Nur ein abgeschobener Flüchtling ist ein guter Flüchtling

Donald Trump macht ernst. In sechs Bundesstaaten wurden Razzien der „Immigration and Customs Enforcement“ Behörde durchgeführt, die dem „Department of Homeland Security“ unterstellt ist. Dabei ging es nicht nur um die „Bad Dudes“ und „Bad Hombres“, die der neugewählte Präsident schnellstmöglich und noch vor dem Bau seiner Mauer verhaften und abschieben wollte. Hunderte von illegalen Immigranten ohne jeglichen kriminellen Hintergrund, wurden bei den Razzien gefasst und zum Teil umgehend nach Mexiko abgeschoben. Ein Sprecher der Trump-Administration meinte, es seien alles Kriminelle, denn sie alle seien ohne gültige Papiere im Land gewesen.

Die Stimmung in den USA ist aufgeheizt. Foto: Reuters.

Trump macht also sein Versprechen wahr, illegale Einwanderer aus dem Land zu werfen. Bis zu elf Millionen „Illegals“ sollen in den USA leben. Ein Großteil von ihnen schon seit Jahrzehnten, die hier im Schatten leben, aber Steuern zahlen, Kinder zur Welt gebracht, Familien gegründet haben. Ihre Kinder wurden in den USA geboren, damit sind sie US amerikanische Staatsbürger. Trumps radikale Abschiebungspolitik bedeutet nun das Auseinanderreißen von vielen Familien.

In Atlanta, Chicago, New York, dem Großraum Los Angeles, in North Carolina und South Carolina gingen die ICE Beamten gegen Immigranten vor. Aber auch aus Florida, Kansas, Texas und Virginia wurden Kontrollen der Einwanderungspolizei vermeldet. An Arbeitsplätzen und auch in Privatwohnungen wurden vor allem Männer aufgegriffen und in Abschiebehaft gebracht, in manchen Fällen direkt über die Grenze nach Mexiko abgeschoben. In den Latino Nachbarschaften im ganzen Land wächst derzeit der Unmut und die Angst. Die Zugriffe der ICE sind eine deutliche Abkehr von der Politik Barack Obamas. Der ließ zwar auch Tausende von illegalen Einwanderern nach Mexiko abschieben, allerdings konzentrierte man sich auf die tatsächlich Kriminellen, wie Gang Mitglieder.

Unterdessen tönt Donald Trump, dass die Berechnungen des eigenen Heimatschutzministeriums zum Bau der Mauer viel zu hoch seien. Die Behörde geht von einem Preis von 21,6 Milliarden Dollar aus, die für die Errichtung der Mauer an der Grenze zu Mexiko eingeplant werden müssten. Auch würde das Bauvorhaben etwa dreieinhalb Jahre dauern. Trump twitterte, das stimme hinten und vorne nicht, denn bislang habe er weder etwas zum Design der Mauer gesagt, noch direkt in die Verhandlungen eingegriffen. Und er sei ja bekannterweise der beste „Dealmaker“ überhaupt.

 

Wollen wir wetten?

Ich sag es mal so, und das wird viele beruhigen, Donald Trump wird nicht amerikanischer Präsident. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, Trumps Tage im Wahlkampfzirkus sind gezählt. Auch wenn er in den Umfragen unter republikanischen Wählern derzeit auf Rang 2 liegt, mit sage und schreibe 10 Prozent (!), Trump hat sich in all seiner Überheblichkeit und Arroganz zu weit aus dem Fenster gelehnt. Derzeit erlebt er einen freien Fall.

Donald Trump ist der beste Wahlkämpfer für Hillary Clinton.

Donald Trump ist der beste Wahlkämpfer für Hillary Clinton.

Am Wochenende zitierte er auf Twitter einen anderen Nutzer, der erklärte, Jeb Bush sei nur deshalb so lax gegenüber illegalen Einwanderern aus Mexiko, weil seine Frau selbst aus Mexiko stamme. Nach 24 Stunden wurde der Trump Tweet zwar vom Trump Team gelöscht, aber der Schaden war nicht mehr gut zu machen. Donald Trump, der in seiner Ankündigung Präsident zu werden, ankündigte, entlang der mexikanischen Grenze eine Mauer bauen zu lassen, die auch noch von Mexiko bezahlt werden würde, weil vom südlichen Nachbarn vor allem Mörder und Vergewaltiger kämen, hat jedes Maß verloren. Trump ist davon überzeugt im Recht zu sein, er sieht sich als unangreifbar, glaubt, er kann den Ton in diesem Wahlkampf bestimmen. Er greift auf breiter Flur an, teilt verbal gegen seine Mitkonkurrenten um die Kandidatur der GOP aus. Nur wenige von ihnen melden sich zu Wort, trauen sich ihn offen zu kritisieren, und das aus gutem Grund. Der Milliardär Trump war in den letzten Jahren großer Geldgeber für den einen oder anderen Kandidaten, für dessen Projekte und Ziele.

