Weltmusik im Dröhnland

Das Duo Senyawa stammt aus Jogjakarta in Indonesien. „Weltmusik“ dachte ich mir, als ich die CD zugeschickt bekam. Eingeschoben, da singt einer mit dunklen Kehlkopfgesang „Tanggalkan nams, segalla di dunia“. Immer und immer wieder. Es hat schon etwas Trancemäßiges an sich. Und dann kommt es. Ein brachiales, verzerrtes Gitarrenbrett, eine Welle an Sound und immer noch dieses gebetsmühlenartig vorgetragene „Tanggalkan nams, segalla di dunia“.

Senyawa sind nicht Crossover über ein kleines Bächlein aus verschiedenen musikalischen Genres, sie überqueren vielmehr einen reissenden Fluss und zerschlagen anschließend die Brücke, die sie gerade noch passiert haben. Das ist eine Vermischung aus scheinbar nicht zu vereinbarenden Musikwelten. Ein Tsunami der alles an Tönen und Klang mit sich reißt. Hier die gewachsene Tradition, um zugleich von einem brutalen Industrialangriff überspült zu werden. Doch gerade das macht diese Platte „Sujud“ aus. Es sind Tumulte im Hörgang. Der tiefe Gesang der für mich unverständlichen Sprache, dazu wird ein Klangrahmen mit teilweise selbstgebauten Instrumenten und tiefen Soundflächen abgesteckt, der sich manchmal zum rostigen Stacheldraht entwickelt.

Irgendwie geht dieses Alt und Neu zusammen. Faszinierend, ganz anders, sowas habe ich noch nie gehört. Manchmal wirkt es verspielt, leicht, ja, zärtlich, um dann im nächsten Augenblick vor die Wand geklatscht zu werden. Eine irre Klangreise, die schizophrene Züge aufweist, ein Alptraum im Mittelohr. „Sujud“ muss man laut spielen, sehr laut spielen. Mit Sicherheit werden einen die Nachbarn danach besorgt ansehen, was war bitteschön das? Das Duo Rully Shabara und Wukir Suryadi verdient es aber, dass man sich Zeit für sie nimmt, es zumindest versucht, einen Zugang zu dieser Berg- und Talfahrt zu finden. Es lohnt sich wirklich, Eintritt in dieses grandiose Dröhnland zu bekommen. Für mich ist „Sujud“ von Senyawa eine der interessantestes Neuheiten, die ich in diesem Jahr zu hören bekommen habe.

 

Amerikanischer Artenschutz

Amerika steht immer im Verruf der Umwelt nie so richtig eine Chance zu geben. Doch nun planen die USA etwas, was in dem Ausmasse einmalig und überaus bedeutend wäre. Meeresbiologen der „National Oceanographic and Atmospheric Administration“ haben vorgeschlagen, mehr als 181.000 Quadratkilometer Meeresfläche vor der amerikanischen Westküste als kritischen Lebensraum auszuweisen. Das würde von Long Beach in Südkalifornien bis hinauf an die kanadische Grenze reichen. Grund ist die bis zu 2,7 Meter lange und rund 550 Kilogramm schwere Lederrückenschildkröte, die Jahr für Jahr rund 6000 Meilen schwimmt, um sich vor dem Golden Gate mit Quallen den Magen voll zu schlagen.

LederrückenschildkröteDie Schildkröten verlassen im Spätsommer ihre Nistplätze in Indonesien, auf den Solomon Islands, Vanuatu und Papua New Guinea um die lange Reise für das Festmahl vor der amerikanischen Westküste anzutreten. Es ist die längste bekannte Migrationswelle überhaupt. Seit 1970 gelten die Lederrückenschildkröten als gefährdete Art. Bislang weiss man nur wenig über sie, schätzt ihre Lebensdauer auf 40 bis zu 100 Jahren. Zwischen 2000 und 5700 Weibchen sind noch am Leben, allerdings hat die Population der Schildkröten um rund 90 Prozent in den letzten 20 Jahren abgenommen. Der Grund dafür sind vor allem Eingriffe des Menschen in den Lebensraum der Meeresreptilien.

Nun soll ein Jahr lang genauestens untersucht werden, ob solch ein besonderer Schutzraum der Schildkröte von Nutzen ist. Damit verbunden wäre die sichere Migration und auch der Erhalt der Quallenpopulation für die Reptilien als Nahrungsquelle. Doch diese Einsetzung eines kritischen Lebensraumes hätte weitreichende Folgen für die Landwirtschaft, industrielle Verschmutzung, Öl- und Gas-Bohrungen, Kraftwerke an der Küste, Abwasserleitungen und die Fischerei. Umweltschützer preisen diesen Schritt und hoffen schon jetzt auf den langfristigen Schutz der Lederrückenschildkröte.