Aufruhr bei den Fundamentalisten

Ein Kommentar in einem christlichen Magazin schlägt derzeit hohe Wellen, wie ich an dieser Stelle schon vor ein paar Tagen berichtete. Auf den Autor des Beitrags, dem Chefredakteur von „Christianity Today“, Mark Galli, prügeln nun alle namhaften Führer der Christlichen Rechte in den USA ein und betonen, er spreche nicht für die evangelikale Bewegung in den USA. Galli hatte geschrieben, Trump dürfe für sein Fehlverhalten nicht länger von Christen unterstützt werden. Er beklagte den mangelnden moralischen Charakter von Trump und betonte, der Präsident solle des Amtes enthoben werden aufgrund der “Loyalität gegenüber dem Schöpfer und den zehn Geboten”. Sicherlich steht die Mehrheit der Fundamentalisten nach wie vor hinter Trump, klar wird jedoch auch, dass es einen deutlichen Bruch in den Reihen der Christlichen Rechte gibt.

James Dobson predigt seine Unterstützung für Präsident Trump von der Kanzel. Foto: AFP.

Nun mischt sich auch noch James Dobson in diese Debatte ein. Dobson gilt als einer der einflussreichsten Evangelikalen in den USA, der mit seiner „Family Talk“ Radiosendung Millionen von Hörerinnen und Hörer erreicht. Dobson erklärt: „Vielleicht will das Magazin ja einen Präsidenten, der vehement für Abtreibung ist, gegen die Familie, feindlich gegenüber dem Militär, unparteiisch gegenüber Israel, der eine sozialistische Regierung unterstützt, Zwangsbesteuerung möchte, der die freie Schulwahl ablehnt, Männer in Frauensportarten und Jungs in den Umkleideräumen von Mädchen möchte, der die gesamte LGBTQ Agenda unterstützt, der die Rechte von Eltern ablehnt und der Evangelikalen und jedem misstraut, der nicht politisch korrekt ist.“

Das sind die Worte von James Dobson, die klarmachen, was von einem Präsidenten erwartet wird, von ihrem Präsidenten Donald Trump. Der Leiter des christlichen Fernsehnetworks TBN, John B. Casoria, sieht das ähnlich: „Tatsache ist, dass eine absolute Mehrheit der evangelikalen Christen Trump unterstützt, ungeachtet seines vergangenen falschen moralischen Kompasses und seiner Lebensentscheidungen. Er hat aber unerschütterlich eine jüdisch-christliche Weltsicht unterstützt, die nicht nur für unsere Glaubensgemeinschaft lebenswichtig ist, sondern auch für „one nation under god“. Trumps Unterstützung geht weit über das Recht auf Leben, Religionsfreiheit, das Grundrecht auf Waffenbesitz, die Ernennung von Richtern, die sich an die Grundsicht der Verfassung halten hinaus. Er setzt sich auch für die Grundprinzipien ein, die Amerika groß gemacht haben – darunter den Kapitalismus des freien Marktes, niedrige Steuern und eine Regierung, die nicht von einer destruktiven sozialistischen Agenda belastet wird.“

Deutliche Worte, die jedoch genau beschreiben, für was Donald Trump und was bei der Wahl 2020 auf dem Spiel steht. Trump ist für die Evangelikalen von Gott gesandt, der Schulterschluss steht, doch der Bruch innerhalb der Bewegung ist zu erkennen. Auch so kann man die sehr deutlichen Worte und die heftige Reaktion der führenden Evangelikalen lesen.

Die Grundfesten Amerikas sind erschüttert

1160387377_1761.jpgDie US Post will Zehntausende von Jobs streichen, der Paketdienst DHL streicht im ganzen Land Stellen, die amerikanische Automobilindustrie schliesst gleich mehrere Fabriken auf einmal. Die Arbeitslosenquote in den USA steigt und steigt.

Nun hat auch die christliche Organisation „Focus on the Family“ 200 Mitarbeiter entlassen. In der 31jährigen Geschichte wurden damit zum ersten mal massiv Jobs gestrichen. Die allgemeine Wirtschaftslage und mangelnde Spenden haben Focus-Gründer James Dobson dazu gezwungen. „Focus on the Family“ ist eine Bastion der Christlich-Konservativen in den USA, die erst jüngst mit ihrem Einsatz gegen gleichgeschlechtliche Ehen in Kalifornien Schlagzeilen gemacht haben.

Die Wirtschaftskrise ist in allen Teilen der amerikanischen Gesellschaft angekommen. Als Fussnote kann man da nur die Nachricht aus dem Valley um LA lesen, dass mittlerweile auch die Porno-Branche Absatzprobleme hat und radikal die Anzahl von Neuproduktionen zurück fährt. Nackte Tatsachen auch im Nacktgeschäft.

