Eskalation mit Planung

Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain kappen die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Katar. Alles im Namen des von Donald Trump ausgerufenen „War on Terror“, so, als ob hier die Guten gegen die Bösen kämpfen. Katar, so das Länderbündnis, unterstütze Terrororganisationen und halte engen Kontakt zum Iran, einer Großmacht in der Region, dem erklärten Feind der Saudis.

Und dann knallt es in Teheran, der sogenannte „Islamische Staat“ bekennt sich zu den Anschlägen auf das Parlament und das Khomeini Mausoleum, alle Welt spricht den Iranern ihr Beileid aus, nur Donald Trump ergänzt ganz offiziell mit einer Stellungnahme des Weißen Hauses und nicht via Twitter, wer Terror sät, der wird Terror ernten. Man stelle sich vor, der Iran hätte das nach den Terrorattacken des 11. Septembers 2001 gemacht. „Beileid, aber ihr habt es ja kommen sehen, satanische Gringos“. Nichts dergleichen fand statt. In Teheran brannten vielmehr Kerzen im Gedenken an die Opfer.

Trump tritt nicht nur nach, er schwingt sich nun auch noch zum Friedensstifter der Region auf. Vorher schwärmt er von immensen Lieferungen an „beautiful weapons“ – alles „Made in USA“ („Jobs, Jobs, Jobs“) – an Saudi Arabien und auch Katar, um dann zu erklären, die Region müsse in Frieden leben. Erst fordert er Saudi Arabien und die Nachbarländer auf, etwas gegen den Geldfluss an Terrororganisationen zu unternehmen, um dann erst die Isolation Katars in einem Tweet zu bejubeln und anschließend den Emir von Katar anzurufen, man könne sich ja auf eine Diet Coke im Weißen Haus treffen, um über die Lage zu sprechen.

Donald Trump zeigt hier erneut auf, wie er als Elefant durch den diplomatischen Porzellanladen trampelt. Ohne Plan, ohne Weitsicht, ohne ein Interesse daran auch nur ein bißchen auf die Ratschläge anderer zu hören. Er weiß alles besser, immerhin ist er ja Donald Trump. Unterdessen verlegt die Türkei Truppen nach Katar und verspricht weitere Hilfen, wie Nahrungsmittellieferungen an den Golfstaat  Mehrere Tausend Soldaten sollen schnellstmöglich im Emirat stationiert werden. Die Türkei unter ihrem Präsidenten Erdogan schlägt sich damit deutlich auf die Seite Katars. Erdogan sieht sein Land als „Powerhouse“ der Region und will bei diesem drohenden Militärkonflikt nicht außen vor stehen. Damit wird alles nur noch undurchsichtiger, wer hier mit wem bandelt, wer hier welche Terrorgruppen unterstützt und welche bekämpft. Die Region gleicht einem Pulverfass, in der Trump und sein despotischer Pokerclub in aller Ruhe vor sich hin zündeln.

 

Grenzenlose Musik ohne Einreiseverbot

Es gibt eigentlich in jedem Land, in das ich reise, zwei Dinge, die ich unbedingt machen möchte. Zum einen ist es Radiosender, vor allem Community Stationen, besuchen. Zum anderen in Läden nach lokaler Musik auf Vinyl oder CD suchen oder Musiker zu treffen, deren Musik ich aufzeichnen kann und darf. In Somaliland habe ich so Abdi Nasir Macalin aufnehmen können, im Niger lernte ich die Band Studio Shap Shap kennen und lieben.

Musik verbindet, das habe ich erst wieder in Niamey gelernt. An einem Nachmittag im Garten von Laetita probte „Studio Shap Shap“. Sechs Musiker, die alle lächelten und mich Willkommen hießen. Die Musik sprach dann für sich, ein wunderbares Erlebnis, in dem es nicht um Worte und großes Verstehen ging, vielmehr um ein sprachübergreifendes, inniges Zusammensein. Musik verband uns und verbindet uns noch immer.

