„Ich bau‘ mir ein (Luft)Schloss“

„Glaubt mir, ich sage die Wahrheit“. Foto: Reuters.

Der Wahlkampf von Donald Trump glich einer Märchenstunde. Hier das Reich des Bösen unter Barack Obama, in dem der Staat sich in alles einmischt, reguliert und reglementiert, überschuldet ist und überhaupt kein Ansehen mehr in der Welt genießt. Und dort seine Vision von Amerika, der „shining city on a hill“, einem Land, in dem wieder Milch und Honig fließen werden und in dem Amerikaner und nicht andere Länder, Interessen und Ausländer an vorderster Front stehen. Seine Slogans waren „America First“, „Make America Great Again“ und „Buy American, hire American“. Eine klare, patriotische Ansage eines Mannes, der die Anhäufung seines Reichtums nicht gerade unter diese Prämissen stellte. weiter lesen

Reiselust der Parlamentarier

Gerade lese ich auf nz-online über die Reiselust der deutschen Parlamentarier. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass in diesem Artikel ganz bewußt unterstellt wird, die Trips der Abgeordneten seien vor allem Spass- und Lustreisen. Als jemand, der im Ausland lebt und hier in San Francisco sehr viel mit deutschen Abgeordneten zu tun hat, kann ich dem nur widersprechen.

Klar, es gibt Reisegruppen von Bundestags- und Landtagsmitgliedern, da fragt man sich schon, warum die eigentlich hier an die amerikanische Westküste gekommen sind. Der Einkaufstrip einiger Parlamentarier schlug Ende 2008 hohe Wellen. Doch ehrlicherweise muß man erklären, dass der Großteil der Delegationen und Reisen mehr als sinnvoll sind. Vor Ort bekommt man ein besseres Gefühl und einen Eindruck von dem, was Amerika ist.

Hier in San Francisco geht es um High Tech und Social Networks, um BioTech und Startup Companies, um Solarenergie und Zukunftsprojekte. Nordkalifornien ist nach wie vor eine Region, die Menschen aus aller Welt anzieht, hier werden Weichen gestellt. Mit Stanford, UC Berkeley, UCSF, UC Davis sind gleich vier Eliteschmieden in der unmittelbaren Gegend San Franciscos. Und das muss man sehen, man muss sich einen Eindruck darüber machen, wie das Zusammenspiel von Unis und Wirtschaft läuft, wie die gesamte Atmosphäre der Umgebung in diesen Austausch mit hinein spielt.

Es gibt einen Grund, warum der Freistaat Bayern seit Jahren hier mit einem eigenen Büro vor Ort ist. Viele der Firmenansiedlungen im Freistaat, auch in Nürnberg und dem Großraum gehen darauf zurück. Viele bayerische Minister kamen bereits nach San Francisco und ins Silicon Valley zum Klinkenputzen.

rotary_ojaiUnd genauso ist es meistens mit den Bundestagsabgeordneten. Durch meine langjährige journalistische Arbeit in Nordkalifornien und meine enge Zusammenarbeit mit MdB Dagmar Freitag habe ich einen Einblick bekommen. Die Reisen sind eng gefaßt, Termine stehen direkt nach der Landung und dem Langstreckenflug an. Dagmar Freitag ist regelmäßig für die Austauschprogramme des Bundestages in den USA. In den verschiedenen Regionen des Landes werden Bewerber für die Programme interviewt. Am Rande dieser offiziellen Reisen konnten auch die Schulpartnerschaften Hemer – Ojai und Letmathe – Indianapolis aufgebaut werden. Auf Eigeninitiative von Frau Freitag. Das alles wäre ohne die persönlichen Besuche der Abgeordneten an den Schulen gar nicht möglich gewesen. Viele Parlamentarier stehen darüberhinaus für Interviews, Gespräche und Vorträge zur Verfügung. In meiner „syndicated“ Radioshow hatte ich schon viele deutsche Politiker zu Gast, die den deutschen Standpunkt, die deutsche Sichtweise, die deutsche Haltung in bestimmten politischen Entscheidungen und Situationen erklärten.

Auf meinen eigenen Reisen nach Afghanistan und Ruanda wurde mir erneut bewußt, wie wichtig der persönliche Einblick ist. Auch Politiker brauchen diese Eindrücke, müssen selber sehen, was vor Ort passiert, um Entscheidungen treffen zu können, verantwortungsbewußt treffen zu können.

Von Reiselust kann also nicht immer die Rede sein. Man sollte nicht pauschal erklären, Abgeordnete reisen zu viel. Ein Großteil der Trips sind absolut notwendig, um Eindrücke zu gewinnen und Kontakte aufzubauen und zu vertiefen.

Quer durchs Land und zurück

Sitze in aller Hergottsfrühe am Flughafen in Indianapolis. Na ja, so früh ist es auch nicht mehr, aber als „freier Journalist“ gewöhnt man sich daran, dass man morgens nicht unbedingt um 6 aufstehen muss. Ausserdem bin ich wohl eher ein Nachtmensch als ein Frühaufsteher.

Ich bin in Indianapolis, weil ich gestern an der Ben Davis High School über „1989 – the year the Berlin Wall came down“ gesprochen habe. An der High School gibt es auch einen Sender, WBDG, der schon seit Jahren mein Radio Goethe Programm ausstrahlt. Über diese Verbindung kam es zu dieser erneuten Einladung. Im letzten Jahr war ich schon mal hier, damals ging es um die Geschichte/Entwicklung der deutschen Musikszene. Gestern kam ich an, quer durchs Land, drei Stunden Zeitunterschied und nun geht es zurück. Wat’n Stress.

