeitig neu ist und dennoch faszinierend bleibt. Amerika ist ein wunderschönes Land, in das es sich lohnt zu reisen. Nicht nur nach New York, Florida, Las Vegas und Kalifornien. Wer die USA verstehen lernen möchte, der muss ins Landesinnere fahren. Nach Elko, Bozeman, Bismarck, Duluth, Houghton und viele andere Kleinstädte auf dem Weg von West nach Ost.

Auf dieser Fahrt durch die unvereinigten Staaten von Amerika hörte ich B5 Aktuell, Deutschlandfunk, NPR, Al Jazeera, BBC, das Smartphone macht es möglich. Und alle berichteten von Donald Trump und seinem Treffen mit Vladimir Putin in Helsinki. Berichte, Analysen, Reaktionen. Donald Trump der seltsame, selbstverliebte, unkonventionelle, rüpelhafte Präsident der USA. Und dann diese Bilder von diesem weiten, offenen, wunderschönen Land. Menschen, an allen Tank- und „Dog Business“ Stopps, die freundlich, interessiert, humorvoll waren. Ich war überrascht, dass ich im Landesinneren nicht auf Unmegen an Trump Aufkleber und MAGA-Hüten stieß. Diese Fahrt durch Amerika führte mir auch wieder mal vor Augen, warum ich dieses Land auch nach 22 Jahren noch liebe.

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht…

Es geht voran. In drei weiteren Bundesstaaten wurde am Dienstagabend gewählt. Arizona fiel an Hillary Clinton und Donald Trump. Utah an Bernie Sanders und Ted Cruz. Und in Idaho lag am Ende auch Bernie Sanders vorne. Die republikanischen Wähler waren dort noch nicht zur Stimmabgabe dran.

Die Wahl zwischen Ted Cruz und Donald Trump kommt einer Wahl zwischen Erschießen und Erhängen gleich, so bezeichnen es zahlreiche Republikaner. Foto: Reuters.

Die Wahl zwischen Ted Cruz und Donald Trump kommt einer Wahl zwischen Erschießen und Erhängen gleich, so bezeichnen es zahlreiche Republikaner. Foto: Reuters.

Der Ausgang der Wahlen war so erwartet worden. Keine Überraschungen. Auch die Klatsche von Trump in Utah war vorhersehbar. Im Mormonenstaat kam die große Klappe des Donald nicht an. Ted Cruz siegte dort, vor allem auch mit seiner Message nach religiöser, sprich christlicher Toleranz. Was jedoch unangenehm auffiel, waren die langen Schlangen für die Wähler. Zum Teil warteten sie bis zu fünf Stunden, um ihre Stimme abzugeben. Gerade Arizona fiel unangenehm auf. Zuvor hatte die republikanische Gouverneurin und Trump Unterstützerin, Jan Brewer, angeordnet, die Anzahl der Wahllokale drastisch zu verringern. Das ist auch eine klare (un)demokratische Ansage.

Unterdessen hat sich der einstige Hoffnungsträger der Partei, Jeb Bush, auf die Seite von Ted Cruz geschlagen. Nur Cruz könne noch die „Obszönität“ eines Donald Trump stoppen, so Bush. Die Unterstützung des ehemaligen Gouverneurs von Florida kommt genau im richtigen Moment für Cruz, den viele in der eigenen Partei ablehnen. Bush zeigt damit, dass es nur noch einen Weg gibt, um den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu stoppen: Die Reihen müssten sich hinter Cruz formieren. So hatte auch schon Mitt Romney argumentiert, der anfangs John Kasich und in Utah dann Ted Cruz unterstützte.

