Das wird was geben

Donald Trump setzte sich in Szene.

Donald Trump setzte sich in Szene.

In Iowa trafen sich am Samstag einige der republikanischen Möchtegernpräsidentschaftskandidaten. Ted Cruz, Chris Christie, Scott Walker, Rick Perry, Rick Santorum, Dr. Ben Carson, Donald Trump, Newt Gingrich, Mike Huckabee, Carly Fiorina, Sarah Palin und noch ein paar andere. Das ganze lief unter dem Namen „Freedom Summit“, denn hier kamen ja die Freiheitskämpfer schlechthin zusammen. Freiheit dahingehend, dass sie sich deutlich über Präsident Barack Obama äußerten und sich der erzkonservativen und teils verschrobenen „Tea Party“-Bewegung in den Reihen der GOP anbiederten.

Allzuviel neues konnte man nicht hören, außer den typischen Angriffen und Unterstellungen und Verdrehungen. Interssant allerdings waren die Auftritte von Trump und Palin. Donald Trump erklärte gleich mehrmals, er überlege sehr ernsthaft zu kandidieren. Die Frontrunner in der Partei, Jeb Bush und Mitt Romney, bezeichnete er unter dem Applaus des Publikums als nicht fähig Veränderungen zu bringen. Der eine sei zu lasch in Fragen der Einwanderung, der andere habe seine Chance gehabt und sie verbockt. Nur er und er allein könne Amerika wieder auf Kurs bringen. Seine Geschäftserfahrungen prädestinierten ihn und nur ihn allein für den Job im Oval Office.

Beim "Freedom Summit" durfte auch Sarah Palin nicht fehlen.

Beim „Freedom Summit“ durfte auch Sarah Palin nicht fehlen.

Donald Trump liebt Donald Trump. Er badet geradezu im Scheinwerferlicht auf der Bühne, wälzt sich genüßlich in den eigenen Worten, zeichnet quasi ein politisches Aktbild von sich. Natürlich sexy und unwiderstehlich! Trump ist ein Narzist sondergleichen. Fremdschämen ist angesagt. Man ist als Zuschauer peinlich berührt, wie dieser Mann mit eigenwilliger Haarpracht sich selbst in den höchsten Tönen lobt. Schlimm ist an seinem Auftritt, dass er nicht nur ernsthaft androht zu kandidieren, Trump meint auch noch, er habe sehr gute Chancen zu gewinnen.

Und dann ist da Sarah Palin. Mal wieder. Sie erklärte in den letzten Tagen so ganz nebenbei, dass sie „sehr interessiert“ daran sei zu kandidieren. Sofort springen die amerikanischen Medien und erklären sie gleich zu einer ernsthaften Kandidatin. Und gerade das ist Palin nicht. Das war sie noch nie, auch wenn die Teeparteisoldaten und sie selbst es gerne anders hätten. Palin war Bürgermeisterin in der Kleinstadt Wasilla in Alaska, danach noch nicht mal für eine Amtsperiode Gouverneurin des Bundesstaates. Auffällig wurde sie erst als Vize-Präsidentschaftskandidatin an der Seite von John McCain im Wahlkampf 2008. Auffällig vor allem durch ihre politischen Äußerungen, wie etwa, sie habe internationale Erfahrungen, weil sie Russland von Alaska aus sehen könne.

Sarah Palin hört sich, wie auch Donald Trump, am liebsten selbst. Die ‚Tea Party“ Aktivisten lieben sie, warum ist unerklärbar. Politisch ist Palin ein Nobody, die außer großem Getöse und Schlagworten keine Inhalte bieten kann. Sie und Trump werden sicherlich nicht 2017 im Oval Office Platz nehmen. Und falls doch, falls wirklich das Unvorstellbare passieren sollte, es nicht mit rechten Dingen zugeht, Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen, Barack Obama sich doch noch als wiederauferstandener Adolf Hitler oder Joseph Stalin outen sollte, dann, ja dann, habe ich immer noch meinen deutschen Pass, um das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf dem schnellsten Weg zu verlassen.

