Einer wollte ihn nicht zum Henker schicken

James Holmes wird nicht zum Tode verurteilt. Foto: AFP

James Holmes wird nicht zum Tode verurteilt. Foto: AFP

James Holmes erschoss 2012 in einem vollen Kinosaal in Aurora, Colorado, 12 Menschen und verletzte 70 weitere, zum Teil schwer. Die Geschworenen, die über ihn richten sollten, verurteilten ihn nun wegen Mordes, doch die Todesstrafe wird er dafür nicht erhalten. Die Staatsanwaltschaft, Angehörige und viele Opfer selbst hofften auf ein klares Zeichen der 12, doch das blieb nun aus. Eine Geschworene meinte nach der Entscheidung zu einem Reporter, dass ein Geschworener die Todesstrafe blockierte. Er habe sich nicht überzeugen lassen, dass die Höchststrafe in diesem Falle angebracht sei. Alle anderen seien sich einig gewesen, dass Holmes für seinen Amoklauf sterben sollte. Nun erwartet James Holmes eine lebenslängliche Haftstraft ohne Aussicht auf Begnadigung.

Als ein grundsätzliches Zeichen gegen die „Death Penalty“ in den USA darf diese Entscheidung allerdings nicht gewertet werden. Eigentlich sollte jeder Angeklagte von einer Gruppe Mitbürger abgeurteilt werden, doch diese Gruppe repräsentiert zum einen nicht gerade oft die wirkliche Zusammensetzung der Bevölkerung. Zum anderen hat man als jemand, der die Todesstrafe ablehnt, kaum eine Chance auf eine Geschworenenbank zu kommen, in der es um Mord und die Möglichkeit auf ein Todesstrafenurteil gibt.

Ich selbst bin gegen die „Death Penalty“. Irgendwann wird ein Brief in meinem Briefkasten liegen, in dem ich aufgerufen werden, meiner „Bürgerpflicht“ als „Juror“ in einem Prozess nachzukommen. In Alameda County, wo ich wohne, wird die Höchststrafe noch manchmal von Staatsanwälten gefordert. Die Frage ist also, was ich bei der Auswahl der Geschworenen antworten werde, wenn die Frage kommt „Are you for or against the death penalty?“

My Country, My Gun, My Right

71 Menschen in 90 Sekunden. 12 Tote, 59 Verletzte. Das ist die Bilanz des Massakers von Aurora. Es wären wohl mehr gewesen, wenn das Schnellfeuergewehr AR-15 des mutmaßlichen Schützen James Holmes nicht blockiert hätte. Eigentlich sollte es gar nicht mehr möglich sein, diese Art von Gewehren zu erwerben, denn bereits 1994 unterzeichnete der damalige Präsident Bill Clinton ein Gesetz zum Verkaufsstopp für diese Art Schußwaffen. Doch das Gesetz lief 2004 unter dem Nachfolger George W. Bush aus. Und seitdem gab es mehrere Versuche es zu erneuern, doch vergeblich.

Nun, nach der Schießerei in Aurora, wird ein neuer Anlauf unternommen. Mehrere Demokraten, darunter die kalifornischen Senatorinnen Dianne Feinstein und Barbara Boxer, wollen das Verbot wieder in Kraft treten lassen. Die New Yorker Demokratin Carolyn McCarthy, deren Sohn erschossen wurde, warf der Waffenlobby National Rifle Association (NRA) vor, dass sie mit der Angst der Leute spiele und Abgeordnete unter Druck setze. „Jeder kann auch weiterhin an Thanksgiving auf die Jagd gehen, auch wenn Sturmgewehre verboten sein sollten, denn diese sind nur dazu da, so viele Menschen wie nur möglich in kürzester Zeit zu töten“, so McCarthy.

Aber die Message scheint bei den knarrenverliebten Amerikanern nicht anzukommen. Allein in Colorado stiegen die Anfragen auf Hintergrundchecks bei Waffenkäufen seit dem Massaker um 41 Prozent. Allein am vergangenen Wochenende erhielt das FBI 2887 solcher routinemäßiger Anfragen von Waffenhändlern. Ihnen werden derzeit die Türen eingerannt, so die Gun Shop Besitzer. Viele Kunden hätten Angst, dass Präsident Barack Obama im Falle eines Wahlsieges seine zweite Amtszeit dafür nutzen würde, das „Recht auf Waffenbesitz“ einzuschränken.

Der sprunghafte Anstieg von Waffenverkäufen nach solchen Amokläufen ist in den USA nichts neues. Als im vergangenen Jahr in Arizona die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords im Kugelhagel von Jared Loughner schwer verletzt und dabei auch noch weitere Menschen getötet und verwundet wurden, stieg unmittelbar darauf der Waffenverkauf in Arizona um 60 Prozent.

Amerikaner lieben ihre Knarren, wie auch das Bild einer Waffenliebhaberin mit ihrem speziell lackierten aber funktionstüchtigen Sturmgewehr AR-15 zeigt – dieses Modell kam auch in Aurora zum Einsatz. Die „Love for Guns“ läßt sich in einer Zahl gut auszudrücken. Im Weihnachtsmonat Dezember 2011 wurden in den USA eine Million Fünfhundertvierundreissigtausend Vierhundert und Vierzehn Pistolen und Gewehre verkauft. Noch Fragen!?