Erdbeben auf breiter Flur

Gestern Nacht und heute Morgen bebte die Erde in der San Francisco Bay Area. Zwei kräftige Schüttler, etwas über 3 auf der Richterskala. Nach Colorado und Washington DC war man nun auch wieder in Kalifornien vorgewarnt, dass „The Big One“ bevorsteht. Wann und wo genau weiß keiner, aber dass es kommt ist klar.

Und dann am Mittag gab es ein anderes Beben, das weitreichende Folgen haben könnte. Steve Jobs, der Kopf hinter dem Erfolg des Apple Konzerns, nahm seinen Hut als CEO der Firma. Fortan wird er „nur“ noch als Vorsitzender des Aufsichtsrats auftreten. Sein Nachfolger im Chefsessel wird Tim Cook, der seit 13 Jahren bei Apple ist und bislang für den weltweiten Verkauf und den täglichen reibungslosen Ablauf des Unternehmens verantwortlich war. Jobs selbst hat in seinem Rücktrittsschreiben seinen Nachfolger vorgeschlagen. Die Aktie von Apple stürzte erst leicht ab, erholte sich dann aber kurz vor Börsenschluß. Unklar ist noch, wie sich diese Veränderung in der Führungsriege des Unternehmens langfristig auf die Produkte und den Aktienwert von Apple auswirken wird. Steve Jobs ist sowohl der Retter der Firma, die ihn Mitte der 90er Jahre zurück holte, wie auch der kreative Kopf hinter den Produkten wie iPhone, iPod und iPad.

Lemmi und der dicke Hals

Enid Blyton und ihre fünf Freunde habe ich verschlungen. Geistergeschichten und Krimis, Sachbücher und der kleine Nick. Als ich in Nürnberg zur Schule ging, war ich regelmässig in der Stadtbücherei und bin von dort immer mit einer vollen Tasche Bücher nach Hause gefahren. Das war für mich der erste, einfache und kostengünstige Schritt die weite Welt des Buches kennenzulernen. Später habe ich dann selbst eine Kinderbücherei in der Städt. Kinderklinik Nürnberg aufgebaut.

Stadtbibliotheken, das Angebot Kinder ans Lesen heran zu führen, aber auch einen Raum zu schaffen, in dem jeder die unendliche Weite des Wortes entdecken kann, ist eine der wichtigsten Steuerausgaben einer Kommune. Hier in den Räumen von Stadtbüchereien werden Weichen fürs Leben gestellt.

Klar, nun kommen die Kritiker und sagen einem, Bücher, pfff, wer braucht die noch? Ipad, Kindle, Lesen am Bildschirm, das sei die Zukunft. Wer so denkt, vergisst jedoch die Notwendigkeit, die wunderbare Welt der Phantasie zu fördern. Und die beginnt schon mit dem Geruch eines Buches. Man nenne mich altmodisch oder nicht zeitgemäß, ist mir alles recht. Aber wenn die Stadt Oakland den Plan umsetzt, 14 Niederlassungen der Stadtbibliothek zu schließen, nur drei Außenstellen und die Zentrale unter stark beschränkten Öffnungszeiten weiter zu führen, dann frage ich mich wirklich, was Politiker eigentlich denken.

Wer diesen Blog regelmäßig liest, weiß, ich bin kein Fan der Bürgermeisterin von Oakland, Jean Quan. Sie wurde nicht mit den meisten Stimmen gewählt und geht einem mit ihrem Gequake so ziemlich regelmäßig auf den Geist. Oakland ist eine hochverschuldete Stadt. Auch hier muß man an allen Ecken und Enden sparen. Doch bei Büchereien hört der Spaß auf. Hier zeigt sich, wie wichtig Kultur- und Wissensvermittlung, ethnische Vielfalt, Weiter- und Fortbildung für Lokalpolitiker wirklich ist. Und nicht nur das, in einer Stadt mit unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen ist die Bücherei mehr als nur eine Ansammlung von Buchregalen. Hier treffen sich alte und junge Menschen, tauschen sich aus, nutzen den sicheren Raum für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Die Büchereien in Oakland sind in vielen Stadtteilen die einzigen sicheren Einrichtungen für Kinder und Jugendliche.

Jean Quan hat keinen Plan, und das reimt sich auch noch und ist nicht gut! Es geht bei der Aufrechterhaltung des derzeitigen  Büchereiangebotes nicht um riesige Beträge. Ja, Millionen, aber keine Unsummen. Wenn aber versucht wird ein professionelles Football- und ein professionelles Baseballteam mit erheblichen Beträgen aus lokalen Steuermitteln in der Stadt zu halten, aber gleichzeitig vielen Lesern die Bücher vor der Nase zuzuklappen, dann ist Schicht im Schacht. Auch als Nichtwähler zahle ich in dieser Stadt Steuern. Nächste Woche ist hier eine öffentliche Stadtratssitzung, ich glaube, ich werde denen mal etwas von Lemmi und den Schmökern erzählen.