„Ich weiß, wie man kastriert“

„I grew up castrating hogs on an Iowa farm. So, when I get to Washington, I’ll know how to cut pork….Washington is full of big spenders. Let’s make ‚em squeal“. Das sagt Joni Ernst in ihrem Wahlwerbespot, republikanische Kandidatin für den US Senat. Ernst weiß also, wie man kastriert und will dieses Handwerk auch in Washington durchführen, bis „sie“ eben vor Schmerzen schreien. Wahlkampf auf amerikanisch, in Deutschland wäre das wohl undenkbar.

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Die Wahlen am 4. November entscheiden darüber, ob Barack Obama überhaupt noch etwas in den letzten zwei Amtsjahren zu sagen hat, oder ob er ganz aufs Abstellgleis geschoben wird. Denn falls die Demokraten im Senat ihre Mehrheit verlieren, sieht es nicht gut für den Präsidenten aus. In Iowa wird ein hart umkämpfter Sitz vergeben, den beide Parteien für sich erringen möchten. Und beide Seiten investieren viel Geld und Energie.

Joni Ernst ist derzeit Senatorin im Senat von Iowa. Sie war in der US Army und ist noch immer aktives Mitglied der Nationalgarde von Iowa. 2003 und 2004 war sie im Zuge der „Operation Freedom“ in Kuwait eingesetzt. Ernst besticht im Wahlkampf mit ihren Forderungen, was sie alles in Washington streichen will. Bildungsmaßnahmen, Umweltschutz, Steuerbehörden, all das muß weg. Sie ist Abtreibungsgegnerin, von den zehn Geboten überzeugt, sie beschreibt Barack Obama als einen „Diktator“ und ist von der Waffenlobby, der „National Rifle Association“, mit einem „A“ für ihren Einsatz für Waffenrechte ausgezeichnet worden. Ja, Joni Ernst schießt scharf, jetzt noch mit Worthülsen und gelegentlich in Lederjacke auf dem Schießstand, aber bald schon mit Entscheidungen in DC. Denn Ernst führt in den Umfragen. Ihr demokratischer Gegner Bruce Braley hat am Ende wohl gegen die Schweine kastrierende Kriegsheldin keine Chance. Das ist das „Heartland“ von Amerika.

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Das ist richtiges “Reality TV”

“Al Jazeera America” setzt ganz neue Maßstäbe. Der Nachrichtenkanal aus Katar ist vor Ort und präsentiert in seinen Programmen ein Bild, dass von dem, was CNN, MSNBC und FOXNews zeigen, Welten entfernt ist. Hier schreien sich keine erzkonservativen Obamahasser an wie auf FOXNews, hier türmt man nicht eine nach der anderen Verschwörungstheorie auf, um auf den Grund des verschollenen malaysischen Airliners zu kommen. Al Jazeera zeigt die Welt hinter den amerikanischen Grenzen, berichtet mit eigenen Korrespondenten aus Afrika, Asien, Südamerika, ist präsent und vor Ort.

Und nein, ich will hier keine Lobhudelei auf einen Sender loswerden, ich werde nicht von ihnen bezahlt, obwohl ich durchaus gerne für Al Jazeera arbeiten würde. Aber gestern Abend sah ich eine Sendung auf “Al Jazeera America”, die einfach großartig war. Nicht nur, dass damit das Thema der illegalen Einwanderung anders, einleuchtend, verständlich vermittelt wurde. Die Produzenten schafften mit “Borderland” auch eine grundlegende Kritik am amerikanischen Fernsehen. Seit Jahren schon nerven mich diese “Reality Shows” im Fernsehen. Da werden irgendwelche Hampelmänner und –frauen auf Südseeinseln oder in sonst einen Busch geschickt, um zu “überleben”. Andere lassen sich in Container einsperren, um den “Big Brother” nachzuspielen, unter den Augen der Öffentlichkeit wird dann “alles gezeigt”. Dann diese dämlichen Sendungen mit irgendwelchen Hausfrauen aus Beverly Hills oder sonst einem reichen Vorort. Nicht auszuhalten. Und das deutsche Fernsehen ist ja nicht besser. Da sucht ein Bauer eine Frau und die Zuschauer ergötzen sich an einem seltsamen Schauspiel, dass an Fremdschämen nicht zu überbieten ist. Außer man mag “Stromberg”, aber das ist im Vergleich gutes deutsches Fernsehen.