Foto: AFP.

Seit nunmehr über 20 Jahren produziere und moderiere ich Radio Goethe, eine Sendung, mit der ich versuche im Ausland Interesse an der deutschen Musikszene zu schaffen. Und es geht da nicht nur um Musik, es geht um Sprache, um Kultur, um den Blick in ein anderes Land, um Verständnis und Interesse zu schaffen. Kurz nachdem ich 1996 in die USA kam, begann ich mit der Sendung auf einem Collegesender in San Francisco. Ich wurde eingeladen meine Kultur, meine Wurzeln, meine Musik einer offenen und interessierten Hörerschaft zu präsentieren.

Eigentlich wollte ich nur drei Jahre in den USA bleiben, schließlich beantragte ich die Green Card und wurde auch amerikanischer Staatsbürger. Ich kam mit einem Journalistenvisum und wurde ein Immigrant in diesem Land.

Als Präsident Donald Trump ein Einreiseverbot für sieben zumeist muslimische Länder aussprach, dachte ich, ich müsste etwas sagen, etwas tun. Aber ich wußte nicht was, bis ich daran dachte, eine Radio Goethe Sendung mit Musik aus Somalia, Iran, Libyen, Sudan, Jemen, Irak und Syrien zu produzieren. Im Laufe der Jahre mit Radio Goethe und auf all meinen Reisen, die mich auch immer wieder in Krisen- und Konfliktgegenden, wie Somalia, führten, lernte ich, dass Musik eine universelle Sprache ist, die jeder versteht. Ich habe viele Menschen in den Ländern getroffen, die offen, herzlich und hilfsbereit waren. Ich glaube, dass uns alle mehr verbindet, als uns trennt. Die Musik war dabei immer eine Sprache, die wir alle verstanden haben.

Ich weiß, wenn ich eine Stundensendung mit Musik aus Somalia, Iran, Libyen, Sudan, Jemen, Irak und Syrien produziere, die auf einigen Dutzend College- und Communitystationen ausgestrahlt wird, wird das nichts im Großen ändern. Vielleicht ist es aber ein kleiner Blick, ein Ohr voll, auf die reiche Kultur jener Länder, die den meisten nur durch die hässlichen Schlagzeilen von Krieg, Terror und Krisen bekannt ist.

Von daher, die aktuelle Radio Goethe Sendung gibt es hier zu hören:

      Radio Goethe

 

 

Das gewollte Chaos des Mister Trump

Eine Woche im Amt, dann kam der große Knaller. Zuvor hatte King Donald I schon mehrfach per Dekret wichtige politische Entscheidungen seines Vorgängers Barack Obama ausgebremst und ausgehebelt. Trump wollte schnell einen neuen Ton in Washington setzen.

Und dann am vergangenen Freitag die umstrittenste aller Entscheidungen, Menschen aus Somalia, Sudan, Iran, Irak, Syrien, Jemen und Libyen voerst die Einreise in die USA zu verweigern. Ein Einreiseverbot für Muslime meinten die einen. Ein Einreiseverbot für „radical islamic terrorists“ argumentierte Trumps Umfeld, so, als ob sich Terroristen ordnungsgemäß an Pass- und Visagesetze und die Formalitäten des internationalen Luftverkehrs hielten.

Foto: Reuters.

Donald Trump und seine Gehilfen fegen durch Washington ohne Rücksicht auf Verluste. Alles wird in Frage gestellt, Geschichte wird umgeschrieben, Verträge gekündigt, Freundschaften beendet. Nach außen wirkt alles stümperhaft, nicht durchdacht, überhastet, ohne Plan. Doch Trump und seine Berater haben einen Plan, den haben sie schon im Wahlkampf deutlich gemacht. Sie wollen Amerika neu ausrichten und das mit einer Chaos-Strategie. Trump twittert weiter, wettert und hetzt gegen Demokraten, Medien und alle, die sich ihm in den Weg stellen, darunter auch namhafte Republikaner wie die Senatoren John McCain und Lindsey Graham.

