Ich seh‘ nicht aus wie ein Amerikaner

„Are you a citizen“, fragte mich der Grenzbeamte am Flughafen von San Francisco. Und das, obwohl ich ihm meinen US Pass reichte. „Ähm, yes“. „How did you obtain your citizenship?“, kam die nächste Frage, so, als ob ich mir auf dem Heimaturlaub im Frankenurlaub mal schnell einen amerikanischen Reisepass ausgedruckt habe. Meine Erklärung, dass ich bereits seit 18 Jahren hier lebe, eine Green Card hatte und schon mehrmals durch das ganze bürokratische Prozedere mit der INS und dem Homeland Security Department marschierte, interessierte ihn wenig.

Steif auf seinem Stuhl sitzend blätterte er durch den Pass. Da war kein Stempel, also kam die Frage, ob ich mit einem anderen Reisedokument reise. „Yes, I have a German passport“. Den wollte er dann sehen, und damit begann das Verhör. Interessiert schaute er sich jeden Stempel und jedes Visa an. Was ich denn so oft in Ruanda gemacht habe. Ach ja, und im Kongo. Und dann fiel sein Blick auf die Afghanistan Visa. Alle Glocken schrillten auf, da bot sich dem Beamten die Chance einen getarnten Talibankämpfer hier am SFO Airport zu fangen. Ich sehe ja auch so aus, wie der Bruder von Abdullah Ali Khan. Warum waren Sie in Afghanistan? Wo genau waren Sie? Wer hat Sie dazu verleitet? Wo war ich untergebracht? „I was embedded with the German army“, ließ er als Antwort nicht gelten. „So, you were serving the German army?“, meinte er mit steinernem Gesichtsausdruck.  „No, I’m a journalist“. Der Typ ging wirklich zum Lachen in den Keller.

Man muß sich schon sehr zurück halten, um da einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Typ war nicht zum Spaßen aufgelegt. Nach langen Minuten gab er mir schließlich meinen Pass wieder und vermerkte etwas auf der Zollerklärung. Geheimcode Homeland Security. Und klar, der Zoll zog mich raus. Mein INS Beamter wollte also mal zwischen meine Unterhosen und Hemden schauen lassen. Die „Customs Agents“ waren allerdings freundlich und etwas überrascht, dass ein Deutscher seine Koffer öffnen sollte. Auch sie fragten und fragten, aber es war mehr ein freundlicher „Chitchat“. Zwei unterhielten sich, einer wühlte durch die Koffer, schaute sich Bücher an. Klar, hätte ja das Manifest von Mullah Omar sein können, oder schlimmer Lenins Schriften, doch dem Oberkommi hatte ich ja schon bei meiner Einbürgerung abgeschworen. Die vielen CDs für Radio Goethe waren nicht auffällig, also „Thank you and have a nice day“.

Amerika ist schon ein seltsames Land. Da reist man 18 Jahre lang unbescholten hin und her und dann kommt so ein Terroristen jagender Beamter, der einen nach einem endloslangen Transatlantikflug zuquatscht und gleich mal als Bombenleger vorverurteilt. Egal, ich bin angekommen. Der Alltag hat mich wieder.

Datensammeln für die Katz‘

Was machen die eigentlich mit meinen Bildern? Jedes Mal wenn ich in den USA am Flughafen ankomme, werden meine Fingerabdrücke genommen, ein Foto von mir mit Augenrändern gemacht und bla bla bla, wo ich denn war, was ich da gemacht habe und überhaupt, was ich hier in den USA so treibe. Und das seit 17 Jahren. Also, die Damen und Herren bei der INS wissen, dass ich viel reise und überhaupt könnten sie eigentlich mal alle Bilder ausdrucken und ein Daumenkino von mir machen. In diesen 204 Monaten habe ich zugenommen, abgenommen, zugenommen. Haare kurz, Haare lang, Haare weniger…und noch weniger. Unterhaltsam wäre so ein Daumenkino.

Und nun fülle ich Formulare für die doppelte Staatsbürgerschaft aus und was wollen sie? Klar, 2 Passbilder. Ja, sagt mal, speichert ihr das nicht? Ich dachte, ihr seid so datengeil und sammelt alles, hört und lest mit, schaut einem beim Online Einkauf über die Schultern, verfolgt einen auf Auslandsreisen? Und dann so was, 2 Passbilder. Und nicht nur das, die Beamten von der Einwanderungsbehörde wollen auch wissen, wann ich welche Auslandsreisen angetreten habe. Also genauer Abflugtermin und genaues Einreisedatum. Sagt mal, habt ihr da den Computer nur zur Staffage rumstehen? Was tippen die Uniformierten da eigentich ein, wenn nicht zumindest das Datum meiner Einreise? Nun darf ich da die Daten auf den Stempeln in meinem Pass entziffern. Das weiß ich doch nicht mehr, wann ich genau wo war! Vor allem Afghanistan, Ruanda, Kongo, Uganda, Burundi, Mexiko rein und raus und rein und raus, Türkei….Deutschland, Schweiz.

Und dann kommen solche Fragen, ob ich zwischen 1933 und 1945 Mitglied der Nazi-Partei war? Oder ob ich der internationalen kommunistischen Bewegung angehöre? Nein, ich habe nicht fünf Ehefrauen und bin auch nicht hier, um die amerikanische Regierung zu stürzen. Und auch bei keinem Genozid habe ich aktiv teilgenommen. Kenne mich auch nicht im Bombenbau aus und werde auch nicht in anderen Ländern wegen Mordes gesucht. Ja, ich zahle meine Steuern und nein, ich werde nicht per Haftbefehl gesucht. Und Kinder habe ich keine, also habe ich auch keine Alimente zu zahlen. Man, was sind das für Fragen. Vor allem, fast denselben Fragenkatalog habe ich schon beantworten müssen, als ich die „Green Card“ beantragte. Amerika ist schon ein seltsames Land!

Wenn man solch einen Papierkram in den USA ausfüllen muß, dann zweifelt man wirklich daran, dass eine Geschichte, wie die über die Abhörmaßnahmen der NSA auch nur ansatzweise der Wahrheit entsprechen kann. Sammeln können sie, aber auswerten…ich bin mir da nicht mehr so sicher.