Und nun also Al Jazeera mit einer neuen Sendung, die, man kann es nicht anders sagen, brillant ist. Sechs Personen, Männer und Frauen, werden in “Borderland” zu einem Leichenschauhaus in Pima County gebracht. Dort Regale voller Leichen in “bodybags”, die in der Wüste gefunden wurden. Illegale Grenzgänger. Und hier beginnt diese Form von “Reality TV”. Jeweils zwei Kandidaten bekommen ein Bild und einen Namen von einem Toten und reisen in die Gemeinden. Nach Guaetemala, nach Südmexiko, nach Des Moines, Iowa. Und dort sprechen sie mit Verwandten und Freunden, erfahren mehr über diejenigen, die in der Wüste verendet sind, folgen ihren Spuren, erleben, was sie auf sich genommen haben, um in das gelobte Land nördlich der Grenze zu kommen. Die Gruppe der “Borderland Kandidaten” ist eine Mischung aus Menschen, die zum einen sagen, macht die Grenze dicht, lasst niemanden mehr herein. Und dem anderen Teil, die erklären, Grenzen sind unsinnig, Menschenleben werden so nur unnötig gefährdet. Doch beide Seiten müssen im Zuge ihrer neuen Erfahrunge ihre Haltung von grundauf überdenken, denn Al Jazeera geht in dieser Fernsehserie nicht nur auf die illegalen Einwanderer ein, die in den USA arbeiten wollen. Die Produzenten berichten auch vom brutalen Drogenkurierdienst durch die Wüste von Arizona, kontrolliert von den mexikanischen Kartellen. Sie bringen die Gruppe zu Farmern im Grenzland, die ihnen von ihren Problemen, Ängsten und ihrer allgemeinen Siutation berichten. Von gewaltbereiten Drogenschmugglern, die schneller schießen als Hallo zu sagen.

“Borderland” ist TV, wie man, wie ich es mir wünsche. Nah dran, gut recherchiert, kontrovers, zum Nachdenken anregend, neu….eben nicht nur eine dumme Berieselung und ein Vorgegaukel an Problemen, die eigentlich keine sind. “Al Jazeera America” läuft in den USA auf einem Kabelkanal, den man extra abonnieren muß. Das ist der eigentliche Skandal hier, denn eine Sendung wie “Borderland” gehört ins freie Abendprogramm zur besten Sendezeit. Denn, wenn mehr Amerikaner das sehen würden, könnte eine “Immigration Reform” nicht länger auf die lange Bank geschoben werden.

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Da warens nur noch vier

Rick Perry hat die Faxen dicke. Der Texaner war eigentlich DER Kandidat der Republikaner. Mit viel Palaver und hohen Erwartungen stieg er im Sommer ins Rennen ein. Doch dann kam alles anders. Seine Fernsehdebatten waren unter aller Kanone, seine Kommentare nicht haltbar und in Wählerumfragen drückte sich das deutlich aus. Fünfter in Iowa, Sechster in New Hampshire mit noch nicht einmal einem Prozentpunkt am Wahlabend. Er baue auf South Carolina, tönte Perry. Doch auch da schlappt er hinter den anderen Kandidaten her. Keine Chance, nun also zieht er nur zwei Tage vor der Wahl in South Carolina die Reissleine. Das wars, Tschüss, bis denne und ich bin dann mal wieder in Texas.

Sowieso sieht alles danach aus, als ob die Vorwahlen ein abgekartetes Spielchen sind. In Iowa „gewann“ am Wahlabend Mitt Romney mit nur acht Stimmen Vorsprung. Nun „tauchten“ weitere Stimmzettel auf, die Rick Santorum zum Sieger machen. Doch die GOP in Iowa sagt, es ist ein Unentschieden. Warum? Ähm, es fehlen noch weitere Stimmzettel aus ein paar Bezirken. Hallo! Wenn das nicht nach Schiebung aussieht. Wie schwer ist es eigentlich Wahlstimmen einzusammeln und auszuwerten? Wahlzettel ausgeben, Kreuz machen, Wahlzettel einsammeln, nach Wahlschluß alle Zettelchen auswerten. Vielleicht sollte hier drüben mal jemand vom Unschlittplatz 7 einen Crashkurs „Wahlen für Anfänger“ anbieten.