Es sieht nach Unvermögen aus, das Ziel nicht erkennbar. Trump hat jedoch in diesen Tagen das Ziel fest vor Augen. Er will seine Basis stärken, verbreitet dafür Falschmeldungen, und alles was über ihn, seine Entscheidungen und Absichten berichtet wird, bezeichnet er als „Fake News“. Auf seinem Haussender FOXNews haben sich so einige Moderatoren, allen voran Sean Hannity, zu Bütteln des neuen Kaisers gemacht. Trump schafft bewußt Unruhe, will die Gesellschaft spalten und so seine Gefolgschaft ganz auf sich ausrichten. Was er sagt stimmt, was die anderen sagen ist falsch. Gegenfragen sind nicht erlaubt und werden als unerlaubte Kritik am „Big Man“ gesehen.

Die Trump-Anhänger jubeln, endlich einer, der in Washington aufräumt, durchgreift, seine Wahlversprechen einlöst. Zumindest sieht es danach aus, doch Trump kann nicht auf Dauer per Dekret regieren. Was er aber schafft ist, er zeigt mit ausgestrecktem Finger auf den Kongress und schiebt den Abgeordneten und Senatoren die Schuld zu: „Ich würde ja gerne machen, aber die unterstützen mich nicht“. Die Mauer muß gebaut, der Umweltschutz beendet, Unternehmen gezwungen, Terroristen die Einreise in die USA versperrt werden. America First!

Noch jauchzen die Trumpschen Chöre, denn bislang betrifft sie nicht das, was er umsetzt. Die „New York Times“ und „Washington Post“ lesen sie nicht, CNN schauen sie nicht, die Mauer stört sie nicht, eine Ölpipeline durch Reservate geht sie nichts an, Hauptsache das Benzin wird billiger. Flüchtlinge aus Somalia und Syrien kennen sie nicht. Von daher „Make America Great Again“, „Hire American, Buy American“. So sehr ich mich vor diesem Vergleich auch scheue, all das erinnert mich an die Worte von Pastor Martin Niemöller:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Weg sein – hier sein

Ich bin nur eine Generation von einem Flüchtling entfernt. Auch der Vater meines besten Freundes war ein Flüchtling. Sie kamen aus Schlesien und aus dem Sudentenland. Sie waren Deutsche, aber sie waren auch Flüchtlinge und das prägte ihr Leben, das prägte unser Leben. Und noch heute ist das, was da vor über 70 Jahren passierte, in vielen Familien, auch in meiner, gegenwärtig.

„Weg sein – hier sein“ heißt ein Buch aus dem Secession Verlag, in dem Autorinnen und Autoren zu Wort kommen, die aus Syrien, aus dem Jemen, aus dem Iran gekommen sind. Kommen mußten, auch sie sind Flüchtlinge. Sie schreiben über ihre Heimat, über das, was sie zurück gelassen haben, über das, was sie erlebt und gesehen haben. Über das Ankommen und Leben in einem neuen Land, einer neuen Kultur, einer neuen Sprache, im deutschen Exil.

Kalifornien war in den 30er und 40er Jahren so ein Exil für viele deutsche Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Sie fanden hier in der Fremde einen sicheren Ort. Keine neue Heimat. Weg sein – hier sein am Pazifik. Sie wurden nie ein Teil der amerikanischen Literatur, doch wer über die Literatur Amerikas schreibt, kommt an diesen Autorinnen im Exil nicht vorbei. An diesen deutschen und anderen aus aller Welt, denn die USA waren bis vor kurzem noch ein sicherer Hafen für viele Menschen auf der Flucht. Auch für Autoren aus Syrien, dem Jemen, dem Iran. Damit ist seit Freitag Schluß.

