Es sind nicht nur die „Bad Hombres“, die gehen müssen

Donald Trump und Mexiko. Das ist ein nunmehr schwieriges Kapitel in der Beziehung beider Staaten. Monatelang hat Trump im Wahlkampf gegen den südlichen Nachbarn gewettert. Mexiko schicke nicht seine besten Leute, sondern Kriminelle, Vergewaltiger und ein paar seien sicherlich auch gute Menschen, meinte Trump. Damit war die Basis für einen nicht gerade produktiven Dialog gelegt. Mit der Wahl des New Yorker Milliardärs zogen dunkle Gewitterwolken am Rio Grande auf.

Eigentlich müssten beide Länder miteinander auskommen und auch die Grenzprobleme lösen, die es tatsächlich zuhauf gibt. Da ist die illegale Einwanderung in die USA, da ist der Fluß von Drogen aus Mexiko in die USA, da ist der Fluß von illegalen Waffenlieferungen aus den USA nach Mexiko. Beide Länder sind kulturell, gesellschaftlich und wirtschaftlich eng verbunden. Sie müssen miteinander auskommen, zum Wohle beider Staaten.

Doch Donald Trump verprellt mit seinem „America First“ Gegröle den mexikanischen Partner. Präsident Enrique Peña Nieto kann politisch gar nicht anders, als ablehnend auf Donald Trump zu reagieren. Welcher Präsident könnte es sich innenpolitisch erlauben, einfach so einen Milliardenscheck für ein anderes Land auszustellen, mit dem ein Projekt gegen das eigene Land finanziert werden soll. Angela Merkel würde sicherlich nicht zustimmen, wenn die Schweiz ganz populistisch eine Mauer an ihrer Grenze zu Deutschland zum Schutz vor den vielen deutschen Wissenschaftlern und Ärzten bauen und diese auch noch von Berlin bezahlt bekommen möchte. So unsinnig ist Donald Trumps Forderung.

Der sieht sich jedoch im Recht, verweist darauf, dass er nun als Präsident genau das umsetzen will, was er als Kandidat versprochen hat. Den totalen Blödsinn in jeglicher Hinsicht, denn neben der Mauer hatte Trump auch versprochen, all die „Bad Guys“ und „Bad Hombres“, mexikanische Kriminelle, die illegal in den USA sind, umgehend auszuweisen. Schon in seiner ersten Amtswoche unterschrieb er deshalb ein Dekret, mit dem weitreichend die Abschiebung von illegalen Einwanderern ermöglicht werden kann. Allerdings hat er da nicht nur die „Bad Hombres“ im Blick, sondern etwa acht Millionen Menschen, die schwarz ins Land kamen und hier blieben. Ja, sie alle haben amerikanisches Recht gebrochen, in dem sie ohne Visa und Aufenthaltsgenehmigung gekommen und geblieben sind.

Das Internierungslager „Crystal City“ in Texas. Amerika läuft Gefahr alte Fehler neu zu machen.

Trump schmeißt sie alle, egal ob Vergewaltiger, Gang Mitglied, Mörder oder hart arbeitende Familienväter und -mütter mit Kindern in einen Topf und den will er südlich der Grenze ausleeren. Wer illegal hier ist, so Trump, muß abgeschoben werden. Acht Millionen Menschen sind von Donald Trumps Unterschrift betroffen. Schon bald könnte es zu weitreichenden Kontrollen, die Errichtung von Abschiebelagern und Massenabschiebungen kommen.

Das wiederum hätte dramatische Folgen für die USA. Wirtschaftlich und auch gesellschaftlich. Denn der Großteil der illegalen Einwanderer geht einem normalen Job nach, zahlt Steuern und auch in die Krankenversicherungs- und Pensionskassen ein. Weite Teile der USA sind Latino dominiert. Allein im Großraum Los Angeles sollen eine Million illegale Einwanderer leben. In einer Stadt, in der man heutzutage schon mehr Spanisch als Englisch spricht, in der über die Hälfte der Bewohner Latino Wurzeln hat.