Romney also nun vorne, South Carolina fest im Blick. Doch der smarte Frontrunner gerät immer mehr unter Druck. Die Geschäfte des Kandidaten und seine Steuerzahlungen stehen von allen Seiten unter Beschuß. Romney hat wohl gerade mal einen Steuersatz von 15 % auf seine Investitionen zahlen müssen und erklärte, sonst habe er kaum Einnahmen gehabt. Bis auf die rund 400.000 Dollar an Sprecherhonoraren. Peanuts, ich weiß. So eine Äußerung kommt aber nicht so gut beim Wahlvolk an, dass hier und da und dort sparen muß. Romney will nun alles offenlegen, sagt er….nachdem er seine Steuererklärung für 2011 abgegeben hat. Im April, dann sind auch die Vorwahlen vorbei.

Auf nach South Carolina

New Hampshire war ein Klacks für Mitt Romney. Ohne Probleme rollte sein Tourbus durch den Bundesstaat und sammelte mal schnell die meisten Wählerstimmen ein, bevor es über den I95 runter nach Süden geht. Mit einem breiten Lächeln präsentierte sich der gegelte Mitt am Abend seinen Anhängern und der Fernsehnation. Die Frisur sitzt. Romney ist nun der sichere Frontrunner. Ron Paul, Newt Gingrich und Rick Perry hatten sich noch im Vorfeld der Stimmenabgabe auf den einstigen Gouverneur von Massachusetts eingeschossen, genutzt hat es jedoch nichts.

Ron Paul lag weit hinter Romney auf Platz 2, danach noch weiter abgeschlagen Jon Huntsman, der seit Monaten New Hampshire beackerte und sich hier viel erhoffte. Beide werteten das Ergebnis jedoch als stark, überzeugend und unterstützend für ihre jeweilige Kampagne. Na ja! Huntsman wird spätestens in South Carolina am 21. Januar wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt werden. Dann ist es auch Zeit für ihn aus dem Rennen auszuscheiden. Ron Paul wird weiter machen. Klar, er wäre nicht Ron Paul, wenn er jetzt schon die Brocken hinschmeissen würde.

Newt Gingrich träumte am Dienstagabend von einem republikanischen Kongress und Senat und einer Gingrich Administration im Weißen Haus. Träume sind Schäume, Gingrichs Seifenblasenphantasien kommen zumindest so gar nicht beim Wähler an. Er mag einfach Mitt Romney nicht, ätzt immer wieder gegen ihn und bleibt wohl im Rennen, um sicher zu gehen, dass der wahrscheinliche GOP Präsidentschaftskandidat geschwächt in den Kampf gegen Obama zieht. Das ist auch Parteiarbeit.

Rick Santorum, der noch vor ein paar Tagen in Iowa mit nur acht Stimmen hinter Mitt Romney lag, lief in New Hampshire auch unter ferner liefen. Aber immer schön im Pullunder lächelnd gratulierte er dem Wahlsieger. Es wird schon gemunkelt, dass Romney eventuell Santorum als Vize-Präsidentschaftskandidaten ins Team holt, um so für die christlich-fundamentalistische Basis der Partei wählbar zu sein. Der Pullunder würde dann endlich wieder als Modeerscheinung auf die internationale Politikbühne zurück kehren. Genscher läßt grüßen.

Und Rick Perry, der schaffte nichts in New Hampshire. Der Texaner führte dort überhaupt keinen Wahlkampf und konzentriert sich derzeit voll auf South Carolina. Hier wird sich alles für ihn entscheiden….wobei es eigentlich schon entschieden ist. In den Umfragen schlappt er im einstelligen Bereich rum, keine guten Aussichten für den Wahlabend am 21. Januar.

Die Reise ins Oval Office

Als Michelle Bachmann ins Rennen ums Weiße Haus einstieg, bekam ich einen Anruf von einem Schweizer Radiosender. Bachmann sei Schweizerin, ich solle unbedingt was machen. Es stellte sich raus, dass ihr Mann Schweizer Vorfahren hatte und die auch schon vor Generationen ausgewandert waren. Also, war nichts mit dem regionalen Bezug. Und nun, mit dem Ausscheiden der wild daher plappernden Michelle, wird es wohl auch in naher Zukunft nicht zum Hissen der helvetischen Flagge im Weißen Haus kommen.