Die Frage bleibt jedoch, ob Cruz wirklich eine Mehrheit im republikanischen Lager bekommen kann. Er gilt als Querulant, als Fundamentalist, als Radikaler, als von der Tea-Party Fraktion unterstützter Kandidat. Sprüche, wie die jüngste Forderung Cruz‘ nach den Anschlägen in Brüssel, „muslimische Nachbarschaften (in US Städten) zu patroullieren und zu kontrollieren“ sind selbst in der Grand Old Party nicht mehrheitsfähig. Von daher kann die Unterstützung von Jeb Bush für den texanischen Senator auch als Griff nach dem letzten Strohhalm vor dem Untergang der GOP gewertet werden. Denn noch als Kandidat hatte Jeb Bush die Forderung Trumps nach einer Registrierung alles Muslime im Land als „abscheulich“ bezeichnet.

 

Das ist auch Amerika

Ich schreibe in diesem Blog viel über die amerikanische Politik, die Gewalt in US Städten, seltsame Dinge, die sich hier zutragen. Es sind viele negative Beiträge über ein Land das gespalten, über eine Gesellschaft, die geteilt ist. Washington gleicht einem Tollhaus, die Diskussionen um Waffengewalt und Waffenbesitz grenzen an Hirnrissigkeit, der amerikanische Patriotismus ist für mich auch nach 19 Jahren nicht nachvollziehbar.

Ein Wolf im Yellowstone Nationalpark.

Ein Wolf im Yellowstone Nationalpark.

Und doch die USA sind auch ein wunderschönes Land, das man entdecken sollte. Allein hier am Golden Gate ist man oftmals überwältigt von der Natur. Einmalige Ausblicke, die einem fast den Atem rauben. Das erste Mal war ich 1987 in den USA, seitdem bin ich mehrmals kreuz und quer durch das Land gefahren. Habe Nationalparks und State Parks besucht, war in den Rocky Mountains und an den großen Seen, habe die Wüste unter den Füßen gespürt und meine Beine im Mississippi baumeln lassen. Amerika ist ein faszinierendes, ein wunderschönes und reiches Land.

Gestern habe ich dieses beeindruckende Video gesehen. Es zeigt den positiven Effekt auf den Yellowstone Nationalpark in Wyoming, Montana und Idaho nachdem Anfang der 90er Jahre sich dort wieder Wölfe ausbreiteten. Eine wunderschöne, einzigartige Landschaft, die man sehen sollte und die ich jedem USA Reisenden nur empfehlen kann. Die amerikanischen Nationalparks sind sowieso etwas ganz besonderes. Schon 1916 erkannte man die Notwendigkeit diese Gebiete unter Naturschutz zu stellen und ein einigermaßen akzeptables Gleichgewicht zwischen Natur und Tourismus zu schaffen.

Doch zurück zum Yellowstone Nationalpark und den Wölfen.

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Amerika im Umbruch

2004 verlor John Kerry die Präsidentenwahl. George W. Bush und sein Politarchitekt Karl Rove hatten einen Wahlkampf um Moral und Familie losgetreten, der Amerika erschütterte und verändern sollte. Bush sprach offen von einem Verfassungszusatz, für den er sich einsetzen wollte. Die Ehe, so Bush, sei nur zwischen einem Mann und einer Frau möglich. Niemand wolle die „San Francisco Values“ im Land. Damit spielte Bush auf den Alleingang von Bürgermeister Gavin Newsom an, der die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern erlaubte.

Alle Protestse halfen nichts. Gleichgeschlechtliche Ehen sind nun fast überall in den USA erlaubt.

Alle Protestse halfen nichts. Gleichgeschlechtliche Ehen sind nun in den meisten Bundesstaaten der USA erlaubt.

Karl Rove wandte sich an christliche und konservative Organisationen, mobilisierte Wählerinnen und Wähler in einer Angstkampagne und schaffte schließlich das unmögliche. George W. Bush wurde trotz der katastrophalen Situation im eigenen Land, im Irak und Afghanistan wiedergewählt. Die USA machten einen Rechtsruck, viele Bundesstaaten verankerten in ihren Verfassungen ein Eherecht zwischen Mann und Frau.