Aber solche Besuche sind durchaus interessant und bringen auch was. Letztes mal hatte ich kurz mit Jon von WBDG über die High School gesprochen und dabei erfahren, dass es an der Schule auch eine Deutschklasse gibt. Davon hatte ich dann meiner Bekannten Dagmar Freitag (MdB) aus Iserlohn erzählt, die wieder auf der Suche nach einer Partnerschule war. Zuvor hatten wir schon die Nordhoff High School in Ojai mit einem Gymnasium in Hemer verbandelt. Und dadada…. nun gibt es auch ganz offiziell eine Schulpartnerschaft zwischen der Ben Davis High School und einem Gymnasium in Iserlohn. Toll! Und nur wenige Tage vor meiner Ankunft ist die erste Gruppe von deutschen Schülern wieder abgefahren. Der Austausch ist also bereits angelaufen, im März fährt die erste Gruppe von hier nach Iserlohn.

Und nun sitze ich hier am Flughafen und warte auf meinen Flieger nach Las Vegas, von dort dann weiter nach Oakland. Heute Abend habe ich wieder meine Live-Sendung auf KUSF, zuerst wird es in der Magazinsendung die Rede von Angela Merkel vor dem Kongress geben und danach….ja, Mucke eben. Der gute deutsche Sound wird den Äther von San Francisco und Umgebung erfüllen. Auch schön!

1989

…darum geht es gerade auf KUSF 90.3 fm. Ich habe dazu eine Zweistundensendung produziert, die nun in San Francisco ausgestrahlt wird. 1989, vom Abschied Ronald Reagans, die brutale Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking, das Desaster in Hillsborough. Und natürlich der Fall der Berliner Mauer und die Wochen und Monate davor.

Das ist derzeit sowieso das Thema der Deutschen in den USA. Der Generalkonsul ging darauf am Freitag in seiner Rede zum 3. Oktober ein. Das Goethe-Institut erinnerte daran beim Oktoberfest auf dem Dach der Einrichtung und auch ich werde im November zum Thema „1989 – 20 Jahre nach dem Fall der Mauer“ eine Präsentation in einer High School in Indianapolis geben. Es war ja auch sehr, sehr bewegend, wenn man es miterlebt hat.

Wo waren Sie, was haben Sie damals gemacht, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Nachricht von der Maueröffnung hörten?

Hier kann man auch in die Sendung reinhören:

      1989 Part 1
      1989 Part 2

Was mach ich hier nur?

Eigentlich wollte ich über meinen jüngsten Flug von Indianapolis nach Oakland schreiben und die Logik, mit der man von manchen Stewardessen oder Flugbegleiterinnen geschlagen wird….aber nun ist alles mal wieder anders.

Sitze hier in der Notaufnahme von UCSF, dem Uni-Krankenhaus in San Francisco. Hans, mein 94jähriger Freund aus Schlesien, musste eingeliefert werden. Und da sitzen wir nun – er liegt, ich sitze – und warten auf…ja, auf was warten wir eigentlich? Nicht auf den Weihnachtsmann oder das Christkind…ein Arzt war auch schon da…Wir warten schlichtweg darauf, dass endlich jemand kommt, der das Bett auf eine Station schiebt. Und das kann dauern. Wenigstens haben sie hier Wireless und ich nutze die Minuten, während Hans schläft, um ein bisschen zu schreiben.

Ich weiss nun nicht, ob jemanden in Nürnberg interessiert, was ich hier in San Francisco mache…wahrscheinlich ist das so egal wie der berühmte Sack Reis, der in China umfällt, aber ich schreibe trotzdem, denn mir ist langweilig. Was soll man auch machen, wenn man hier in der Notaufnahme rumsitzt…Dem schreienden Kind im Nebenzimmer zuhören, das etwas im Ohr stecken hat und keinen Arzt und keine Krankenschwester an sich ran lässt. Eine meinte, „sieht aus wie eine Küchenschabe. Schon die dritte in dieser Woche“. Was das Kind nicht wirklich beruhigte.

Vielleicht sollte ich doch von der ollen Flugbegleiterin sprechen, die mich auf meinem Gang zur Toilette mit den Worten stoppte „Sie können hier nicht nach vorne kommen, gehen Sie nach hinten“. „Aber die Toilette ist doch frei“. „Gehen Sie nach hinten“. „Aber ist doch frei“. „Gehen Sie nach hinten“, das war dann schon ein scharfer Ton, bei dem ich dachte, sie alarmiert gleich die Federal Marshalls, die an Bord sind, um mich zu verhaften. Also ging ich nach hinten und reihte mich in die Schlange der Bedürftigen ein.

Was die Flugtante nicht sagen wollte war eigentlich klar. Der Pilot musste auch mal  und deshalb darf man als normaler Fluggast und potenzieller Sohn Osamas nicht mehr aufs selbe Klo. So ist das nun in den Weiten des Himmels, von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken ist nichts mehr zu spüren. Und vom Sicherheitsbeamten in Indianapolis, der die Zahnpasta schon als wichtigen Part in meinem mobilen Bombenbaukasten sah, ganz zu schweigen. Habe ich ja immer dabei, unterm Arm sozusagen…wenn der wüsste, dass Chemie nie so mein Fach war. Aber macht richtig Spass, endlich auch einmal als „Bad Boy“ gesehen zu werden….Kleiner Scherz, aber mal ehrlich, fliegen nervt nur noch. Da kommt man sich vor wie bei Aldi an der Kasse, wenn die „nette“ Frau im Kittel einen anraunzt die Tasche zu öffnen, man ist ersteinmal ein potenzieller Dieb. Rasterfahndung pur, bei Aldi und über den Wolken….verdächtig ist jeder.

Zurück zum Krankenhaus in San Francisco, hier kommen sie auch nicht richtig in die Pötte, aber Hans wacht gerade auf, von daher hör ich mal auf…