Bachmann also draußen, überraschend kam das Ausscheiden nicht. Wobei ich fest damit gerechnet hatte, dass auch Rick Perry seinen Cowboyhut nimmt. Zumindest hieß es am Wahlabend in Iowa aus Kreisen des Texaners, dass er nach Hause reise, um den Wahlkampf neu zu überdenken. Was das heißt ist immer klar, die Realität hat den Wunschtraum eingeholt. Doch Perry bleibt im Rennen und wird nun angreifen. Er sieht seine Chance in South Carolina, einem „Southern State“, in dem der Texaner mit seiner Message punkten will. Wenn das nichts wird, ist auch er draußen.

Nächste Woche steht New Hampshire an. Das sind die alles-oder-nichts Wahlen für Jon Huntsman und Newt Gingrich. Huntsman hat in den letzten Wochen alles auf diesen Bundesstaat gesetzt, ist rauf und runter, kreuz und quer getingelt, hat Hunderte von Händen geschüttelt, um seine Message rüber zu bringen. Doch bislang kommt er in den Umfragen nicht in die Pötte. Nach wie vor liegt er da im einstelligen Bereich. New Hampshire wird für ihn das Ende der Fahnenstange bedeuten.

Gingrich hingegen kocht derzeit. Vor der Wahl in Iowa wurde er massiv über Fernseh- und Radiospots angegriffen, und zwar nicht direkt von anderen Kandidaten, sondern von Drittgruppen. Der ehemalige Sprecher des Kongresses machte Mitt Romney dafür verantwortlich, gratulierte ihm noch nicht einmal nach dessen Sieg in Iowa und schwor Rache. Der Kampf wird nun ohne Bandagen weiter geführt.

Was der gefühlte Sieg von Rick Santorum allerdings deutlich machte, ist die Stimmungslage in der Partei. Die Republikaner erleben gerade einen Richtungskampf. Mit dem Ausscheiden von Michelle Bachmann und dem baldigen Ende des Kandidaten Rick Perry, könnte Santorum noch einmal einen kräftigen „Push“ bekommen. Das würde dann endgültig den Rechtsruck der GOP bedeuten. Und das wiederum könnte gerade Barack Obama in den Kram passen, der so einen Wahlkampf gegen eine fundamentalistisch-konservative Übernahme des Weißen Hauses führen würde.

Und Ron Paul, der Dritte in Iowa? Der texanische Abgeordnete bleibt im Rennen, egal was da kommen mag. Seine Anhänger und auch er wissen, dass er es nie bis zur offiziellen Kandidatur der Partei schaffen wird. Aber Ron Paul wirbelt die eigenen Reihen auf, spricht unbequeme Themen an und setzt damit seine Mitstreiter und die GOP unter Druck. Er hat seinen Platz im Wahlkampf gefunden und das bis wohl kurz vor dem Ende der Vorwahlen. Es bleibt spannend.

Morgen ist Wahltag…gähn!

Morgen ist Wahl in Iowa. Die republikanischen Iowarer oder Iowanesen bestimmen dann, wen sie am liebsten im Weißen Haus sehen wollen. Und wenn man sich die politische Berichterstattung der letzten Monate zu Gemüte führt, dann ist dieser Bundesstaat im Herzen Amerikas ganz wichtig. Also, die drei Millionen Bürger bestimmen kräftig mit. Eigentlich irre, denn so wichtig ist Iowa nun auch wieder nicht. Jedenfalls nicht aus kalifornischer Sicht. Die paar Hanseln und Greteln, die den GOP Kandidaten bestimmen, werden, meiner Meinung nach, etwas zu wichtig genommen.