Gesellschaftlich würde eine Massenabschiebung auch das Zerreissen von Familien bedeuten, denn viele der Kinder sind hier in den USA geboren und damit amerikanische Staatsbürger. Oder die USA unter Donald Trump erneut US Staatsbürger abschieben. Auch das ist nicht undenkbar, denn so etwas gab es bereits in der Geschichte der USA. Arthur Jacobs kann davon berichten. Seine Familie wurde nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland abgeschoben, obwohl er und sein Bruder in den USA geboren wurden und somit US Pässe hatten. Jacobs Vater war weder Saboteur noch Nazi, er geriet als deutscher Immigrant nach dem Angiff auf Pearl Harbor einfach ins Visier des FBI, die gesamte Familie wurde ins Internierungslager nach Crystal City, Texas, gebracht. Über seine Geschichte und diesen Teil der deutsch-amerikanischen Geschichte berichtet Arthur Jacobs ausführlich auf seiner Webseite foitimes.com.

Amerika unter Donald Trump hat einen gefährlichen Weg eingeschlagen. Die historischen Vergleiche werden in vielen Berichten, teils populistisch übertrieben, teils durchaus begründet, gezogen. Allein das sollte zu denken geben, wenn die Gefahr besteht, dass sich Geschichte wiederholen könnte.

70 Jahre nach Pearl Harbor

Heute vor 70 Jahren griffen die Japaner den amerikanischen Navy Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii an. 2403 amerikanische Soldaten starben bei diesem Angriff in den Morgenstunden des 7. Dezember 1941. Noch heute wird behauptet, es sei eine „heimtückische“ Aktion der kaiserlichen Armee gewesen, obwohl auch klar ist, dass der amerikanische Präsident Roosevelt schon vorab von geplanten Aktionen der Japaner informiert gewesen war. Die Spionageaktivitäten des japanischen Konsulats in Honolulu waren den Amerikanern bekannt. Die Diplomaten hatten regelmäßig Informationen über die Flotte der US Navy nach Tokio gefunkt.

Um 6:10 Uhr Ortszeit am 7. Dezember 1941 begann die erste Angriffswelle der Japaner auf den Navy Stützpunkt Pearl Harbor. Und noch eine zweite Angriffswelle kam, der letzte japanische Kampfjet drehte um 9:45 Uhr ab. Die US Flotte war im Mark getroffen: 2403 getötete Soldaten, 1178 Verwundete, 12 gesunkene oder gestrandete Schiffe, 9 beschädigte Schiffe, 164 zerstörte Flugzeuge, 159 beschädigte Flugzeuge. Amerika war geschockt. Nur einen Tag später trat Präsident Roosevelt vor den Kongreß in Washington und erklärte Japan den Krieg. Zuvor war das amerikanische Parlament noch gespalten, ein Großteil der Abgeordneten wollte die USA lieber nicht in die Kriegswirren in Europa und Asien hinein gezogen sehen. Doch am Tag nach dem Angriff auf Pearl Harbor stimmten alle Parlamentarier bis auf einen für die Kriegserklärung von Roosevelt. Vier Tage später erklärten Deutschland und Italien den USA den Krieg, damit eskalierte der Zweite Weltkrieg.

Nach der Attacke der Japaner änderten sich auch die Bedingungen für Japaner, Japan-Amerikaner, Deutsche und Italiener in den USA. Die amerikanischen Konzentrationslager wurden eröffnet, in denen weit über 100.000 Japaner und japanisch stämmige Amerikaner, 11000 Deutsche und rund 1500 Italiener interniert wurden. Viele der Deutschen lebten bereits seit Jahren in ihrer neuen Heimat, etliche waren aus Hitler-Deutschland geflohen, darunter auch jüdische Bürger. Zudem wurden auch einige in den USA geborene Kinder deutscher Eltern mit verhaftet. Doch das FBI kannte keine Gnade. Die Camps waren zumeist im Landesinneren angesiedelt, wie in Bismarck, North Dakota oder Crystal City, Texas. Und nicht nur das, die amerikanische Bundespolizei verhaftete sogar in Süd- und Mittelamerika Deutsche und Japaner und verschleppte sie in einer Nacht- und Nebelaktion in die US Camps.

An diesem 7. Dezember wird an den Angriff auf Pearl Harbor gedacht, die noch lebenden Veteranen von damals  geehrt. 70 Jahre danach, eine lange Zeit, doch die Narbe ist für die Amerikaner geblieben. An diesem Tag sollte man aber auch an jene denken, die als Einwanderer in die USA kamen, um eine neue Heimat zu finden. An jene, die unschuldig in amerikanische Internierungslager geschickt wurden, einzig aus dem Grund, weil sie Japaner, Deutsche oder Italiener waren.

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