Die Eskalation der Entwicklungshilfe

Präsident Donald Trump erklärt die Welt. Foto: AFP.

Donald Trump liest vom Teleprompter ab und die Welt hört zu. Auf seine Rede zum Islam in Riad waren viele gespannt. Nein, er sprach nicht vom „radical islamic terrorism“, vielmehr pries er den Islam in ganz ungewohnten Tönen. Der Wolf hatte Kreide gefressen und sich den Schafspelz übergeworfen. Aber es war klar, dass Donald Trump nicht nach Saudi Arabien reisen würde, um dort seine offene Polterei fortzuführen. Er nutzte vielmehr die Möglichkeit vor dem saudischen Königshaus und Dutzenden von Präsidenten aus islamischen Ländern zu sprechen, um die Welt aufzuteilen – in gut und böse. Wer mit uns kämpft ist auf der guten Seite, wer gegen uns ist, wird die Konsequenzen tragen müssen. Vieles in dieser Ansprache erinnerte an George W. Bush aber auch an Barack Obama. Das reichte vom Handausstrecken bis zur Verteufelung des Gegners. Die „Axis of Evil“ 2017 besteht nun aus jenen, die den IS unterstützen, dem Iran und Nordkorea.

Was in dieser Rede und Trumps Besuch allerdings deutlich wurde, war die Neuausrichtung der amerikanischen Entwicklungspolitik. Zuvor schon hatte Trump massive Kürzungen in den Haushalten von USAID und State Department vorgeschlagen. Und dann fehlten Begriffe wie Menschenrechte, Fairness, humanitäre Intervention, Demokratisierung ganz in der Trumpschen Vorlesestunde. Vielmehr betonte Präsident Trump, dass er nicht gekommen sei, um anderen vorzuschreiben, wie sie zu denken und zu leben haben. Ein klares Signal in Saudi Arabien und vielen anderen islamischen Regimen: „Macht so weiter, wie bisher. Mich interessieren eure inneren Angelegenheiten nicht“.

Trump will fortan Staaten unterstützen, die den USA im Kampf gegen die Terrororganisation IS helfen. Das heißt, die Amerikaner wollen den Nahen Osten und Teile Afrikas mit gewaltigen Waffenlieferungen und Militärhilfen überziehen. Der 100 Milliarden Dollar Deal mit Saudi Arabien zeigt den Weg. Die notleidende jemenitische Bevölkerung, die Opfer der saudischen Bomben wurde, ist und wird, entlockt Donald Trump noch nicht einmal einen Seufzer. Die Militarisierung der Krisengebiete nimmt damit eine katastrophale Wende. Trump ist kein Friedenspräsident, auch wenn er, wie in Riad, großspurig vom Frieden in aller Welt spricht. In der saudischen Hauptstadt machte er deutlich, dass mit den „wunderschönen amerikanischen Waffen“ der Frieden herbeigebombt werden soll. Ein Frieden für die diktatorischen Machthaber im Kampf gegen Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Mitspracherecht, Anderssein.

Der amerikanische Präsident zeigte in Saudi Arabien sein wahres Gesicht. „America first“, „Jobs, Jobs, Jobs“, „Beautiful Deals“ – und das alles auf Kosten jener Menschen, die schon jetzt zu den Benachteiligten der Welt gehören. Trump ist nicht ohne Grund Milliardär geworden. Seine Dollargeilheit als Immobilienhai will er nun als US Präsident witerführen. Koste es was es wolle!

Antisemitismus im Trump-Land

Die „Oakland Hebrew Day School“ liegt genau gegenüber von meinem Fitness Club, dem „Oakland Hills Tennis Club“. Da ich das Spazierengehen mit meinem Hund meistens an ein Workout anschließe, parke ich immer im Schatten eines Baumes, der genau am Zaun der Schule liegt. Käthe wartet und weiß, danach ist sie mit mit ihrem Auslauf dran. So auch gestern, ein Tag wie immer. Doch als ich zurück zu meinem Wagen kam, stand da ein Sicherheitsbeamter der Schule. „Is that your car“, fragte er. Ja, meinte ich. Er kam auf mich zu, schüttelte mir die Hand und meinte, „Thank you for taking care of your dog“. Ich wußte, auf was er hinaus wollte und fragte ihn, ob es ein Problem sei, wenn ich hier parke. Nein, nein, sagte er. Der Schulleitung sei nur aufgefallen, dass da ein Wagen sehr nah am Zaun parke und er habe kontrolliert was da los sei. Als er meinen Hund im Auto sah, wußte er gleich, warum der Wagen da stand. „I watched out for her, beautiful dog“.