Die letzte Umfrage ist auch vielsagend. Da liegt Mitt Romney mit 25 (!) Prozent knapp vor Ron Paul. Rick Santorum liegt rund zehn Prozentpunkte dahinter, gefolgt von Newt Gingrich. Also ein überzeugender Kandidat ist auf weiter Flur nicht zu sehen. Und irgendwann ganz hinten kommt auch noch Michelle Bachmann, die sich nun als die „Iron Lady“ präsentiert. Amerika brauche Frauenpower. Ok, aber bitte nicht so!

Sowieso drehen die Kandidaten in den letzten Stunden am Rad. Santorum erklärt, er würde als Präsident die nuklearen Einrichtungen des Iran bombardieren. Mitt Romney vergleicht Präsident Obama mit Kim Kardashian. Dessen Wahlversprechen in Iowa erinnerten ihn an das Eheversprechen des Reality TV-Stars „Bis das der Tod Euch scheidet“ (Kardashian ließ sich nach 72 Stunden Ehe scheiden). Und Newt Gingrich wirft seinem Rivalen Romney vor, dass sich dieser den Weg ins Weiße Haus erkaufen will. Der gegelte Mitt hat das Scheckbuch dafür, Newt blickt etwas neidisch darauf.

Jeder der Kandidaten hofft auf den Überraschungssieg, auf die vielen Wähler und Wählerinnen, die sich noch nicht entschieden haben und mobilisiert seine Unterstützer. Morgen also Iowa, in der kommenden Woche geht es schon weiter nach New Hampshire und dann wird sich das Kandidatenfeld lichten…zum Glück.

Happy Birthday zum Todestag

Michelle Bachmann ist ja nur Präsidentschaftskandidatin. Da kann man schon mal entschuldigen, dass sie den Geburtstag mit dem Todestag verwechselt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung vor 300 Leuten in South Carolina wurde zum Auftakt „Promised Land“ von Elvis Presley gespielt. „Da war doch heute was?“ Dachte sich sicherlich Bachmann und meinte: „Bevor wir anfangen, lassen Sie uns doch alle Happy Birthday für Elvis Presley singen“. Der 16. August ist allerdins Elvis‘ Todestag.

Angesprochen auf diese „kleine“ Panne, erklärte sie später gegenüber Reportern, dass Elvis ja noch in unser aller Herzen weiterlebe.

Das ist nicht das erste mal, dass das Tea-Party Darling etwas die kulturellen Zusammenhänge durcheinander bringt. Als sie im Juni in Waterloo, Iowa, ihren Wahlkampf eröffnete, erwähnte sie, dass in der Stadt ja einst auch Westernheld John Wayne lebte. Doch dem war nicht so. Eine zeitlang wohnte dort lediglich der Serienmörder John Wayne Gacy.

Die Reise nach Jerusalem hat begonnen

Der texanische Gouverneur Rick Perry ist im Rennen und der frühere Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, ist draußen. Nach dem schwachen Abschneiden beim „Straw Poll“ in Iowa, einer Testwahl auf Sparflamme, zieht Pawlenty die Reißleine. Früh, aber wohl durchdacht. Seit Wochen ging es für die Kandidaten darum zu zeigen, dass sie Wähler mobilisieren können, dass ihr Wahlkampfapparat funktioniert und für die Langstrecke bis zur finalen Parteientscheidung gut vorbereitet ist. Pawlenty war noch nicht mal Mittelstrecke. Er gab beim ersten Sprint über die 100 Meter schon bei der 50 Meter Marke auf, denn seine Parteikollegin Michelle Bachmann joggte ganz locker auf High Heels an ihm vorbei.

Ausser Atem, doch mit klarem Kopf erkannte Tim Pawlenty am nächsten Tag nach dem Desaster, dass er keine Chance auf die Nominierung seiner Partei hat. Die Republikaner sind derzeit auf der Suche nach einem Kandidaten, der lautstark, medienwirksam und offensiv die Standpunkte der Partei vertritt, die Reihen zwischen Tea-Party Block und „Libertarians“ schließen kann und gleichzeitig dem Amtsinhaber Barack Obama das Fürchten lehrt. Tim Pawlenty ist nicht solch ein Kandidat. Er ist sympathisch, der Nachbar von nebenan, jemand, dem man nichts übel nehmen kann. Selbst seine Attacken gegen die Rechts-Auslegerin Michelle Bachmann kamen nicht überzeugend, auch wenn sie von der Sache her stimmten.

