Die Republikaner und ihre M&Ms

Nun nimmt der amerikanischen Wahlkampf bizarre Formen an. Ben Carson antwortete auf eine Frage in der Sendung NBC „Meet the Press“: „Ich würde es nicht unterstützen, wenn ein Moslem die Kontrolle dieser Nation hätte. Ich würde das strikt ablehnen“. Die Frage kam, nachdem in einer Donald Trump Veranstaltung ein Zuschauer erklärte, Moslems seien das größte Problem in den USA, Obama sei einer und überhaupt gebe es in den USA versteckte Camps der Islamisten. Trump reagierte nicht und wies den Zuhörer auch nicht zurecht. Großer Skandal!!!

Ben Carson will keinen Moslem im Weißen Haus. Foto: AFP.

Ben Carson will keinen Moslem im Weißen Haus. Foto: AFP.

So ein Skandal, der fabriziert erscheint. Denn Donald Trump passt so gar nicht in das Bild des republikanischen Establishments. Mit Donald Trump wußte man und weiß man, was man bekommt. Er vertrat jahrelang den Vorwurf, dass Barack Obama überhaupt nicht in den USA geboren wurde, von daher überhaupt nicht Präsident sein dürfte. Wahrscheinlich sei er auch noch Moslem, so Trump immer mal wieder in der Vergangenheit. Natürlich wird er auf einer eigenen Wahlkampfveranstaltung nicht Obama verteidigen. Die Größe hat Trump nun doch nicht. Er ist ein Entertainer, der die Massen anzieht. Seine Auftritte und seine Fernsehdebatten sind beliebter als „American Idol“, da erwartet man Spitzen und Kanten, Angriffe und Tiefschläge. Und die liefert der Donald nur zu gerne und in bester Laune. Die Fernsehnation, sein geliebtes Amerika, „God’s Country“, will bespaßt werden.

Das weiß die republikanische Parteizentrale, das wissen die Medienvertreter in den Redaktionen und Sender. Und es ist ein Wohl und ein Elend zugleich. Denn die Republikaner haben schon lange nicht mehr so viel Aufmerksamkeit erzielt, seitdem Donald Trump im Rennen ums Weiße Haus ist. Aber es konzentriert sich alles auf den Egomanen Trump. Die anderen Kandidaten und eine wirkliche inhaltliche Debatte haben gegen den „best businessman“ (Trump über Trump) keine Chance. Er bestimmt die Diskussion. Eben auch dann, wenn er nichts sagt, wie beim Moslem Einwurf auf einer seiner Veranstaltungen.

Und dann lief eben Ben Carson ins offene Messer. Der Aufschrei über Carsons Antwort ist groß, auch wenn seine Einstellung zu Moslems nichts neues ist. Carson kann sich da gelassen zurück lehnen, denn 38 Prozent der Amerikaner würden keinen Moslem auf dem Weg ins Weiße Haus unterstützen. Schlimmer käme es nur für Atheisten (40 Prozent) und Sozialisten (50 Prozent).

Carson passt auch nicht so in das klassische Bild eines Republikaners. Als Neurochirurg ein Außenseiter, der in den Umfragen dennoch gleich hinter Trump und vor den Parteigrößen Bush, Walker, Christie, Cruz und Kasich liegt und mit seiner Kandidatur auch den Normalstand in der Partei hinterfragt.

Die Republikaner zerlegen sich derzeit selbst. Die Parteizentrale hat keine Antworten auf Trump und Carson, kein anderer Kandidat ist stark genug, um sie auch nur annähernd anzugehen. Als Reaktion werden nun Skandale fabriziert, die eigentlich keine sind. Denn was die beiden da offen sagen, ist nichts neues, es entspricht lediglich dem, was viele in der Partei denken und vertreten. Nun wird es eben ausgesprochen. Aber nach den Mexikanern sind eben jetzt die Moslems dran. Der Wahlkampf ist noch lang, mal sehen, wer als nächstes dran kommt. Vielleicht die Deutschen, die mit gefälschten Autodaten das Atmen amerikanischer Kleinkinder erschweren. Hey, möglich ist alles in diesem Wahlkampf.

 

 

 

Es geht um den Bart

Vor ein paar Tagen wurde in Cleveland Samuel Mullet Sr. wegen eines „Hate Crimes“, eines durch Hass bedingten Verbrechens für schuldig befunden. Er hatte 16 Mitglieder seiner fundamentalistischen Amish Glaubensgruppe, darunter vier seiner Kinder dazu angestiftet, mehrfach Mitglieder einer anderen Amish Gruppe zu überfallen und deren Bärte und Haare abzuschneiden. Ein ganz schlimmes Ding in der Amish Welt, nun drohen Mullet 15 Jahre Haft, denn die Staatsanwaltschaft konnte sich bei den Geschworenen mit ihrer Argumentation des „Hate Crimes“ durchsetzen.

Aber mal ganz ehrlich, eigentlich wären solche Bartabschneideaktionen gar nicht mal so schlecht, wenn sie denn dabei blieben. Man stelle sich vor radikale Islamisten würden mal solch eine Aktion machen, anstatt auf einem überfüllten Markt eine Autobombe zu zünden oder Selbstmordattentäter in jüdische Busse zu schicken. Zumindest könnten dann anschließend die Betroffenen auch zu diesen Mitteln greifen. Bart ab und gut ist…denn danach müssen alle erst mal wieder warten, bis ein neuer Bart gewachsen ist. Zeit zum „cool down“, zum Abkühlen der Gemüter. Ich weiß, alles Hirngespinste, aber mal ehrlich, andere wichtige und nicht so wichtige Zeitgenossen machen auch keine besseren Vorschläge, wie man extremistische und religiös fundamentalisch bedingte Gewalt einschränken oder unter Kontrolle bringen könnte. Von daher…ja, ja, ich hör‘ schon auf.