Am 3. März wurden zahlreiche Grabsteine auf dem Waad Hakolel Friedhof in Rochester, New York, beschädtigt. Foto: AFP.

Am Zaun der Schule sind Schilder angebracht, dass das Gelände mit Kameras überwacht wird. Heute stand ein Streifenwagen vor der Schule, als ich langsam an ihm vorbeifuhr sah ich, dass der Beamte mein Kennzeichen in den Computer eingab. Es herrscht Angst bei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. Jüdische Einrichtungen, Schulen, Kulturzentren, Synagogen stehen unter besonderer Beobachtung in diesen Tagen und Wochen. Es hat sich etwas verändert in den USA, im Trump-Land. Mit dem erfolgreichen Wahlkampf und der Amtsübernahme durch Donald Trump sehen sich Rassisten und Juden- und Islamhasser im Aufwind. Offen treten sie auf, schlagen um sich, beschädigen Einrichtungen und Friedhöfe, verbreiten Angst und Schrecken. Die jüdischen Gemeinden in den USA werden mit Bombendrohungen überzogen. Allein in der ersten Märzwoche wurde 100 antisemitische Zwischenfälle in 33 Bundesstaaten gezählt, daruter Anschlagsdrohungen, geschändete Friedhöfe, Hakenkreuzschmierereien an Synagogen.

Nun haben zum ersten Mal überhaupt alle 100 Senatoren im US Senat einen gemeinsamen Brief an den Chef des Homeland Security Ministeriums, John Kelly, an den Justizminister, Jeff Sessions, und an den FBI Direktor, James Comey, geschickt, in dem sie die Bundesbehörden dazu auffordern, alles in ihrer Macht mögliche zu tun, um Kommunen im Kampf gegen diese neue Welle Antisemitismus und Rassismus zu helfen. Eine symbolische Einheit, die mehr als wichtig ist.

Das Problem ist einfach nicht mehr wegzureden. Rechte Gruppen sehen sich durch die Wahl Donald Trumps gestärkt, auch wenn dieser jüngst erklärte, er verabscheue solche Art von Gewalt. Doch das kam für viel in den jüdischen Gemeinden zwischen New York und San Francisco zu spät. Zuvor hatte sich der New Yorker Selbstdarsteller um eine klare Position herumgeredet. Es müsste nun eigentlich eine Chefsache sein, die unsäglichen, hasserfüllten und unamerikanischen Zwischenfälle zu stoppen. Doch der Präsident schweigt erneut. Darauf zu warten, bis es wirklich zu Bombenanschlägen gegen eine Schule in den Oakland Hills oder ein jüdisches Kulturzentrum in San Francisco kommt, ist nicht nur unverantwortlich, es würde vielmehr jene mitverantwortlich machen, die jetzt keine klare Stellung beziehen.

Wie ist das nun mit der Registrierung von Muslimen?

Im Wahlkampf trat Donald Trump nicht gerade als ein Freund des Islam auf. Seine provokanten Kommentare und Forderungen, wie die, nach einem Einreiseverbot aller Muslime in die USA, bestimmten die Diskussionen, die Debatten, die Berichterstattung. Und nun, nachdem alles vorbei ist, wie steht der gewählte Präsident zu seinen eigenen Aussagen, die von seinen Anhängern lautstark bejubelt wurden?

Ist die Internierung der Japaner und Japan-Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs ein "Präzedenzfall"?

Ist die Internierung der Japaner und Japan-Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs ein „Präzedenzfall“?

Aus dem Trump-Tower heißt es nun, der Donald habe niemals eine Registrierung von Muslimen im Land gefordert. „President-elect Trump hat sich nie für eine Registrierung oder ein System eingesetzt, mit dem man Individuen aufgrund ihrer Religion verfolgen kann, und etwas anderes zu behaupten ist komplett falsch.“ Das stimmt so nicht, denn Trump wurde mehrmals nach seinen provokanten Aussagen zum Einreiseverbot von Muslimen gefragt, ob er einer Registrierung im Land zustimmen würde. Trump verneinte dies nie, erklärte vielmehr, das sei ein guter Gedanke, man müsse darüber nachdenken.