Amerika…nein, die republikanische Wählerschaft sehnt sich nach einem, der draufhauen kann, der die Dinge einfach und in schwarz-weiß erklärt und der Barack Obama als sozialistisches Ziehkind von Stalin und Mao Zedong darstellt. Tim Pawlenty kann das nicht. Mit gerade mal 2293 Stimmen in der Iowa Testwahl am Samstag war auch ihm klar, dass sein Traum vom Weißen Haus schneller zu Ende war als er erwartet hatte. Der Ellbogenkampf um die vordere Reihe in der GOP hat damit erst richtig begonnen.

Das wird noch lustig!

Und da haben sie wieder debattiert. Die selbst ernannten republikanischen Präsidentschaftskandidaten: Rick Santorum, Herman Cain, Ron Paul, Mitt Romney, Michele Bachmann, Tim Pawlenty, Jon Huntsman und Newt Gingrich. Zwei Tage vor der sogenannten „Ames Straw Poll“, einer Mischung aus Volksfest und politischem Parteitag in Ames, Iowa. Unnütz und nichtssagend, aber die Kandidaten pulvern dafür das Geld raus. Zwischen 14.000 und 18.000 „Wähler“ votieren da für einen Kandidaten und wählen dürfen alle, die in Iowa leben und älter als 16,5 Jahre alt sind. Der Sieger kann sich allerdings davon nichts kaufen und erst recht nichts darauf einbilden. 15 Monate vor der Wahl ist noch gar nichts entschieden. Das republikanische Kandidatenfeld ist noch immer offen für weitere große Namen, die wohl dazustoßen werden, u.a. der texanische Gouverneur Rick Perry und die Nervtante der Nation Sarah Palin.

Am heutigen Donnerstag trafen sich also diese acht Kandidaten, um ihre Standpunkte zu vertreten. Der gemeinsame Gegner heißt Barack Obama, darin ist man sich einig. Michelle Bachmann, die eigentlich nichts zu sagen hat und auf keinerlei Erfolge im Kongress verweisen kann, ruft dennoch ganz mutig aus: „You are finished in 2012, and you will be a one-term president.“ Bachmann ist für mich sowieso ein Rätsel. Inhaltlich hat sie genausoviel zu bieten wie ihre Tea-Party Kollegin Sarah Palin. Und dennoch versuchen mir Kommentatoren in der „Analyse“ nach der Debatte einzureden, dass sie eine ernstzunehmende Kandidatin sei. Pustekuchen! Bachmann hat weder politische Argumente noch die Unterstützung einer breiten republikanischen Basis. Sie ist eine Luftnummer, es scheppert schön, wenn sie was sagt, aber damit läßt sich noch lange kein Wahlkampf gewinnen.

Man kann von Ron Paul oder Tim Pawlenty halten was man will, aber die beiden wissen wenigsten von was sie reden und begründen ihre Standpunkte auch. Paul ist im Rennen, um zumindest wieder eine zeitlang den „Libertarian“ Flügel der Partei zu vertreten. Pawlenty ist einfach nicht wählbar, gerade sein offen ausgetragener Streit mit Michelle Bachmann, dem Darling der Tea-Party Bewegung, wird ihm schnell das Genick brechen. Newt Gingrich hat sich mit seinem Katastrophenwahlkampf schon selbst ins Aus manövriert. Herman Cain und Rick Santorum laufen so mit, aber kommen irgendwie nie in die erste Reihe fürs Klassenbild. Und Mitt Romney? Er will ja so gerne staatsmännisch wirken, verweist auf seine langen Erfahrungen als Geschäftsmann, aber irgendwie wird man mit ihm nicht warm. Er wirkt abgehoben, kein Mann des Volkes und ist einfach nicht überzeugend, denn er hat schon mehrmals sein politisches Fähnchen im Wind gedreht.

Fazit des heutigen Abends. Bislang ist kein ernstzunehmender Kandidat der GOP in Erscheinung getreten. Und gerade das kann eigentlich nur einen freuen, den angeschlagenen Amtsinhaber Barack Obama. Der fährt jetzt erstmal für 10 Tage in den Urlaub, waren ja auch anstrengende Wochen…