Deutschland ist so ein Exil geblieben, ein sicherer Hafen geworden. Das zeigt „Weg sein – hier sein“. Hier schreiben Autorinnen und Autoren, die fliehen mußten und nach Deutschland kamen. Texte aus Deutschland, die nicht immer leicht zugänglich sind, die jedoch andere, neue Bilder zeichnen. Es ist ein Blick in andere Länder, Kulturen, Sprachen, Gepflogenheiten, Denkweisen, Gefühlszustände. Es ist ein ehrliches Buch in einer Zeit, die von „Fake News“, Mauerbau und „Denkmal der Schande“ bestimmt wird. „Weg sein – hier sein“ ist ein mutiges Buch, von dem neben dem Verlag viele überzeugt waren, es unterstützt haben. Vor allem jene Frauen und Männer, die hier in Wort und Bild vorgestellt werden.

Joachim Zepelin vom Secession Verlag schreibt am Anfang des Buches, warum „Weg sein – hier sein“ veröffentlicht werden mußte. Und dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen:

„Literatur erforscht Identitäten und formt und verstärkt sie dadurch gleichzeitig. Seit jeher erzählen wir Geschichten, um uns zu verstehen, um Grundlagen für ein gemeinsames Leben zu schaffen. Und je verschiedener der Nachhall der Begriffe ist, umso mehr Geschichten müssen wir uns voneinander erzählen…Diese Autoren sind die Geschichtenerzähler, die erklären können, wer da kommt und woher und mit welcher Geschichtee. Nicht etwa, um Fremdheit einzuebnen, sondern um Fremdheit festzustellen – und eben auch Gemeinsamkeiten.“

 

Die USA ziehen die Visa Schrauben an

Amerika macht die Grenzen dicht. Fortan dürfen Bürger aus 38 Ländern, darunter vor allem aus Europa, die eigentlich Visa-Freiheit für die USA haben, nicht mehr so ohne weiteres einreisen. Und zwar dann, wenn sie seit dem 1. März 2011 in den Iran, den Irak, nach Syrien oder in den Sudan gereist sind. Das betrifft auch – und nun wird es interessant – EU Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft. Also ein Deutscher, der auch noch einen iranischen Pass hat, darf über die bislang bestehende Visa-Freiheit nicht mehr in die USA einreisen. Er oder sie muß in Zukunft vor einer Reise direkt und persönlich bei einem US Konsulat vorstellig werden. Der deutsche Pass wird damit nicht mehr anerkannt.

Die neue Regelung, die eigentlich erst ab April gelten sollte, ist ein Kompromiss zwischen der Obama Administration und dem republikanisch geführten Kongress. Es werde im Einzelfall entschieden, so Josh Earnest, der Pressesprecher des Weißen Hauses. Was das heißt ist, wer nachweisen kann, dass er seit 2011 aus beruflichen Gründen, als Entwicklungshelfer oder als Journalist in die Länder reisen mußte, darf auch weiterhin ohne gesondertes Visa einreisen. Für Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft allerdings gilt das nicht. Selbst Kinder iranischer Eltern, die in Ländern der EU geboren wurden und noch nie im Iran waren, jedoch einen iranischen Pass haben, werden fortan gesondert geprüft.

In den USA glaubt man, so das „Homeland“ sicherer machen zu können. Das erste bekannte Opfer der neuen Regelung ist die BBC Journalistin Rana Rahimpour. Sie hat einen britischen und einen iranischen Pass und arbeitet für die BBC im persischen Service. Rahimpour wollte in der letzten Woche von London Heathrow zu einer Familienfeier nach New Jersey fliegen. Am Flughhafen wurde ihr gesagt, ohne Visa könne sie nicht reisen. Noch ist unklar, ob die neue Visa-Regel bestehen bleibt, das Weiße Haus würde es gerne ändern, die Republikaner hingegen wollen das ganze Prozedere noch verschärfen. In einem Wahljahr wird daher erst einmal nicht viel passieren.