Auch haben einige seiner Berater diese Grundidee aufgegriffen. Kris Kobach, seines Zeichens Außenminister des Bundesstaates Kansas, Berater von Trump und lange Zeit heißer Kandidat für das Amt des Justizministers in einer Trump-Adminstration, erklärte in der vergangenen Woche gegenüber der Presseagentur Reuters, dass man im Trump-Umfeld nun auch darüber spreche eine Registrierung von Immigranten aus muslimischen Ländern umzusetzen.

Nur wenige Tage später sprach der Trump-Vertraute Carl Higbie auf FOX News von einem „Präzedenzfall“, den es hinsichtlich solcher Registrierungspläne bereits in den USA gebe: die Internierungslager für die Japaner und Japan-Amerikaner während des Zweiten Weltkrieges in den USA. Solche Überlegungen gab es auch schon im Bush-Lager nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001.

Politische Beobachter und Kommentatoren blicken nun gespannt auf das, was Donald Trump umsetzen wird. Welche seiner Wahlkampfforderungen werden zu politischen Realitäten in den USA? Doch vor allem, wie wird sich die Situation von Muslimen im Land verändern? Klar ist derzeit nur, dass niemand ihn so richtig einschätzen kann. War alles nur Getöse oder liegt hinter den Provokationen ein genauer Plan? Abwarten wird zum Tagesgeschäft.

Trump der Brandstifter

Donald Trump hat in den USA einen neuen Beinamen bekommen: Pinocchio. Eigentlich müßte seine Nase Tag für Tag weiter wachsen. Trump ist ein moderner Münchhausen, ein Lügenbaron. Allerdings einer der ganz gefährlichen Sorte. Sein Ohr ist ganz nah an Volkes Stimme, zumindest an einem sehr lautstarken Teil der Amerikaner. Nennen wir sie in Anlehnung an die dumpfen Töne der sächsischen Pegida PAGIDEN (Patrioten Amerikas Gegen die Islamisierung der Neuen Welt).

Donald Trump will Präsident werden und um dahin zu kommen, geht er über Leichen. Er pöbelt, wütet, lügt. Trump wird immer mehr zu einem gesellschaftlichen Zündler. Seine Themen- und Wortwahl wird immer gefährlicher. Jüngstes Beispiel, Trump erklärte, er habe nach den Terroranschlägen vom 11. September mit eigenen Augen gesehen, wie Tausende von Moslems in New Jersey den Einsturz des World Trade Centers feierten (siehe Video unten). Darauf später von einem Reporter angesprochen, der meinte, die Polizei habe darüber überhaupt keine Informationen, antwortete Trump, er habe das mit eigenen Augen gesehen….im Fernsehen.

Donald Trump macht Politik, gefährlich und ohne Skrupel. Nach den Terrorattacken von Paris sind die Amerikaner mehr als nervös. Die republikanischen Kandidaten und viele GOP Gouverneure weigern sich, syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Trump hört genau hin, erkennt die Stimmungslage und setzt noch einen drauf. Mit Horrorszenarien von islamistischen Flüchtlingen, Radikalen, die nur darauf warten in den USA zu bomben punktet er. Und nun noch die jubelnden Moslems nach dem Trauma 9/11.

Trump kann sich dabei sicher sein, Unterstützung zu finden, denn die PAGIDEN in den USA bestimmen genauso wie die Pegiden in Deutschland die Diskussion. Donald Trump, der gesellschaftliche Zündler, der damit wohl über Leichen gehen wird, um ins Weiße Haus einziehen zu können. Der amerikanische Wahlkampf hat damit eine gefährliche Wende genommen.

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Der Aufschrei ist groß…

…doch Donald Trump wird damit punkten. Was war geschehen? Auf die Frage eines Reporters, ob er für eine Datenbank für Muslime im Land sei, antwortete Trump mit einem klaren Ja. Der Donald will also Angehörige einer Religionsgemeinschaft registrieren lassen. Später auf FOXNews relativierte er seine Äußerungen ein bißchen und bezog es nur auf die syrischen und irakischen Flüchtlinge, denen Präsident Barack Obama eine Zuflucht im Land bieten möchte. Trump will eine verstärkte Überwachung und eine Datenbank, das betonte er. „Wir sind doch keine Babies hier“.