Ich bin Wahlkampfmüde

john_mccain_narrowweb__300x373_0.jpgAm nächsten Dienstag geht der längste und teuerste Wahlkampf in der Geschichte Amerikas zu Ende. Seit fast 23 Monaten hauen und stechen und kloppen die Kandidaten aufeinander ein, verprassen Hunderte von Millionen Dollar, damit am Ende (endlich) George W. Bush abgelöst wird. Der Amtsinhaber ist nur noch ein „lame duck“, eine lahme Ente, die so gut wie nichts mehr zu sagen hat und dem niemand mehr richtig zuhört, schon gar nicht mehr ernst nimmt.

John McCain oder Barack Obama, alles läuft auf den Demokraten aus Illinois hinaus. In den Umfragen liegt er weit vor McCain, und das auch in den „Battleground States“, die sich mal so und mal so entscheiden. Der Republikaner gibt aber noch nicht auf und fährt eine Angstkampagne ohne gleichen. Obama sei ein Sozialist, ohne Erfahrung, ein Freund von ehemaligen Terroristen, könne das Land nicht wirklich beschützen und sein Mittelname „Hussein“ sage doch alles aus. Gut ist nur, dass ein kleiner Teil der Amerikaner diese Schmutzkampagne aus dem McCain Lager annimmt. Der Grossteil der US-Wähler hat die Nase gestrichen voll von dem Negativ-Wahlkampf des Republikaners. Amerika ist bereit für seinen ersten schwarzen Präsidenten, für Barack Obama im Weissen Haus. barack_obama_is_not_superman.jpg

Da kann sich die christlich-konservative Basis noch so abmühen, es wird am Ende nichts helfen. Lange standen sie dem Kandidaten McCain sehr skeptisch gegenüber, denn dieser hatte in der Vergangenheit führende religiöse Führungspersonen als „Agents of Intolerance“ beschrieben. James Dobson, der sich nun für John McCain ausspricht, war lange Zeit gegen ihn und erklärte immer wieder, lieber gehe er nicht zur Wahl, als für den Senator aus Arizona zu stimmen. Dobson überlegte sogar, als eigenständiger Kandidat anzutreten, was er – Gott sei Dank – dann doch sein liess.

Doch das hat sich nun alles geändert. Mit der Wahl von Sarah Palin hat John McCain die christlich-konservative Basis für sich gewinnen können. Doch zu spät. Auch die letzte Mobilmachung wird nichts daran ändern, dass John McCain nicht der Wunschkandidat vieler in der GOP ist und von daher nicht die breite Unterstützung erhält, wie sie 2000 und 2004 George W. Bush bekam.

Teil 1 des James Dobson Interviews mit Sarah Palin

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Teil 2 des James Dobson Interviews mit Sarah Palin

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Teil 3 des James Dobson Interviews mit Sarah Palin

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Beten für den Wahlsieg

Am Wochenende suchten die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain den Schulterschluss mit den christlichen Wählern (siehe letzten Blogeintrag). Werte, Abtreibung, Menschenrechte, so einiges kam dabei zur Rede.

Was noch vor ein paar Jahren undenkbar war ist nun möglich geworden. Ein demokratischer Kandidat sucht die Nähe zur christlichen Basis in den USA, um wichtige Wählerstimmen zu gewinnen. Und das hat durchaus seine Gründe, wie ich in dem folgenden SWR-Feature darlege:

Politische Missionare     

Präsident Bush wurde 2000 und 2004 durch das massive Eingreifen der christlichen Fundamentalisten in den Wahlkampf gewählt. Vor allem 2004 schafften es seine Berater, die weit verbreiteten christlichen Medien für sich zu gewinnen, in dem sie Themen wie „Schutz der Familie“ und „Homosexuelle Ehe“ in die tägliche Diskussion brachten. Nur einer könne Amerika vor dem tiefen Fall beraten – George W. Bush. Die Rechnung ging auf. Einige christliche Fundamentalisten gingen sogar so weit und erklärten, Bush sei ein Gesandter von Gott, der Amerika vor der kommunistischen und anti-christlichen Zerstörung rette. John Kerry hatte da keine Chance mehr, denn er wurde als Verfechter von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und dem Untergang des Abendlandes angesehen.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Die christliche Basis wurde enttäuscht von Präsident Bush, der schon eine Woche nach dem Wahlsieg 2004, seine Unterstützer nicht mehr kannte, wie es mir „American Family Radio“ Gründer Don Wildmon erklärte.

Und auch der diesjährige republikanische Kandidat, John McCain, ist umstritten im christlichen Wählerblock der USA. McCain gilt nicht als Mann der Familienwerte verteidigt und schon gar nicht als bibelfest. Die Abneigung gegen den Republikaner geht sogar so weit, dass einer der führenden Evangelisten Amerikas, James Dobson, öffentlich erklärte, er würde lieber nicht zur Wahl gehen, als für John McCain zu stimmen. YouTube Preview Image

Von daher kann man durchaus verstehen, dass Barack Obama die Einladung annahm und sich im Saddleback Civil Forum den Fragen von Pastor Rick Warren stellte. Denn seine Botschaft eines Wandels und Neuanfangs kommt durchaus bei den christlichen Wählern in den USA an.