Zehn Jahre später sieht alles anders aus. Mehr und mehr Bundesstaaten erlauben die Heirat von zwei Männern und zwei Frauen. Gesetze, die in der Folge des 2004er Wahlkampfes verabschiedet wurden, fallen reihenweise. Verfassungsgerichte erklären sie meist kommentarlos für verfassungswidrig. Anfangs war der Aufschrei noch groß, doch mittlerweile wird immer deutlicher, dass die USA sich wieder in der Mitte des politischen Spektrums einpendeln. In diesen Tagen erklärten Gerichte in Virginia, North Carolina und Idaho ein Verbot der Homo-Ehe für unrechtmäßig. Kein großes Aufbrausen folgte, vielmehr ein Abnicken. Genau so soll es sein.

Kein Wunder also, dass in jüngsten Umfragen von Gallup herauskam, dass eine Mehrheit der jungen Wähler zwischen 18 und 29 Jahren mehr den Demokraten zuneigt. 53 Prozent der Befragten stimmen mehr mit ihnen überein, 35 Prozent gaben an, die Republikaner zu wählen. Der Großteil der Befragten erklärte, dass die Sozialpolitik der Demokraten ihnen eher zusage, dabei wurde auch immer wieder auf die Position der Präsidentenpartei bezüglich „Gay Marriage“ und die Gesundheitsreform verwiesen.

Die Republikaner haben derzeit ein Problem, sie erreichen kaum noch die junge Wählerschicht. In der Umfrage wurde deutlich, dass viele Neuwähler die Republikaner als eine Partei alter, weißer Männer sehen, die eng mit Wirtschaftslobbyisten verbunden ist. Kein guter Ruf für eine Partei, die wieder Verantwortung im Land übernehmen will.

Eine totale Schweinerei

Munition gegen Islamisten     

Man solle 72 Jungfrauen retten und „Put some Ham in MoHAMed“, also etwas Schweinefleisch für den Propheten Mohammed. Das sind die Werbeslogans der kleinen Munitionsfirma „Jihawg Ammo“. Gegründet 2010, als „Patrioten aus Idaho County, Idaho, um ein Lagerfeuer sassen und ein Erwachsenen Getränk genossen“. Man redete erhitzt über den geplanten Moscheenbau am Ground Zero, ein Unding sei das, direkt dort, an diesem heiligen Platz Amerikas ein islamisches Gotteshaus zu errichten. Damit würde man den Amerikanern praktisch jeden Tag „die Nase in diese Tragödie drücken“. Das dort keine Moschee gebaut wird, hat sich wahrscheinlich noch nicht bis Idaho rumgesprochen.

Es mußte was getan werden in einem Land, in dem schon der Präsident den Mittelnamen „Hussein“ trägt, entschlossen sich die Feierabendpatrioten in Idaho. Doch was könnte man nur gegen den Dschihad und das Scharia Gesetz machen. Der Alkoholspiegel stieg am Lagerfeuer und so kam man auf die Idee, die Islamisten in ihrem heiligen Krieg nicht nur umzbringen, sondern auch noch gleichzeitig in die Hölle zu schicken. Munition, die mit einer schweinefetthaltigen Glasur umhüllt ist. Das sei die Lösung. Bumm, böser Islamist tot, und das Schweinefett sorgt auch noch dafür, dass der bärtige Gotteskrieger nicht zu Allah und seinen versprochenen 72 Jungfrauen kommt. Und das Sahnehäubchen im Kampf um Himmel und Hölle, die Munition ist „Made in USA“. Uncle Sam läßt grüßen.

Gesagt-getan, „Jihawg Ammo“ wurde gegründet, als Teil des Kriegs gegen den islamistischen Terror. So zumindest haben es sich die patriotischen Idahoaner vorgestellt. Doch ganz so einfach scheint es dann doch nicht zu sein mit dem „Highway to Hell“ für Osamas Kumpel.  Man will es nicht glauben , doch eine Religionsexpertin hat sich bereits zu Wort gemeldet: „Es gibt keine Strafe im Koran für das Berühren von Schwein. So weit ich weiß, würden Moslems nicht vom Himmel ausgesperrt werden, wenn sie Schwein essen oder davon getroffen werden“, weiß Shannon Dunn, Professorin für religiöse Studien in einem Interview. Und sie hat ja wohl den direkten Draht zu Jesus, Buddha, Shiva und eben Mohammed.