Keine große Show

Das war also die erste Fernsehdebatte der Demokraten. Kein großes Ereignis, kein großes Fernsehen, kein Hauen und Stechen. Hillary Clinton, Bernie Sanders und drei weitere Kandidaten, die so gut wie niemand kennt und bei denen man sich fragt, warum sie überhaupt auf der Bühne stehen. Viele Kommentatoren erklärten anschließend, die Debatte sei so lahm und langweilig gewesen, sie hätten immer mal wieder zum live übertragenen Baseballspiel umgeschaltet. Als ob das eine spannende Alternative wäre.

Ein nettes Zusammenkommen demokratischer Politiker.

Ein nettes Zusammenkommen demokratischer Politiker.

Genau da liegt das Problem Amerikas. Politik ist nicht Entertainment, auch wenn ein republikanischer Präsidentschaftskandidat Donald Trump es unterhaltsam gestalten will. Politik ist Sachthemen, Statistiken, trockene Zahlen, diplomatisches Feingefühl, Zukunftsvisionen, Sachkenntnis. Eigentlich muß so eine Fernsehdebatte langweilig sein und dennoch die Menschen ansprechen. Was Trump und seine Mitstreiter da auf der republikanischen Seite liefern, hat nur wenig mit Politik zu tun. Es ist Showbusiness, ein schwarz-weiß Bild malen, den Sündenbock ausmachen und einfach erklären, man mache alles besser. Ganz offensichtlich wird das beim verhassten Iran-Deal von Präsident Barack Obama. Alle auf der republikanischen Bühne erklären, es wäre der schlechteste Deal überhaupt, sie alle könnten es besser machen. Übersehen wird dabei, dass der Deal nicht einfach so zwischen den USA und dem Iran abgeschlossen wurde. Weitere Nationen, die UN sassen da mit am Tisch und verhandelten über Jahre diesen Deal aus. Aber egal, die Republikaner sind die Könige der Schlagworte und der Einzeiler.

Die demokratische Debatte drehte sich dann wirklich auch um Sachthemen. Und man erkannte den eigentlich politischen Gegner, die Republikaner. Ein gegenseitiges Niedermachen, ein drauflos schlagen auf die Parteikollegen gab es nicht. Ganz im Gegenteil, zu fast 90 Prozent stimmte man miteinander überein. Als Sieger, wenn man das überhaupt so nennen darf, kam Hillary Clinton aus dieser Debatte, denn sie liegt in den Umfragen weiterhin vorne, machte keinen Fehler und wird auch in den kommenden Wählerbefragungen weiter führen. Als Verlierer kann eigentlich nur Joe Biden genannt werden, der noch immer nicht eindeutig zu einer Kandidatur geäußert hat. Er verliert an Boden, umso länger er damit wartet. Die Demokraten haben noch fünf weitere Debatten geplant, man muß sich allerdings fragen, was da noch groß diskutiert werden soll. Es wird Zeit, dass wir, die Wähler, endlich wählen können.

Bombing Teheran

Der ehemalige UN Botschafter John Bolton.

Der ehemalige UN Botschafter John Bolton.

Hans Hartz sang von den müden, weißen Tauben und den Falken, die wieder fliegen. Das war 1982, damals, als die deutsche Friedensbewegung auf die Straßen ging, auf den Ostermärschen vor dem Wettrüsten und dem nuklearen Supergau gewarnt wurde. Irgendwann waren Hans Hartz und die Ostermärsche nur noch Geschichte, bis dann wieder im Weißen Haus einer der militärischen Falken einzog. Unter George W. Bush änderte sich erneut die Stimmung. Cheney, Rumsfeld, Ashcroft, Wolfowitz, Bremer und andere eröffneten mit dem „War on Terror“ einen Krieg an allen Fronten.