Das Internierungslager Fort Lincoln in Bismarck, North Dakota.

Das Internierungslager Fort Lincoln in Bismarck, North Dakota.

Der Aufschrei kam gleich von allen Seiten. Bürgerrechtsgruppen in den USA meinten, eine Registrierung von Muslimen, allein aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit, sei verfassungswidrig. Auch Trumps republikanische Mitbewerber erklärten, dass sei mal wieder ein Hirngespinst des Milliardärs. Es sei unamerikanisch und nicht durchführbar, meinten Bush, Rubio und Cruz im Chor. Doch so ganz daneben liegt der Donald diesmal wieder nicht. Der amerikanische Kongress mit seiner republikanischen Mehrheit hat in dieser Woche eine Novelle verabschiedet, die Obamas Pläne einer Aufnahme von Flüchtlingen aus dem IS Gebiet zunichte macht. Die USA, so die GOP Mehrheit, wolle keine „Refugees“ aus dem Irak und Syrien aufnehmen.

Mit solch einer klaren Haltung sieht sich Donald Trump bestärkt. Und nicht nur das, er kann mit seiner Forderung nach einer Registrierung und Überwachung von Muslimen und Moscheen im Land auf die Unterstützung weiter und vor allem lautstarker Teile der Bevölkerung bauen. Die USA unterscheiden sich da nicht von Deutschland und den Schreihälsen der Pegida. Trump ist ein Populist, der sein Ohr sehr nah an Volkes Stimme hat. Gerade das zeichnet ihn aus, gerade das macht ihn so erfolgreich und gefährlich.

Und zuallerletzt ist die Idee einer Registrierung einer Bevölkerungsgruppe in den USA nichts neues. Japaner, Deutsche, Italiener, Japan-Amerikaner, Deutsch-Amerikaner haben das schon selbst erlebt. Nach dem Angriff der japanischen Kamikaze Flieger am 7. Dezember 1941 auf den Navy-Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii wurden diese Bevölkerungsgruppen in den USA registriert und zum Teil in Internierungslagern untergebracht. Die Gesetzeslage von damals existiert noch immer in den amerikanischen Gesetzbüchern. Präsident George W. Bush und seine Hardliner, wie Cheney, Rumsfeld und Ashcroft, hatten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 offen über neue Internierungslager nachgedacht. Mit Sicherheit sind die Pläne nicht vom Tisch.

Was darf, soll, kann, muss man noch schreiben?

9. September 2012. Pressekonferenz im Weißen Haus. Am Mikrofon Pressesprecher Jay Carney.

Charlie Hebdo Ausgabe vom September 2012.

Charlie Hebdo Ausgabe 9/2012.

Reporter: Die französische Regierung hat sich dazu entschieden, übergangsweise ihre Botschaften und Schulen in mehreren muslimischen Ländern zu schließen, nachdem die satirische Wochenzeitung, Charlie Hebdo, Karikaturen veröffentlich hat, die den Propheten Mohammend verspotten. Ist das Weiße Haus besorgt, dass diese Karikaturen das Feuer in der Region noch weiter anfachen.

Jay Carney: Wir wissen, dass das französische Magazin eine Karikatur veröffentlicht hat, in der eine Figur den Propheten Mohammed darstellen soll. Und natürlich fragen wir uns, wie man so etwas veröffentlichen kann. Wir wissen, dass diese Bilder für viele zutiefst beleidigend sind und potenziell aufhetzend sein können. Aber wir haben auch mehrmals betont, wie wichtig die Meinungsfreiheit ist, die in unserer Verfassung garantiert wird. Mit anderen Worten, wir hinterfragen nicht das Recht, so etwas zu veröffentlichen, wir hinterfragen nur das Urteilsvermögen so etwas zu veröffentlichen.

Die Karikaturen, die zu Botschafts- und Schulschließungen und letztendlich zum Anschlag auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo geführt haben.

Die Karikaturen, die zu Botschafts- und Schulschließungen und letztendlich zum Anschlag auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo geführt haben.