Doch die Munition kommt an und verkauft sich. Die Facebook Seite von „Jihawg Ammo“ hat bereits tausende Fans und wie die Firma selbst erklärt, „die Patronen sind ganz normal einsetzbar“, nur man sei eben schon jetzt für den Ausbruch des Dschihad in Amerika vorbereitet. In Zukunft werden also die Enten und das Wild in Amerikas Weiten mit Schweinfett glasierten Patronen beschossen.

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Behördenchef erschießt Berglöwen

Sein Job ist, die Tiere in Kalifornien zu schützen. Dazu gehört auch, dass seit 1972 bestehende Abschussverbot von Berglöwen einzuhalten. Doch Daniel Richards, Präsident der „California Fish and Game Commission“, der quasi Jagdaufsichtsbehörde im Bundesstaat, muß sich nun Rücktrittsforderungen stellen. Richards war zu einem Jagdaufenthalt nach Idaho gefahren, hatte dort 7000 Dollar gezahlt, um einen Berglöwen jagen zu dürfen. Nicht nur das, er fand auch einen ruhig auf einem Ast liegend, erschoß ihn und posierte dann für ein Bild, das anschließend veröffentlicht wurde. Darunter der Kommentar von Daniel Richards: „Ich bin froh, dass es legal in Idaho ist“.

Mehr als 40 Abgeordnete des kalifornischen Parlaments und auch weitere hohe Regierungsmitglieder fordern nun den Rücktritt Richards, der 2008 von Gouverneur Arnold Schwarzenegger eingesetzt wurde. Der Vize-Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom, erklärte, Richards solle seinen Hut nehmen, denn „Ihre Handlungen entsprechen nicht den Werten der Menschen in Kalifornien“.

Return of the Wolverine

WolverineEin Wolverine (Gulo gulo), oder wie er auf Deutsch heisst, ein Vielfrass ist in Nordkalifornien aufgetaucht. Das Männchen wurde in der Nähe von Truckee entdeckt. Und das ist eine Überraschung, denn eigentlich wurde vor rund 90 Jahren dem letzten Wolverine in Kalifornien das Fell über die Ohren gezogen, er wurde Opfer der Pelzindustrie. Einige Wolverines leben heute noch zwei Bundesstaaten weiter in Gebieten von Idaho, das ist aber rund 1300 Kilometer entfernt. Normalerweise wandern Wolverines rund 35 Kilometer pro Tag. Doch Buddy, wie er getauft wurde, scheint wohl auf seiner Wanderung die Rockies, die Blue Mountains im Nordosten von Oregon und den Lassen National Park durchquert zu haben, um bis in die Tahoe Gegend zu gelangen.

Der einsame Wolverine, das grösste seiner Art aus der Familie der Marder, ist anscheinend auf der Suche nach einem Weibchen. Wissenschaftler, die das Verhalten des Tieres beobachten, vermerkten, dass er seinen maskulinen Duft verbreite, um auch mal wieder etwas „Action“ zu bekommen. Bislang ergebnislos, denn in der Truckee Gegend wurden schon seit Ewigkeiten kein Wolverines mehr gesichtet. Einige Beobachter meinten auch scherzhaft, man sollte Buddy lieber Randy nennen, was auch fuer „geil“ im Englischen steht. Denn wer solch eine Wanderung hinter sich hat, der hat einen riesigen Hormonstau.

Bislang rätselt man noch, wie nun genau der fellige Zeitgenosse hier gelandet ist. Ob gewandert oder gekidnappt, Tatsache ist, er fühlt sich scheinbar wohl, wenn auch etwas einsam in Truckee.

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