Einige der damaligen Bush-Falken sind auch müde geworden, andere wie Cheney und der ehemalige US Botschafter bei den UN, John Bolton, muß man auch heute noch als Kriegstreiber bezeichnen. Bolton arbeitet nun für das rechtskonservative „American Enterprise Institute“ und tritt regelmäßig mit seinen Analysen im Nachrichtenkanal FOXNews auf. Der einstige Diplomat gibt sich in Sachen Iran gar nicht diplomatisch und fordert einen Militärschlag. Die Verhandlungen in Lausanne, die Weichspüldiplomatie von Obama und Kerry führten nur zu einer Stärkung der Mullahs in Teheran, so Bolton. Amerika müsse an der Seite seines Partners in der Region, Israel, stehen. Iran verstehe nur die Macht der Gewalt und das heiße, dass die USA und Israel mit Bomben gegen die Atomanlagen im Iran vorgehen müßten.

Die Einschätzung von „Mister Ambassador“ wird auf FOXNews hoch geschätzt. Gerade weil er gegen alles wettert, was aus der Obama Adminstration kommt und das mit den schärfsten Worten. John Bolton ist einer der Hardliner in Washington, der sicherlich nicht einer Mehrheit angehört. Doch er spricht für einen einflussreichen Teil der Republikaner. Ob die sich am Ende durch politische Manöver durchsetzen werden und können ist fraglich, doch dann muß man sich nur an die Wahlen 2000 erinnern. In den USA ist vieles möglich, was woanders undenkbar erscheint.

Die Iraner und Obamacare

Allah sei Dank. Die Mullahs in Teheran sollten froh sein, dass Obamacare mit Pech und Pannen gestartet ist. Denn klar ist, Amerika hätte auf der internationalen diplomatischen Bühne nie einem Deal mit Iran zugestimmt, wenn der Obama Admininstration in Sachen Gesundheitsreform nicht das Wasser bis zum Hals stehen würde. So zumindest muß man es lesen, wenn man sich heute die Erklärungen mancher Republikaner durchliest. „Erstaunlich, was das Weiße Haus alles macht, um von O-care abzulenken“, twitterte der republikanische Senator John Cornyn. Und der schnauzbärtige John Bolton, ehemaliger UN Botschafter und nie lachender Falke im inneren Machtzirkel der Bush-Administration, redet sogar von einer Gefährdung der nationalen Sicherheit. Er spricht Obama, Kerry und den anderen im Weißen Haus die Fähigkeit ab, überhaupt für die Interessen Amerikas sprechen zu können. Man erinnere sich, Barack Obamas Zweitname ist „Hussein“!!! Das sagt doch alles.

Nun melden sich alle zu Wort. Angehenden Präsidentschaftskandidaten, wie der Republikaner Marco Rubio, der nun sogar für stärkere Sanktionen gegen den Iran plädiert. Der Kongress und der Senat werden handeln, eine neue Front wird gegen Obama eröffnet. Ein schlechter Deal, heißt es. Auch Politiker aus den hinteren Reihen geben ihren Senf dazu. Die Senatorin Kelly Ayotte fragt, ob den Iran nun auch seine Unterstützung für Terroristen aufgebe.

Interessanterweise twittern sie alle, man ist ja hip heutzutage. In 150 Zeichen kann man also genau erklären, warum man gegen einen Deal im Atomstreit mit Iran ist, die nationale Sicherheit und die Sicherheit Israels gefährdet sieht. Das ist die heutige Politik. Man wirft mit Schlagworten und Kurzkommentaren um sich. Das ist die heutige amerikanische Politik, denn mit am Tisch in Genf saßen ja auch noch Russland, China, England, Frankreich und Deutschland. Wenn man die Kommentare der republikanischen Seite zum Abschluß der Verhandlunge liest, dann scheint einem, dass die USA sich von Iran und den fünf anderen über den Tisch ziehen ließen. Teile der amerikanischen Politik machen damit deutlich, dass sie sich nicht als Teil einer internationalen Gemeinschaft sehen. Wohin das noch führen wird…Inschallah…man wird schon sehen.