Eine Wortklauberei. Gibt es ein Grundrecht, oder gibt es keines? Muss man sich nun als Journalist fragen, ob man dies oder das noch schreiben, ob man hierüber oder darüber noch berichten kann? Die Karikaturen, um die es hier geht, wurden im September 2012 veröffentlicht und zeigen einen nackten Mohammed, der seinen Po einem Kameramann entgegen reckt und dabei fragt: „Und mein Hintern, gefällt er dir?“, so wie Brigit Bardot in einem Film aus den 50er-Jahren. Seitdem stand das Redaktionsgebäude von Charlie Hebdo unter Polizeischutz. Nicht so richtig, wie sich heute zeigte.

Präsident Barack Obama reagierte umgehend: „Ich verurteile zutiefst die schreckliche Schießerei in den Büros des Charlie Hebdo Magazins in Paris….Wir sind in Kontakt mit den französischen Behörden und ich habe meine Administration angewiesen, jegliche Hilfe zu leisten, um diese Terroristen zur Rechenschaft zu ziehen“

Amerika reagierte geschockt auf diesen Anschlag. Die Nachrichtensender berichteten rund um die Uhr, es gab Live Schaltungen nach Paris, Analysen und auch die immer wiederkehrende Frage, ob nun ein neues Kapitel im Kampf gegen den Terror beginnt. Denn die Amerikaner rechnen schon lange mit solchen Anschlägen, wie er nun in Paris geschehen ist. Radikale Islamisten, die bewaffnet, gut ausgebildet und ohne Skrupel im Herzen der USA wüten könnten. Damit würde die höchste Stufe der Terrorgefahr erreicht werden, damit würden die USA in einen neuen, viel teureren und intensiveren Krieg verwickelt werden. Einen im eigenen Land.

Noch fühlen sich die Amerikaner sicher, auch wenn der „fair and balanced“ Nachrichtensender  FoxNews und die konservativen Talk Show Köpfe hinter jedem Busch einen Dschihadisten vermuten, ISIS und Al-Qaida Splittergruppen schon an der Grenze zu Mexikko ausgemacht haben wollen. Doch ein Anschlag wie der in Paris in Städten wie Kansas City, St. Louis, Butte in Montana oder Bismarck in North Dakota würde „die greatest nation on earth“ verunsichern, im „Heartland“ treffen. Paris ist heute überall. Der nächste Anschlag wird kommen, die Frage ist nur wo. In Europa oder in den USA.

 

 

 

Provokation oder Religionsfreiheit

In New York City gedenkt man in diesen Tagen der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001. Die Nachrichtenkanäle berichten rund um die Uhr, am Sonntag wird die Nation und die Welt auf die Megametropole blicken. Und immer wieder werden die Bilder der beiden Flugzeuge gezeigt werden, die in die Türme des World Trade Centers geflogen wurden.

Doch in New York will die Diskussion über den geplanten Bau eines Islamzentrum, rund zwei Straßenblocks von Ground Zero entfernt nicht abebben. Die Fronten sind verhärtet. Die einen reden von einer Moschee auf den Gräbern tausender Tote, die anderen verweisen auf die Religionsfreiheit. Diese Debatte überschattet auch den Gedenktag an die Opfer der Terrorangriffe.

Hier ein Audiobeitrag:

      Die Ground Zero Moschee

Amerika und der Islam

imam safwat morsyDer 11. September 2001 hat Amerika verändert. Gerade für Moslems in den USA scheint sich das Leben verschlechtert zu haben. Immer wieder liest man von Protesten gegen geplante Islamcentren oder Moscheen und von gewalttätigen Übergriffen gegen Gläubige. Doch wie ist es heute wirklich für Moslems in Amerika. Ich sprach darüber in San Francisco mit Imam Safwat Morsy von der „Al Sabeel Masjid Noor Al Islam Moschee“.

