Burning Man im Wandel

Ein tonnenschwerer Bär mit einem Fell aus Cent Stücken.

Viermal schon habe ich mich auf den langen Weg von Oakland nach Black Rock City gemacht. Es sind nicht nur die paar Hundert Meilen Freeway und dann ein schmaler Highway, der einen zu „Burning Man“ führt, es ist auch die Vorbereitung, der Ticketkauf, die Planung, die Platzsuche, das Aufbauen des Camps und die Teilnahme an diesem wohl einzigartigen Fest in der Wüste von Nevada, das diese Reise zu mehr als nur einer Autofahrt macht.

Angefangen hat alles Ende der 80er Jahre mit ein paar Dutzend Leuten an Baker Beach in San Francisco, bis der Park Service den Feiernden erklärte, dort dürfe das eigentlich nicht stattfinden. Also schaute man sich um und fand in der Nähe von Gerlach ein im Sommer ausgetrocknetes Seebett, das sich ideal für die Pläne dieser einwöchigen Community eignen würde. „Burning Man“ ist Geschichte. Aus den anfänglichen paar Dutzend Männern und Frauen wurde eine weltweite Bewegung. Heute unternehmen alljährlich bis zu 70.000 Menschen diesen langen Treck aus der Zivilisation in ein selbstgestaltetes Utopia im Wüstensand. „Burning Man“ ist Party, ist Anderssein und es ist auch, wie es mir einmal jemand beschrieben hat, die größte Galerie der Welt. Hier kann (fast) alles ausgelebt, dargestellt, verwirklicht werden.

Doch seit einigen Jahren gibt es die Vorwürfe, dass „Burning Man“ immer mehr Hipster, Techies, Reiche und „Influenzer“ (beklopptes Wort) anzieht, die auf der Playa eigentlich gegen die Grundprizipien der „Burning Man Culture“ arbeiten. Mit Gesichts- und Alterskontrolle bei Parties, Themencamps und auf „Mutant-Vehicles“, mit klimatisierten und eingezäunten Zelten, die von eigenem „Personal“ aufgebaut wurden. Mit Produktpräsentationen auf der Playa von sogenannten Youtube und Instagram „Influencern“. Der Höhepunkt der antiklimatischen BM Verhaltensweisen waren sicherlich Google Mitarbeiter, die sich per FedEx frischen Hummer einfliegen ließen.

In der Zentrale von BM hat man nun genug und will das ändern. Marian Goodell, die CEO der gemeinnützigen Organisation, hat nun erklärt, man wolle einiges ändern. Nachdem ihr Team einen 55seitigen Bericht mit Missständen vorlegte, war klar, etwas muss getan werden. Nun setzt man beim Ticketverkauf an, um sicherzugehen, dass wieder der eigentlich Geist von „Burning Man“ durch die Wüste weht. Wer kommen will, soll und, ja, muss teilnehmen, sich vorbereiten, planen, sein Camp aufbauen. Black Rock City soll eben nicht ein Freaky Las Vegas, ein Glitzer Hollywood, ein einwöchiges Fantasia werden. Vielmehr sollen die Wurzeln dieser eigenwilligen, eigenartigen und einmaligen Community bewahrt und gestärkt werden. Dieses Jahr wird es für mich nicht klappen, aber ich hoffe im nächsten Jahr wieder den langen Weg von Oakland nach Black Rock City antreten zu können.