Nun aber wird klar, dass Donald Trump die Wahl entscheidet. Zugunsten der verhassten Hillary Clinton, die eigentlich gar nichts machen muß, ausser sich unters Volk zu mischen, Kaffee zu trinken und Donuts zu essen. Trump richtet es schon, richtet seine eigene Partei, führt sie zum Schafott. Denn seine Äußerungen gegen Mexikaner und seine anschließenden rechthaberischen Erklärungsversuche, dazu die etwas gezwungen wirkende Reaktion aus der republikanischen Partei, zeigen eines, die Republikaner sind nicht offen für eine der wohl wichtigsten Wählergruppen in den USA – die Latinos.

Donald Trump hat, so scheint es nun, schon frühzeitig die Wahl entschieden. Sein Rundumschlag wurde zum Tiefschlag, von dem sich wohl keiner der Kandidaten seiner Partei mehr erholen wird. Auch dann nicht, und das ist stark anzunehmen, wenn sich Donald Trump in absehbarer Zeit als Kandidat zurückziehen wird. Wahrscheinlich wird er dann erklären, seine Geschäfte leiden unter der Doppelbelastung Kandidat und Immobilienmogul. Klar, ein Donald Trump würde nie zugeben, dass er totalen Bockmist gebaut hat. Dazu ist der schillernde Donald nicht groß genug.

Das Lied von „La Bestia“

Werbekampagne der USA südlich der Grenze.

Werbekampagne der USA südlich der Grenze.

Sie kommen aus Guatemala, Honduras, El Salvador und Mexiko. Illegal kommen sie über die Grenze, in der Hoffnung in den USA das gelobte Land zu finden. Arbeit, Sicherheit, eine Zukunft. Zehntausende sind es schon und Tag für Tag werden es mehr. Irgendwie hat sich in diesen Ländern die Nachricht verbreitet, wer kommt darf bleiben. Vor allem Minderjährige würden nicht zurück geschickt werden, heißt es. Die Menschen fliehen aus wirtschaftlichen Gründen und vor der eskalierenden Gewalt in den mittelamerikanischen Ländern.

Die Konservativen in den USA haben die Grenzfrage zum Wahlkampfthema gemacht, so, als ob Barack Obama alleine für die Situation an der „Border“ verantwortlich ist. Doch die Krise hat schon lange vor der Amtsübernahme Obamas begonnen. Doch nun demonstrieren bewaffnete Milizen und „aufgebrachte“ Bürger entlang der Grenze gegen die Aufnahme der Flüchtlinge, schreien ihnen lauthalts entgegen: „Geht zurück, woher ihr kommt“. Obama besteche durch Abwarten, Passivität, durch politisches Kalkül, heißt es. Er wolle durch sein Nichtstun erreichen, dass die Latinos im Land in Zukunft die Demokraten wählen, so der Vorwurf der Schreihälse.

Schon seit Wochen wird allerdings gehandelt. Eine umfassende Einwanderungsreform wird im republikanisch dominierten Kongress zwar ausgebremst. Lieber schimpft man, als zu handeln. Doch die USA sind in den betroffenen Ländern aktiv. Es gibt Gespräche auf politischer Ebene, Angebote des FBI, im Gangkrieg zu helfen, die Gewalt unter Kontrolle zu bekommen. Und man fährt eine massive in Washington produzierte Werbekampagne, die besagt, kommt nicht in die USA. Es gibt weder eine Amnestie für Illegale, noch eine Aussicht auf Asyl und auch Kinder und Jugendliche würden zurück in ihre Heimatländer geschickt werden. Darüberhinaus ist der Weg Richtung Norden viel zu gefährlich, vor allem für unbegleitete Minderjährige, wird in der Kampagne immer wieder betont. Dafür wurden Anzeigen in Zeitungen geschaltet, Werbespots und Lieder produziert. Der Song „La Bestia“, der Güterzug auf dem die Flüchtlinge gegen Norden fahren, wurde sogar zu einem Hit. Doch all das hat die Zahlen der Illegalen nicht nach unten gedrückt. Sie hören die Message der Amerikaner, doch hören auf die Geschichten und Berichte derjenigen, die es in die USA geschafft haben. Der Menschenstrom Richtung Norden geht unvermindert weiter.

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