      Interview with Imam Safwat Morsy

Back in the U-S-AIH

Da ist man mal ein paar Wochen weg und schon geht es hier rund wie bei Hempels unterm Sofa. Der Wahlkampf ist mehr als erhitzt, ein Thema ist das geplante Islamzentrum in der Nähe von „Ground Zero“ in New York. Die einen sehen es als Symbol für ein offenes Amerika, die anderen als Provokation auf heiligem Grund. Der frühere Sprecher des US Kongresses Newt Gingrich verstieg sich gar in die Aussage, der Bau einer Moschee in der Nähe von Ground Zero käme Nazi Plakaten vor dem Holocaust Museum in Washington DC gleich. Noch Fragen!? Und Obama? Na, der ist sowieso ein verkappter Muslim, der Amerika den Terroristen ausliefern will, so die weit verbreitete Meinung in diesen Tagen. Was soll man da noch sagen? Die sogenannten „Tea Party“ Kandidaten im konservativen und rechten Lager der Republikaner werden immer erfolgreicher und machen es der Partei und den erfahrenen Politikern auch nicht leichter. Da stehen uns noch ein paar sehr schöne, unterhaltsame und äußerst schmutzige Wahlkampfwochen bevor.

In San Francisco kamen gleich zwei deutsche Touristen innerhalb einer Woche ums Leben. Doch vor allem der Tod des 21jährigen Radfahrers Nils Linke schlägt hier hohe Wellen. Der Täter, ein 37jähriger, stieg nach dem Zusammenprall aus dem Auto, räumte Teile des Fahrrads zur Seite, tauschte den Fahrersitz mit seiner Freundin und floh. Der deutsche Tourist lag unterdessen sterbend auf der Straße. Nur kurze Zeit später wurde der Fahrer gestellt und aufgrund von Zeugenaussagen auch verhaftet. Vor Gericht kam nur das lapidare „Not guilty“.

Oben ohne in SFAber auch die ganz seltsamen, typisch amerikanischen Stories dürfen in diesen Tagen nicht fehlen. Gestern gab es den dritten „Go Topless Day“ in den USA. Also nackte Brust zeigen. Eine Handvoll zumeist männlicher Aktivisten stellte sich dafür in Downtown San Francisco oben ohne hin und verlangte auch für Frauen das Recht in der Öffentlichkeit obenrum nackig sein zu dürfen. Das sei nur eine Form der Gleichberechtigung, meinten die männlichen Protestierer. Denn in den USA dürfen Frauen nirgendwo „topless“ sein. Der Haken an dieser Geschichte ist, dass hinter dieser Aktivistengruppe eine eher skurile Organisation steckt, die „Raelian Movement“. Das ist so eine Art freie Sex Scientology Kommune, die wie die Jünger von L. Ron Hubbard glaubt, dass vor langer Zeit Außerirdische mit Ufos kamen und die Menschen geformt haben. Was das nun mit nackigen Brüsten zu tun hat, weiß ich auch nicht, aber egal….Ich bin zurück in den USA, welcome back!

Mohammed Karikaturenstreit

Am Donnerstag erklärten die beiden Produzenten der Zeichentrickserie „South Park“, dass der Sender Comedy Central ihre jüngste Sendung zensiert habe, nachdem eine muslimische Gruppe offen Morddrohungen ausgesprochen hatte. Es geht mal wieder um angebliche Beleidigungen gegenüber dem Propheten Mohammed. Wenn man „South Park“ kennt und weiss, dass Trey Parker und Matt Stone schon alles und jeden durch den Kakao gezogen haben, politisch unkorrekt sind, aber vor nichts und niemanden Halt machen, verwundert diese Haltung des Senders mehr denn je. Denn nun ziehen die Comedy Central Bosse den Schwanz ein und zensieren lieber anstelle sich vor ihre Mitarbeiter zu stellen.

Everybody draw Mohammed DayEine Cartoonistin aus Seattle wollte sich mit diesem Entschluss des Senders nicht abfinden. Molly Norris rief ihre zeichnenden Kollegen im Land auf, den 20. Mai zum „Everybody draw Mohammed Day“ zu machen. Dazu fertigte sie ein Poster an, das nun hohe Wellen im Web schlägt. Denn auf einmal wird Norris als Sprecherin einer Gruppe gesehen, die es so gar nicht gibt. Auf ihrer Webseite erklärte sie, sie beabsichtige mit dieser Aktion nicht, die religiösen Gefühle anderer zu verletzen, vielmehr gehe es ihr um das Grundrecht auf Meinungsfreiheit.

Ich kann leider nicht zeichnen, meine Bleistiftstriche wären so oder so eine Beleidigung fürs Auge. Aber vielleicht kann man ja auch eine Soundcollage zum Thema machen…oops, oder wird das auch als eine Beleidigung des Propheten angesehen?