YouTube Preview Image

Angriff auf allen Ebenen

Egal, was zu diesem Zeitpunkt gesagt wird, die amerikanischen Medien berichten darüber. Und wenn sich ein Paul Ryan, seines Zeichens Vize-Kandidat im Team Romney, hinstellt und die Obama Adminstration ganz platt mit der von Jimmy Carter vergleicht, dann wird auch das einfach mal verbreitet. Welcome to 24 hour News….auch wenn das keine Nachrichten sind, aber man muß Sendezeiten füllen. Carter ist für die Konservativen im Land noch immer das Bildnis eines schwachen, unpatriotischen und gescheiterten Präsidenten. Es gibt für sie nichts schlimmeres als einem Demokraten zu sagen, er sei wie Carter.

Der Nahe Osten gleiche dem von 1979. Damals die Botschaft in Teheran, heute die diplomatischen Vertretungen Amerikas in Ägypten und Lybien. Obama gleich Carter, deshalb, so Ryan, sollte auch dieser Demokrat nur eine Amtszeit im Weißen Haus bekommen. Obama schwächele, zeige der Welt, man können mit den Amerikanern machen, was man wolle, so die Analyse Ryans. Keine Reaktion auf die Angriffe, nur lasche und beschwichtigende Worte, dazu noch die Ankündigung, dass man das US Militär ausdünnen wolle. Für Paul Ryan ist die Sache klar, der Nahe Osten verlange die starke amerikanische Hand. Und mit Mitt Romney im Weißen Haus, werde man aufrüsten, auch wenn die eigenen Generäle das gar nicht wollen. Man werde sofort auf solche Attacken mit harter Hand reagieren. Und Israel werde auch und bedingungslos geschützt. Auch da sei Obama zu unklar, sprich „moslemisch“.

Romney und sein Co präsentieren sich als Hardliner im Wahlkampf. Obama sei eine Lusche und mache eh alles falsch. Die USA bräuchten wieder Führung im Weißen Haus, so wie damals als nach Jimmy Carter Ronald Reagan ins Oval Office einzog… und mit ihm ein sündhaft teurer und verhängnisvoller Kalter Krieg an allen Fronten.

Ene-Mene-Muh-Und-Raus-Bist-Du

Herman Cain’t ist dann mal weg. War doch ein bißchen viel mit den Frauengeschichten und den peinlichen Aussetzern. Ein Kommentator faßte es richtig zusammen, wenn man so viele Leichen im Keller hat, sollte man vorher schon mal überlegen, wie man die erklärt und nicht erst noch Omas Häkeldecke drüberlegen und hoffen keiner sieht was. Cain zieht sich also aus dem Rennen zurück, will aber – das war klar – aktiv in der Politik bleiben und auch eine Wahlempfehlung an seine Unterstützer geben. Die politische Karriere ist für ihn allerdings damit wohl vorbei, aber es gibt ja noch FOXNews, dort wird er sicherlich einen guten Kommentatorenjob angeboten bekommen.

Einige der Cainschen Tea-Party Anhänger werden  sich nun wieder umschauen müssen. Weit brauchen sie ja nicht zu schauen, ihr Darling Michelle Bachmann ist ja noch im Rennen und hat sich in dieser Woche wärmstens für das Präsidentenamt empfohlen. Wenn sie erst mal im Oval Office sitze, dann wird sie sofort die amerikanische Botschaft in Teheran schließen. Einziges Problem dabei, die USA haben schon seit 1980 keine diplomatische Vertretung mehr im Iran. Egal! Aber wenn die „Stars and Stripes“ noch unterm iranischen Himmel wehen würden, dann würde Iron-Michelle das sofort ändern. Das ist doch ein Wort, das sind doch gute Aussichten!

Und auch, was sie in Sachen Homoehe erklärt hat, deutet auf ihre politische Entschlossenheit hin. Auf die Frage, warum gleichgeschlechtliche Paare nicht heiraten dürfen, meinte Michelle Bachmann: „Sie können doch heiraten. Sie können einen Mann heiraten, wenn sie eine Frau sind. Oder sie können eine Frau heiraten, wenn sie ein Mann sind.“ Noch Fragen?